Zur Rolle der Medien in Transformationsprozessen am Beispiel Chiles


Seminararbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Transformationsforschung
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Demokratische Systeme
2.3 Autoritäre Systeme
2.4 Die Phasen der Transformation

3. Landes- und Mediengeschichte Chiles
3.1 Die Geschichte des politischen Systems in Chile
3.2 Die Geschichte der chilenischen Printmedien
3.3 Die Geschichte des chilenischen Hörfunks
3.4 Die Geschichte des chilenischen Fernsehens

4. Die Rolle der Medien im Transformationsprozess
4.1 Die Rolle der Medien in den einzelnen Phasen der Transformation
4.2 Die Rolle der Medien im chilenischen Transformationsprozess
4.2.1 Die alternativen Medien
4.2.2 Die TV-Berichterstattung anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II.
4.2.3 Die Fernseh-Spots während der Wahlkampagne für die Volksabstimmung 1988

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie etliche lateinamerikanische, asiatische und osteuropäische Länder hat auch Chile eine Transformation von einem autoritären Regime zu einem demokratischen System hinter sich. Diese Transformationen haben immer sehr unterschiedliche Ursachen und Verläufe. Die folgende Arbeit befasst sich damit, ob und wenn ja welche Rolle die verschiedenen Medien innerhalb dieser Transformationsprozesse gespielt haben.

Zunächst werde ich die politikwissenschaftlich Herangehensweise in der Transformationsforschung beschreiben, das heißt, notwendige Begriffe klären und definieren und die einzelnen Phasen und Hintergründe von Systemtransformationen darstellen. Dadurch wird verständlich, in welchen Schritten Systemtransformationen ablaufen.

Um verstehen zu können, ob und wenn ja in welchem Ausmaß die Medien eines Landes die Möglichkeit haben, auf politische Veränderungen Einfluss zu nehmen, muss man zunächst das politische System und das Mediensystem betrachten. Dazu gehört auch die die historische Entwicklung beider Systeme, das Ausmaß der Abhängigkeit beider Systeme voneinander, die Macht und den Einfluss beider Systeme auf die Bevölkerung, die Funktionen und der Stellenwert innerhalb der Gesellschaft.

Abschließend werde ich dann anhand zweier Bespiele die tatsächliche Rolle der verschiedenen chilenischen Medien im Transformationsprozess Chiles darstellen und erläutern.

2. Theoretische Grundlagen der Transformationsforschung

Dieses Kapitel beinhaltet verschiedene Begriffserklärungen und politikwissenschaftliche Theorien der Transformationsforschung, um erst einmal erklären zu können, was sich hinter dem Begriff der Transformation alles verbirgt. Außerdem wird somit ein Vergleich möglich, ob es sich bei der politischen Transformation in Chile um einen typischen, mit anderen Ländern vergleichbaren Verlauf handelt, oder ob das Land einen Sonderfall darstellt.

2.1 Begriffsdefinitionen

Autokratie bedeutet übersetzt „Selbstherrschaft“. Es handelt sich um eine Herrschaftsform, in der die Staatsgewalt uneingeschränkt bei einem einzelnen Herrscher liegt. Institutionen haben weder Kontroll- noch Mitspracherecht und Versammlungen sind verboten. (Brockhaus, 2005) Chile war während der Militärdiktatur ein autoritärer Staat. Autoritäre Staaten zählen, zusammen mit totalitären Staaten, zu den autokratischen Staaten (Merkel, 1999).

Der Begriff des Systems bezeichnet, wörtlich übersetzt, ein aus mehreren Teilen bestehendes, gegliedertes Ganzes. Allgemein ist es ein Prinzip oder eine Ordnung, nach der etwas aufgebaut oder organisiert ist. (Brockhaus, 2005)

Unter Transformation versteht man Umformung, Umgestaltung oder Umwandlung (Brockhaus, 2005). Seit Mitte der 1980er Jahre erhielt der Begriff der „Transition“ zunehmend politikwissenschaftliche Bedeutung. Dieser Begriff wurde vor allem auf die Demokratisierungsprozesse in Lateinamerika und Südeuropa angewendet (Merkel, 1999). Aus dem Englischen übersetzt mit „Übergang“ kann er semantisch mit dem „Übergang zur Demokratie“ gleichgesetzt werden. Der Gegenstand der Transitionsforschung ist die Analyse der Voraussetzungen, Ursachen und Verläufe der Demokratisierung politischer Systeme. (Sandschneider, 1995)

Der Begriff Prozess meint einen Verlauf, Ablauf, Hergang oder eine Entwicklung (Brockhaus, 2005). Diese Definition impliziert auch, dass es sich bei einem Prozess um einen zeitlich länger dauernden Vorgang handelt, der nicht von kurzer Dauer ist.

2.2 Demokratische Systeme

Demokratie bedeutet übersetzt „Herrschaft des Volkes“, das heißt es ist eine Herrschaftsform, die aus dem Volk hervorgeht und in seinem eigenen Interesse liegt. In einer Demokratie sind alle Erwachsenen Staatsbürger teilhabeberechtigt. (Brockhaus, 2005)

Damit eine Demokratie funktionieren kann, müssen deren Bürger die Möglichkeit haben, ihre Präferenzen zu formulieren und diese Präferenzen ihren Mitbürgern und ihrer Regierung durch individuelles sowie kollektives Handeln deutlich zu machen. Diese Bedingungen werden durch folgende institutionelle Garantien abgesichert. Assoziations- und Koalitionsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung, das beinhaltet auch die Pressefreiheit, aktives und passives Wahlrecht das Recht politischer Eliten, um Wählerstimmen und Unterstützung zu konkurrieren, Informationsfreiheit, freie und faire Wahlen, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit. (Merkel, 1999)

Für das Überleben eines jeden Systems ist seine Stabilität von größter Wichtigkeit. Kein System ist an sich stabil, da Veränderungen im Systeminneren und in der Systemumwelt die Bedingungen seines Fortbestehens und seiner Stabilität ständig verändern. (Sandschneider, 1995)

In Demokratien wird die Stabilität über freie Wahlen sichergestellt, die das demokratische System zu einem kontinuierlichen Lernprozess zwingen. Denn wenn die demokratisch gewählten Regierungen den Forderungen der Wähler, wie beispielsweise innere, äußere und soziale Sicherheit, nicht nachkommen, so werden sie abgewählt und die Opposition mit attraktiveren Lösungen gewählt. Die durch die Wahlen entstehende Konkurrenz zwingt das politische System zu Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Innovation. Weiterhin ist für die Stabilität auch entscheidend, dass auch die Regierten politische Partizipationschancen haben, denn auch diese erzeugen die Zustimmung zum System. Zudem ist ein prinzipieller Konsens oder Kompromiss der politischen Eliten bezüglich der demokratischen und rechtsstaatlichen Regeln unabdingbar. (Merkel, 1999)

2.3 Autoritäre Systeme

In autoritären Systemen gründet sich die politische Herrschaft nicht auf die Volkssouveränität, sondern verlangt vom Volk Gehorsam und Gefolgschaft. Die politische Partizipation, das heißt auch das aktive und passive Wahlrecht sind eingeschränkt oder ganz abgeschafft. Politischer Pluralismus ist nicht gegeben. Es existiert auch keine Gewaltenteilung, somit auch weder Gewaltenkontrolle noch Gewaltenhemmung. Die Regierung in autoritären Systemen verletzt Menschen- und Grundrechte oder setzt diese teilweise auch ganz außer Kraft, um ihren Herrschaftsanspruch sehr weit in das Alltagsleben der Bürger hinein auszudehnen. Das Zustandekommen und die Anwendung der Rechtsnormen folgen in keiner Weise verfassungsmäßigen und rechtsstaatlichen Prinzipien. Die Regierung setzt ihre Machtansprüche willkürlich, unrechtmäßig, repressiv und teilweise auch terroristisch gegenüber dem Volke durch.

Militärregimes, wie das Pinochets in Chile, zählen auch zu den autoritären Systemen. Sie kommen durch einen Putsch zustande, die putschenden Militärs appellieren oft an nationale Werte und traditionale Mentalitäten, Beispiele hierfür sind Patriotismus, nationale Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Militärs haben oft die Modernisierung der Wirtschaft und Verwaltung zum Ziel. Sie täuschen vor, wieder in die Kasernen zurückzukehren sobald ihre Ziele und Werte durch militärische Gewalt gesichert und erreicht sind.

Autoritäre Systeme sind partizipationsfeindlich, geschlossen, unflexibel, anpassungs- und innovationsträge. Dadurch sind die Leistungsfähigkeit des politischen Systems und auch die Möglichkeit der Legitimierung gemindert. Dies sind die Gründe, weshalb diese Systeme ein erhebliches endogenes Destabilisierungspotential haben, das nur durch verstärkte Repression ausgeglichen werden kann. (Merkel, 1999)

2.4 Die Phasen der Transformation

Eine Systemtransformation läuft idealtypisch folgendermaßen ab: Am Anfang steht das Ende des autokratischen Systems, ihm folgt die Institutionalisierung der Demokratie und endet schließlich mit der Konsolidierung der Demokratie. Diese drei Phasen wurden für die Analyse voneinander abgetrennt, in der Realität überschneiden sich diese Phasen jedoch oftmals.

Das Ende des autokratischen Systems beziehungsweise der Beginn der Systemtransformation verläuft in jedem System unterschiedlich. Die Transformationsforschung untersucht in diesem Zusammenhang einerseits die Ursachen, die das Ende des Systems herbeiführen, und andererseits die Verlaufsformen des Endes der autokratischen Systeme.

Zu den Ursachen gehören zum einen Ursachenkomplexe, wie beispielsweise Strukturveränderungen oder Strukturprobleme in den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Teilsystemen. Diese Veränderungen oder Probleme haben bestimmte Handlungen unterschiedlicher Akteure zur Folge. Möglicherweise sind jedoch die Probleme und Veränderungen auch die Folge bestimmter oder unterlassener Handlungen der Regimeeliten. Somit müssen immer die Strukturen gemeinsam mit Handlungen untersucht werden, wenn Zusammenbrüche analysiert werden.

Weiterhin unterscheidet die Transformationsforschung noch zwischen systeminternen und systemexternen Ursachen. Zu den systeminternen Ursachen zählen die Legitimitätskrise durch ökonomische Ineffizienz (das heißt wenn die wirtschaftliche Modernisierung scheitert), die Legitimitätskrise durch ökonomische Effizienz (durch die Modernisierung verändert sich die Erwerbs- und Sozialstruktur, dadurch entstehen Forderungen nach politischer und wirtschaftlicher Partizipation und in Folge dessen auch eine Opposition) und die Legitimitätskrise durch politische Schlüsselereignisse (zum Beispiel der Tod eines Diktators). Zu den systemexternen Ursachen gehören beispielsweise Kriegsniederlagen oder der Wegfall systemexterner Unterstützung.

Durch die Demokratisierungswellen im 19. und 20. Jahrhundert ließen sich sechs verschiedene Verlaufsformen für den Wechsel von autokratischen in demokratische Systeme herausarbeiten: die lang andauernde Evolution, der von den alten Regimeeliten gelenkte Systemwechsel, der von unten erzwungene Systemwechsel, der ausgehandelte Systemwechsel, der Regime-Kollaps und der Zerfall samt Neugründung von Staaten.

Die Phase der Demokratisierung wird häufig auch als Phase der Institutionalisierung der Demokratie bezeichnet. In diesem Abschnitt etablieren sich die neuen demokratischen Institutionen. Die politische Herrschaft geht von einer Person oder einer Gruppe über auf eine Reihe institutionalisierter, von allen anerkannten und für alle geltenden Regeln. In dieser Zeit besitzen die alten Normen und Institutionen keine oder nur noch teilweise Gültigkeit, die neuen haben sich noch nicht oder erst teilweise etabliert. Aus diesen Gründen haben die politischen Akteure in diesem Zeitraum einen größeren Handlungsspielraum, als in einer konsolidierten Demokratie. Des Weiteren sind Normen und Institutionen noch nicht in einer akzeptierten Balance, so dass das Risiko des Scheiterns der Demokratisierungsphase besteht. (Merkel, 1999)

Die demokratische Konsolidierung beginnt mit der Verabschiedung der neuen Verfassung oder mit der demokratischen Revision der alten Verfassung, denn ab diesem Zeitpunkt haben sich die wichtigsten politischen Regeln normiert und politische Institutionen wie Parlament, Regierung und Justiz etabliert. Die Akteure des politischen Systems beginnen damit, ihre Handlungen gemäß den institutionell abgesicherten demokratischen Normen auszurichten. Dadurch werden deren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt, die Politik wird für die Bürger berechenbarer. (Merkel, 1999)

Ein politisches System ist dann konsolidiert, sobald „das gesamte System nicht nur in den Augen der Eliten legitim und ohne Alternative ist, sondern wenn auch die Einstellungs-, Werte- und Verhaltensmuster der Bürger einen stabilen Legitimitätsglauben gegenüber der Demokratie reflektieren“ (Merkel, 1999, S. 144).

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Details

Titel
Zur Rolle der Medien in Transformationsprozessen am Beispiel Chiles
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Aufbaukurs „Mediensysteme im internationalen Vergleich“
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V83319
ISBN (eBook)
9783638899147
ISBN (Buch)
9783638905169
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Medien, Transformationsprozessen, Beispiel, Chiles, Aufbaukurs, Vergleich“, Südamerika, Medien in Südamerika, Lateinamerika, Pinochet
Arbeit zitieren
Stefanie Meyer (Autor), 2007, Zur Rolle der Medien in Transformationsprozessen am Beispiel Chiles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83319

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