Dieser Beitrag kann und will keine umfassende und vollständige Darstellung preispolitischer Gestaltungsansätze im Umgang mit der Preistransparenz leisten. Vielmehr gibt er einen Einblick darüber, wie sich die Preistransparenz durch das Internet verändert hat und leitet daraus ausgewählte, preisstrategische Gestaltungsmöglichkeiten ab. Im Einzelnen liefert die Untersuchung folgende Ergebnisse:
Der Konsument profitiert durch neue Möglichkeiten des Internet wie z. B. die Nutzung von Datenbanken oder virtuellen Preisagenten von einer Fülle vergleichender Informationen, die zu einer Erhöhung der Preistransparenz vor allem für weitgehend standardisierte Güter, wie Bücher oder Software führen. Unternehmer können die Preistransparenz nützen, indem sie mittels Penetrationsstrategien, bis hin zu „Follow the Free Pricing“, in den Markt eindringen, um Kostendegressionseffekte zu erzielen. Sie stützen sich dabei auf preisbewusstes Kaufverhalten der Konsumenten. Problematisch dabei ist die mögliche Schaffung einer „Free Rider“-Mentalität beim Konsumenten. Andererseits können Unternehmer mittels leistungsbezogener oder zeitlicher Preisdifferenzierung die Preistransparenz für den Konsumenten gezielt reduzieren. Gehen Hersteller einen Schritt weiter und schaffen durch exzessive Preisdifferenzierung ganz bewusst komplexe Preissysteme, so erzeugen sie ein Stück preislicher Intransparenz. Dies geschieht meist zu Lasten des Konsumenten und, falls dessen Preisvertrauen beschädigt wird, auch zu Ungunsten des Anbieters.
Inhaltsverzeichnis
1. Preistransparenz als zentrales Element der Preisbildung
2. Grundlagen der Untersuchung
2.1. Preistransparenz
2.2. Preisstrategien
2.2.1. Penetrationsstrategien
2.2.2. Preisdifferenzierungsstrategien
3. Ausgewählte Gestaltungsansätze im Umgang mit der Preistransparenz
3.1. Einfluss des Internet auf die Preistransparenz
3.2. Begegnung der Preistransparenz mittels Penetrationsstrategien
3.3. Gezielte Verminderung der Preistransparenz
3.3.1. Leistungsbezogene und zeitliche Preisdifferenzierung
3.3.2. Schaffung von Intransparenz mittels komplexer Preissysteme
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen des Internets auf die Preistransparenz kritisch zu beleuchten und zu untersuchen, welche preisstrategischen Gestaltungsansätze Unternehmen einsetzen, um auf die veränderten Marktbedingungen im Zusammenspiel mit dem Konsumentenverhalten zu reagieren.
- Veränderung der Marktransparenz durch das Internet
- Penetrationsstrategien und „Follow the Free Pricing“ als Antwort auf Preistransparenz
- Leistungsbezogene und zeitliche Preisdifferenzierung als Instrumente der Anbieter
- Schaffung von Intransparenz durch komplexe Preissysteme
- Wechselwirkung zwischen Anbieterstrategien und dem Kaufverhalten der Konsumenten
Auszug aus dem Buch
3.1 Einfluss des Internet auf die Preistransparenz
Auf traditionellen Märkten hängt der Grad an Preistransparenz unter anderem von Absatz- und Beschaffungshelfern, Presseorganen, preisbeobachtenden Marktforschungsinstituten oder Verbraucherverbänden ab. Häufig ist der Verkäufer eines Produktes in der Lage, gegenüber dem Käufer einen Informationsvorsprung aufzubauen. Dies hängt mit den nicht zu vernachlässigenden Kosten der Informationsbeschaffung für den Konsumenten zusammen, der in der Regel für einen Preisvergleich mehrere Geschäfte aufsuchen muss. Man spricht dann von einer Informationsasymmetrie zwischen Angebots- und Nachfrageseite.
Die Nutzung des Internet kann die Informationsbeschaffung für die Marktteilnehmer erheblich erleichtern. Ihnen steht eine Vielzahl neuer Hilfsmittel zur Gewinnung und Bewertung von Produkteigenschaften und Preisen zur Verfügung: Datenbanken, virtuelle Preisagenturen und Preisagenten liefern eine Fülle vergleichender Informationen. Unterstützend wirken die Nicht-Limitierung der Öffnungszeiten im Internet, aber auch die aktive Gestaltung virtueller Meinungsforen durch den Kunden selbst.
Für standardisierte Güter wie CDs, Software oder Bücher durchforsten sog. Shopping Agents (Beispiele sind „Geizkragen.de“ oder „Preissuchmaschine.de“) das Internet in kürzester Zeit und liefern dem Konsumenten eine nach Preisen sortierte Liste von eingetragenen Anbietern des gewünschten Artikels. Abb. 2 zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der Elektrogeräte. Diese Internetseite bietet zusätzlich eine detaillierte Produktbeschreibung, Raum für Meinungen und skizziert die zeitliche Preisentwicklung. Somit ergibt sich für den Konsumenten eine Reduktion seiner Suchkosten und demzufolge eine Erhöhung der Preistransparenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Preistransparenz als zentrales Element der Preisbildung: Einleitung in die Thematik der Arbeit, welche die Relevanz des Internet für das Konsumentenverhalten und die sich daraus ergebenden preispolitischen Fragestellungen umreißt.
2. Grundlagen der Untersuchung: Definition der zentralen Begriffe Preistransparenz und Preisstrategien, wobei insbesondere Penetrations- und Preisdifferenzierungsstrategien erläutert werden.
3. Ausgewählte Gestaltungsansätze im Umgang mit der Preistransparenz: Kritische Analyse, wie das Internet die Transparenz beeinflusst und welche spezifischen Gegenstrategien (Preisdifferenzierung, komplexe Preissysteme) Unternehmen anwenden.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Anbietern und Konsumenten sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Differenzierungsstrategien.
Schlüsselwörter
Preistransparenz, Internet, Preisstrategien, Penetrationsstrategie, Preisdifferenzierung, Electronic Business, Suchkosten, Informationsasymmetrie, Konsumentenverhalten, Follow the Free Pricing, Leistungsbezogene Preisdifferenzierung, Intransparenz, Preissysteme, Markttransparenz, Zahlungsbereitschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Internet die Preistransparenz auf Märkten verändert und welche strategischen Möglichkeiten Unternehmen nutzen, um auf diese höhere Transparenz zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Preispolitik, die Rolle des Internets als Informationsmedium für Konsumenten und die Gestaltung von Preisstrategien wie Penetrations- oder Differenzierungsansätzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es, die Veränderung der Preistransparenz durch das Internet zu beleuchten und preisstrategische Gestaltungsmöglichkeiten im Spannungsfeld zwischen Anbietern und Konsumenten zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine konzeptionelle, theoretisch fundierte Analyse, die auf Literaturrecherche und der Darstellung bestehender preispolitischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie das Internet Suchkosten für Kunden reduziert, wie Unternehmen mittels Penetrationsstrategien (z.B. „Follow the Free Pricing“) reagieren und wie durch Preisdifferenzierung und komplexe Preissysteme gezielt wieder Intransparenz geschaffen wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Preistransparenz, Internet-Ökonomie, Suchkosten, Preisdifferenzierung und das Konsumentenverhalten im E-Commerce charakterisieren.
Was versteht der Autor unter dem Konzept „Follow the Free Pricing“?
Es handelt sich um eine extreme Form der Penetrationsstrategie, bei der ein Produkt zunächst kostenlos angeboten wird, um eine Kundenbasis aufzubauen, bevor mit Komplementärleistungen oder Versionen Erlöse erzielt werden.
Warum wird im Dokument die Erstellung „komplexer Preissysteme“ kritisch bewertet?
Der Autor warnt davor, dass die künstliche Schaffung von Unübersichtlichkeit, etwa im Telekommunikationssektor, das Preisvertrauen der Kunden beschädigen kann, was sich langfristig negativ auf den Anbieter auswirkt.
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- Dr. Stefan Sedlmaier (Author), 2006, Die Veränderung der Preistransparenz durch die Nutzung des Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83372