Seine Darstellung der Indios als zivilisierte Menschen, deren Idealisierung sowie seine Kritik am Verhalten der Spanier in den eroberten Gebieten Amerikas, im Rahmen der geschichtlichen Ereignisse und seiner Zeitgenossen.
Zentrales Thema dieser Hausarbeit ist die Darstellung der Indianer und spanischen Conquistadores in den eroberten Gebieten Amerikas in Bartolomé de Las Casas ‘Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder’ (1542). Um den Bericht, seinen Inhalt sowie dessen Bedeutung einordnen zu können, werde ich davor eingehend die Umstände die zu diesem ‘Bericht’ führten darstellen. Dabei muß zuerst auf die geschichtliche Rahmenhandlung, die politische und rechtliche Situation eingegangen werden. Darin eingeschlossen ist eine grobe Darstellung der Biographie von Las Casas, die sich vor allem auf den Teil seiner Lebensgeschichte bezieht bevor er den ‘Bericht’ schrieb.Als Vergleich zu Las Casas idealisierender Darstellung der Indios werdem zwei Beispiele der vorherrschenden Meinung über die ‘Eingeborenen’ der damaligen Welt genannt. Daraufhin soll sowohl das Indiobild als auch das Bild der Conquistadores von Las Casas herausgearbeitet werden.
Im Schlußteil wird eine Diskussion der Bedeutung des Werkes als ‘ethnologisches’ Bild der Indios geführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer Blick auf die historische und rechtliche Situation in Bezug auf die ‘Neue Welt’ bis Las Casas politisch aktiv wird.
3. Biographie von Las Casas und politisches Geschehen zu seiner Wirkungszeit
4. Die vorherrschenden Bilder und Meinungen zu den Indios und zum Geschehen in der ‘Neuen Welt’ in Spanien am Beispiel Sépulvedas und Tomás de Ortiz.
5. Der ‘Kurzgefaßte Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder’ (1542, publiziert 1552)
5.1 Darstellung und Konzeption des Berichtes
5.2 Das idealisierte positive Bild der Indianer
5.3 Das negative Bild der Conquistadores
6. Bewertung und Diskussion
7. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Darstellung der Indios sowie der spanischen Conquistadores in Bartolomé de Las Casas’ „Kurzgefaßtem Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder“ von 1542. Ziel ist es, die politische und rhetorische Absicht des Autors zu analysieren, indem sein idealisiertes Bild der Ureinwohner und die Dämonisierung der Eroberer in den historischen Kontext der kolonialen Machtinteressen und der christlichen Missionierung eingeordnet werden.
- Historische Einordnung der spanischen Eroberung und der Encomienda-Verordnung.
- Analyse der Biografie von Las Casas und seiner persönlichen Wandlung.
- Gegenüberstellung zeitgenössischer Barbaren-Diskurse (Sépulveda, Ortiz).
- Untersuchung der rhetorischen Konzeption und Zielsetzung des „Berichtes“.
- Diskussion über das ambivalente Bild des „edlen Wilden“ und die Grenzen der Menschenrechtsvorstellung.
Auszug aus dem Buch
5.3 Das negative Bild der Conquistadores
Die Conquistadores, Mitglieder seiner eigenen Kultur und Nation, beschreibt Las Casas aus einer eindeutig ablehnenden Position. Von der Zivilisiertheit, die ihnen aus ihrer Kultur mitgegeben sein müßte ist nichts mehr übrig. Er beschreibt sie äußerst bildlich „als Wölfe, Löwen und Tiger, die die sanften Schafe (Indios) zerfleischen, erwürgen, peinigen, martern, foltern und auf die grausamste Art aus der Welt tilgen“ (7) und unterstreicht oft mit religiös belegten Metaphern. Im Gegensatz zu den Indios besitzen sie unersättlichen Geiz, Stolz und Habsucht sowie eine wahnsinnige Goldgier, welche zusammen mit dem Streben nach einem höheren Stand Ursache ihres Verhaltens sind. (9)
Er zeichnet sie entgegen den tugendhaften Indianern als „gewaltsam“, „mit grenzenloser Schamlosigkeit“ ausgestattet (11), „boshaft“ (63), „gefühllos“ (64), „lügnerisch“ (63), „hinterhältig“, „unbarmherzig“, „menschenverachtend“ und als „einer grausamer als der andere“ (73), um nur einige Beispiele zu nennen.
Als „Würger und Todfeinde des Menschengeschlechtes“ (13) bedrohen sie durch ihr Verhalten die Menschen an sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung von Las Casas' Bericht im Kontext der zeitgenössischen kolonialen Bedingungen und der Biographie des Autors.
2. Kurzer Blick auf die historische und rechtliche Situation in Bezug auf die ‘Neue Welt’ bis Las Casas politisch aktiv wird.: Das Kapitel schildert die Entdeckungsgeschichte Amerikas, die Machtansprüche der spanischen Krone und das ausbeuterische System der Encomiendas.
3. Biographie von Las Casas und politisches Geschehen zu seiner Wirkungszeit: Hier wird der Lebensweg von Las Casas beleuchtet, insbesondere seine persönliche Bekehrung vom Encomienda-Besitzer zum vehementen Fürsprecher der Indios.
4. Die vorherrschenden Bilder und Meinungen zu den Indios und zum Geschehen in der ‘Neuen Welt’ in Spanien am Beispiel Sépulvedas und Tomás de Ortiz: Das Kapitel kontrastiert Las Casas' Sichtweise mit den damals gängigen, menschenverachtenden Theorien, die die Unterwerfung der Indios rechtfertigten.
5. Der ‘Kurzgefaßte Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder’ (1542, publiziert 1552): Dieser Hauptteil analysiert die rhetorische Struktur, das idealisierte Indiobild und die radikale Kritik an den Eroberern innerhalb von Las Casas' zentralem Werk.
6. Bewertung und Diskussion: Abschließend wird der Bericht als politisch motiviertes Dokument eingeordnet und die Frage nach Las Casas als frühem Menschenrechtler kritisch reflektiert.
7. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Bartolomé de Las Casas, Kurzgefaßter Bericht, Conquista, Indios, Encomienda, spanische Eroberung, Missionierung, Juan Ginéz de Sépulveda, Menschenrechte, Kolonialismus, Neue Welt, Aristoteles, Barbaren, Evangelisierung, Seelenheil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den „Kurzgefaßten Bericht“ von Bartolomé de Las Casas und dessen Darstellung der Indianer sowie der spanischen Conquistadores im 16. Jahrhundert.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der historischen Kolonialpolitik Spaniens, der Rolle der Kirche, den rechtlichen Bedingungen der Ureinwohner und der rhetorischen Strategie von Las Casas.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, den „Bericht“ nicht als ethnographisches Dokument, sondern als politisch motivierte Streitschrift zur Abschaffung der Conquista zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen und setzt diese in den Kontext der Biographie des Autors sowie des zeitgenössischen Diskurses über die „Natur“ der Indios.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Konzeption des Berichts, der idealisierten Darstellung der Indianer und der drastischen, fast teuflischen Charakterisierung der Conquistadores.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Bartolomé de Las Casas, Conquista, Encomienda, Menschenrechte, Missionierung und das Bild des „edlen Wilden“.
Warum spielt der „edle Wilde“ eine Rolle in der Diskussion?
Die Autorin argumentiert, dass Las Casas' Darstellung der Indios als perfekte, aber zu bekehrende Wesen bereits Grundelemente der späteren „edlen Wilden“-Konstruktion der Aufklärung enthält.
Wie unterscheidet sich Las Casas' Sicht von der seines Zeitgenossen Sépulveda?
Während Sépulveda die Indios als „Sklaven von Natur“ und Barbaren abwertete, um die militärische Eroberung zu rechtfertigen, betonte Las Casas ihre Vernunftbegabung und Zivilisiertheit, um eine friedliche Missionierung zu fordern.
- Citar trabajo
- M.A. Nicole Matthe (Autor), 1998, Zu Bartolomé de Las Casas "Kurzgefasstem Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82722