Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege der BRD mit der europäischen Sozialpolitik auseinandersetzen und welche Ziele sie mit einem europäischen Engagement verfolgen. Die zentrale Frage richtet sich zunächst auf die konkreten Aktivitäten des einzelnen Verbandes, um im darauf folgenden Vergleich spezifische Aussagen zu den einzelnen Akteuren treffen zu können.
Die Analysekriterien sind hierbei:
- die im europäischen Zusammenhang angeführteWertorientierung
- die Positionierung zur ‚Ökonomisierung’ des europäischen Sozialmarktes
- die momentane Handlungsstrategie des jeweiligen Verbandes.
Der Leser erhält einen guten Einblick in die für das Thema relevanten europäischen Strukturen und über die rechtliche Stellung der Sozialpolitik in der Europäischen Union. Des weiteren sind detaillierte Informationen zur individuellen europäischen Positionierung der Wohlfahrtsverbände in der Hausarbeit enthalten.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Rahmenbedingungen
2.1. Die Bedeutung Europäischer Sozialpolitik für die Wohlfahrtsverbände der BRD
2.2. Die Interessensvertretungen und Arbeitsgruppen der WV
3. Die individuelle Ausgestaltung europäischen Engagements der WV
3.1. Die Arbeiterwohlfahrt
3.2. Das Diakonische Werk der BRD
3.3. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband
4. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwieweit sich die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege der BRD theoretisch mit dem Thema Europa auseinandersetzen, welche Ziele sie dabei verfolgen und wie sie ihre Interessen gegenüber europäischen Organen konkret vertreten.
- Analyse des europäischen Selbstverständnisses der Wohlfahrtsverbände
- Untersuchung der politischen Interessenvertretung auf EU-Ebene
- Gegenüberstellung von theoretischem Anspruch und praktischer Wirklichkeit
- Rolle der europäischen Förderpolitik für die Arbeit der Wohlfahrtsverbände
- Vergleich der spezifischen Strategien von AWO, Diakonie und Paritätischem Wohlfahrtsverband
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Arbeiterwohlfahrt
Wertorientierung: Allen Überlegungen und Überzeugungen zugrunde liegen die Grundwerte der AWO (Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit) (Vgl. Europäische Sozialpolitik- Eine Standortbestimmung der Arbeiterwohlfahrt 2000, 18). Ziel der Sozialpolitik Europas muss aus Sicht der AWO ein „demokratisches und soziales“ Europa sein. Eine Stärkung der Demokratie in der Gemeinschaft ist aus Sicht der AWO nur zu bewerkstelligen, indem die Zivilgesellschaft, sprich die einzelnen Bürger und deren Interessenvertreter, miteinbezogen wird in die Gestaltung der politischen Entscheidungen (Vgl. ebd). Erst durch die daraus folgende Stärkung des Gemeinschaftsgefühls aller Europäischen Bürger, und durch das Wissen um die Situation und um die verschiedenen sozialen Standards der anderen Mitgliedstaaten, kann sich eine solidarische Weiterentwicklung der Sozialen Dimension Europas vollziehen (Vgl. ebd., 19ff).
Der Begriff der Solidarität ist ein zentraler in allen europarelevanten Theorien der AWO. Er bezeichnet das verantwortliche Miteinander aller Bürger der einzelnen Staaten. Solidarität muss sich nach Ansicht der AWO auf mehreren Ebenen wiederfinden, auf einer Mikro- und einer Makroebene: Die Bürger Europas sollen auf der Mikroebene als Bezieher sozialer Dienste auch eine entsprechende Gegenleistung erbringen, sie sollen zur Übernahme sozialer Verantwortung verpflichtet werden. (Vgl. ebd, .19). Auf der Makroebene der Gemeinschaftspolitik findet sich das solidarische Element wieder in der Forderung nach einem solidarischen, d.h verantwortlichen Miteinander der Einzelstaaten (Vgl. Theorie und Praxis Sozialer Arbeit 2002, 149f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Auseinandersetzung der Wohlfahrtsverbände mit Europa und beschreibt die methodische Vorgehensweise sowie die Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung.
2.Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss der europäischen Sozialpolitik auf den Sektor der freien Wohlfahrtspflege sowie die Strukturen der Interessenvertretung und Netzwerkarbeit auf EU-Ebene.
3. Die individuelle Ausgestaltung europäischen Engagements der WV: Hier werden die spezifischen Positionen, Wertorientierungen, Ansätze zur Ökonomisierung und Handlungsstrategien von AWO, Diakonie und Paritätischem Wohlfahrtsverband detailliert analysiert.
4. Resümee: Das Resümee zieht ein Fazit über die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und tatsächlicher Praxis der Wohlfahrtsverbände in Europa und hinterfragt die Aufrichtigkeit der europäischen Aktivitäten vor dem Hintergrund finanzieller Anreize.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsverbände, Freie Wohlfahrtspflege, Europäische Sozialpolitik, Daseinsvorsorge, Interessenvertretung, Solidarität, EU-Förderpolitik, Ökonomisierung, Europäisches Engagement, Subsidiarität, Zivilgesellschaft, AWO, Diakonie, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Netzwerkarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Wohlfahrtsverbände sich theoretisch mit dem europäischen Integrationsprozess auseinandersetzen und welche Ziele sie bei ihrem Engagement in Europa verfolgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das europäische Selbstverständnis der Verbände, der Umgang mit EU-Wettbewerbsvorgaben (Ökonomisierung) sowie die praktische Interessenvertretung in Brüssel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuklären, ob die Wohlfahrtsverbände Europa als inhaltliche Herausforderung für soziale Arbeit begreifen oder ob das Engagement primär durch finanzielle Anreize der EU-Förderprogramme motiviert ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von persönlichen Gesprächen mit Vertretern der jeweiligen Verbände, um ein authentisches Bild der Strategien zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich zunächst den allgemeinen Rahmenbedingungen für Wohlfahrtsverbände in der EU und analysiert anschließend die individuellen Strategien von AWO, Diakonie und dem DPWV.
Welche Schlüsselwörter prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wohlfahrtsverbände, Europäische Sozialpolitik, Daseinsvorsorge, Interessenvertretung, Solidarität, EU-Förderprogramme und Ökonomisierung.
Inwieweit unterscheiden sich die Verbände in ihrem europäischen Engagement?
Während die AWO und Diakonie ihre Aktivitäten stark mit ihren jeweiligen ideologischen bzw. christlichen Wertorientierungen begründen, agiert der Paritätische Wohlfahrtsverband deutlich pragmatischer und „neutraler“.
Wie bewertet die Autorin die Glaubwürdigkeit des Engagements?
Die Autorin äußert im Fazit Zweifel an der Aufrichtigkeit der Wohlfahrtsverbände, da eine große Kluft zwischen dem theoretischen, idealistischen Anspruch und der tatsächlichen, oftmals durch finanzielle Motive geprägten Realität besteht.
- Quote paper
- Christina Nerlich (Author), 2002, Die europäische Ausrichtung der Wohlfahrtsverbände der BRD in Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83112