Zukünftige Ausrichtung der Personalpolitik deutscher Unternehmen im Kontext der demographischen Entwicklung sowie der Gesundheitssituation

Übergewichtigkeit und Bewegungsarmut der heranwachsenden Generation


Diplomarbeit, 2007

71 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit:

2. Darstellung des demographischen Wandels in Deutschland
2.1 Altersaufbau der Bevölkerung
2.1.1 Entwicklung Geburtenrate
2.1.2 Entwicklung Lebenserwartung
2.1.3 Entwicklung Einwanderungsüberschuss

3. Die zukünftige Arbeitnehmergeneration
3.1 Auswirkungen der Gesundheitssituation zukünftiger Arbeitnehmergenerationen
3.1.1 Fehlsteuerung des Immunsystems
3.1.2 Störungen der Nahrungsaufnahme und des Ernährungsverhaltens
3.1.3 Fehlsteuerung der Sinneskoordination
3.1.4 Unzureichende Bewältigung von psychischen Beanspruchungen und sozialen Anforderungen
3.2 Virtuelle Welten wie „second Life“
3.2.1 Einführung
3.2.2 Auswirkungen Virtueller Welten auf die Wahrnehmung der realen Welt
3.2.3 Nochmaliger Problemaufriss

4. Auswirkungen auf die Personalpolitik deutscher Unternehmen
4.1 Personalpolitik: Einordnung und Gegenstand
4.2 Einführung von Personal, Personalausbildung und Personalentwicklung
4.2.1 Einführung von Personal
4.2.1.1 Überblick
4.2.1.2 Personaleinführung in Unternehmen
4.2.2 Personalausbildung und Personalentwicklung
4.2.2.1 Überblick
4.2.2.2 Personalausbildung und Personalentwicklung in Unternehmen
4.3 Personalpolitische Maßnahmen
4.3.1 Personaleinführung im Kontext des demographischen Wandels
4.3.2 Personalausbildung und Personalentwicklung in Unternehmen im Kontext des demographischen Wandels sowie den Auswirkungen virtueller Welten
4.3.2.1 Verstetigung des Lernens in altersgemischten Teams in Verbindung mit dem Patensystem
4.3.2.2 Vermittlung von Berufserfahrungen sowie gesellschaftlicher und kultureller Werte in interkulturellen, altersgemischten Teams in Verbindung mit dem Patensystem
4.3.2.3 Kontinuierliche Personalentwicklung unter Nutzung der Auszubildenden und jüngeren MitarbeiterInnen als individuelle EDV-Trainer
4.3.3 Erhaltung der Arbeitsleistung der MitarbeiterInnen durch Gesundheitsförderung
4.3.3.1 Einordnung und Gegenstand
4.3.3.2 Gesundheitsförderung im Kontext des demographischen Wandels
4.3.3.3 Gesundheitsförderung im Kontext der Gesundheitssituation der heranwachsenden Arbeitnehmergeneration

5. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse mit Ausblick

6. Anhang
6.1 Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen
6.2 Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen: Konsequenzen für die Gesundheitsförderung
6.3 Wie virtuelle Welten wirken, Über die Struktur von Transfers aus der medialen in die reale Welt
6.4 Ich chatte also bin ich, Virtuelle Spielgemeinschaften zwischen Identitätsarbeit und Internetsucht
6.5 Spiele fördern, was sie fordern
6.6 Betriebliche Gesundheitsförderung: -Lohnende Investition in Mitarbeiter-
6.7 Wer nicht handelt, den bestraft die demographische Entwicklung
6.8 Partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik -Den Bedürfnissen einer alternden Belegschaft Rechnung tragen-

7. Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Zusammengefasste Geburtenziffer bis zum Jahr 2050 – Annahme ab 2006: annähernde Konstanz

Abbildung 2: Übersicht der Annahmen zur künftigen Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer

Abbildung 3: Lebenserwartung bei Geburt bis 2050

Abbildung 4: Entwicklung des Wanderungssaldos über die Grenzen Deutschlands bis 2050

Abbildung 5: Veränderungen im Leistungsverhalten älterer Arbeitnehmer

Tabelle 1: Einführungsphasen von neuem Personal und zugeordnete Maßnahmen

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Deutschland befindet sich im demographischen Wandel.

Vertreter von Politik, von Verbänden sowie die Medien versuchen die Verantwortlichen in Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren. In den betrieblichen Altersstruktu­ren und in Erhebungen zu deren Entwicklung, sind die Vorboten des demographischen Wandels sichtbar. Dennoch stehen Altersteilzeitmodelle sowie Frühverrentung der ArbeitnehmerInnen in vielen Unternehmen weiterhin auf der personalpolitischen Tagesordnung.

Schätzungen zufolge wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von ca. 42 Millionen in 2000 auf unter 30 Millionen im Jahre 2050 sinken, wobei der Anteil der 45 bis 74-Jährigen von ca. 35,40 Prozent auf ca. 45 Prozent ansteigt und die der 30 bis 44-Jährigen Personen von ca. 43,14 Prozent auf 35,56 Prozent sinkt..

Die heutigen Probleme des Fachkräftemangels werden sich in Folge dieser Entwicklung potenzieren.

Immer weniger junge Arbeitnehmer stehen den Unternehmen zur Verfügung.

Wie sind diese gerüstet, um den Anforderungen des Berufslebens gerecht zu werden?

Mediziner, Sport- und Sozialwissenschaftler sowie Politiker schlagen Alarm, die Ge­sundheitssituation in Bezug auf Übergewichtigkeit und Bewegungsarmut der zukünfti­gen Arbeitnehmergeneration ist gravierend. In Zeiten von PC-Spielen, des Internets so­wie virtueller Welten verkümmern zunehmend Sinneszentren. Die Umwelt der Kinder ist von einer umfangreichen technischen Ausstattung an Geräten und durch Reizüber­flutung der Medien geprägt. Fernsehen, Computer und Internet spielen hierbei eine große Rolle.

1.2 Problemstellung

Auf Grund dieser Ausgangssituation stellt sich die Frage, wie Unternehmen Ihre zu­künftige Personalpolitik sowohl auf die ältere als auch auf die zukünftige Arbeitneh­mergeneration ausrichten werden. Die Erhöhung des Durchschnittsalters der Arbeit­nehmerInnen in Unternehmen, bedingt durch den demographischen Wandel, lässt Handlungsansätze in einigen Unternehmen zur Neuausrichtung ihrer Personalpolitik er­kennen. So wurden z. B. Empfehlungen in Form von „Demographietools“ von Unter­nehmen und Instituten entwickelt und auf Fachtagungen diskutiert. Dazu gehören:[1]

- Altersgemischte Teams, Alt-Jung-Tandems, Mentoring- oder Patensysteme
- Altersstrukturanalyse
- Alter(n)sgerechte Arbeitsorganisation (Arbeitszeit, Telearbeit, Tätigkeitswechsel)
- Aufbau eines Leitbildes der „Altersvielfalt“ (Diversity) und Wertschätzungskultur
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Gesundheitsförderung
- Familienfreundliche Arbeitswelt
- Lebenslanges Lernen, Lernen im Prozess der Arbeit
- Personalrekrutierung und Mitarbeiterbindung
- Schaffung leistungsgeminderter Arbeitsplätze
- Wissenstransfer (Know-how-Tandems, Austrittsgespräche, Mentoring, Qualitätszirkel)
- Work Ability Index

Auch von Seiten der Politik existieren „Werkzeugkästen“ für KMU, die die Möglichkeit zur Ableitung betriebsindividueller Lösungen und Integration eigener Analysen bieten. Lösungsansätze zur Ausrichtung der Personalpolitik auf die Erhöhung des Durch­schnittsalters der ArbeitnehmerInnen in Unternehmen existieren also bereits. Berück­sichtigen diese Lösungsansätze auch die Personalpolitik für die zukünftige Arbeitneh­mergeneration und hier im Besonderen deren Gesundheitssituation?

Zu Betrachten sind folgende psycho- und soziosomatische Gesundheitsstörungen der heranwachsenden Generation:[2]

- Fehlsteuerung des Immunsystems
- Störungen der Nahrungsaufnahme und des Ernährungsverhaltens
- Fehlsteuerung der Sinneskoordination
- Unzureichende Bewältigung von psychischen Beanspruchungen und sozialen Anforderungen
- Konsum psychoaktiver Substanzen

Können für die Ausrichtung der Personalpolitik Parallelen gezogen werden bzw. kann die Ausrichtung der Personalpolitik so erfolgen, dass sie der älteren als auch der jünge­ren Arbeitnehmergeneration gleichermaßen gerecht wird? Ist es Aufgabe der Unter­nehmen die Gesundheitsförderung der ArbeitnehmerInnen in der Personalpolitik zu be­rücksichtigen oder sind hier ausschließlich Präventivmaßnahmen von Seiten des Staates erforderlich? Sind die Unternehmen überhaupt in der Lage solche umfangreichen perso­nalpolitischen Maßnahmen umzusetzen?

1.3 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem demographischen Wandel sowie der Gesundheitssituation der heranwachsenden Generation. Es werden sowohl die Auswir­kungen auf die Personalpolitik deutscher Unternehmen als auch mögliche Reaktionen diskutiert. Als wesentliche Handlungsfelder werden Personaleinführungs-, Personalaus­bildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen sowie die Gesundheitsförderung in Unternehmen für die jungen und älteren ArbeitnehmerInnen untersucht.

In Kapitel 2 und 3 wird die grundlegende Situation des demographischen Wandel sowie die derzeitige Gesundheitssituation der heranwachsenden Generation dargestellt.

Im anschließenden Kapitel 4 werden die Auswirkungen auf die Personalpolitik und mögliche personalpolitische Maßnahmen beschrieben. Der Fokus liegt hierbei auf den Teilbereichen: Einführung von Personal, Personalausbildung und Personalentwicklung sowie die Gesundheitsförderung in Unternehmen.

In Kapitel 5 werden die Ergebnisse zusammengefasst und interpretiert.

2. Darstellung des demographischen Wandels in Deutschland

2.1 Altersaufbau der Bevölkerung

Der Altersaufbau bzw. die Altersstruktur der Bevölkerung hängt von verschiedenen Einflussgrößen ab, die wiederum eigenen Einflussgrößen unterliegen. Im besonderen sind hier die Entwicklung der Geburtenrate, die Entwicklung der Lebenserwartung und die Entwicklung des Einwanderungsüberschusses zu betrachten. In der 11. koordinier­ten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werden diese Themen ausführlich beschrieben und behandelt. Es erfolgt hier nur ein kurzer Exkurs.

2.1.1 Entwicklung Geburtenrate

„Die Geburtenentwicklung hängt vom generativen Verhalten der Menschen im repro­duktiven Alter ab. Dieses spiegelt sich vor allem in der Kinderzahl je Frau sowie im Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt (Gebäralter) wider.“[3]

2004 lag die zusammengefasste Geburtenziffer bei ca. 1,4 Kindern je Frau im gebärfä­higen Alter.

Folgende drei Annahmen zur künftigen Geburtenentwicklung werden vom Statistischen Bundesamt in der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechung auf Grundlage der bisherigen Entwicklung getroffen:

- „Annahme „annähernde Konstanz“: Die Entwicklung der letzten 15 bis 20 Jahre setzt sich während der nächsten 20 Jahre weitgehend fort: Die zusammen­gefasste Geburtenziffer bleibt auf dem Niveau von knapp 1,4 Kinder je Frau bei einem gleichzeitigen Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters um circa 1,6 Jahre. Im Zeitraum von 2026 bis 2050 bleiben die Geburtenverhältnisse konstant.
Diese Annahme wird als Hauptannahme definiert, denn es liegen derzeit keine empirischen Anhaltspunkte für eine Trendwende vor. Für die Darstellung von Ergebnissen steht dieses Entwicklungsszenario im Mittelpunkt.
Für Deutschland insgesamt ergibt sich daraus ein geringfügiger Anstieg bis zum Jahr 2025 auf knapp 1,4 Kinder je Frau bei einer gleichzeitigen Erhöhung des durchschnittlichen Gebäralters um etwa 1,6 Jahre[...].“[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Bevölkerung Deutschland – 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung 1: Zusammengefasste Geburtenziffer bis zum Jahr 2050 - Annahme ab 2006: annähernde Konstanz

- Annahme „leichter Anstieg“: Zunahme der Geburtenhäufigkeit auf 1,6 Kinder je Frau bis 2025 bei einem gleichzeitigen Anstieg des durchschnittlichen Gebär­alters um circa ein Jahr. Im Zeitraum von 2026 bis 2050 bleibt die Geburtenhäu­figkeit konstant[...]..[5]
- Annahme „leichter Rückgang“: Rückgang der Geburtenhäufigkeit bis zum Jahr 2050 auf 1,2 Kinder je Frau bei einem gleichzeitigen Anstieg des durch­schnittlichen Gebäralters um circa zwei Jahre[...].[6]

Erhaltungsgrenze der Bevölkerung liegt bei 2,1 Kinder pro Frau. Die Folge ist, dass die Anzahl potentieller Mütter immer geringer wird, noch weniger Geburten erfolgen und damit immer weniger Leute im erwerbsfähigen Alter den Unternehmen zur Verfügung stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Bevölkerung Deutschland – 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung 2: Übersicht der Annahmen zur künftigen Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer

2.1.2 Entwicklung Lebenserwartung

Die Sterblichkeit und die Lebenserwartung sind weitere Einflussfaktoren für die Bevöl­kerungsentwicklung. Fortschritte in der medizinischen Versorgung, verbesserte Arbeits­bedingungen, bewusstere Ernährung, Hygiene und die verbesserte Wohnsitua­tion haben hauptsächlich, vor allem aber bei der Abnahme der Kindersterblichkeit, zu dieser Entwicklung beigetragen.“[7]

Die Darstellung zur Entwicklung der Lebenserwartung der Bevölkerung für die 11. ko­ordinierte Bevölkerungsberechnung stützt sich auf zwei Annahmen, wobei beide von einer steigenden Lebenserwartung ausgehen. Begründet wird dies mit der Annahme der Verbesserung und dem Fortschritt der medizinischen Versorgung aller Altersklassen.

- „Basisannahme zur Lebenserwartung: In der Basisannahme ergibt sich für das Jahr 2050 für Männer eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 83,5 Jahren und für Frauen von 88,0 Jahren. Das ist ein Zuwachs von 7,6 beziehungsweise 6,5 Jahren im Vergleich zur Lebenserwartung in Deutschland 2002/2004[...].“[8]
- „Hoher Anstieg der Lebenserwartung: In der hohen Lebenserwartungsan­nahme können Männer bei Geburt im Jahr 2050 eine durchschnittliche Lebens­erwartung von 85,4 Jahren und Frauen von 89,8 Jahren erreichen. Das sind für Männer 9,5 Jahre und für Frauen 8,3 Jahre mehr als 2002/2004. Die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen sinkt von 5,6 auf 4,4 Jahre[...].“[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Bevölkerung Deutschland – 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung 3: Lebenserwartung bei Geburt bis 2050

2.1.3 Entwicklung Einwanderungsüberschuss

„Für die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland sind neben Geburten und Sterbefäl­len die Bevölkerungsbewegungen über die Grenzen des Landes, die so genannte Au­ßenwanderung, bedeutsam. Für die künftige Bevölkerungszahl und die Altersstruktur ist dabei der Wanderungssaldo, das heißt die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen, aus­schlaggebend. Anders als bei Geburtenhäufigkeit oder Lebenserwartung lässt sich aus den bisherigen Wanderungssalden kaum ein Trend ableiten. Der Saldo hängt auf der ei­nen Seite vom Migrationspotenzial in Folge politischer, wirtschaftlicher, demografi­scher oder auch ökologischer Entwicklungen in den Herkunftsländern ab. Auf der ande­ren Seite wird er von der Migrationspolitik in Deutschland sowie der wirtschaftlichen und sozialen Attraktivität Deutschlands als Zielland beeinflusst.“[10]

„Im Hinblick auf das künftige Wanderungsgeschehen in Deutschland können ausgehend von den dargestellten Entwicklungen folgende Anhaltspunkte fest gehalten werden:

1. Das Wanderungsgeschehen hängt vom Bedarf im Zielland und dem Migrationspo­tenzial in den Herkunftsländern ab. Daraus und aus dem Vergleich der Verhältnisse in den einzelnen Staaten kann ein Wanderungssog auf der einen und ein Wanderungsdruck auf der anderen Seite entstehen. Die Realisierung von Wanderungen wird durch politische Regelungen beeinflusst.
2. Der Außenwanderungssaldo war in den vergangenen 50 Jahren vorwiegend posi­tiv. Der langjährige Jahresdurchschnitt lag bei unterschiedlichen Konstella­tionen zwischen 150 000 bis rund 300 000 Personen:
3. Die nach Deutschland zuziehenden ausländischen Personen sind im Durch­schnitt jünger als die fortziehenden. Daraus ergibt sich für die in Deutschland verbleibende Bevölkerung ein „Verjüngungseffekt“.
4. Zu- und Fortzüge von Ausländerinnen und Ausländern dominieren das Wande­rungsgeschehen. Die Zuwanderung von Spätaussiedlern dürfte – auch als Folge des Zuwanderungsgesetzes, mit dem die Zuwanderung nach Deutschland insge­samt gesteuert und begrenzt werden soll – weiter abnehmen. Aus diesem Grund sind separate Annahmen zum Wanderungssaldo der Deutschen, anders als zu Zeiten kontinuierlich hoher Zuzüge von Spätaussiedlern, nicht mehr angebracht. Deshalb werden nur noch Annahmen zum Wanderungssaldo der Gesamtbevöl­kerung getroffen.
5. Nach wie vor besteht ein demografisches und ökonomisches Gefälle zwischen Deutschland und den typischen Herkunftsländern sowie weiteren Ländern wie den südlichen Mittelmeeranrainern. Die Türkei und die Staaten Nordafrikas werden auch in den kommenden Jahrzehnten wachsende junge Gesellschaften haben, in denen es beim Fehlen ausreichender Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu einem verstärkten Wanderungsdruck kommen kann. Dieser muss nicht zwangsläufig zu einer Zuwanderung nach Deutschland führen, würde jedoch ein Wanderungspotenzial begründen. Dem steht in Deutschland ein schrumpfendes Erwerbspersonenpotenzial gegenüber, so dass künftig wieder eine Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften entstehen kann.
6. Spätestens 2011 wird für die der Europäischen Union neu beigetretenen Staaten auch in Deutschland vollständige Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt bestehen. Dies wird wahrscheinlich ab dem Jahr 2011 verstärkte Zuwanderung aus den osteuropäischen EU-Staaten mit sich bringen. Das Zuwanderungspotenzial ist hier jedoch nicht unbegrenzt, weil in den betroffenen Staaten in den kommenden Dekaden ebenfalls ein demografisch bedingter Rückgang an jungen Arbeits­kräften zu erwarten ist.

Zum künftigen Wanderungssaldo werden zwei Annahmen getroffen. Sie gehen lang­fristig von einem jährlichen Wanderungsüberschuss von 100.000 beziehungsweise 200.000 Personen aus, wobei jeweils ein modellhafter Verlauf dargestellt wird[...].

Grundsätzlich sind auch höhere Wanderungssalden denkbar, wenn es zum Beispiel mit der Einführung der Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt und dem spürbar werdenden Rückgang der jungen Menschen in Deutschland sowie der fortschreitenden Integration zu einer veränderten Einstellung zur Zuwanderung kommen sollte.

Die Gesamtzahl der per Saldo zugewanderten Personen würde sich im Zeitraum von 2006 bis 2050 bei einem Wanderungssaldo von 100 000 auf 4,4 Millionen beziehungs­weise bei einem Wanderungssaldo von 200 000 auf 8,6 Millionen Menschen belaufen. In Schaubild 23 sind sowohl die bisherigen Wanderungssalden als auch die Annahmen zur weiteren Entwicklung für die Gesamtbevölkerung dargestellt[...]..“[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Bevölkerung Deutschland – 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Abbildung 4: Entwicklung des Wanderungssaldos über die Grenzen Deutschlands bis 2050

3. Die zukünftige Arbeitnehmergeneration

3.1 Auswirkungen der Gesundheitssituation zukünftiger Arbeitnehmergenerationen

Die Gesundheitssituation der Kinder hat sich aufgrund der Fortschritte in der medizini­schen Versorgung, der Hygiene und der Ernährung insbesondere bei den Infektions­krankheiten und Mangelkrankheiten stark verbessert. Allerdings ist eine beunruhigende Zunahme von chronischen Erkrankungen sowie vor allem von psychischen und soziso­matischen Störungen zu verzeichnen. Letztere ergeben sich aus einem mangelnden Gleichgewicht der Systeme von Körper, Psyche und Umwelt.[12]

3.1.1 Fehlsteuerung des Immunsystems

„Fehlsteuerung des Immunsystems: Die infektiösen Krankheiten, die klassischen „Kinderkrankheiten“, sind zurückgedrängt, dank eines sehr hohen Standards von Hy­giene und zugleich einer leistungsfähigen medizinischen Behandlung mit pharmakolo­gischen Produkten. Immer stärkere und schnellere Verbreitung finden aber Krankheiten des allergischen Formenkreises, die mit Defiziten des Immunsystems zu tun haben. Asthma und Neurodermitis mit einer Verbreitung von wahrscheinlich jeweils fast zehn Prozent pro Jahrgang sind die schwersten Ausprägungen dieser Störungen. Immer deut­licher werden die Hinweise, wonach ein mangelhaft trainiertes Immunsystem zur Ab­wehr von Infektionskrankheiten hierfür eine zentrale Rolle spielt[...].Hier liegt ein Ver­weis zur körperlichen Bewegung nahe: Durch physische Aktivität erschließen und er­obern sich Kinder die Umwelt, so wie sie nun einmal beschaffen ist, und stellen sich auf sie ein. Greifen wir durch Manipulationen allzu stark in diesen Prozess ein, dann wer­den die Selbststeuerungskräfte der verschiedenen Teilsysteme des Körpers geschwächt oder sogar stillgelegt.“[13]

3.1.2 Störungen der Nahrungsaufnahme und des Ernährungsverhaltens

„Störungen der Nahrungsaufnahme und des Ernährungsverhaltens: Obwohl durch eine breit gefächerte Industrie heute ein hervorragendes Angebot für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung steht, häufen sich die Hinweise auf eine noto­risch falsche Ernährung. Unter den vielfältigen Angeboten sind die vorgefertigten, leicht verdaulichen, preiswerten, aber zugleich kalorienhaltigen, industriell zubereiteten Pro­dukte auf dem Vormarsch. Diese Produkte sind zu fett, zu süß, zu salzig und enthalten ein zu geringes Angebot an verdauungsfördernden Faser- und Ballaststoffen. [...] Durch den Überschuss an Kalorien bei gleichzeitig verbreiteter Bewegungsarmut kommt es zur Übergewichtigkeit, die nur in einigen wenigen Fällen erblich bedingt ist. Mindestens zehn Prozent der Schulkinder sind in einer ernsthaften Weise übergewichtig, ihr Haltungsapparat ist völlig überlastet und ihre Blutfettwerte haben eine ungünstige Zu­sammensetzung. Übergewicht und Bewegungsarmut zusammen machen etwa ein Fünf­tel unserer Schulkinder im wahrsten Sinne des Wortes träge und behäbig.“[14]

[...]


[1] Flüter-Hoffmann, Christiane (2006): Demographischer Wandel: Praxisbeispiele aus der Personalentwicklung anderer Unternehmen, DSGV-Fachtagung Personalentwicklung, Berlin.

[2] Hurrelmann, Klaus (2005), S. 2 - 4: ajs-informationen I/2005 "Gesund aufwachsen“, Artikel: „Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen“.

[3] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 27, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[4] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 33 - 34, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[5] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 34, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[6] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 35, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[7] Vgl. Statistisches Bundesamt, (2006), S. 36, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[8] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 41, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[9] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 42, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[10] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 44, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[11] Statistisches Bundesamt, (2006), S. 51 - 53, Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

[12] Hurrelmann, K. (2000), S. 94, Gesundheitssoziologie. Weinheim: Juventa.

[13] Hurrelmann, Klaus (...) S. 2 - 3: Artikel Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen.

[14] Hurrelmann, Klaus (...) S. 3: Artikel Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen.

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Zukünftige Ausrichtung der Personalpolitik deutscher Unternehmen im Kontext der demographischen Entwicklung sowie der Gesundheitssituation
Untertitel
Übergewichtigkeit und Bewegungsarmut der heranwachsenden Generation
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Magdeburg (VWA))
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
71
Katalognummer
V83049
ISBN (eBook)
9783638895897
ISBN (Buch)
9783638896016
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zukünftige, Ausrichtung, Personalpolitik, Unternehmen, Kontext, Entwicklung, Gesundheitssituation
Arbeit zitieren
Betriebswirt (VWA) Roland John (Autor), 2007, Zukünftige Ausrichtung der Personalpolitik deutscher Unternehmen im Kontext der demographischen Entwicklung sowie der Gesundheitssituation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83049

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