Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Franz Grillparzers Erzählung Der arme Spielmann. Es ist an sich ein bereits vielbesprochenes Werk, das unter verschiedensten Gesichtspunkten analysiert wurde. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Frage der Kommunikationsprobleme. Wie agieren und kommunizieren die dargestellten Personen im Werk untereinander und wie kann diese Kommunikation bewertet werden? Gibt es insbesondere Kommunikationsprobleme und wie treten diese zu Tage? Entstehen aus diesen Missverständnissen handlungsrelevante Situationen, die entscheidend für den weiteren Verlauf der Erzählung sind? Zudem erfolgt eine kurze zeithistorische und biographische Einordnung Grillparzers und seines Werkes. Denn insbesondere im Armen Spielmann finden sich immer wieder Parallelen zur Biographie des Autors, die bei der Bewertung der oben genannten Fragen bezüglich der Kommunikationsprobleme mit in Betracht gezogen werden können. Zwar sind sie an sich nicht notwendig für eine literaturwissenschaftliche Interpretation, dennoch sind gerade in diesem speziellen Fall, die Analogien ein kurzes Schlaglicht wert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Entstehung und Publikation der Erzählung
2.1. Form und Inhalt der Erzählung
2.2. Autobiographische Ansätze
3. Kommunikationsprobleme in der Erzählung
3.1 Jakob und die Gesellschaft
3.2 Jakob und der Erzähler
3.3 Jakob und sein Vater
3.4 Jakob und Barbara
4. Fazit
Zielsetzung & thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Kommunikationsprobleme in Franz Grillparzers Erzählung „Der arme Spielmann“. Ziel ist es zu analysieren, wie die Protagonisten miteinander agieren, warum es zu Missverständnissen kommt und welche handlungsrelevanten Konsequenzen diese Kommunikationsschwierigkeiten für den Verlauf der Erzählung haben.
- Analyse der zwischenmenschlichen Kommunikationsprobleme des Protagonisten Jakob.
- Biographische und zeithistorische Einordnung von Grillparzers Werk.
- Untersuchung des Verhältnisses von Jakob zur Gesellschaft, zum Erzähler, zum Vater und zu Barbara.
- Verbindung von Lebensgeschichte und künstlerischem Schaffen im Kontext der Biedermeier-Epoche.
- Betrachtung der Musik als zentrales Kommunikationsmotiv und Fluchtmöglichkeit.
Auszug aus dem Buch
3.1 Jakob und die Gesellschaft
Wie Jakob zur Gesellschaft steht wird insbesondere durch seine Kunst, d.h. durch seine Musik deutlich, und soll am Ende dieser Arbeit noch abschließend behandelt werden. Außerdem wurden in den oben beschriebenen Ausführungen erste Diskrepanzen zwischen Jakobs Lebensauffassung im Verhältnis zur herrschenden Zeit deutlich gemacht. Durch sie kann auch auf die Stellung des Spielmanns im gesamtgesellschaftlichen Kontext geschlossen werden. Nichtsdestotrotz soll ein prägnantes Textbeispiel die unterschiedliche Auslegung der selben Sache zwischen Jakob und der Gesellschaft, hier stellvertretend durch Kinder dargestellt, markieren:
„Einen Walzer spiel!“, riefen sie; „einen Walzer“, hörst du nicht?“ Der Alte geigte fort, scheinbar ohne auf sie zu achten, bis ihn die kleinen Zuhörerschar schmähend und spottend verließ […] „Sie wollten nicht tanzen“ sagte wie betrübt der alte Mann, sein Musikgerät zusammenlesend. Ich war ganz nah zu ihm getreten. „Die Kinder kennen eben keinen andern Tanz, als den Walzer“, sagte ich. „Ich spielte einen Walzer“, versetzte er, mit dem Geigenbogen den Ort des soeben gespielten Stückes auf seinem Notenblatt bezeichnend.15
Das hier gleich zu Beginn der Erzählung deutlich gemachte Problem kennzeichnet dabei nicht allein das Verhältnis von Spielmann und Gesellschaft, sondern weist auch schon auf den Erzähler hin, der das gespielte Stück offensichtlich auch nicht als Walzer erkannt hat. Durch ihn wird somit, ebenfalls als Vertreter der Gesellschaft, dieses Kommunikationsproblem noch untermauert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Forschungsfrage sowie eine biographische Einordnung von Franz Grillparzer.
2. Zur Entstehung und Publikation der Erzählung: Erörterung der realen Hintergründe der Erzählung und der langen Entstehungsgeschichte bis zur Veröffentlichung 1847.
2.1. Form und Inhalt der Erzählung: Darstellung der Rahmen- und Binnenhandlungsstruktur sowie eine inhaltliche Zusammenfassung der Novelle.
2.2. Autobiographische Ansätze: Analyse der Parallelen zwischen dem Leben des Autors, dem Erzähler und der Figur des Jakob.
3. Kommunikationsprobleme in der Erzählung: Theoretische Grundlegung des Kommunikationsbegriffs für die anschließende Analyse der Textbeispiele.
3.1 Jakob und die Gesellschaft: Untersuchung der gesellschaftlichen Isolation Jakobs anhand seines musikalischen Unverständnisses.
3.2 Jakob und der Erzähler: Betrachtung des distanzierten Verhältnisses zwischen dem Ich-Erzähler und dem Spielmann.
3.3 Jakob und sein Vater: Analyse des familiären Kommunikationsabbruchs und dessen Auswirkungen auf Jakobs Lebensweg.
3.4 Jakob und Barbara: Darstellung der gescheiterten Liebesbeziehung aufgrund mangelnder Kommunikation und unterschiedlicher Lebensvorstellungen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung Jakobs als gesellschaftlicher Außenseiter, der an fehlender Integration und Kommunikation scheitert.
Schlüsselwörter
Franz Grillparzer, Der arme Spielmann, Kommunikationsprobleme, Biedermeier, Jakob, soziale Isolation, Erzählstruktur, Rahmenhandlung, Binnenhandlung, Autobiographie, Musikalität, Außenseiter, Existenz, Literaturwissenschaft, Wien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kommunikationsprobleme der Hauptfigur Jakob in Franz Grillparzers Erzählung „Der arme Spielmann“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Isolation des Protagonisten, seinem gescheiterten Verhältnis zu gesellschaftlichen Normen, seiner musikalischen Identität und den familiären Konflikten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Kommunikationsschwierigkeiten die soziale Integration behindern und den Verlauf der Lebensgeschichte Jakobs maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung biographischer und epochengeschichtlicher Hintergründe der Biedermeier-Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Verhältnis Jakobs zur Gesellschaft, zum Erzähler, zu seinem Vater und zu Barbara untersucht, um konkrete Kommunikationsdefizite zu beleuchten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem soziale Isolation, Kommunikation, Außenseiter, autobiographische Bezüge und Biedermeier.
Warum ist das Verhältnis zum Vater für Jakob so entscheidend?
Die frühe Entfremdung und der Kommunikationsabbruch durch den Vater legen laut Arbeit den Grundstein für Jakobs spätere Unfähigkeit, sich in die bürgerliche Gesellschaft zu integrieren.
Welche Rolle spielt das Motiv der Musik in der Erzählung?
Musik fungiert für Jakob sowohl als Fluchtmöglichkeit aus der Realität als auch als Ausdruck seiner gescheiterten Kommunikation, da seine Musik von der Umwelt nicht verstanden wird.
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- M.A. Florian Schneider (Author), 2006, Über die Kommunikationsprobleme in Grillparzers „Der arme Spielmann“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83206