Zu Beginn dieser Rezension stelle ich Hentigs Werk „Ach, die Werte“ vor und fasse den Inhalt kurz zusammen:
In einem Vorwort wirft Hentig gleich zu Beginn die Frage auf, wie heutzutage eine Wertevermittlung möglich sein kann, wo doch in unserem Bildungssystem vieles im Argen liegt: Schuljahre werden gekürzt, der Bildungsauftrag ist unklar (frühes Expertentum kontra Grundlagenwissen) und ein gemeinschaftlicher Wertekonsens ist nicht vorhanden. Um zu helfen, müsse man die Aufgaben des Pädagogen überschaubar machen, Verunsicherung nehmen und so den jungen Menschen die Möglichkeit geben, die „Tauglichkeit der Tugenden“ zu erfahren.
Weiters gibt Hentig im Vorwort einen Überblick seines Werks, das er in fünf Teile gliedert. Im Folgenden möchte ich diese Kapitel kurz vorstellen:
Inhaltsverzeichnis
Teil I – Das Maß der Bemühung. Die ererbten Aufgaben und die neuen „Verhältnisse“
Teil II – Die Zuständigkeiten und die Verlegenheiten der Pädagogik
Teil III – Die Mittel, Verfahren, Einteilungen der Pädagogik
Teil IV – Die Klärung des Gemeinwohls
Teil V – Werte und Sinn
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Rezension befasst sich mit Hartmut von Hentigs Werk „Ach, die Werte!“, untersucht die darin aufgeworfene Problematik der mangelnden Wertevermittlung im Bildungssystem und analysiert die pädagogischen sowie politischen Lösungsansätze des Autors zur Orientierung junger Menschen in einer komplexen Gesellschaft.
- Analyse des pädagogischen Auftrags in Zeiten gesellschaftlicher Dilemmata
- Herausforderungen der Zukunftsbewältigung durch die junge Generation
- Verhältnis zwischen theoretischer Belehrung und praktischem Erfahrungslernen
- Verknüpfung von pädagogischer Reform und politischer Demokratieförderung
- Rolle von Religions- und Philosophieunterricht in einer multikonfessionellen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Teil I – Das Maß der Bemühung. Die ererbten Aufgaben und die neuen „Verhältnisse“
Hentig betont, dass der Ruf nach Werten von vielen zu hören ist; an die Schulen wird die Erwartung gerichtet, die ‚Grundwerte’ zu vermitteln. Im Gegensatz zu diesen Werten stehen allerdings die so genannten ‚neuen Dilemmata’ - wie etwa Bombenterror, Kinderpornographie oder künstlich herbeigeführte Hungerkatastrophen.
Weiters definiert Hentig im ersten Kapitel seine Vorstellung vom Begriff ‚Zukunft’ und schreibt ihm drei schwierige Eigenschaften zu:
1. Die Ungewissheit: Die Zukunft ist offen – und jeder muß lernen, damit umzugehen. Neben der Angst, die diese konstitutive Offenheit erzeugt, hat diese Ungewissheit laut Hentig auch einen entscheidenden Vorteil: sie erst erzeugt Zukunft gleichermaßen, macht wachsam und lehrt uns, Dinge zu hinterfragen.
2. Die Zukunft ist nicht gänzlich offen, unsere Entscheidungen und unsere Lebensweise prägen die kommenden dreißig Jahre. An der Zukunft werden Züge der Gegenwart sichtbar.
3. Die Zukunft muß vor der kommenden Generation verantwortet werden. Die Merkmale der Gesellschaft werden von uns bejaht, sind aber gleichzeitig auch gefährdet, da wir sie falsch verstehen, nicht ernst nehmen und schlecht verwalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil I – Das Maß der Bemühung. Die ererbten Aufgaben und die neuen „Verhältnisse“: Hentig thematisiert den allgemeinen Ruf nach Werten angesichts moderner Dilemmata und definiert die grundlegenden Eigenschaften von Zukunft sowie deren pädagogische Relevanz.
Teil II – Die Zuständigkeiten und die Verlegenheiten der Pädagogik: Dieses Kapitel erläutert den Auftrag der Pädagogik, Heranwachsenden beim Hineinwachsen in die Kultur zu helfen, und betont die Notwendigkeit von Erfahrungslernen gegenüber reinem Fachunterricht.
Teil III – Die Mittel, Verfahren, Einteilungen der Pädagogik: Der Autor hinterfragt traditionelle Lehrkategorien und plädiert für eine Erziehung zur sittlichen Lebensführung, bei der Belehrung durch tatsächliches Erleben ersetzt werden sollte.
Teil IV – Die Klärung des Gemeinwohls: Hentig analysiert die politische Lage, insbesondere die Schwächen des Parlaments, und schlägt Reformen vor, um das Gemeinwohl wieder in den Fokus zu rücken und dies mit schulischen Reformen zu verknüpfen.
Teil V – Werte und Sinn: Das abschließende Kapitel behandelt die Rolle von Religion und Philosophie in der Werteerziehung und hinterfragt, welche Art von Zukunft die Gesellschaft für kommende Generationen anstrebt.
Schlüsselwörter
Werteerziehung, Pädagogik, Zukunft, Erfahrungslernen, Gemeinwohl, Bildungssystem, Kultur, Demokratie, Philosophieunterricht, Orientierung, Jugendkriminalität, Gesellschaft, Schule, Wissensvermittlung, Sinnstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der rezensierten Arbeit im Kern?
Die Arbeit rezensiert Hartmut von Hentigs Buch „Ach, die Werte!“ und untersucht dessen Kritik am aktuellen Bildungssystem sowie seine Vorschläge zur Erziehung im 21. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Buch ab?
Die zentralen Themen umfassen die Wertevermittlung in Schulen, den Umgang mit Zukunftsungewissheit, die Reform des Parlaments und die Bedeutung von Philosophie und Religion für die Wertebildung.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Hentigs Ziel ist es, Pädagogen und die Gesellschaft dazu anzuregen, Erziehung wieder stärker als praktisches Erfahrungslernen zu begreifen und die Verantwortung für die kommenden Generationen ernst zu nehmen.
Welche methodischen Ansätze werden im Werk diskutiert?
Das Werk setzt sich kritisch mit herkömmlichen pädagogischen Methoden auseinander und fordert eine Abkehr von rein theoretischer Belehrung hin zu einer Form der Erziehung, die auf praktischer Erfahrung basiert.
Was behandelt der Hauptteil des Buches?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Bereiche, die von den neuen gesellschaftlichen Dilemmata über die Rolle der Pädagogik und die Erziehungsmethoden bis hin zu politischen Gemeinwohlfragen reichen.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Werteerziehung, Erfahrungslernen, Zukunftsoffenheit, parlamentarische Demokratie und die ethische Verantwortung der Erwachsenengeneration.
Wie bewertet der Autor das aktuelle Bildungssystem?
Hentig sieht das Bildungssystem in einer Krise, da der Bildungsauftrag unklar ist, Schuljahre gekürzt werden und ein gemeinschaftlicher Wertekonsens in der Gesellschaft weitgehend fehlt.
Welchen konkreten Vorschlag macht Hentig für die Schule?
Neben einer Reform des Fachunterrichts schlägt er einen obligatorischen Philosophieunterricht vor, der helfen soll, absolute Wahrheiten kritisch zu hinterfragen und die Weltanschauung zu öffnen.
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- Priska Wikus (Author), 2006, Hartmut von Hentig - Ach, die Werte!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83024