In meiner Arbeit vergleiche ich die Kurzgeschichten „To Room Nineteen“ von Doris Lessing, „Sarah“ von Mary Lavin und „Weekend“ von Fay Weldon aus Sicht der Gender Studies. Eine solche Perspektive scheint mir naheliegend, da alle drei Texte die Lebensbedingungen von Frauen in den 40er, 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts thematisieren und somit die Frage nach einer geschlechtsspezifischen Lebenserfahrung implizieren. Gemeinsam ist den Protagonistinnen, dass ihnen eine selbstbestimmte Lebensgestaltung durch die Werte und Normen der Gesellschaft erschwert, beziehungsweise unter Androhung von Sanktionen verwehrt wird.
Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich die Diskurse herausarbeiten, welche die Weiblichkeitsideale und das Geschlechterverhältnis in den Texten konstituieren, und zeigen, welche gesellschaftlichen Normen und Werte kritisiert werden. Im zweiten Teil gehe ich der Frage nach, wie sich die verschiedenen Weiblichkeitsideale auf das Selbstbild der Protagonistinnen und ihr Handeln auswirken. Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Sanktionen nonkonformistischen Verhaltens.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Weiblichkeitsideal und Geschlechterverhältnis
2.1 „Angel in the House“
2.2 „Working Wife and Mother“
2.3 „Madonna“
3. Auswirkungen auf Selbstbild und Verhalten
3.1 Verlust der Identität und Resignation
3.2 Internalisierung des Ideals und Anpassung
3.3 Selbstbestimmung und Auflehnung
4. Folgen der Abweichung vom Ideal
4.1 Pathologisierung
4.2 Repression
4.3 Physische Bestrafung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kurzgeschichten „To Room Nineteen“ von Doris Lessing, „Sarah“ von Mary Lavin und „Weekend“ von Fay Weldon aus der Perspektive der Gender Studies. Das primäre Ziel ist es, die in den Texten konstituierten Weiblichkeitsideale und Geschlechterverhältnisse zu analysieren, deren Auswirkungen auf das Selbstbild der Protagonistinnen aufzuzeigen und die sozialen Sanktionen bei nonkonformistischem Verhalten zu beleuchten.
- Analyse gesellschaftlicher Weiblichkeitsideale (Angel in the House, Madonna)
- Untersuchung der Entfremdungsprozesse und Identitätskrisen bei Frauen
- Kritik an patriarchalen Strukturen und dichotomischem Denken
- Die Rolle der sozialen Kontrolle und Repression bei Rollenabweichungen
- Vergleich der Erzählkonzepte und ihre Wirkung auf die Geschlechterdarstellung
Auszug aus dem Buch
2.1 „Angel in the House“
Doris Lessings Short Story „To Room Nineteen“, die erstmals 1963 veröffentlicht wurde, handelt von dem Ehepaar Susan und Matthew Rawlings, die mit ihren vier Kindern in Richmond, einem Vorort von London, leben. Aufgrund einer Affaire Matthews, zieht Susan sich immer mehr von ihrem Mann und ihren Kindern zurück, bis sie sich von ihrer Umgebung völlig isoliert hat und schließlich Selbstmord begeht.
Die Einführung der Figuren übernimmt ein heterodiegetischer Ich-Erzähler (Genette), der im Laufe der Handlung zugunsten der Reflektorfigur (Stanzel) Susan in den Hintergrund tritt. Im ersten Satz erklärt der Erzähler dem Leser explizit, um was es in der folgenden Geschichte gehen wird: „This is a story, I suppose, about a failure in intelligence: the Rawlings marriage was grounded in intelligence“(Lessing 1988, 150). Die direkte Ankündigung des Themas durch einen auktorialen Erzähler (Stanzel) irritiert, verweist diese Erzählsituation doch auf eine Erzähltradition des 19. Jahrhunderts, und erscheint für eine moderne Kurzgeschichte ungewöhnlich.
Lessing macht sich den telling-Modus jedoch in zweierlei Hinsicht zu Nutze: zum einen erlaubt er ihr, die intendierte Gesellschaftskritik ihrer Kurzgeschichte durch den Erzähler direkt zum Ausdruck zu bringen, zum anderen schafft er beim Leser Distanz zum Geschehen, und gibt ihm die Möglichkeit, dieses mit einem analytischen Blick zu verfolgen, und so zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Vergleichsthema der drei Kurzgeschichten aus Sicht der Gender Studies vor und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Weiblichkeitsideal und Geschlechterverhältnis: Hier werden die in den Werken vorherrschenden Weiblichkeitsideale analysiert und deren Einfluss auf die jeweiligen Geschlechterverhältnisse innerhalb der erzählten Lebenswelten untersucht.
3. Auswirkungen auf Selbstbild und Verhalten: Dieses Kapitel widmet sich der Frage, wie die internalisierten Rollenbilder das individuelle Selbstbild sowie das konkrete Handeln der Protagonistinnen in den Kurzgeschichten formen.
4. Folgen der Abweichung vom Ideal: Hier werden die negativen Konsequenzen und Sanktionen – von Pathologisierung bis hin zu physischer Bestrafung – analysiert, die eintreten, wenn Frauen den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert den Konstruktcharakter von Geschlechterrollen sowie die Resignation der Protagonistinnen angesichts gesellschaftlicher Konventionen.
Schlüsselwörter
Gender Studies, Weiblichkeitsideal, Geschlechterverhältnis, Rollenbilder, Identitätskrise, Patriarchat, Doris Lessing, Fay Weldon, Mary Lavin, Pathologisierung, Repression, Selbstbestimmung, Emanzipation, Angel in the House, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert drei britische Kurzgeschichten des 20. Jahrhunderts hinsichtlich ihrer Darstellung von Weiblichkeitsidealen und Geschlechterrollen unter dem Blickwinkel der Gender Studies.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Untersuchung von Geschlechterdichotomien, das Spannungsfeld zwischen persönlicher Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Anpassung sowie die Mechanismen sozialer Sanktionierung bei Rollenabweichungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie kulturell konstruierte Weiblichkeitsideale das Selbstverständnis von Frauen einschränken und welche Rolle Literatur spielt, diese patriarchalen Muster kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf narratologische Konzepte (Erzähler, Fokalisierung) und gender-theoretische Ansätze zur Dekonstruktion von Geschlechterrollen zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Idealtypen (Angel in the House, Madonna), deren psychologische Auswirkungen auf die Protagonistinnen sowie die repressiven Folgen bei nonkonformistischem Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender Studies, Identitätskrise, Patriarchat, Pathologisierung, Repression, Selbstbestimmung und die Analyse der drei spezifischen Autorinnen Lessing, Weldon und Lavin.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „telling“ und „showing“ in der Lessing-Analyse eine Rolle?
Die Autorin nutzt diese Erzählmodi, um dem Leser einerseits Distanz zur Gesellschaftskritik zu verschaffen und andererseits die psychologische Entwicklung der Protagonistin Susan unmittelbar erfahrbar zu machen.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle von „Sarah“ in Lavins Kurzgeschichte von den anderen beiden Protagonistinnen?
Im Gegensatz zu den resignierten oder an der Anpassung zerbrechenden Frauen bei Lessing und Weldon, zeigt sich Sarah als eine Figur, die trotz der sozialen Ächtung versucht, ein selbstbestimmtes, authentisches Leben zu führen.
Warum wird die „Hausfrauen- und Mutterrolle“ in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Die Arbeit zeigt auf, dass diese Rolle oft als kulturelles Konstrukt fungiert, das Frauen in eine private Sphäre drängt und deren Ganzheitlichkeit als menschliches Individuum beschneidet.
- Quote paper
- Eva Speck (Author), 2006, Ein Vergleich von Fay Weldons "Weekend", Doris Lessings "To Room Nineteen" und Mary Lavins "Sarah" aus Sicht der Gender-Theorie , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82744