Literatur und Film sind sehr eng miteinander verbunden. Beide besitzen die narrative Struktur, weswegen der Film auch in nächster Nachbarschaft zum Roman und nicht, wie man vorschnell annehmen könnte, zum Drama steht. In der vorliegenden Arbeit soll zunächst untersucht werden wie die Stellung des Schriftstellers zum Konkurrenzmedium Film aussah, um davon ausgehend wichtige Elemente dieser Beziehung, die filmische Schreibweise und die Adaptation, näher zu beleuchten. Anschließend soll die Bewegung vom Text zum Bild anhand einzelner Formen der Bedeutungsgenese im Film vollzogen werden, um die Unterschiedlichkeit der Schnittstellen in dieser speziellen Beziehung zu verdeutlichen.
„Die Transformation von Bild und Theater in Text und Text in Bild und Theater wiederum, […], erweist sich als Teil eines ästhetischen Programms, das visuelle Erfahrbarkeit zu seinem Ziel erklärt und im Modus der ‚Anschaulichkeit’ der Literatur eine neue (auch mediale) Dimension zu erschließen sucht, zugleich aber die Aporien intermedialer Darstellung vor Augen führt.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kritik am neuen Medium Film
2. Schriftsteller und Film
3. Film durch filmische Schreibweise
4. Adaptationen
4.1. Entlehnung
4.2. Kreuzung
4.3. Werktreue
5. Bedeutungsgenese im Film
5.1. Montage
5.2. Fallbeispiele
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Literatur und Film. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich die Stellung des Schriftstellers zum Medium Film entwickelte, wie sich filmische Schreibweisen in der Literatur manifestieren und welche Methoden der Adaptation sowie Bedeutungsgenese genutzt werden, um narrative Inhalte zwischen beiden Medien zu transponieren.
- Historische Betrachtung des Kulturkampfes zwischen Literatur/Theater und dem jungen Medium Film.
- Analyse des Einflusses filmischer Seherfahrungen auf die literarische Schreibweise von Autoren.
- Systematisierung von Adaptationsformen (Entlehnung, Kreuzung, Werktreue).
- Untersuchung narrativer Schichtenmodelle und Montage als Mittel der Bedeutungsgenerierung.
- Fallbeispiele für moderne Montage- und Kontinuitätstechniken im Film.
Auszug aus dem Buch
4.1. Entlehnung
Die Entlehnung ist die am meisten genutzte Form der Adaptation. Sie stellt eher eine freie Interpretation dar und hofft über den populären Namen des Originals und dessen eigener Zugkraft eine große Zuschauerzahl zu aktivieren. Hauptsächlich mit der Absicht, die eigenen Besonderheiten vorzeigen zu können. In den meisten Fällen kennt der Zuschauer den adaptierten Text bereits und verspricht sich von der filmischen Fassung neue oder besonders eindrucksvolle Aspekte. Hierin hat er durchaus Erfolg, denn der Erfolg dieser Filme beruht meistens eher auf ihrer ‚interpretativen Fruchtbarkeit’, anstatt auf ihrer Treue zum Originalwerk.
Der Kritiker muss bei der Bewertung von Entlehnungen und den in ihnen gemachten Auslegungen immer den Eindruck des Originals im Hinterkopf bewahren und mit einbeziehen. Die Gefahr bei weiten Interpretationen besteht nämlich darin, die Verbindung zum Text zu verlieren, was zu Fehleinschätzungen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die mediale Wechselbeziehung zwischen Literatur und Film sowie Darlegung der zentralen Fragestellung.
1. Kritik am neuen Medium Film: Untersuchung der historischen Vorbehalte und des kulturellen Konflikts zwischen traditionellen Medien und dem aufkommenden Kino.
2. Schriftsteller und Film: Betrachtung der Rolle von Autoren als Akteure im Medienwandel und deren Auseinandersetzung mit der filmischen Realität.
3. Film durch filmische Schreibweise: Analyse der Transformation filmischer Wahrnehmungsmuster in literarische Texte und die Entwicklung des "Kinoblicks".
4. Adaptationen: Klassifizierung und Diskussion verschiedener Methoden der Stoffübertragung von der Literatur in den Film.
5. Bedeutungsgenese im Film: Erörterung der Schichtenmodelle des Erzählens und der Bedeutung von Montageformen zur narrativen Konstruktion.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der erfolgreichen Symbiose von Film und Literatur trotz anfänglicher Anfeindungen.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Literaturverfilmung, Adaptation, filmische Schreibweise, Kinoblick, Montage, Kontinuität, Narrativität, Erzählstruktur, Entlehnung, Kreuzung, Werktreue, Medienwandel, Kulturstreit, Bildsprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der engen, aber spannungsreichen Verbindung zwischen Literatur und Film als narrative Medien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Das Spektrum reicht von der historischen Kritik am Film, über die gegenseitige Beeinflussung von Schriftstellern und Kino, bis hin zu technischen Aspekten der Adaptation und Montage.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiedlichkeit der Schnittstellen zwischen Text und Bild aufzuzeigen und die Transformation narrativer Inhalte zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine komparatistische Analyse, die medientheoretische Schichtenmodelle und filmwissenschaftliche Konzepte zur Untersuchung der "filmischen Schreibweise" anwendet.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung literarischer Adaptationsstrategien sowie die Analyse von Montageformen zur Erzeugung von Bedeutung im Film.
Was charakterisiert die in der Arbeit verwendeten Schlüsselwörter?
Die Begriffe beschreiben primär das intermediale Spannungsfeld und die spezifischen Techniken, mit denen filmische und literarische Medien einander beeinflussen.
Wie definiert der Autor das Konzept der "Entlehnung"?
Entlehnung wird als freie Interpretation verstanden, bei der der populäre Name des Originals genutzt wird, wobei die interpretative Fruchtbarkeit wichtiger ist als die Werktreue.
Warum spielt die Montage eine zentrale Rolle für das Verständnis von Film?
Die Montage fungiert als konstitutives Element der Narration, da sie die Verknüpfung von Einstellungen ermöglicht und verschiedene Bedeutungsdimensionen wie Mimesis oder Dekonstruktion erzeugen kann.
Wie illustriert der Autor die "Brechung der Kontinuität" an Filmbeispielen?
Durch Beispiele wie den "Match-Cut", "Jump Cuts" oder die komplexe zeitliche Umkehr in Filmen wie "Irréversible" oder "Memento" wird verdeutlicht, wie bewusst mit Zuschauererwartungen gespielt wird.
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- MA Björn Fischer (Author), 2006, Literatur und Film - Aspekte der Verbindung zweier Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82856