Italienische Jugendsprache


Seminararbeit, 2005

14 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Der linguaggio giovanile im Kontext der Varietätenlinguistik
2.1.1. Die Motivation der Sprecher
2.1.2. Charakteristika
2.1.3. Komponenten
2.1.4. Einordnung in das Diasystem des Italienischen
2.2. Besonderheiten des Wortschatzes
2.2.1. Wortbildung
2.2.2. Semantische Besonderheiten

3. Zusammenfassung

4. Bibliographie

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit möchte einen näheren Überblick über das Phänomen Jugendsprache geben und stützt sich dabei vor allem auf die ausführlichen Forschungsarbeiten der neunziger Jahre von E. Banfi, M. Cortelazzo, E. Radtke und A. Sobrero.[1] Im Folgenden möchte ich mich E. Banfi (Banfi 1994, 155) sowie C. Mavellia (Mavellia 1991, 10) und E. Radtke (Radtke 1993b, 191) anschließen und die Begriffe linguaggio giovanile beziehungsweise jugendspezifischer Sprachgebrauch und varietà giovanili anstelle von Jugendsprache verwenden.[2]

Der erste Teil meiner Arbeit behandelt Spezifika des Sprachgebrauchs der Jugendlichen im Kontext der Varietätenlinguistik. Dabei möchte ich zunächst die Funktion und Motivation der Sprecher des linguaggio giovanile innerhalb der Gruppe gleichaltriger Jugendlicher[3] besprechen und daran anschließend näher auf dessen Charakteristika vor dem Hintergrund unterschiedlicher Kommunikationsbedingungen eingehen. Dem folgt die auf A. Sobrero (Sobrero 1993) und M. Cortelazzo (Cortelazzo 1994) gestützte Darstellung der wichtigsten Komponenten - im Sinne von sprachlichen Ebenen anderer Varietäten des Italienischen - aus denen sich der linguaggio giovanile zusammensetzt. Den ersten Teil meiner Arbeit schließt die Einordnung des jugendspezifischen Sprachgebrauchs innerhalb des Diasystems der Varietätenlinguistik ab.

Im zweiten Teil meiner Arbeit möchte ich näher auf den Wortschatz des linguaggio giovanile und typische Mechanismen von dessen Bildung eingehen, worunter unter anderem Beispiele für Suffigierung, Präfigierung, Wortspiele oder auch Entlehnungen aus Fremdsprachen fallen. Abschließend gebe ich Beispiele für semantische Besonderheiten des Wortschatzes des linguaggio giovanile.

2. Hauptteil

2.1 Der linguaggio giovanile im Kontext der Varietätenlinguistik

2.1.1. Die Motivation der Sprecher

Wichtigstes Kriterium hinsichtlich der Motivation von Jugendlichen auf einen ihnen eigenen Sprachgebrauch zurückzugreifen ist die Tatsache, dass Jugendliche nicht als „entità omogenea“ betrachtet werden können, sondern vielmehr von „‘segmenti di realtà giovanile’“[4] gesprochen werden muss (Banfi 1994, 152). Diese Untergruppen der Jugendlichen orientieren sich an verschiedenen Identifikationsmustern, wie zum Beispiel Musik, Kleidung oder Frisur (Banfi 1994, 154). Zu den „‘segnali’ di riconoscimento“ (Banfi 1994, 154) dieser Art gehört auch eine der jeweiligen Gruppe eigene Sprache. Für die Verwendung dieser innerhalb der Gruppe gibt es drei Beweggründe: der Gruppe ist zum einen ein Zeichen des inneren Zusammenhalts („coesione […] verso l’interno del gruppo“) und zum anderen eine bewusste Abgrenzung zu Außenstehenden[5] („contrapposizione […] verso l’esterno“) gegeben; außerdem behauptet jedes einzelne Gruppenmitglied wiederum sich und seine Rolle[6] innerhalb der Gruppe durch die Sprache („affermazione dell’Io“) (Sobrero 1992, 47).

2.1.2. Charakteristika

Da die Sprecher des linguaggio giovanile keine homogene Einheit bilden, lässt sich auch dessen Beschaffenheit in Bezug zur lingua comune am besten mit dem Begriff “Heterogenität“ beschreiben (Còveri 1988b, 233). Heterogenität bezieht sich in diesem Zusammenhang vor allem auf die „compresenza di elementi di provenienza diversa“ (Còveri 1988b, 233). Wie L. Còveri am Beispiel der gerghi storici zeigt, handelt es sich bei diesen Elementen nicht nur um aus anderen Varietäten übernommene Wörter[7], sondern auch um Verfahren der Wortbildung[8], die in den jugendspezifischen Sprachgebrauch übernommen werden (Còveri 1988b, 233).

Charakteristisch für den linguaggio giovanile im Vergleich zur Sprache der Erwachsenen ist des Weiteren „una forte accelerazione della dinamica linguistica“ und die daraus resultierende „labilità di molte forme“, die meist mit dem Untergehen bestimmter Modeerscheinungen[9] einhergeht (Banfi 1994, 155).

Den Sprachgebrauch der Jugendlichen kennzeichnen auch spielerische Bestandteile. Darunter sind jedoch nicht nur Techniken der deformazione giocosa zu verstehen, sondern auch „la violazione ironica di certe attese conversazionali o di formule stereotipe“ (Cortelazzo 1994, 295). In diesem Kontext ist auch die Verwendung von „parole appartenenti a sistemi linguistici diversi dall’italiano (dialetti, lingue straniere)” (Cortelazzo 1994, 295) zu nennen.

Kommunikationsbedingungen wie Privatheit, Vertrautheit und physische Nähe der Kommunikationspartner sowie Dialogizität und Spontaneität zeigen, dass sich die varietà giovanili „indubbiamente attorno alla vicinanza comunicativa“ ansiedeln (Radtke 1993b, 209), also dem Konzept des Nähesprechens und der Nähediskurstradition entsprechen.[10]

Das markanteste Charakteristikum im Vergleich zur lingua comune und anderen Varietäten ist jedoch das gehäufte Auftreten der soeben genannten Merkmale (Cortelazzo 1994, 317).

[...]


[1] Siehe dazu auch Punkt 4. Bibliographie.

[2] E. Banfi grenzt die Bezeichnung linguaggio dei giovani als „continuum di varietà che coincide […] col continuum delle varietà dell’italiano di tutti” vom linguaggio giovanile als „quella varietà di lingua utilizzata […] da adolescenti e postadolescenti; varietà che appare individuata soprattutto da specifiche peculiarità, lessicali, fraseologiche (in misura minore morfosintattiche)” ab (Banfi 1994, 155). C. Mavellia hält die Bezeichnung Jugendsprache für „nicht übereinstimmend definiert“ und „zum größten Teil mit lexikalischen Abweichungen von der Standardsprache identifiziert” und zieht daher den Terminus jugendspezifischer Sprachgebrauch vor (Mavellia 1991, 5). E. Radtke spricht aufgrund der Variabilität der Jugendsprache von varietà giovanili (Radtke 1993b, 191).

[3] Die Altersgruppen, von denen in diesem Zusammenhang die Rede ist, sind zum einen die adolescenti (13-19 Jahre) und zum anderen die postadolescenti (20-23/24 Jahre); anzumerken ist allerdings, dass die meisten Erhebungen und Umfragen sich auf die Altersgruppe der postadolescenti beschränken (Radtke 1993a, 5).

[4] Als wichtigste Unterscheidungskriterien nennt E. Banfi Alter, städtisches oder ländliches Umfeld, soziales Umfeld, Bildungsgrad, Zugang zu Kulturgütern und ideologische Orientierung der Jugendlichen (Banfi 1994, 152).

[5] Außenstehende meint sowohl Angehörige anderer Gruppen von Jugendlichen als auch Erwachsene (Sobrero 1992, 47).

[6] A. Sobrero spricht von der „specializzazione […] di singole ‘maschere’” und nennt u. a. lo spiritoso, lo spaccone, il pessimista (Sobrero 1992, 47).

[7] Beispiele für die Aufnahme von Wörtern aus den gerghi storici in den linguaggio giovanile sind z. B. caramba ‘carabinieri’, fanghe ‘scarpe’ (Còveri 1988b, 233).

[8] Beispiele für Verfahren der Wortbildung aus den gerghi storici, die im linguaggio giovanile Verwendung finden, sind z. B. die suffissazione parassitaria und die deformazione giocosa (Còveri 1988b, 233).

[9] Beispiel hierfür ist das so genannte paninarese (Banfi 1994, 155), die Sprache einer Gruppe von Jugendlichen in Mailand in den achtziger Jahren, benannt nach ihrem Treffpunkt, einer Bar namens “Panino“. Überregionale Verwendung haben gewisse Ausdrücke dank einem starken Medieninteresse gefunden (Cortelazzo 1994, 310).

[10] Zu den Kommunikationsbedingungen der Nähediskurstradition siehe Koch/Oesterreicher 1990, 8-12.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Italienische Jugendsprache
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Italienische Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Der Wortschatz des Italienischen
Note
1.3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V83040
ISBN (eBook)
9783638891653
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: Gut strukturierte und sowohl auf inhaltlicher als auch auf formaler Ebene erfreuliche Arbeit.
Schlagworte
Italienische, Jugendsprache, Proseminar, Wortschatz, Italienischen
Arbeit zitieren
Stephanie Pfeiffer (Autor), 2005, Italienische Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83040

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