Kreditderivate sind relativ neuartige Finanzinstrumente, welche am Derivatemarkt zunehmend an Bedeutung gewinnen und im letzten Jahr sogar das stärkste Wachstum (106%) auf diesem Markt verzeichneten. Sie stellen das Bindungsglied zwischen den Welten des Bankkredits und des öffentlichen Kapitalmarktes dar und eröffnen somit vielen Marktteilnehmern den Zugang zu bestimmten Segmenten des Kreditmarktes. Dies ermöglicht nicht nur Banken, sondern auch institutionellen Investoren und Versicherungsgesellschaften eine dynamische Steuerung des Kreditportfoliorisikos und verschafft den Banken mehr Flexibilität bei der Kreditvergabe.
Vor allem in Phasen niedriger Zinsen und starken Wettbewerbs in den Märkten, erscheinen Kreditderivate als Quellen alternativer Renditemöglichkeiten und als Absicherung gegen Kreditausfälle sowie Bonitätsverschlechterungen einzelner Unternehmen als besonders attraktiv. Kreditgeber eines insolvenzbedrohten Unternehmens sind mit Hilfe von Kreditderivaten in der Lage das Kreditrisiko vom Kreditgeschäft zu isolieren und dieses Risiko anschließend an andere Wirtschaftssubjekte durch den Kapitalmarkt weiterzugeben.
Diese Arbeit wird einen kleinen Einblick in den Bereich „Kreditderivaten“ geben und zeigen, warum dieser Markt so viel versprechend ist und schnell wachsen konnte. Im Folgenden wird zuerst der Begriff des Kreditrisikos erläutert und das Prinzip von Kreditderivaten sowie ihre Grundformen dargestellt. Das 3. Kapitel behandelt den Markt und ihre vergangenen Entwicklungen. Im Anschluss dazu wird die Bewertung eines Credit Default Swaps vorgenommen und zum Abschluss die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieses Instrumentes erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines
2.1. Kreditrisiko
2.2. Eigenschaften und Vertragsbestandteile
2.3. Grundformen von Kreditderivaten
2.3.1 Credit Default Swaps
2.3.2 Credit Spread Options
2.3.3 Total Return Swaps
3 Der Markt für Kreditderivate
3.1 Bisherige Entwicklung
3.2 Die gegenwärtige Marktstruktur
3.2.1 Produkte und ihre Marktanteile
3.2.2 Die Marktteilnehmer
3.2.3 Aufteilung der Referenzassets nach Rating
4 Die Bewertung eines Credit Default Swap
4.1 Der Binomialbaum
4.2 Der „Premium Leg“
4.3 Der „Protection Leg“
4.4 Der Wert eines Credit Default Swaps
5 Die Anwendungsmöglichkeiten von Kreditderivaten
6 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Funktionsweise, Marktentwicklung sowie Bewertungsmethodik von Kreditderivaten als moderne Finanzinstrumente zur Steuerung von Kreditrisiken. Das zentrale Ziel ist es, das Bindeglied zwischen Bankkredit und Kapitalmarkt zu erläutern und aufzuzeigen, wie diese Instrumente zur Risikoisolierung und flexibleren Portfolioverwaltung eingesetzt werden.
- Grundlagen des Kreditrisikos und Definition von Kreditderivaten.
- Analyse der Marktentwicklung und der aktuellen Marktstruktur.
- Mathematische Bewertung von Credit Default Swaps mittels Binomialmodellen.
- Strategischer Nutzen von Kreditderivaten für Banken und Investoren.
- Anwendungsmöglichkeiten im Risikomanagement und als Spekulationsinstrument.
Auszug aus dem Buch
4 Die Bewertung eines Credit Default Swap
Die Grundidee bei der Bewertung eines CDS ist ein Vergleich der Barwerte der Payoffs beider Vertragsparteien. In der Literatur werden die Zahlungsströme als „Premium/ Fee Leg“ und „Protection/ Contingent Leg“ bezeichnet. Der „Premium Leg“ entspricht dem Barwert aller periodischen Prämienzahlungen, die der Sicherungsnehmer für die Übertragung des Kreditrisikos zu entrichten hat. Beim „Protection Leg“ handelt es sich um den Barwert der Zahlung, die der Sicherungsgeber im Falle eines Default des Referenzschuldners an den Sicherungsnehmer zu leisten hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Kreditereignis ( hier wird nur der Fall eines Kreditausfalls betrachtet ) nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintritt und der Zeitpunkt des möglichen Ausfalls somit unbekannt ist.
4.1 Der Binomialbaum
Es existieren viele unterschiedlich komplexe Ansätze für die Modellierung des Kreditrisikos. Hier soll anhand des Binomialmodells das Ausfallrisiko veranschaulicht werden.
Angenommen ein Investor hält ein Zero-Kupon-Bond der Firma Z, welcher ihm zu einem zukünftigen Zeitpunkt T 1€ zahlt, wenn Firma Z solvent ist. Es ist bekannt, dass die (unbedingte) Ausfallwahrscheinlichkeit von Z zwischen heute und Zeitpunkt T konstant bei p_d liegt. Es existieren somit zwei mögliche Zustände für den Investor in Zeitpunkt T, die durch einen Binomialbaum dargestellt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung von Kreditderivaten als Brücke zwischen Bankkredit und Kapitalmarkt vor und umreißt den Aufbau der Arbeit.
2 Allgemeines: Das Kapitel definiert den Begriff des Kreditrisikos und erläutert die grundlegenden Vertragsmerkmale sowie die verschiedenen Formen von Kreditderivaten wie CDS, CSO und TRS.
3 Der Markt für Kreditderivate: Hier wird die historische Entwicklung seit 1992 sowie die aktuelle Marktstruktur, unterteilt nach Akteuren und Produktgruppen, analysiert.
4 Die Bewertung eines Credit Default Swap: Dieses Kapitel widmet sich der mathematischen Modellierung eines CDS, insbesondere der Bewertung des „Premium Leg“ und „Protection Leg“ mittels Binomialbäumen.
5 Die Anwendungsmöglichkeiten von Kreditderivaten: Der Abschnitt erläutert die praktischen Motive für den Einsatz von Kreditderivaten, insbesondere Hedging, regulatorische Arbitrage und Spekulation.
6 Ausblick: Der Ausblick diskutiert das weitere Wachstumspotenzial des Marktes und die Notwendigkeit einer fortschreitenden Standardisierung und Aufsicht.
Schlüsselwörter
Kreditderivate, Kreditrisiko, Credit Default Swap, CDS, Binomialmodell, Finanzinstrumente, Risikomanagement, Marktstruktur, Prämienzahlung, Ausfallwahrscheinlichkeit, Hedge Fonds, Arbitrage, Barwert, Referenzinstrument, Basler Akkord.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Kreditderivate als Finanzinstrumente, die dazu dienen, Kreditrisiken von Bankkrediten auf den Kapitalmarkt zu übertragen und effizienter zu steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen von Kreditderivaten, der Analyse der Marktentwicklung, der mathematischen Bewertung von Credit Default Swaps und den praktischen Anwendungsszenarien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionsweise und den ökonomischen Nutzen dieser Instrumente verständlich darzulegen und deren Bewertung anhand von Modellen wie dem Binomialbaum zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine deskriptive Analyse sowie eine mathematische Herleitung der Bewertung von Kreditderivaten durch stochastische Modellierung und integrale Berechnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Marktanalyse, eine detaillierte mathematische Bewertung von CDS und eine Diskussion über Anwendungsbereiche wie Hedging und Arbitrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Kreditderivate, Credit Default Swap (CDS), Ausfallrisiko, Barwertberechnung und Risikomanagement.
Warum ist der Binomialbaum für die Bewertung wichtig?
Der Binomialbaum ermöglicht es, die Ausfallwahrscheinlichkeit über mehrere Perioden abzubilden und so den Barwert des erwarteten Payoffs bei einem Credit Default Swap präzise zu ermitteln.
Welche Rolle spielen Banken bei diesen Instrumenten?
Banken fungieren primär als Risikoverkäufer, um Kreditrisikokonzentrationen in ihren Portfolios abzubauen und regulatorische Eigenkapitalvorgaben effizienter zu erfüllen.
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- Hai Yen Dang (Autor), 2007, Kreditderivate - Märkte, Bewertung und Nutzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83086