Literatur und Film - Aspekte der Verbindung zweier Medien


Seminararbeit, 2006
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kritik am neuen Medium Film

2. Schriftsteller und Film

3. Film durch filmische Schreibweise

4. Adaptationen
4.1. Entlehnung
4.2. Kreuzung
4.3. Werktreue

5. Bedeutungsgenese im Film
5.1. Montage
5.2. Fallbeispiele

6. Fazit

Literaturnachweis

Einleitung

Literatur und Film sind sehr eng miteinander verbunden. Beide besitzen die narrative Struktur, weswegen der Film auch in nächster Nachbarschaft zum Roman und nicht, wie man vorschnell annehmen könnte, zum Drama steht. In der vorliegenden Arbeit soll zunächst untersucht werden wie die Stellung des Schriftstellers zum Konkurrenzmedium Film aussah, um davon ausgehend wichtige Elemente dieser Beziehung, die filmische Schreibweise und die Adaptation, näher zu beleuchten. Anschließend soll die Bewegung vom Text zum Bild anhand einzelner Formen der Bedeutungsgenese im Film vollzogen werden, um die Unterschiedlichkeit der Schnittstellen in dieser speziellen Beziehung zu verdeutlichen.

„Die Transformation von Bild und Theater in Text und Text in Bild und Theater wiederum, […], erweist sich als Teil eines ästhetischen Programms, das visuelle Erfahrbarkeit zu seinem Ziel erklärt und im Modus der ‚Anschaulichkeit’ der Literatur eine neue (auch mediale) Dimension zu erschließen sucht, zugleich aber die Aporien intermedialer Darstellung vor Augen führt.“[1]

1. Kritik am neuen Medium Film

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Kineamtograph mehr und mehr Besucher in seinen Bann zog, wirkte sich das in markanter Weise auf das kulturelle Leben in der Gesellschaft aus. Schnell entstand ein Kulturkampf, in dem die verschiedenen Medien eine besondere Rolle spielten. Die Buchindustrie befürchtete enorme Umsatzeinbußen aufgrund von Literaturverfilmungen. Nicht anders, fast noch dramatischer, sah es beim Theater aus, angesichts der Mengen von Menschen, die in die kleinen Vorführräume und Kinolokale, anstatt in die Schauspielhäuser strömten. Zum einen waren diese begeistert durch die neuartige Technik, die es ermöglichte, dass nur drei bis vier Menschen – Filmvorführer, Begleitmusiker, … - eine Vorstellung boten, die einer Theateraufführung nahezu ebenbürtig war. Zum anderen wurden sie angezogen von einer schnellen Unterhaltungsvielfalt, wodurch das Interesse an den herkömmlichen Entertainmentformen schwand.

Aufgrund der klaren Positionen, die durch diese Neuerungen geschaffen wurden, gerieten Traditionalisten in Streit mit den Vertretern einer aufgeklärten Moderne und einer neugierigen Avantgarde, die im Freundeskreis demonstrativ ins Kino gingen und Spaß hatten. Der Film hatte es also von Anfang an nicht leicht und musste viele Anfeindungen erdulden. Während in der zweiten Dekade des letzten Jahrhunderts noch viel Kritik an der leichten und schnellen Unterhaltung geübt wurde, gab es ab 1920 mehr und mehr Akzeptanz und Begeisterung.

2. Schriftsteller und Film

Eine besondere Rolle im Kulturstreit der Generationen Buch/Theater und Kino nahm der Schriftsteller ein. Auf beiden Seiten vertreten, ging er natürlich auch ins Kino und konnte es kritisieren, sich dafür begeistern oder es einfach ignorieren. Viele der in den 1960er und 70er Jahren etablierten Literaten wuchsen mit dem neuen Medium auf. Sartre erinnert sich in Die Wörter daran, wie die Entwicklung begann und erkannte, dass das Kino von Beginn an entwicklungsfähig war. Schließlich sollte es Abbild der Realität sein, was es aber ohne Ton, in Schwarz-Weiß und den viel zu schnellen Bewegungen der Akteure noch lange nicht war. Sartre konnte allerdings nicht ahnen, dass der Film in seiner Entwicklung bis zum heutigen Tag die Wirklichkeit sogar überholen würde.

Aber auch Schriftsteller, deren Geburtsstunde vor die des Films fällt, waren natürlich betroffen. Sogar in einer signifikanteren Weise, weil sie selbst als Akteure im zeitgenössischen Kulturstreit agierten, insofern sie der Neuerung des Films nicht völlig gleichgültig gegenüberstanden. Aber wer konnte das damals von sich behaupten und wer kann das heute überhaupt noch überprüfen? Fakt ist, Schriftsteller gingen ins Kino. Es stellt sich die Frage, in welcher Weise diese überwältigende und ganzheitliche Erfahrung, auf ihr Denken und somit Schreiben einwirkte. Hat zum Beispiel der filmsehende Literaturwissenschaftler Literatur >anders< gelesen oder haben die Schriftsteller des Medienzeitalters >anders< geschrieben?

Vor dem zweiten Weltkrieg behauptete sich die Literatur noch neben dem Film. Autoren wie Alfred Döblin, der an einer medialen Weiterverarbeitung seines Romans Berlin Alexanderplatz als Film und Hörspiel mitwirkte, waren eher eine Seltenheit. Erst nach dem Krieg, der für eine globale Verbreitung vor allem des amerikanischen Kinos und seiner Mechanismen sorgte, begann sich eine Literatur herauszubilden, die stark vom Film beeinflusst worden war. Besonders die jüngeren Schriftsteller profitierten schnell von ihren Kinoerfahrungen, die sie in ihr Schreiben einfließen lassen konnten und womit sie die Aussöhnung vorantrieben.

„Sichtbarstes Zeichen für diese Annäherung zwischen Literatur und Kino bis hin zum direkten Austausch zwischen beiden >Medien< ist parallel zur Nouvelle Vague die Erscheinung eines >Nouveau Roman<. Literarische Autoren schreiben nicht nur >filmisch< oder für den Film, sondern arbeiten von vornherein mit Regisseuren, […], an gemeinsamen Projekten zusammen, […].“[2]

Die Spannung, zwischen den kritischen Anmerkungen der Tradition und der eigenen Begeisterung gefangen zu sein, lockerte sich und machte den Weg frei für eine neue Kreativität und neue Sichtweisen.

„Für die Literaten hat das Kino aufgehört, ein Ort der Sehnsucht oder des Glücks zu sein bzw. der Gefahr, sich ins Triviale einer Phantasie aus zweiter Hand verlieren zu können.“[3]

Aber auch der Film selbst wandelte sich, worauf der Schriftsteller reagieren musste. Die als anarchisch und subversiv empfundenen Kurzfilme der Frühzeit etablierten sich zu abendfüllenden Spielfilmen, die Teil einer ständig wachsenden Filmindustrie wurden. Jene wiederum wartete aufgrund ihrer schnelllebigen Produktionsmethoden nicht mehr auf den Dichter, sondern erwartete, dass er sich nach ihr richten würde.

Diese Diktion wurde erst 1929 mit der Einführung der Tonspur scheinbar gebrochen. Viele jubilierten, dass nun erst der Schriftsteller vollständig seine Heimat im neuen Medium finden könne. Nahm der Stummfilm dem Zuschauer die Arbeit der Einbildungskraft bisher nur auf visueller Ebene ab, so trat an die Stelle von live gespielter Musikbegleitung oder Geräuschimitation jetzt das Wort neben das Bild. Carl Zuckmayer hoffte sogar, dass die fortschreitende Entwicklung des Kurzfilms die Souveränität des (Schriftsteller-)Manuskripts schützen könnte. Andere jedoch warnten vor der Illusion, dass sich der Tonfilm damit begnügen könnte, ein möglichst realistischer Sprechfilm zu sein. Das Bild hatte diese >Darüber hinaus< - Entwicklung bereits erfahren und man befürchtete die Abwertung des durch den Schriftsteller mit Bedeutung aufgeladenen Wortes.

Der Film als dominierender Vertreter der Modernisierung der Medien hatte in diesem Bereich die Stelle eines Barometers inne, nach dem sich alle richteten. Er war Indikator der medientechnologischen Realität. Mit unnachgiebiger Konsequenz gab er die Richtung und Geschwindigkeit vor und wurde Maßstab, an den die anderen Künste den Grad ihrer Modernisierung anlegten. Zweifelsohne war er aus dieser Medienperspektive Leit- und Schlüsselfigur.

Die Literatur zog daraus ihre Konsequenzen und differenzierte sich aus. Der Schriftsteller wurde in den Filmentstehungsprozess integriert und zum Autor von Filmskizzen oder Drehbüchern. In dieser Funktion war er den Mechanismen der Filmindustrie unterworfen. Wollte sich der Schriftsteller außerhalb davon bewegen blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder produzierte er in mehr oder weniger erfolgreicher Wechselwirkung mit dem Kino Texte zu, neben oder nach dem Film.[4] Oder er radikalisierte seine Schreibweise und entwickelte Wahrnehmungs- und Darstellungsverfahren die außerhalb filmtechnischer Realisierungsmöglichkeiten lagen, um einen Ort jenseits des Mediums Film anzustreben.

[...]


[1] Brandl-Risi; S. 183

[2] Paech, Anne und Joachim; S. 250

[3] ebd.

[4] Vgl. Albersmeier

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Literatur und Film - Aspekte der Verbindung zweier Medien
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Klassische Philologie und Komparatistik)
Veranstaltung
Intermedialität
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V82856
ISBN (eBook)
9783638889575
ISBN (Buch)
9783638889681
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Film, Aspekte, Verbindung, Medien, Intermedialität, Verfilmung, Kino, Kinematograph, Stummfilm, Tonfilm, Dispositiv, Zuschauer
Arbeit zitieren
MA Björn Fischer (Autor), 2006, Literatur und Film - Aspekte der Verbindung zweier Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82856

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