In der vorliegenden Arbeit soll herausgestellt werden, welche Erscheinungsformen der politischen Gewalt im Peru der achtziger Jahre in dem Roman Lituma en los Andes von Mario Vargas Llosa realistisch dargestellt sind, welche Ausprägungen der politi-schen Gewalt nur angeschnitten und welche Aspekte ganz ausgeklammert werden. In der Einleitung wird der Autor kurz vorgestellt (1.1), darauf folgt ein Blick auf den Aufbau des Romans (1.2) und auf politisch-soziale Hintergründe (1.3).
Im Hauptteil soll an verschiedenen Textstellen aus Lituma en los Andes untersucht werden, inwiefern der Roman eine Darstellung der politischen Gewalt leistet und wel-che Interpretationsansätze er bietet. Das Hauptaugenmerk wird hierbei auf die Er-scheinungsformen zuerst der Aufstandsgewalt (2.1) und dann der staatlichen Gewalt (2.2) gelegt.
Im dritten Teil der Arbeit interessiert die Frage, welche möglichen Ursachen für den internen Krieg in Peru in den achtziger Jahren der Roman liefert und welche er dem Leser schuldig bleibt. Auch hier werden Analyse und Interpretation von Textbeispielen aus Lituma en los Andes im Mittelpunkt stehen.
Ein kurzes Fazit fasst die Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Mario Vargas Llosa – ein erfolgreicher Schriftsteller, aber ein erfolgreicher Präsidentschaftskandidat
1.2 Lituma en los Andes – Der Aufbau des Romans im Hinblick auf die „Dämonen“ des Autors
1.3 Politisch-soziale Hintergründe
2 DIE POLITISCHE GEWALT, IHRE AKTEURE UND IHRE OPFER
2.1 Erscheinungsformen der Aufstandsgewalt unter Sendero Luminoso
2.1.1 Das Äußere der senderistas
2.1.2 Die Waffen der senderistas
2.1.3 Die Parolen der senderistas
2.2 Erscheinungsformen und Akteure der staatlichen Unterdrückungsgewalt
3 MÖGLICHE URSACHEN DER GEWALT
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und die Erscheinungsformen politischer Gewalt im Peru der achtziger Jahre anhand des Romans Lituma en los Andes von Mario Vargas Llosa. Ziel ist es zu analysieren, wie der Autor das Phänomen des internen Krieges, die Aktionen der Terrorgruppe Sendero Luminoso sowie staatliche Repressionsmaßnahmen fiktiv verarbeitet und welche sozio-politischen Hintergründe dabei eine Rolle spielen.
- Realistische Darstellung terroristischer Gewalt im Roman
- Die Rolle staatlicher Unterdrückung und polizeilicher Gewalt
- Traditionen der Gewalt in der peruanischen Geschichte
- Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischen Problemen und Gewalt
Auszug aus dem Buch
2.1 Erscheinungsformen der Aufstandsgewalt unter Sendero Luminoso
Die fünf Beispieltaten der Terrorgruppe, die jeweils aus der Perspektive der Opfer wiedergegeben sind, laufen nach ähnlichem Muster ab: die Opfer werden von Sendero Luminoso eingekesselt – „Rodeaban al ómnibus […]” (S. 21), „Entraron a Andamarca por los dos caminos […]” (S. 75), „grupos de dos o tres rodearon a cada uno de los cinco” (S. 117) –, überprüft, „los de la lista” werden aussortiert und hingerichtet.
Das erste Verbrechen der Terroristen im Roman ist der Überfall auf einen Überlandbus, bei dem drei Menschen von Sendero Luminoso gesteinigt werden. Unter ihnen befindet sich das französische Touristenpaar Alberto und la petite Michèle. Das Motiv der Tat bleibt rätselhaft, denn die Terroristen verbinden den Überfall und die Festnahme nicht etwa mit einer Lösegeldforderung, wie von Alberto vor seinem Tod noch erahnt bzw. erhofft wurde (S. 21). Vor der eigenen Steinigung beobachten die beiden jungen Touristen, wie es dem kleinen Mann mit Hut ergeht, der auch mit ihnen zusammen abgeführt worden ist: „Lo oyeron gritar, suplicar. Empujándose, azuzándose, emilándose unos a otros, las piedras y las manos bajaban y subían, bajaban y subían” (S. 25). Besonders auffällig sind an dieser Stelle die Aneinanderreihung von drei Gerundien und die Wiederholung von „bajaban y subían” am Satzende. Diese Konstruktion repräsentiert geradezu die Steinigung. Von der bestialischen Tötung erfährt Lituma via Radio, welches vom Staat nicht nur benutzt wird, um zu informieren, sondern vor allem um die peruanische Bevölkerung gegen den Terror aufzuhetzen: „Les habían machucado las caras hasta volverlas mazamorra, según Radio Junín” (S. 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Vorstellung des Autors, des Romanaufbaus und der zentralen Fragestellung bezüglich der Gewaltdarstellung im Peru der achtziger Jahre.
1.1 Mario Vargas Llosa – ein erfolgreicher Schriftsteller, aber ein erfolgreicher Präsidentschaftskandidat: Biografischer Abriss und Analyse der politischen Ambitionen des Autors sowie deren Einfluss auf sein Werk.
1.2 Lituma en los Andes – Der Aufbau des Romans im Hinblick auf die „Dämonen“ des Autors: Analyse der strukturellen Gliederung des Romans und seiner narrativen Erzählstränge.
1.3 Politisch-soziale Hintergründe: Einordnung des historischen Kontextes des internen Krieges in Peru und der Rolle der staatlichen sowie terroristischen Akteure.
2 DIE POLITISCHE GEWALT, IHRE AKTEURE UND IHRE OPFER: Untersuchung der Gewaltverhältnisse und der Perspektiven von Tätern und Opfern im Roman.
2.1 Erscheinungsformen der Aufstandsgewalt unter Sendero Luminoso: Detaillierte Analyse der terroristischen Methoden und ideologischen Begründungen anhand spezifischer Gewalttaten.
2.1.1 Das Äußere der senderistas: Charakterisierung der Täter im Hinblick auf Alter, Kleidung und soziale Herkunft.
2.1.2 Die Waffen der senderistas: Dokumentation der unterschiedlichen Bewaffnung der Terroristen, von Militärwaffen bis hin zu landwirtschaftlichen Werkzeugen.
2.1.3 Die Parolen der senderistas: Analyse der ideologischen Rhetorik und der Kommunikationsstrategien der Guerilla.
2.2 Erscheinungsformen und Akteure der staatlichen Unterdrückungsgewalt: Betrachtung der staatlichen Gegengewalt, insbesondere der Rolle der Polizei und des Militärs.
3 MÖGLICHE URSACHEN DER GEWALT: Diskussion der soziokulturellen und historischen Wurzeln der Gewalt in Peru und ihre Reflexion im Roman.
4 FAZIT: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und kritische Reflexion des Realitätsbezugs des Romans.
Schlüsselwörter
Politische Gewalt, Peru, Lituma en los Andes, Mario Vargas Llosa, Sendero Luminoso, Guerilla, staatliche Unterdrückung, Andenhochland, interner Krieg, Rassismus, Indigene, Ideologie, Repression, Terrorismus, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie der Roman Lituma en los Andes die politische Gewalt im Peru der achtziger Jahre darstellt und inwiefern der Autor eine realistische Abbildung der Konflikte zwischen Sendero Luminoso und dem Staat leistet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Erscheinungsformen der terroristischen Aufstandsgewalt, die staatliche Unterdrückungspolitik, die soziokulturellen Ursachen des internen Krieges sowie das kritische Verhältnis zwischen Fiktion und historischer Realität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Darstellung der Gewaltstrukturen im Werk zu hinterfragen und aufzuzeigen, welche Aspekte des historischen peruanischen Konflikts der Roman beleuchtet und welche er ausklammert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Textstellen aus Lituma en los Andes interpretiert und diese in den Kontext politischer und historischer Berichte zur Situation in Peru setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Aufstandsgewalt unter Sendero Luminoso, die Analyse staatlicher Repressionsorgane sowie die Erörterung der tieferliegenden Ursachen des internen Krieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Politische Gewalt, Sendero Luminoso, Andenhochland, Rassismus und staatliche Unterdrückung charakterisieren.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Korporal Lituma zu?
Lituma fungiert als eine Art Beobachter und Ermittler, dessen distanzierte Haltung gegenüber den Bewohnern des Hochlands und deren Mythen die im Roman thematisierten gesellschaftlichen Spannungen und den Rassismus verdeutlicht.
Wie bewertet die Autorin Vargas Llosas Sicht auf die Indios?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Vargas Llosa ein durchweg negatives Bild der indigenen Bevölkerung zeichnet, das als Abrechnung mit diesen Bevölkerungsgruppen gelesen werden kann, da sie ihn politisch nicht unterstützten.
Welche Rolle spielen die „Dämonen“ des Autors?
Die „Dämonen“ beziehen sich auf Vargas Llosas eigene Erlebnisse und seine pessimistische Weltsicht, die im Roman durch eine düstere und gewaltvolle Darstellung des peruanischen Hochlandes explizit verarbeitet werden.
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- Nele Bach (Author), 2007, Erscheinungsformen der Gewalt im Peru der achtziger Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83326