Während der Zeit der Friedensprozesse von Madrid und Oslo änderte sich ein im palästinensischen Widerstand angewendete Instrument: Der Terrorismus wurde von einem nationalistisch-ethnisch begründeten zu einem religiös motivierten Terrorismus. Während die nationalistische Fatah von Arafat der Gewalt abschwor, nahm Scheich Yassins radikalislamische Hamas den Kampf auf - und führte das Mittel der Selbstmordattentate in den Konflikt mit Israel ein.
Diese Hausarbeit geht der Frage nach, wie es zu diesem Wechsel in der ideologischen Begründung des Terrorimus' kam.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition Terrorismus
3. Charakterisierung ethnisch-nationalistischer Terrorismus und religiös motivierter Terrorismus
3.1. Ethnisch-nationalistischer Terrorismus
3.2. Religiös motivierter Terrorismus
4. Die Entwicklung des israelisch-palästinensischen Konfliktes und des palästinensischen Terrorismus
4.1. 1968 bis 1991 — Von der „Hochphase“ des ethnisch-nationalistischen Terrorismus zu den Friedensverhandlungen.
4.2. Ab 1991 – Der Friedensprozess von Madrid
4.3. Der Osloer Friedensprozess
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel des palästinensischen Terrorismus von einer ethnisch-nationalistischen hin zu einer religiös motivierten Ausrichtung. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Ursachen dieser Verschiebung sowie auf die Frage, inwiefern der religiös motivierte Terrorismus im Kontext des Nahostkonflikts eine neue Qualität an Legitimation und Instrumentalisierung (insbesondere durch Selbstmordattentate) entwickelt hat.
- Historische Entwicklung des palästinensischen Widerstands
- Definition und Abgrenzung verschiedener Terrorismusformen
- Die Rolle der Religion als Legitimationsbasis für Gewalt
- Psychologische und strategische Vorteile der Selbstmordattentate
- Der Einfluss des Nahost-Friedensprozesses auf terroristische Strategien
Auszug aus dem Buch
3.2. Religiös motivierter Terrorismus
Nach Waldmann entsteht religiös motivierter Terrorismus aus religiösem Fundamentalismus, der immer „von einem Hauptmotiv geprägt ist: Abwehr des globalen Modernisierungs- und Säkularisierungstrends, Schutz bzw. Rückkehr zu einer ausschließlich auf religiösen Grundlagen beruhenden Gemeinschaftsform.“ Für den Islamismus bedeutet dies die Wiedereinführung des islamischen Staates mit dem Kalifat als Exekutive und der Scharia als Rechtsgrundlage.
Die islamistische Hamas sieht ganz Palästina als „ein heiliges, den Muslimen auf ewig gestiftetes Land, das ihnen bis zum jüngsten Gericht vorbehalten ist“ an. Und in dem natürlich der islamische Staat eingeführt werden muss.
Religiös motivierte Terroristen sehen ihre Taten durch ihren jeweiligen Gott legitimiert. Zum Nachweis dieser Legitimation werden Elemente der Religion herangezogen. Im Fall des islamistischen Terrorismus sind dies Suren des Koran, Aussagen, von denen man ausgeht, dass sie von dem Propheten Muhammad stammen und in den so genannten Hadithen überliefert wurden und Rechtsgutachten religiöser Rechtsgelehrter. Mäßigende Elemente der Religion werden dabei nicht beachtet oder für nichtig erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Beobachtung ein, dass sich der palästinensische Terrorismus seit den 1990er Jahren zunehmend religiös motiviert, und formuliert die These, dass diese Form effektiver agieren kann als der klassische ethnisch-nationalistische Ansatz.
2. Begriffsdefinition Terrorismus: Dieses Kapitel definiert Terrorismus als eine planmäßige Kommunikationsstrategie zur Erzeugung von Unsicherheit und Schrecken, basierend auf der Definition von Peter Waldmann.
3. Charakterisierung ethnisch-nationalistischer Terrorismus und religiös motivierter Terrorismus: Es werden die Unterschiede in der Zielsetzung, Legitimationsbasis und dem Umgang mit der eigenen Bevölkerung zwischen nationalistisch orientierten Gruppen und religiösen Fundamentalisten herausgearbeitet.
4. Die Entwicklung des israelisch-palästinensischen Konfliktes und des palästinensischen Terrorismus: Dieser Abschnitt analysiert die historische Abfolge von der Phase der Flugzeugentführungen in den 1970ern bis hin zu den Friedensbemühungen in Madrid und Oslo, wobei der Einfluss dieser Prozesse auf die Radikalisierung palästinensischer Gruppen beleuchtet wird.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass der Rückgang des nationalen Terrorismus zur Entstehung religiöser Alternativen führte, und warnt vor einer zukünftigen Renaissance dieser Gewaltformen in Zeiten eskalierender politischer Konflikte.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Nahostkonflikt, Palästina, Hamas, Religiöser Fundamentalismus, Ethnisch-nationalistischer Terrorismus, Selbstmordattentate, Islamismus, PLO, Friedensprozess, Legitimation, Gewaltstrategie, Djihad, Autonomiebehörde, Intifada
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den historischen und inhaltlichen Wandel des palästinensischen Terrorismus, der sich von einem primär ethnisch-nationalistischen Streben nach staatlicher Unabhängigkeit hin zu einer religiös begründeten Ideologie entwickelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Die Untersuchung deckt die Definition von Terrorismus, den Vergleich zwischen politischen und religiösen Motiven sowie die Auswirkung politischer Friedensprozesse auf das Agieren terroristischer Organisationen ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass die religiöse Motivation Terroristen Vorteile bei der Legitimation ihrer Taten verschafft und eine neue, gewaltintensivere Form des Widerstands ermöglicht, die besonders durch Selbstmordattentate geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung der Fachliteratur (u.a. Waldmann, Hoffmann) und der Auswertung historischer Entwicklungen im israelisch-palästinensischen Konflikt.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Typologisierung verschiedener Terrorismusformen und eine detaillierte chronologische Analyse der Entwicklungen seit 1968, unter besonderer Berücksichtigung der Friedensabkommen.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Terrorismus, Palästina, religiöse Legitimation, Friedensprozess, Selbstmordattentate und Fundamentalismus charakterisiert.
Inwiefern beeinflusste der Osloer Friedensprozess die Taktik der Hamas?
Die Hamas lehnte die Abkommen von Oslo strikt ab und nutzte in der Folge verstärkt Selbstmordattentate, um den Friedensprozess zu untergraben und ihren eigenen Einfluss gegenüber der PLO-geführten Autonomiebehörde zu behaupten.
Warum wird der religiös motivierte Terrorismus als "gefährlicher" oder legitimer für seine Akteure eingestuft?
Da religiöse Terroristen ihre Handlungen als göttlichen Auftrag betrachten, können sie sich der internen Kritik entziehen und die Wahl ihrer Opfer ausweiten, da auch Glaubensbrüder oder Unbeteiligte als potenzielle Feinde gelten können.
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- Marius Meyer (Author), 2002, Der palästinensische Terrorismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83314