Die vorliegende Arbeit betrachtet die Praxis der Allokation von Verteidigungsressourcen. Konkretes Untersuchungsobjekt ist das von US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara 1961 für das Pentagon eingeführte Planning, Programming, Budgeting System (PPBS), welches später auch auf andere staatliche Sektoren ausgedehnt wurde. Es stellte den Versuch dar, das schlecht organisierte, unkontrollierte und dezentral geführte Budgetierungsprozedere der US-Streitkräfte (Army, Navy und Air Force) mit den Methoden des Management Accounting (insbesondere Capital Budgeting) sowie des Operations Research zu rationalisieren. Nach einem einführenden historischen Abriss der Entstehung des Konzepts und dessen Charakterisierung wird auf die ökonomische Begründung von PPBS eingegangen, gefolgt von den spezifischen Methoden, die für die Realisierung angewandt wurden. In einem weiteren Schritt werden die Gründe für das Scheitern der Budgetierungsmethode PPBS eruiert; denn bereits rund ein Jahrzehnt nach erfolgter Implementierung bildete sich in kritischen Fachkreisen ein breit abge-stützter Konsens heraus, der McNamaras Experiment als kapitale Fehlleistung betrachtete. Zu-letzt wird auf mögliche Lehren verwiesen, die aus dem gescheiterten Versuch, Managementtech-niken für die Bestimmung der effizienten Allokation von Verteidigungsreserven zu verwenden (wie es das PPBS vorsah), zu ziehen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte und Charakterisierung des PPBS
3. Ökonomische Begründung
4. Methoden
5. Gründe für Scheitern
6. Lehren
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effizienz der Ressourcenallokation im US-Verteidigungsministerium durch das Planning, Programming, Budgeting System (PPBS) und analysiert, warum dieses System trotz seines Anspruchs auf Rationalität und Transparenz weitgehend als gescheitert betrachtet wird.
- Historische Entwicklung und operative Charakterisierung des PPBS
- Finanzwissenschaftliche und ökonomische Begründung der Reform
- Methodische Ansätze wie Systemanalyse und Kosten-Nutzen-Analyse
- Kritische Analyse der Gründe für das Scheitern des Systems
- Lehren aus der Implementierung komplexer Managementtechniken
Auszug aus dem Buch
3. Ökonomische Begründung
Die vielfältigen Gründe, welche zur Entstehung des PPBS führten, lassen sich am besten anhand der Mängel, die dem Entscheidungs- und Budgetierungsprozess des US Department of Defense Ende der 1950er Jahre innewohnten, herleiten und nachvollziehen. Mit Riedweg (1971, S. 116 ff.), lassen sich die hauptsächlichen Defizite wie folgt zusammenfassen:
Schlüsselentscheidungen wurden im Rahmen des jährlichen Budgetierungsprozesses gefällt, ohne Berücksichtigung irgendwelcher zukünftiger Auswirkungen.
Das Budget basierte auf einem willkürlich festgelegten Plafond, der in keiner direkten Beziehung zu einer militärischen Strategie stand.
Die sachgruppenorientierte Budgetstruktur verunmöglichte die Aussage, für welche Hauptaufträge der amerikanischen Armee die budgetierten Dollars verwendet werden sollten.
Alternativen und Kosten-Nutzen-Kriterien fanden bei der Entscheidungsvorbereitung kaum oder gar keine Berücksichtigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die finanzwissenschaftliche Relevanz des Verteidigungsbudgets und führt in die Problematik des unkontrollierten Budgetierungsprozesses vor Einführung des PPBS ein.
2. Geschichte und Charakterisierung des PPBS: Dieses Kapitel beschreibt die Einführung des PPBS durch Robert S. McNamara als Versuch, ökonomische Rationalität und systematisches Management in die militärische Planung zu integrieren.
3. Ökonomische Begründung: Hier werden die strukturellen Defizite des vorangegangenen Budgetierungssystems aufgezeigt und die ökonomischen Argumente für die Notwendigkeit des PPBS, wie Kosten-Nutzen-Optimierung, dargelegt.
4. Methoden: Der Abschnitt erläutert die verwendeten Verfahren wie Systemanalyse, Cost-effectiveness Analysis und Cost-benefit Analysis zur quantitativen Entscheidungsunterstützung.
5. Gründe für Scheitern: Dieses Kapitel analysiert die Kritik am PPBS, insbesondere die Unzulänglichkeit der quantitativen Daten, bürokratische Ineffizienzen und das Scheitern des Modells im operativen Ernstfall.
6. Lehren: Abschließend werden die konzeptionellen Fehler und die negativen Erfahrungen reflektiert, um daraus Erkenntnisse für künftige Effizienzsteigerungsversuche in der Verwaltung abzuleiten.
Schlüsselwörter
PPBS, Verteidigungsplanung, Kosten-Nutzen-Analyse, Budgetierung, Ressourcenallokation, McNamara, Systemanalyse, Bürokratie, Militärhaushalt, Effizienz, Strategische Planung, Prinzipal-Agent-Problem, Operations Research.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Einführung und die Auswirkungen des PPBS im US-Verteidigungsministerium sowie dessen Scheitern als effizientes Steuerungsinstrument.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Genese des PPBS, die ökonomische Theorie hinter der Kosten-Nutzen-Analyse und die kritische Auseinandersetzung mit der institutionellen Praxis.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Gründen für das Scheitern des PPBS und welche Lehren für die staatliche Ressourcenallokation daraus gezogen werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden finanzwissenschaftliche Theorien, insbesondere die Bürokratiekritik und Ansätze der Kosten-Nutzen-Analyse, auf das Fallbeispiel angewendet.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des PPBS-Konzepts, die ökonomische Begründung, methodische Analysen sowie eine umfassende Kritik der Schwachstellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie PPBS, Ressourcenallokation, Systemanalyse, Rationalitätsprinzip und institutionelle Fehlsteuerung geprägt.
Warum konnte das PPBS die hohen Erwartungen nicht erfüllen?
Aufgrund von Problemen bei der Datenquantifizierung, einer schwerfälligen Bürokratie und der Unfähigkeit, das System auf unvorhersehbare militärische Ernstfälle anzupassen.
Welche Rolle spielte Robert S. McNamara dabei?
Er fungierte als Initiator des Systems, der mit dem Anspruch antrat, das Verteidigungsbudget durch rationale Managementtechniken vollständig zu reformieren.
- Quote paper
- M.A. Simon M. Ingold (Author), 2004, Ein Versuch zur effizienten Allokation von Verteidigungsressourcen: Das PPBS in der amerikanischen Verteidigungsplanung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83095