Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Familie?


Seminararbeit, 2007
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Familie
2.1 Definition von Familie
2.2 Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie
2.3 Der Strukturwandel der Kernfamilie
2.3.1 Die Entwicklung der Geburtenziffer
2.3.2 Die Entwicklung der Eheschließungen und Ehescheidungen
2.3.3 Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Zahlen
2.3 Ursachen des Strukturwandels der Familie
2.3.1 Die Veränderung des Verhältnisses von Ehe und Familie
2.3.2 Die Individualisierungsthese
2.3.3 Die Theorie sozialer Differenzierung
2.3.4 Reformen des Familienrechts

3. Nichteheliche Lebensgemeinschaften
3.1 Die historische Entwicklung der nichtehelichen Lebensgemeinschaften
3.2 Die Motive für die Gründung einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
3.3 Eigenschaften und Besonderheiten der nichtehelichen Lebensgemeinschaften

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Lebendgeborene in Deutschland 1950 bis 2004

Tabelle 2: Eheschließungen und Ehescheidungen in Deutschland 1950 bis 2004

Tabelle 3: Nichteheliche Lebensgemeinschaften im März 2004

1. Einleitung

Die rückläufigen Eheschließungszahlen, die stetig ansteigende Zahl der Scheidungen, der drastische Rückgang der Geburten, die wachsende Zahl an Einelternfamilien beziehungsweise an Alleinerziehenden, der steigende Anteil an Einpersonenhaushalten und die deutlich angestiegene Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland legen die Vermutung nahe, dass die Institution der Familie in eine Krise geraten sein oder auch zunehmend an Bedeutung verloren haben könnte.

Die eben beschriebenen Sachverhalte werfen jedoch einige weiterführende Fragen auf: Was versteht man unter „Familie“, wie lässt sie sich definieren? Welche Funktionen und Aufgaben hat sie? Welche verschiedenen familialen Lebensformen gibt es? Wie hat sich die Struktur der Familie verändert? Aus welchen Gründen? Befindet sich die Familie in einer Krise oder sogar im Verfall?

In der hier vorliegenden Arbeit werde ich neben diese Fragestellungen auch eine bestimmte familiale Lebensform näher betrachten, nämlich die der nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Ich habe diese ausgewählt, da sie in den letzten Jahrzehnten einen sehr starken Zuwachs erfahren hat. Woher kommt dieser Anstieg? Ist er etwa eine Folge der strukturellen Veränderungen der Familie und falls ja, in welchem Ausmaß? Sind sie sogar erst durch den Strukturwandel entstanden? Oder hat es diese Form der Partnerschaft schon immer gegeben? Wie ist diese Form des nichtehelichen Zusammenlebens entstanden, wie hat sie sich entwickelt? Welche Absichten und Ziele werden durch sie verfolgt, welche Aufgaben und Funktionen hat sie? Welche Menschen entscheiden sich für diese Lebensform? In meinen Ausführungen werde ich mich ausschließlich auf die Entwicklungen in Deutschland beziehen.

2. Familie

2.1 Definition von Familie

Es ist sehr schwierig, den Begriff „Familie“ zu definieren, da eine Definition einer immensen historischen und kulturellen Vielfältigkeit an Familienformen gerecht werden müsste.

Für die Familiensoziologien Rosemarie Nave-Herz werden Familien durch drei verschiedene Kriterien charakterisiert. Die erste Eigenschaft einer Familie ist, dass sie neben ihren beiden wichtigsten Funktionen der Reproduktion und Sozialisation auch noch weitere gesellschaftliche Funktionen übernimmt, die jedoch kulturell variieren. Weiterhin ist Familie durch ein spezifisches, besonders enges und festes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis zwischen ihren Mitgliedern gekennzeichnet. Daraus resultiert schließlich auch der Gruppencharakter der Familie, der wiederum den Mitgliedern spezifische, kulturabhängige Rollen zuweist. Der letzte wesentliche Aspekt ist die Generationendifferenzierung, das heißt, jede Familie umfasst mindestens zwei Generationen (Nave-Herz, 1997).

Diese Abgrenzung berücksichtigt die große kulturelle und historische Vielfalt von Familien, Familienbeziehungen und familialer Lebensformen. Unter diese Definition fällt nicht nur der am weitesten verbreitete, eine Monopolstellung inne habende Typus der traditionellen, bürgerlichen Kleinfamilie, oftmals auch als Normalfamilie oder Kernfamilie bezeichnet (damit gemeint sind verheiratete Eltern mit Kind oder Kindern), sondern auch die sich immer stärker verbreitenden Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, Fortsetzungsfamilien und nichteheliche Lebensgemeinschaften.

2.2 Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie

Einen ersten tief greifenden Wandel ihrer Strukturen und Funktionen erfuhr die Familie beim Übergang von der Ständegesellschaft zur Industriegesellschaft. Vor der industriellen Revolution war sie nicht nur eine soziale, sondern auch eine rechtliche, politische und vor allem wirtschaftliche Einheit. Die vorindustrielle Wirtschaft war überwiegend Familienwirtschaft, das heißt die meisten vorindustriellen Familien waren in erster Linie Produktionsstätten. Die damaligen Familien waren patriarchalisch strukturiert. Mehrere Generationen der Familie lebten, je nach Stand, zusammen mit Knechten, Mägden, Lehrlingen, Gesellen oder dann im Bürgertum mit Dienstpersonal unter einem Dach. Allerdings gab es zu der Zeit auch eine große Zahl Alleinlebender, da oftmals die materiellen Voraussetzungen zur Gründung einer Familie fehlten.

Im 19. Jahrhundert entstand in den Städten langsam die bürgerliche Kleinfamilie. Sie ist erstmals durch die Trennung von Wohnung und Arbeitsstätte charakterisiert. Die Produktionsfunktion wurde durch die Erholungs- und Entlastungsfunktion ersetzt. Der Mann wurde zum Ernährer der Familie, die Frau war für Haus und Kinder zuständig. Bei den Industriearbeiterfamilien war die Arbeit zwar mittlerweile auch aus der Wohnstätte herausgelöst, jedoch mussten auch die Frauen und Kinder zum Erwerb des Lebensunterhalts beitragen.

Somit gab es im 19. Jahrhundert erst wenige bürgerliche Kleinfamilien, sie haben vor allem durch ihre Leitbildfunktion historische Bedeutung erlangt. Sie verbreiteten sich erst im 20. Jahrhundert, vor allem durch den wachsenden Wohlstand und der wachsenden Freizeit nach dem zweiten Weltkrieg (Geißler, 1996).

Charakteristisch für die Kleinfamilie ist eine Emotionalisierung und Privatisierung, die sich durch die Abgabe von Funktionen der Familie vollzog. Es entstand die Vorstellung einer romantischen Liebesehe, in der den Kindern und deren Erziehung große Bedeutung zugeschrieben wird. Durch die Aufspaltung der Gesellschaft in Privatheit und Öffentlichkeit wurden auch die Geschlechterrollen neu definiert. Der Mann wurde für die außerhäusliche Welt zuständig, die Frau für die innerhäusliche, wodurch sich ein hierarchisch-patriarchalisches Geschlechterverhältnis herausbildete (Meyer, 1996).

2.3 Der Strukturwandel der Kernfamilie

Die nachfolgenden Unterkapitel behandeln verschiedene statistische Kennziffern, die den jüngsten Wandel der Kernfamilie in Zahlen ausdrücken. Dazu gehören unter anderem die Geburtenziffer, die Zahl der Eheschließungen und Ehescheidungen, die Anzahl der Alleinerziehenden und der nichtehelichen Lebensgemeinschaften.

2.3.1 Die Entwicklung der Geburtenziffer

Die Geburtenziffer in Deutschland ist seit Jahrzehnten rückläufig:

Tabelle 1: Lebendgeborene in Deutschland 1950 bis 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006a

Den höchsten Stand der Lebendgeborenen erreichte Deutschland im Jahre 1963 mit 1,36 Millionen. Bis 1975 fiel die Geburtenziffer auf 782.000 zurück, um anschließend bis 1980 auf 866.000 anzusteigen. In den 1980ern sank die Zahl erneut, im Jahr 1990 stieg sie nochmals an bis auf 906.000. Generell zeigt sich in dem Zeitraum von 1950 bis 2004 eine fallende Tendenz, besonders stark ausgeprägt ab 1998. Mit 706.000 Lebendgeborenen im Jahre 2004 sind das nur 1,36 Kinder je Frau. (Statistische Bundesamt, 2006a)

Im Jahre 2005 wurden in Deutschland 686.000 Menschen geboren, das sind 1,34 Kinder pro Frau. im Jahre 2006 waren es nur noch 673.00 Lebendgeborene, das entspricht einer Kinderzahl von 1,33 je Frau (Statistisches Bundesamt, 2007a & 2007b).

2.3.2 Die Entwicklung der Eheschließungen und Ehescheidungen

Nicht nur die Zahl der Lebendgeborenen nimmt in Deutschland stark ab, sondern auch die Zahl der Eheschließungen. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Ehescheidungen.

Tabelle 2: Eheschließungen und Ehescheidungen in Deutschland 1950 bis 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006a

1950 wurden in Deutschland noch 750.000 Ehen geschlossen. Mit Ausnahme in den 1990er Jahren ist seitdem ist die Zahl der Eheschließungen kontinuierlich gesunken. Der damalige Anstieg lässt sich auf das besondere Heiratsdatum des 9. September 1999 zurückführen. 2004 waren es nur noch 396.000 Eheschließungen (Statistisches Bundesamt, 2006a), im Jahre 2005 388.000 und im Jahre 2006 374.000 (Statistisches Bundesamt, 2007c). Eine stetig gesunkene Heiratsquote bedeutet nicht, dass Ledige keine dauerhafte Beziehung eingehen. Etwa 40% derjenigen, die nicht verheiratet sind, haben trotzdem einen festen Lebenspartner (Statistisches Bundesamt, 2006b).

Im Gegenzug stieg die Zahl der Ehescheidungen, ausgenommen in den 1960er Jahren, beträchtlich an. Im Jahre 2004 gab es 214.000 Scheidungen in Deutschland. Von diesen 214.000 Paaren hatten 107.000 noch minderjährige Kinder. Falls die derzeitige Scheidungshäufigkeit anhält, so würden 42% der jetzigen Ehen im Laufe der Zeit wieder geschieden.

Durch die zahlreichen Scheidungen hat sich auch die Zahl der Alleinerziehenden gegenüber 1996 um 12%, das heißt um 266.000 auf 2,5 Millionen im Jahre 2004 erhöht. Alleinerziehende sind als Elternteile definiert, die ohne Ehe- oder Lebenspartner mit ihren Kindern in einem Haushalt leben. 55% wurden durch eine Scheidung zum Alleinerziehenden, 23% durch den Tod des Partners und 22% waren nie verheiratet (Statistisches Bundesamt, 2006a).

[...]

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Details

Titel
Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Familie?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Sozialstruktur und Lebenslauf: Theoretische und empirische Ansätze
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V83320
ISBN (eBook)
9783638899154
ISBN (Buch)
9783638905145
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nichteheliche, Lebensgemeinschaften, Resultat, Wandels, Familie, Sozialstruktur, Lebenslauf, Theoretische, Ansätze, Wandel der Familie, Familienstruktur im Wandel
Arbeit zitieren
Stefanie Meyer (Autor), 2007, Nichteheliche Lebensgemeinschaften - ein Resultat des Wandels der Familie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83320

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