In dieser Hausarbeit soll die mögliche und existierende Zusammenarbeit zwischen Medical Anthropologie und Epidemologie am Beispiel der Durchfallforschung dargestellt werden. Der erste Teil soll die Problematik des Durchfalls bei Kindern unter 5 Jahren in Entwicklungsländern erläutern und dann die biomedizinische Sichtweise und die Vorgehensweise des Public Health Ansatzes darstellen, die in den Entwicklungspolitics angewandt werden. Im zweiten Teil sollen die soziokulturellen Faktoren anhand von Beispielen erläutert werden, welche die Sichtweise und die kulturellen Praktiken erläutern soll die andere Populationen als die westliche die Einfluß auf das Problemfeld Durchfall haben. Im Anschluß soll gezeigt werden was die Ethnologie, die dieses Wissen versucht zu erforschen zum Verständnis und zur Vorgehensweise von Epidemologie beitragen kann. Im Schlußteil soll dann untersucht werden, inwieweit in der Forschungspraxis im Bereich Durchfall eine komlementäre, multidiszilinäre, interdisziplinäre oder transdisziplinäre Zusammenarbeit herrscht.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
2. Definition und Bedeutung des Problems Durchfall sowie Handhabung im Public Health Ansatz
2.1 Morbiditäts- und Mortalitätsraten
2.2 Medizinische Definition von Durchfall
2.3 Ätiologie und Übertragungswege von Durchfall
2.4 Public Health Ansatz
2.4.1 Prävention von Diarrhoe
2.4.2 Therapie
3. Soziokulturelle Faktoren im Public Health Problem Durchfall
3.1 Traditionelle Konzepte von Krankheit
3.2 Ätiologie von Durchfall
3.3. Behandlung von Durchfall
3.4 Hygiene
3.5 Wahrnehmung von Zeichen und Symptomen
3.6 Risikowissen und Wahrnehmung
3.7 Bruststillen und Abstillen
4. Beitrag der Ethnologie zur Epidemiologie
5. Zusammenarbeit von Medical Anthropology und Epidemiologie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und die bestehende Praxis der Zusammenarbeit zwischen Medical Anthropology und Epidemiologie am Beispiel der Erforschung von Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren in Entwicklungsländern. Dabei wird analysiert, wie ethnologische Erkenntnisse über kulturelle Konzepte und Praktiken die epidemiologische Forschung und Public Health Maßnahmen ergänzen oder verbessern können, um eine effektivere Gesundheitsversorgung zu erreichen.
- Biomedizinische und Public-Health-Perspektiven auf Durchfallerkrankungen
- Soziokulturelle Einflussfaktoren und Volkskonzepte von Gesundheit und Krankheit
- Herausforderungen in der praktischen Anwendung von Hygienestandards und Behandlungsansätzen
- Qualitative ethnologische Methoden vs. quantitative epidemiologische Analysen
- Analyse interdisziplinärer Zusammenarbeitsformen (Multidisziplinarität, Interdisziplinarität)
Auszug aus dem Buch
3.1 Traditionelle Konzepte von Krankheit
Bei den verschiedensten Völkern gibt es die verschiedensten Konzepte von Krankheit und Gesundheit, die nicht unserer westlichen Vorstellung entsprechen. Eine in Indien, Lateinamerika und im islamischen Raum weit verbreitete Vorstellung ist das heiß/kalt Konzept. Ein Beispiel aus dem ländlichen Pakistan soll dieses verdeutlichen:
In Pakistan ist das Konzept der humoralen Körpertheorie am weitesten verbreitet. Diese Vorstellung fand um 1000 A.D. durch den arabischen Philosophen und Mediziner Avicenna, der von griechischen und wahrscheinlich indischen Quellen inspiriert war, Eingang in die islamische Welt. Nach dieser humoralen Theorie enthält der Körper die drei Flüssigkeiten (Doshas) Blut, Phlegma und Schleim. Wenn sich diese drei im Gleichgewicht befinden ist der Körper gesund. Krankheit resultiert aus einem Ungleichgewicht jener Flüssigkeiten. Einfluß auf das Gleichgewicht haben Handlungen, Ernährung, Medikamente, etc., die jeweils als „heiß“ oder „kalt“ klassifiziert werden. Einer Krankheit die als heiß oder kalt klassifiziert wird, muß also mit den jeweils entgegengesetzt klassifizierten Mitteln behandelt werden. (Vgl. Mull & Mull 1988:57)
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Thematik der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Durchfallforschung sowie Überblick über die Struktur der Arbeit.
2. Definition und Bedeutung des Problems Durchfall sowie Handhabung im Public Health Ansatz: Darstellung der epidemiologischen Fakten zu Durchfallerkrankungen bei Kindern sowie Erläuterung der biomedizinischen Sichtweise und therapeutischer Methoden wie der Oral Rehydration Therapy.
3. Soziokulturelle Faktoren im Public Health Problem Durchfall: Analyse kulturell geprägter Krankheitskonzepte, traditioneller Behandlungsmethoden und lokaler Hygienevorstellungen, die oft von westlichen Ansätzen abweichen.
4. Beitrag der Ethnologie zur Epidemiologie: Erörterung der Vorteile des holistischen und qualitativen ethnologischen Ansatzes für die epidemiologische Forschung und die effektivere Umsetzung von Public Health Programmen.
5. Zusammenarbeit von Medical Anthropology und Epidemiologie: Untersuchung der Art der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Forschungspraxis mit Blick auf die Entwicklung von multidisziplinären hin zu interdisziplinären Ansätzen.
Schlüsselwörter
Medical Anthropology, Epidemiologie, Durchfallerkrankungen, Public Health, Entwicklungsländer, Oral Rehydration Therapy, Volkskonzepte, Krankheitswahrnehmung, Interdisziplinarität, Hygiene, Ernährung, Traditionelle Heiler, Kindergesundheit, Dehydration, Ethnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Medical Anthropology (Medizinethnologie) und Epidemiologie und untersucht, wie beide Disziplinen gemeinsam effektiver gegen Durchfallerkrankungen bei Kindern in Entwicklungsländern vorgehen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Feldern zählen biomedizinische Grundlagen, kulturelle Krankheitskonzepte, lokale Hygienepraktiken, Ansätze des Public Health Sektors sowie die methodische Verzahnung von Ethnologie und Epidemiologie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie ethnologische Erkenntnisse dazu beitragen können, dass Public-Health-Interventionen kulturell angemessener gestaltet werden, um die Akzeptanz und Effektivität bei der Bekämpfung von Durchfall zu erhöhen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literaturanalyse, um verschiedene internationale Fallstudien (z.B. aus Pakistan, Brasilien, Nigeria) aus ethnologischer und epidemiologischer Sicht vergleichend gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der biomedizinischen Sichtweise auf Durchfall, die Analyse soziokultureller Einflussfaktoren in betroffenen Populationen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Medical Anthropology, Epidemiologie, Public Health, Interdisziplinarität, Volkskonzepte und kulturelle Risikofaktoren.
Wie wird das "heiß/kalt"-Konzept in der Arbeit erklärt?
Es wird als ein weit verbreitetes humorales Körperkonzept (z.B. in Pakistan) beschrieben, bei dem Gesundheit als Gleichgewicht und Krankheit als Ungleichgewicht bestimmter Flüssigkeiten verstanden wird, was spezifische klassifizierende Behandlungsweisen nach sich zieht.
Warum ist die Integration der Ethnologie für die Epidemiologie relevant?
Sie ist relevant, weil Epidemiologie oft mit einer zu engen biomedizinischen Definition arbeitet, während Ethnologie durch qualitative Forschung tiefere Einblicke in lokale Begriffe und Praktiken liefert, die für den Erfolg von Gesundheitsprogrammen entscheidend sind.
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- M.A. Nicole Matthe (Author), 1998, Interdisziplinarität zwischen Medical Anthropology und Epidemologie bei der Erforschung von Durchfallerkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82725