Die Welt bringt jeden Tag neue Verfehlungen hervor.
Dieser Anschein drängt sich zumindest beim Betrachten der – mittlerweile rund um die Uhr verfügbaren – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Showbusiness oder auch Sport auf. So mancher Geschäftsführer bereichert sich auf Kosten seines eigenen Unternehmens und wiederum einige Manager finden nicht nur an den Kurven ihres DAX-Unternehmens Gefallen. Eine Besenkammergeschichte hier, eine öffentliche Schlammschlacht da – und Berge radelt man auch schon lange nicht mehr nur durch Training und etwas Traubenzucker hoch. – Die so genannten „unmoralischen Angebote“ stehen offensichtlich hoch im Kurs. Und dabei bin ich an dieser Stelle noch nicht einmal eingehend auf – zum Teil leider alltäglich (gewordenes) – kriminelles Handeln eingegangen.
Ein großer Teil dieser – meinen genannten Beispielen ähnlichen – Vorkommnisse fällt wahrscheinlich schlicht in den Bereich „Klatsch und Tratsch“. Und um einen weiteren Teil hüllt sich der berühmte „Mantel des Schweigens“, so dass nur wenige wichtige Themen wirklich ernsthaft dargestellt und diskutiert werden (können).
Ich möchte und kann diese Beispiele ebenfalls nicht auseinander nehmen, auch weil mir zu viele Hintergründe und Informationen einfach nicht bekannt sind und sein können. Aber ich würde im Folgenden gern der Frage nachgehen, woher die regelmäßigen öffentlichen Aufschreie rühren und auf was sie sich gründen. Was bedeutet also überhaupt „moralisch“ oder „unmoralisch“? Wie lässt sich „Moral“ – trotz anscheinend weniger werdenden Vorbildern – erzieherisch weitergeben und welche Rolle spielen dabei die Emotionen, welche doch täglich auf uns einwirken und manches Mal (zu spät) aufrütteln? Was können Emotionen bei der moralischen Erziehung überhaupt bewirken?
Bevor ich zu den eigentlichen Hauptfeldern meiner Hausarbeit komme, möchte ich zunächst für diese Hausarbeit und auch zu meinem eigenen Verständnis den Begriff „Moral“ oder auch „Moralität“ (vgl. Maier 1986, S. 13) abstecken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Betrachtung und Klärung wichtiger Begriffe
1.1 Einleitung
1.2 Was also ist Moral? – Ein Definitionsversuch
1.3 Zum Verhältnis von Moral und (emotionaler) Erziehung
2 Der Einfluss von Emotionen in der Moralerziehung
2.1 Was versteht man eigentlich unter „Emotionen“?
2.2 Zur Bedeutung von Emotionen in der Moralerziehung
2.3 Emotionen und Moralerziehung – Der psychologische Zugang nach Goleman.
2.3.1 Darstellung der Theorie – Psychologische Hintergründe
2.3.2 Pädagogische Relevanz von Golemans Zugang – Beispiele aus der Praxis
2.4 Emotionen und Moralerziehung – Das „Zwei-Aspekte-Modell“ nach Lind
2.4.1 Theoriedarstellung
2.4.2 Pädagogische Konsequenzen
3 Kritische Schlussbetrachtung der beiden vorgestellten Ansätze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert von Emotionen innerhalb der Moralerziehung und analysiert, inwieweit die Förderung emotionaler Kompetenzen das moralische Urteilsvermögen und Handeln von Individuen positiv beeinflussen kann.
- Bedeutung von Emotionen im Erziehungsprozess
- Kritische Analyse des Modells der Emotionalen Intelligenz nach Goleman
- Das Zwei-Aspekte-Modell nach Lind als Weiterentwicklung der Moralpsychologie
- Vergleich kognitiver und affektiver Komponenten in der Moralerziehung
- Pädagogische Umsetzung und Möglichkeiten der Kompetenzförderung
Auszug aus dem Buch
II. Umgang mit Emotionen – Emotionen handhaben
Der Umgang mit den Emotionen bedeutet, mit den bereits erkannten und bewussten Gefühlen in angemessener Form umzugehen bzw. diesen Schritt zu erlernen.
Ist man fähig eine Form des Umgangs mit den Emotionen anzuwenden, so wird es sogar möglich, extrem negative Emotionen wie z.B. Angst leichter zu überwinden. Andernfalls besteht die Gefahr, diesen negativen Emotionen ausgeliefert zu sein. Bei diesem Teil der „Emotionalen Intelligenz“ geht es also darum, zu verhindern lernen, ein „Sklave seiner Stimmungen“ zu sein. Die eigenen Gefühle und Stimmungen sollen also durch einen inneren Dialog beeinflusst und gesteuert werden.
Es gilt also eine Art „Mittelweg“ zwischen extremer Emotionslosigkeit und unkontrollierten Gefühlsäußerungen bzw. -ausbrüchen zu finden. Dabei sollen nach Goleman aber keinesfalls unangenehme bzw. negative Stimmungen gemieden werden, es geht vielmehr darum, den gewollten angenehmen Gefühlen den Raum zu geben und ungewollten unangenehmen Gefühlen und Stimmungen den Raum zu nehmen.
Daniel Goleman beschreibt vier Emotionen näher, mit denen man sich häufig auseinander setzen muss: Wut, Angst/Sorge, Melancholie/Depression und Verdrängung.
Wenn einer der genannten Gefühlszustände außer Kontrolle gerät, d.h. die betreffende Person den Gefühlszustand nicht unter Kontrolle bringen kann, wirkt er sich schädlich für die Person und ihr Leben aus.
Die Wut ist dabei wohl die am schwersten kontrollierbare Emotion – je mehr die Wut genährt wird, desto stärker wird sie. Daher sollte man ihr die „Nahrung“ nehmen, was z.B. durch das Gewinnen von Abstand zur betreffenden Wut auslösenden Situation möglich sein kann – der Gedankenfluss soll also in eine andere Richtung gelenkt werden.
Die Aufmerksamkeit soll also auf ein anderes Thema/eine andere Aktivität gelenkt werden, um später – wenn sich der Zustand der Wut gelegt hat – in Ruhe eine geeignete Lösung zu finden. (vgl. Goleman 1996)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Betrachtung und Klärung wichtiger Begriffe: Der Einstieg definiert Moral als dynamischen Wertebestand und hinterfragt die Notwendigkeit emotionaler Kompetenz für das moralische Handeln.
2 Der Einfluss von Emotionen in der Moralerziehung: Dieses Kapitel untersucht psychologische Definitionen von Emotionen und stellt mit Goleman sowie Lind zwei zentrale Modelle vor, welche Emotionen als essenziellen Bestandteil der moralischen Entwicklung begreifen.
3 Kritische Schlussbetrachtung der beiden vorgestellten Ansätze: Das Fazit bewertet die vorgestellten Theorien kritisch und betont die Untrennbarkeit von Kognition und Affekt für eine erfolgreiche pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Moralerziehung, Emotionen, Emotionale Intelligenz, Daniel Goleman, Georg Lind, Zwei-Aspekte-Modell, Moralentwicklung, Empathie, soziale Kompetenz, Selbstwahrnehmung, Kognition, Affekt, pädagogische Psychologie, Wertevermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, welche Rolle Emotionen in der modernen Moralerziehung spielen und wie diese gezielt gefördert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem Einfluss von Emotionen auf menschliches Handeln stehen die theoretischen Modelle von Goleman und Lind im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob und wie die Förderung emotionaler Intelligenz das moralische Urteilsvermögen stärken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle moralpsychologische Theorien gegenübergestellt und pädagogisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Konzepts der "Emotionalen Intelligenz" nach Goleman und das "Zwei-Aspekte-Modell" nach Lind, inklusive deren Konsequenzen für den Schulunterricht.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Wichtige Begriffe sind Moralerziehung, Emotionale Intelligenz, Empathie und die Verknüpfung von kognitiven und affektiven Aspekten.
Wie unterscheidet sich Linds Modell von dem Golemans?
Während Goleman Emotionen eher als Fähigkeiten betrachtet, die man erlernt, sieht Lind eine untrennbare Einheit (Parallelität) von Kognition und Affekt als Basis für jedes moralische Urteil.
Welche Bedeutung hat das "Self Science"-Programm?
Es dient als praktisches Beispiel aus den USA, um Kindern soziale und emotionale Fertigkeiten zu vermitteln, um besser mit moralischen Dilemmata umzugehen.
- Quote paper
- Ludwig Finster (Author), 2007, Moralerziehung und die Bedeutung von Emotionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82794