In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Unternehmenszusammenschlüsse an den Kapitalmärkten wieder deutlich zugenommen und in 2006 das Niveau der Jahre 1999/2000 erreicht und überschritten. Die Investmentbank JPMorgan hält die wesentlichen Treiber für Unternehmensübernahmen wie niedrige Zinsen, hohe Liquidität am Fremdkapitalmarkt und die Performance der Aktienmärkte weiter für intakt und erwartet auch für 2007 ein florierendes Geschäft in diesem Bereich. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese Projektstudie mit den Möglichkeiten, Chancen und Gefahren der Übernahme eines börsennotierten Unternehmens und verdeutlicht diese am Beispiel MAN/Scania.
Beginnend mit der Einführung zum Thema werden einige Begrifflichkeiten erklärt und verschiedene Übernahmeformen umrissen. Im Anschluss erfolgt eine Betrachtung zunächst aus Sicht des bietenden Unternehmens gefolgt von der Sichtweise des Zielunternehmens. Hierbei wird auf der einen Seite auf die möglichen Gründe für eine Übernahme eingegangen, auf der anderen Seite werden Abwehrmaßnahmen gegen eine angestrebte Übernahme dargestellt. Sowohl auf Seiten des Käufers als auch aus Sicht der zu kaufenden Gesellschaft werden die Risiken den Chancen gegenübergestellt. Die wesentlichen rechtlichen Aspekte werden bei der Betrachtung aus Bietersicht erläutert. In den Abschnitten dieser Arbeit wird jeweils ein Bezug zum Fall MAN/Scania erstellt. Die Anwendung auf dieses aktuelle Beispiel ist jedoch begrenzt, da es weiterhin unklar ist, ob die Übernahme zustande kommt. Damit ist der Prozess des Zusammenschlusses zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Abgrenzung der Themenstellung
1.2 Begriffsdefinitionen
2. Sichtweise des Bieters
2.1 Motive für eine Übernahme
2.2 Risiken einer Übernahme auf Seiten des Käufers
2.3 Rechtlicher Rahmen
3. Sichtweise des Zielunternehmens
3.1 Abwehrmaßnahmen
3.2 Chancen und Risiken für das Zielunternehmen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die strategischen, rechtlichen und operativen Herausforderungen bei der Übernahme börsennotierter Unternehmen unter besonderer Berücksichtigung des konkreten Falls MAN/Scania. Ziel ist es, die Interessenlagen von Bieter und Zielunternehmen einander gegenüberzustellen und die Erfolgsfaktoren sowie Risiken eines solchen Zusammenschlusses kritisch zu bewerten.
- Motivationsfaktoren für Unternehmensübernahmen
- Risikoprofile und Herausforderungen bei der Integration
- Rechtliche Rahmenbedingungen von Übernahmeangeboten
- Strategische Abwehrmöglichkeiten von Zielunternehmen
- Chancen und Risiken für Anteilseigner und Belegschaft
Auszug aus dem Buch
1.1 Abgrenzung der Themenstellung
Während meines Praxissemesters hatte ich u.a. die Aufgabe, den Übernahmepoker um die beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania für die tägliche Publikation Corporates Daily zu kommentieren. Die deutsche MAN AG hatte am 18. September 2006 ein öffentliches Kaufangebot in Höhe von 48 EUR je Aktie (insgesamt 9,6 Mrd. EUR) für seinen schwedischen Konkurrenten vorgelegt, welches von Scania als feindlich eingestuft wurde. Als Reaktion auf die ablehnende Haltung von Scania und seinen Hauptaktionären erhöhte MAN am 11. Oktober das Angebot auf 51,29 EUR je Aktie (gesamt 10,3 Mrd. EUR). Auch dieses Angebot wurde als zu niedrig zurückgewiesen. Dennoch besteht die Offerte des deutschen Unternehmens weiterhin aufrecht. MAN hält mit der Vorlage des offiziellen Angebots am 16. November an seinem Übernahmeplan fest. Gegenwärtig haben die Anteilseigner von Scania noch bis zum 31. Januar 2007 Zeit, das Angebot anzunehmen.
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Unternehmenszusammenschlüsse an den Kapitalmärkten wieder deutlich zugenommen und in 2006 das Niveau der Jahre 1999/2000 erreicht und überschritten. Die Investmentbank JPMorgan hält die wesentlichen Treiber für Unternehmensübernahmen wie niedrige Zinsen, hohe Liquidität am Fremdkapitalmarkt und die Performance der Aktienmärkte weiter für intakt und erwartet auch für 2007 ein florierendes Geschäft in diesem Bereich. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese Projektstudie mit den Möglichkeiten, Chancen und Gefahren der Übernahme eines börsennotierten Unternehmens und verdeutlicht diese am Beispiel MAN/Scania.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert den aktuellen Kontext des Übernahmepokers zwischen MAN und Scania und definiert die methodische Vorgehensweise sowie die zentralen Begrifflichkeiten.
2. Sichtweise des Bieters: Hier werden die ökonomischen Motive für Übernahmen sowie die damit verbundenen Risiken und der rechtliche Rahmen aus der Perspektive des kaufenden Unternehmens analysiert.
3. Sichtweise des Zielunternehmens: Dieses Kapitel betrachtet die verschiedenen Abwehrstrategien des Zielunternehmens sowie die für dieses entstehenden Chancen und Risiken bei einer drohenden Übernahme.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Gesamtsituation der MAN/Scania-Übernahme kritisch und diskutiert die generellen Herausforderungen bei der Umsetzung von Synergieeffekten.
Schlüsselwörter
Unternehmensübernahme, MAN, Scania, Bieter, Zielunternehmen, Synergieeffekte, Kapitalmarkt, Abwehrmaßnahmen, Share Deal, Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz, Integration, Change Management, Fusion, Marktanteile, Börse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess, die Motive und die Risiken bei der Übernahme börsennotierter Unternehmen am Beispiel des konkreten Falls zwischen den Lkw-Herstellern MAN und Scania.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Sichtweise des Bieters, die Motive für eine Übernahme, die Risiken bei der Integration sowie die verschiedenen Abwehrmaßnahmen, die einem Zielunternehmen zur Verfügung stehen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Gefahren eines solchen Zusammenschlusses herauszuarbeiten und aufzuzeigen, warum die praktische Umsetzung von Synergien oft schwieriger ist als theoretisch angenommen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, die durch die aktuelle Fallbetrachtung der Übernahmesituation zwischen MAN und Scania im Zeitraum Ende 2006/Anfang 2007 ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bieter-Perspektive (Motive und Risiken), die rechtlichen Rahmenbedingungen (WpÜG) und die Sicht des Zielunternehmens, insbesondere im Hinblick auf Abwehrstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensübernahme, Synergieeffekte, Abwehrmaßnahmen, Share Deal, Kapitalmarkt und Integration.
Warum wird Scania von der Übernahme durch MAN als „feindlich“ eingestuft?
Die Übernahme wird als feindlich bewertet, da das Management von Scania das Angebot ohne vorherige Absprache erhielt und die Unternehmensführung die Unabhängigkeit von Scania sowie die eigene Profitabilität betonte.
Welche Rolle spielt der Faktor Volkswagen im Fall MAN/Scania?
Volkswagen ist sowohl bei MAN als auch bei Scania Großaktionär und hat maßgeblichen Einfluss; zudem besteht das Interesse, die eigene leistungsschwache Lkw-Sparte in Brasilien in einen etwaigen neuen Konzern einzubringen.
Was sind „Golden Parachutes“ im Kontext der Übernahmeabwehr?
Dies sind Sonderkonditionen für das Management des Zielunternehmens, die hohe Abfindungszahlungen im Falle einer erfolgreichen Übernahme vorsehen, wodurch die Transaktion für den Bieter verteuert wird.
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- Jörg Jahnel (Author), 2007, Die Übernahme börsennotierter Unternehmen - Möglichkeiten und Gefahren am Beispiel MAN/Scania, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82731