(aus der Einleitung)
Gary S. Becker ist ein Pionier der Anwendung mikroökonomischer Modelle auf soziale Sachverhalte. Er vertritt die Ansicht, dass alles menschliche Verhalten anhand eines allgemeinen ökonomischen Ansatzes untersucht werden kann (vgl. Becker 1982, S. 7).
Becker entwickelte 1973 den familienökonomischen Ansatz, unter anderem, um erklären zu können wie Partner- und Heiratsentscheidungen zustande kommen. In seinem Modell möchte Becker aufzeigen unter welchen Randbedingungen sich Personen mit homogenen Eigen-schaften (Homogamie) und heterogenen Eigenschaften (Heterogamie) zusammentun (vgl. Wirth 2000, S. 33).
Becker stellt bei seiner Untersuchung der Partner- und Heiratsentscheidung zwei Prinzipien auf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das familienökonomische Modell
1.1 Der Nutzen einer Ehe
1.2 Heiratsmarkt
2. Das austauschtheoretische Modell
3. Das strukturtheoretische Modell
3.1 Das allgemeine Erklärungsmodell
3.2 Das erweiterte Erklärungsmodell
4. Anmerkungen zu den Modellen
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht soziologische Erklärungsmodelle der Partnerwahl, um aufzuzeigen, dass die Entscheidung für einen Partner nicht ausschließlich auf emotionalen Faktoren basiert, sondern von strukturellen und rationalen Einflüssen gesteuert wird.
- Analyse des familienökonomischen Modells nach Gary S. Becker.
- Untersuchung austauschtheoretischer Ansätze zur Partnerwahl.
- Darstellung des strukturtheoretischen Erklärungsmodells nach Blossfeld und Timm.
- Diskussion über die Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen und Kontaktchancen.
- Kritische Würdigung der Modelle hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der modernen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1.2 Heiratsmarkt
Becker beschäftigte sich ausführlicher mit der Frage, wann sich eher gleiche oder ungleiche Personen zusammentun. Menschen mit gleichen bzw. ungleichen Eigenschaften kommen dann zusammen, wenn dadurch die Güterproduktion maximiert wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um psychische, physische, soziale oder ökonomische Merkmale handelt, die zu einer Partnerwahl führen (vgl. Wirth 2000, S. 38).
Becker stellt die Hypothese auf, dass ein Gleichgewichtszustand auf dem Heiratsmarkt besteht. Das Bestreben einer Person, die für sich optimalste Partnerwahl zu treffen, führt dazu, dass analog zum ökonomischen Marktgeschehen es zu einem stabilen Gleichgewichtszustand auf dem Heiratsmarkt kommt (vgl. ebd.).
Es gibt unterschiedliche Merkmale, die sich positiv auf den Gewinn der Lebensgemeinschaft auswirken. Zum einen, Merkmale die bei Mann und Frau unterschiedlich ausgeprägt sind und zum andern, Merkmale die bei beiden Geschlechtern ähnlich ausgeprägt sind. Eine ähnliche Ausprägung bewertet Becker positiv hinsichtlich Intelligenz, Größe, Hautfarbe, Alter, Erziehung, sozialer Herkunft oder Religion. Negativ bewertet Becker, wenn das Erwerbseinkommen gleich ist (vgl. Becker 1982, S. 242). Partner mit unterschiedlichem Erwerbseinkommen erzielen einen größeren Wohlfahrtsgewinn durch die Partnerschaft als Partner mit gleichem Einkommenspotenzial.
Zusammenfassend und vereinfacht ausgedrückt lässt sich sagen, dass nach Becker eine Ähnlichkeit zwischen Partnern in allen Eigenschaften mit Ausnahme des Verdienstpotenzials zu erwarten ist (vgl. Becker 1982, S.227).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland und führt in die soziologische Relevanz der Partnerwahl als komplexes Entscheidungsgeflecht ein.
1. Das familienökonomische Modell: Dieses Kapitel erläutert den mikroökonomischen Ansatz von Gary S. Becker, der Partnerschaften als Produktionsgemeinschaften zur Nutzenmaximierung betrachtet.
1.1 Der Nutzen einer Ehe: Hier wird der Fokus auf die Arbeitsteilung und die Spezialisierung der Partner gelegt, um durch komplementäre Fähigkeiten den Haushaltsnutzen zu steigern.
1.2 Heiratsmarkt: Dieses Unterkapitel beschreibt den Wettbewerb auf dem Heiratsmarkt und die Hypothese, dass ähnliche Merkmale die Güterproduktion maximieren.
2. Das austauschtheoretische Modell: Dieser Abschnitt betrachtet Partnerwahl als Austauschbeziehung, in der soziale Interaktionen und die Abwägung von Ressourcen im Zentrum stehen.
3. Das strukturtheoretische Modell: Hier wird die Interaktion zwischen individuellen Orientierungen und strukturellen Rahmenbedingungen als Basis der Partnerwahl dargestellt.
3.1 Das allgemeine Erklärungsmodell: Es wird analysiert, wie zeitbezogene Kontaktchancen und soziale Netzwerke die Auswahl potenzieller Partner einschränken.
3.2 Das erweiterte Erklärungsmodell: Dieses Kapitel vertieft die Bedeutung von Gelegenheitsstrukturen und zeigt auf, wie räumliche Nähe und soziale Kontexte die Partnerwahl beeinflussen.
4. Anmerkungen zu den Modellen: Eine kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Arbeitsteilung und eine Erklärung steigender Scheidungsraten durch sinkenden Nutzenzuwachs aus Ehen.
5. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass Partnerwahl maßgeblich durch rationale Umweltfaktoren beeinflusst wird, die den Akteuren oft nicht bewusst sind.
Schlüsselwörter
Partnerwahl, Familienökonomie, Austauschtheorie, Strukturtheorie, Heiratsmarkt, Nutzenmaximierung, Arbeitsteilung, Kontaktchancen, Gelegenheitsstrukturen, soziale Ungleichheit, Humankapital, Homogamie, Heterogamie, soziale Netzwerke, rationale Wahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert soziologische Erklärungsmodelle, um zu verstehen, nach welchen Mechanismen Menschen ihre Partner wählen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das familienökonomische Modell, die Austauschtheorie sowie das strukturtheoretische Erklärungsmodell nach Blossfeld und Timm.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu verdeutlichen, dass Partnerwahl nicht nur durch Emotionen, sondern durch rationale und strukturelle Umweltfaktoren geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Gegenüberstellung etablierter soziologischer Erklärungsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die spezifischen Wirkungsweisen von Haushaltsproduktion, Ressourcenallokation und strukturellen Handlungskontexten bei der Partnersuche detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Heiratsmarkt, Nutzenmaximierung, Austauschbeziehung, Kontaktchancen und soziale Homogamie.
Wie erklärt das familienökonomische Modell die Scheidungsrate?
Die Autorin argumentiert, dass durch den technischen Fortschritt der Nutzenzuwachs aus traditioneller Arbeitsteilung sinkt, was den Anreiz zur Aufrechterhaltung einer Ehe verringert.
Warum spielt die räumliche Nähe für die Partnerwahl eine Rolle?
Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Gelegenheitsstrukturen, da sie den Kreis der potenziell erreichbaren Partner („who does not meet, does not mate“) vorstrukturiert.
- Quote paper
- Simone Grau (Author), 2006, Soziologische Erklärungsmodelle der Partnerwahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83393