Die Usability von Websites

Human-Computer-Interaction & Interface-Design


Hausarbeit, 2006

25 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Usability von Websites

2. Terminologie und Begriffsbestimmungen
2.1. Interface
2.2. Benutzerschnittstelle
2.3. Mensch-Computer-Interaktion
2.4. Usability
2.5. Usability engineering
2.6. Usability Testing

3. Interaktionsparadigmen von Benutzerschnittstellen

4. Konventionalisierung des Interface-Designs

5. Konfliktfeld: Design vs. Usability

6. „Style-Guide“ für Interface-Designs
6.1. Grundprinzipien
(a) Sichtbarkeit
(b) Qualität und Kohärenz des konzeptuellen Modells
(c) Sinnfälligkeit des Mappings
(d) Vollständigkeit und Permanenz des Feedbacks
6.2. Zielgruppen
6.3. Sprachliche Interface-Elemente
(a) Statik
(b) Dynamik
6.4. Formulare
6.5. Dynamische Websites
6.6. Datenbanken

7. Fallbeispiel: Spiegel-Online
7.1. Visual Design
7.1.1. Interface-Design
7.1.2. Sitedesign
7.2. Interaktion/Online-Dienste
7.2.1. Features
(a) Spiegel-online-Forum
(b) Newsletter
(c) RSS-Newsfeed
(d) SPIEGEL-online-Sidebar
(e) SPIEGEL-Mobil
7.3. Bewertung

8. Abschließende Bemerkungen

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Die Usability von Websites

In einer Zeit, in der Schlagworte wie „Informationsgesellschaft“ oder „Netzwerkgesel-lschaft“ die Runde machen und nahezu „inflationär“ gebraucht werden, ist es für erfolgreiche Unternehmen unerlässlich, sich den dynamischen Veränderungen anzupassen und ihren – heutzutage schon obligatorischen – Online-Auftritt als „Visitenkarte“ zu betrachten. Insbesondere für Anbieter klassischer Print- und Rundfunkmedien bieten die digitalen Technologien die Möglichkeit, die Vorteile der Printmedien mit den Vorzügen der multimedialen Möglichkeiten, die das Internet bietet, zu kombinieren. Die ergonomische Gestaltung ist dabei enorm wichtig, da die Nutzung bzw. Orientierung auf der Website primär über Menüs oder Dialogfenster und grafische Interface-Elemente erfolgt.

Doch jeder, der im Internet unterwegs ist, kennt das Problem: Oft ärgert man sich über unverständliche Menüs, versteckte Basisinformationen und komplizierte Bestellvorgänge. Websites müssen daher auf jeden Fall benutzerfreundlich gestaltet werden, denn gute User-Interface-Designs sind unabdingbar, um die Applikationen optimal nutzen zu können.

Die übergeordneten Fragen der vorliegenden Seminararbeit lauten:

1. Wie muss ein erfolgreiches, effizientes Interface-Design für interaktive Systeme aussehen?

2. Inwieweit kann eine Website Interaktionsmöglichkeiten bieten?

Nach der Erläuterung der zentralen Begriffe, werde ich die Grundprinzipien des Interface-Designs sowie die typischen Elemente vorstellen. Abschließend soll anhand eines Fallbeispiels die Online-Präsenz des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hinsichtlich der „Usability“ sowie der Möglichkeiten der „Mensch-Computer-Interaktion“ untersucht und bewertet werden.

2. Terminologie und Begriffsbestimmungen

2.1. Interface

Unter „Schnittstelle“ bzw. „Interface“ versteht man im Allgemeinen „den Punkt, an dem sich zwei Systeme begegnen bzw. aneinander koppeln lassen“[1] und dienen der Bezeichnung jeglicher Oberflächenelemente zur Bedienung von technischen Systemen. Dabei wird unterschieden zwischen (a) technischen Schnittstellen und (b) Benutzerschnittstellen. Während sich technische Schnittstellen auf die „physikalischen Verbindungspunkte zwischen den verschiedenen Anlagenteilen“ eines Systems beziehen, bezeichnen Benutzerschnittstellen die Art und Weise des Datenaustauschs, also das „Interface zwischen Mensch und Maschine“[2], welches Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein wird.

2.2. Benutzerschnittstelle

Neben der Bezeichnung „Benutzerschnittstelle“ finden sich häufig synonym verwendete Begriffe aus dem Englischen, wie „man-machine-interface“, „human-computer-interface“, „user-interface“ oder „front end“[3]. Im Deutschen spricht man auch von der „Mensch-Maschine-Schnittstelle“ oder schlicht der „Benutzeroberfläche“[4].

Definiert wird die Benutzerschnittstelle als „Einheit aller Komponenten (…), die einem Benutzer zur Bedienung eines Gerätes oder einer Anlage zur Verfügung stehen“[5]. Dazu zählen sowohl Hardware-Elemente (= Ein- und Ausgabegeräte, z.B. Monitor, Maus, Tastatur), Software-Elemente (= sinnlich wahrnehmbarer Output, z.B. sprachliche oder grafische Bedienelemente, Signaltöne oder gesprochene Sprache) sowie Elemente der Docuware (= technische Dokumentation, z.B. Aufbau- und Bedienungsanleitungen).[6]

Die Gestaltung von Interfaces hat die Aufgabe, „einen möglichst reibungslosen, konflikt- und fehlerfreien Austausch von Daten und Informationen sicherzustellen“[7] und definiert über die bereitgestellten Nutzungsoptionen auch die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Mensch und Computer. Das Maß an Interaktivität ist somit abhängig von den zur Verfügung stehenden Systemeinheiten: „Vom Benutzer können nur diejenigen Handlungen vollzogen werden, die im Design der Oberfläche angelegt sind.“[8]

2.3. Mensch-Computer-Interaktion

Der Begriff „Interaktion“ verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der „Bedienung komplexer Systeme“ und den sich „ gegenseitig bedingenden und aufeinander aufbauenden Handlungen bzw. Operationen von Mensch und Technik“[9] und bezeichnet damit den „wechselseitigen Austausch von Informationen bzw. Daten zwischen Computersystem und Benutzer“[10]. Dabei befindet sich der Computer, repräsentiert durch das Interface, im unmittelbaren Interaktionsbereich des handelnden Menschen.[11]

Diese Konzeptualisierung des Bedienungsprozesses führte zur so genannten „Dialog-Metapher“.

Der Terminus „Mensch-Computer-Interaktion“ fokussiert die Handlungen eines Anwenders, die dieser mittels eines Computersystems vollzieht. Für die „Mensch-Computer-Interaktion“ sind folgende Instanzen zu berücksichtigen[12]:

- der Benutzer
- das technische System bzw. der Computer
- die Entwickler / Produzenten des Systems

Eine vermittelnde Funktion erfüllt hierbei das bereits definierte „Interface“ über Fenster, Icons, Menüs, Dialoge, Meldungen etc.) und fungiert auf diese Weise als „Schnittstelle zwischen zwei Diskurswelten – der Welt der Produzenten des Systems (Experten) auf der einen Seite und der Welt der Benutzer (Laien) auf der anderen Seite)“[13].

Problematisch ist dabei die Vereinigung bzw. Kongruenz aller drei Komponenten.

Der Computer ist dabei nicht als „Medium zur Kommunikation“, zum Beispiel mit Experten, zu verstehen, sondern er ist „selbst der Experte“[14] und kann den Benutzer in Abhängigkeit von der konkreten Interaktionssituation rechtzeitig mit relevanten Informationen bzw. Instruktionen versorgen.

2.4. Usability

„If a system´s one-on-one interaction with its human user is not pleasant and facile, the resulting deficiency will poison the performance of the entire system, however fine that system might be in its other aspects.“[15]

Der Terminus „Usability“ stammt aus der Forschung zur „Mensch-Computer-Interaktion“ und hat sich mittlerweile auch in der deutschen Literatur etabliert. „Usability“ setzt sich zusammen aus den beiden englischen Begriffen „to use“ („benutzen“) und „ability“ („die Fähigkeit / Tauglichkeit“), die sich um die Bedeutungen „Gebrauchstauglichkeit“ bzw. „Brauchbarkeit“ erweitern lassen. Laut der so genannten ISO-Norm 9241 definiert „Usability“ das „Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufrieden stellend zu erreichen“[16].

Die „Usability“ ist also davon abhängig, ob die Interaktion zwischen dem Anwender und dem technischen System (zum Beispiel einer Website) reibungslos funktioniert.

Je schneller und leichter ein Benutzer den zielgerichteten Gebrauch einer Website erlernen und anwenden kann, ohne dabei frustriert zu werden, desto höher ist also die „Usability“. Benutzerfreundlich ist zum Beispiel eine Shopping-Site nur dann, wenn es ihm tatsächlich gelingt, die gewünschte Ware zu kaufen.

Ein System gilt also dann als „benutzerfreundlich“, wenn es die folgenden zentralen Kriterien erfüllt:

- Effektivität (bzw. das Ausmaß der Zielerreichung),
- Effizienz (die Relation von Aufwand und Ausmaß der Zielerreichung) sowie
- Zufriedenheit.[17]
Wichtig für die Bewertung der Usability eines Systems ist, daraus abgeleitet, die Beschreibung
- der Ziele des Benutzungsprozesses,
- der potentiellen Nutzer,
- der zur Zielerreichung notwendigen Aktionen,
- der notwendigen Ausstattung (Hard- /Software) sowie
- der Umgebung oder des Kontextes, in dem die Benutzung stattfindet.[18]

Demnach ist die „Usability“ ein qualitatives Merkmal und zentral für die Entwicklung von Software und damit auch für die Gestaltung von Websites und Applikationen.

Hinzu kommt der hohe Anforderungsdruck, dem jede Web-Präsenz unterliegt: Ein Anbieterwechsel ist ohne großen Aufwand mit wenigen Mausklicks möglich, somit ist ein weiterer Gradmesser für den Erfolg einer Website, wie lange sich ein User auf einer Seite aufhält. Nachdem er die Seite „überflogen“, die gewünschte Information jedoch nicht gefunden hat oder durch ein unübersichtliches Design verwirrt wurde, klickt er ohne Umschweife zur nächsten Seite, da er „verlangt, dass seine Wünsche sofort befriedigt werden“[19]. Laut Nielsen (2001, S.10) nimmt sich ein Benutzer kaum eine Minute Zeit, um zu erkennen, wie eine Website zu bedienen ist.

Aus diesen Gründen sollte sich der Anbieter einer Website an den Grundprinzipien der Gestaltung und Usability orientieren, um Informationen zielgerichtet und effizient zu vermitteln.

2.5. Usability engineering

„Software engineering“ (oder „human factors research“) bzw. „usability engineering“ betrachten die „Mensch-Computer-Interaktion“ primär als „instrumentelles Handeln“ und „funktional ausgerichtete Interaktion mit dem technischen Artefakt zur Herstellung, Be- und Verarbeitung eines Objektes (Text, Grafik, multimediale Präsentation etc.)“.[20] Dabei wird die Interaktion vorrangig durch das Interface bestimmt, da sich nur Operationen durchführen lassen, die von den durch die Programmierer implementierten Applikationen bereitgestellt werden.

Bereits die Bezeichnung „usability engineering“, also die Verknüpfung der Begriffe „Brauchbarkeit“ (= „usability“) und „Ingenieurwesen“ (= „engineering“) impliziert den Konflikt, der zwischen „Design“ und „Benutzerfreundlichkeit“ besteht und im Verlauf der Arbeit noch thematisiert werden wird.[21]

2.6. Usability Testing

Eine wichtige Argumentationsgrundlage für Usability-Experten sind spezielle Testverfahren, wie z.B. der WUI (Web Usability Index), bei dem es sich um eine breit angelegte Umfragen-Studie handelt.

Beim „Usability Testing“ werden bestimmte Systeme auf ihre Gebrauchstauglichkeit oder Benutzerfreundlichkeit hin überprüft. Dabei wird der Gebrauchs- oder Bedienungsprozess durch den User anhand von quantitativen und qualitativen Testmethoden und unter Berücksichtigung software-ergonomischer Faktoren (z.B. Farb- und Schriftgestaltung, Navigation, Informationsarchitektur, Aufgabenangemessenheit etc.) analysiert und auf Fehlerquellen getestet.[22]

Hier gibt es zwei methodische Verfahren:

Bei der so genannten „expertenorientierten Usability-Evaluation“ werden Websites von Interface- und Fachexperten nach anerkannten Design-Regeln untersucht, dagegen erfolgt die „benutzerorientierte Usability-Evaluation“ nicht durch Experten, sondern durch „reale“ Nutzer.[23] Da sich diese Methode durch eine höhere Authentizität auszeichnet, ist dieses Testverfahren vorzuziehen.

Methoden wie diese sind jedoch generell umstritten: Ob wirklich aussagekräftige Ergebnisse geliefert werden, ist fraglich, weil Eindrücke und Gefühle in solch einem Verfahren schwer zu ermitteln sind.

[...]


[1] Wagner, Jörg: „Mensch-Computer-Interaktion: sprachwissenschaftliche Aspekte“; Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien (2002), S.21

[2] ebd.: S.22

[3] ebd.: S.22

[4] ebd.: S.22

[5] ebd.: S.23

[6] ebd.: S.23

[7] ebd.: S.24

[8] Wagner, Jörg (2002), S.24

[9] ebd.: S.113

[10] ebd.: S.31

[11] ebd.: S.114

[12] ebd.: S.36

[13] ebd.: S.53

[14] ebd.: S.53

[15] Raskin, Jeff: „The Human Interface: New Directions for Designing Interactive Systems“, Reading. Addison-Wesley, Massachusetts (2000), S.114

[16] http://www.usability.ch/Deutsch/usab.htm

[17] ebd.

[18] ebd.

[19] Nielsen, Jakob: „Designing Web Usability“; Zweitausendeins-Verlag, Frankfurt (2001), S.10

[20] Wagner, Jörg (2002), S.29

[21] ebd.: S.61

[22] http://www.usability.ch/Deutsch/usab.htm

[23] Schweibenz, Werner / Frank Thissen: „Qualität im Web“, Springer Verlag, Heidelberg (2003), S.88ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Usability von Websites
Untertitel
Human-Computer-Interaction & Interface-Design
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Graphische Benutzeroberflächen - Ein ewiges Paradigma?
Note
gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
25
Katalognummer
V82816
ISBN (eBook)
9783638885966
ISBN (Buch)
9783638889179
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Usability, Websites, Graphische, Benutzeroberflächen, Paradigma
Arbeit zitieren
M.A. (Magistra Artium) Julia Brenner (Autor), 2006, Die Usability von Websites, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82816

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