Diese Arbeit möchte einen kurzen Abriss über Norbert Elias’ Werk Was ist Sozio-logie?, das 1970 erschienen ist, geben. Neben Begriffen und Denkansätzen, die heute aus der Soziologie nicht mehr wegzudenken, versteht es Elias das komplexe Feld verständlich zu umreißen. So gelingt es ihm, einen Beitrag zur Etablierung dieses Fachgebietes im allgemeinen Wissenschaftsbetrieb einmal mehr zu veran-kern.
Grundsätzlich beschäftigt sich die Soziologie mir den Problemen der Gesellschaft und der Vergesellschaftung, so dass man sie auch als Menschenwissenschaft be-zeichnet. Elias klärt in diesem Zusammenhang in seinem Werk Begrifflichkeiten, die die Soziologie betreffen. Es geht hierbei zuerst um die Differenzierung von Individuum und Umwelt. Allerdings wird dabei oft vergessen, dass das Indivi-duum zwangsläufig Teil seiner Umwelt ist, und sie mit ihr teilt . Bereits in dieser kleinen Differenzierung zeigt sich der fundamentale Ansatz, um den es hier geht: Zwar muss das Individuum als solches gesehen werden, ohne sein Umfeld, seine Umwelt kann eine Analyse oder Interpretation aber nicht geschehen.
Dabei sind Denken und Sprechen die fundamentalen Parameter, die den Menschen auszeichnen. Früher ging es um philosophische Erkenntnisformen und -gewinnung, wodurch die Soziogenese oder Psychogenese blockiert wurde, weil der allumfassende Blickwinkel ausgeklammert wurde. Elias geht es also um „eine Umorganisation der Wahrnehmung und des Denkens vieler interdependenter Menschen in einer Gesellschaft.“ Hin also zu einer Umorientierung der Gesellschaft zu einer neuen Sprech- und Denkweise. Der Mensch versucht mittels Sprache, von sich ausgehend, Probleme zu lösen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Spiele-Modelle
2.1. Vor-Spiel: Modell einer unnormierten Verflechtung
2.2. Modell normierter Verflechtungen
2.2.1. Zweipersonenspiele
2.2.2. Vielpersonenspiele auf einer Ebene
2.2.3. Vielpersonenspiele auf mehreren Ebene
2.3. Zusammenfassung der Modelle
3. Der Begriff der Figuration
4. Verflechtungszusammenhänge – Probleme der sozialen Bindung
5. Der Wandel der Gesellschaft und die Soziologie
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Abriss über Norbert Elias' Werk "Was ist Soziologie?". Ziel ist es, die zentralen Begriffe und Denkansätze von Elias, insbesondere die Konzepte der Figuration und der Spiele-Modelle, im Kontext der soziologischen Wissenschaftstheorie zu analysieren und deren Bedeutung für das Verständnis des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft herauszuarbeiten.
- Grundlagen der Soziologie als Menschenwissenschaft
- Die Spiele-Modelle zur Veranschaulichung gesellschaftlicher Interdependenzen
- Der zentrale Begriff der Figuration
- Machtverhältnisse und soziale Bindung
- Gesellschaftlicher Wandel und wissenschaftliche Erkenntnistheorie
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Vielpersonenspiele auf mehreren Ebene
Um die Spiel-Modelle der tatsächlichen gesellschaftlichen Struktur noch weiter zu nähern, bringt Elias nun weitere Ebenen, beziehungsweise Gesellschaftsschichten mit ins Spiel: Die Zahl der beteiligten Spieler nimmt immer zu, was zur Folge hat, dass sich der Druck auf die anderen erhöht, sich Beziehungen und Gruppenzusammensetzungen ändern, und der einzelne Spieler länger warten muss, bis er am Zug ist. Ein prägnantes Resultat daraus ist, dass die Übersicht für alle Spieler nachlässt Jeder Spieler braucht aber ein einigermaßen klares Bild, das im zeigt, wie sich seine Figuration im interdependenten Zusammenspiel mit den anderen Spielern darstellt. Weil aber die Sicht begrenzt ist, wenn die Zahl der interdependenten Spieler – und damit auch der Figurationen wächst – wird die Situation für den Einzelnen unkontrollierbar.
Die Spieler müssen nun erkennen, dass das Spiel immer schlechter und schlechter funktioniert. Der Druck auf die Spieler wächst; es ist ein Druck in eine spezifische Richtung mit folgenden Möglichkeiten: Es kommt zu Desintegration der Spielergruppen, sie zersplittern und agieren entweder alleine und unabhängig von den anderen für sich, oder bilden neue interdependente Figurationen aus, die wiederum rivalisieren. Möglich ist zudem, dass aus einer einstöckigen Gruppe bildet sich eine zwei- oder sogar mehrstöckige Gruppe bildet.
Dieses zweistöckige Modell nennt Elias den Oligarchischen Typ. Bei diesem Spiel-Modell bleiben alle Spieler interdependent, aber sie spielen nicht mehr alle direkt miteinander. Diese Funktion übernehmen spezielle Funktionäre, die das Spiel jetzt koordinieren. Übertragen auf Gesellschaften sind es Repräsentanten, Führer, Regierungen usw. Sie bilden eine zweite Gruppe, den zweiten Stock. Dieser zweite Stock wiederum spielt mit dem zweiten Stock einer anderen Spielergemeinschaft, die sich so vertreten lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung skizziert das Werk "Was ist Soziologie?" von Norbert Elias und führt in die grundlegende Thematik der Differenzierung und gleichzeitig untrennbaren Verbindung von Individuum und Umwelt ein.
2. Die Spiele-Modelle: Dieses Kapitel erläutert anhand von Spiel-Metaphern, wie komplexe gesellschaftliche Interdependenzen und Machtverhältnisse strukturiert sind und sich dynamisch entwickeln.
3. Der Begriff der Figuration: Hier wird der zentrale Begriff der Figuration eingeführt, der dazu dient, das Individuum und die Gesellschaft als unauflösbare, wandelbare Einheit zu begreifen.
4. Verflechtungszusammenhänge – Probleme der sozialen Bindung: Dieses Kapitel behandelt die qualitativen Bindungen zwischen Menschen und wie diese zu komplexen, oft unkontrollierbaren gesellschaftlichen Funktionszusammenhängen führen.
5. Der Wandel der Gesellschaft und die Soziologie: Der Autor diskutiert hier die Notwendigkeit gesellschaftlicher Entwicklungen und fordert eine distanzierte, selbstkritische Haltung der Soziologie gegenüber dem untersuchten System.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Elias' Arbeit zusammen, das Individuum trotz systemischer Komplexität als Kern soziologischer Betrachtung beizubehalten.
Schlüsselwörter
Norbert Elias, Soziologie, Figuration, Spiele-Modelle, Macht, Interdependenz, Gesellschaft, Individuum, soziale Bindung, Wandel, Machtverhältnisse, Wissenschaftstheorie, Verflechtung, Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen systematischen Überblick über das 1970 veröffentlichte Werk "Was ist Soziologie?" von Norbert Elias und analysiert dessen zentrale soziologische Konzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung des Individuum-Gesellschaft-Verhältnisses, der Einführung der Spiele-Modelle, dem Konzept der Figuration und der Analyse von Machtprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Elias' wissenschaftlichen Beitrag zur Etablierung der Soziologie als Fachgebiet durch seine methodischen Instrumente verständlich und zugänglich aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interpretative und zusammenfassende Analyse des Primärtextes von Norbert Elias, ergänzt durch historische Einordnungen wie die von Auguste Comte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Spiele-Modelle (von einfachen bis zu mehrstöckigen Modellen), die Erläuterung des Figurationsbegriffs sowie die Analyse von sozialen Verflechtungen und gesellschaftlichem Wandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind insbesondere Figuration, Interdependenz, Machtbalance, soziale Bindung und das Verhältnis von Individuum zu Gesellschaft.
Wie unterscheidet Elias' Modellierung von Zweipersonenspielen sich von Vielpersonenspielen?
Während bei Zweipersonenspielen Machtdifferentiale zwischen zwei Akteuren dominieren, zeigen Vielpersonenspiele auf mehreren Ebenen eine deutlich höhere Komplexität, bei der das Spiel für das Individuum zunehmend unkontrollierbar wird.
Welche Rolle spielt der Begriff "Macht" in der Untersuchung?
Macht wird bei Elias nicht als statische Gewalt, sondern als komplexes Geflecht von Einflussnahme, Druck und Richtungsweisung verstanden, das sich in interdependenten Beziehungen ständig dynamisch verändert.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit der Distanzierung für Soziologen?
Um eine "lineare Wunschbild-Forschung" zu vermeiden, muss der Soziologe sich selbst und das System, in dem er arbeitet, stets kritisch hinterfragen, um die oft unvorhersehbare Realität gesellschaftlicher Entwicklung objektiv zu erfassen.
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- M.A. Florian Schneider (Author), 2006, Was ist Soziologie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83208