„Ich glaube, ich habe nie eine gewisse Demut dem Publikum gegenüber verloren, weil ich immer der Meinung war, daß es die Aufgabe eines Schauspielers ist, alles, was er tut, verständlich zu tun.“
„stone face“, „dead-pan“, „Frigo“... So wird der Komiker Buster Keaton (1895- 1966) genannt. Der Mann, der niemals lachte, ist Thema der vorliegenden Hausarbeit. Über allem steht die Frage, wie jemand komisch sein kann, der nicht lacht. Der nicht einmal Interesse daran zu haben scheint, daß man mit ihm lacht oder mit ihm fühlt.
„Buster“, der eigentlich Joseph Frank mit Vornamen hieß, erhielt seinen Spitznamen durch den berühmten Magier Harry Houdini. Dieser fand Baby Joseph am Fuße einer Treppe, die es soeben hinunter „gepurzelt“ war.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Über den Film „Der Kameramann“
3.) Witz und Komik bei Henri Bergson
4.) Witz und Komik bei Sigmund Freud
5.) Bergson und Freud treffen Buster Keaton
5.1.) Die Situationskomik
5.2.) Die Absurdität der Hauptfigur
6.) Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Komik im Stummfilm „Der Kameramann“ von Buster Keaton, indem sie die theoretischen Ansätze von Henri Bergson und Sigmund Freud auf den Film anwendet. Das primäre Ziel ist es, die philosophischen Thesen über das Lachen anhand konkreter Filmszenen nachzuvollziehen und zu prüfen, inwieweit Keatons Figur den Kriterien der Situationskomik und der absurden Figur entspricht.
- Analyse der Komiktheorien von Henri Bergson und Sigmund Freud
- Untersuchung der Situationskomik in Buster Keatons „Der Kameramann“
- Charakterisierung der Hauptfigur als absurde und komische Gestalt
- Bedeutung von Bewegung, Mechanik und Wiederholung für die komische Wirkung
- Die Rolle der Aufwanddifferenz und der sozialen Korrektur im Lachen
Auszug aus dem Buch
3.) Witz und Komik bei Henri Bergson
Das Buch „Das Lachen“ von Henri Bergson enthält drei Artikel über das Thema Lachen. Die Aufsätze erschienen erstmals im Jahre 1899 und behandeln die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Komik: Im ersten Kapitel geht es um die Komik im Allgemeinen, im Besonderen um die Komik der Bewegung. Im nachfolgenden Kapitel werden die eher spontan entstehenden Arten der Komik und des Witzes erfasst, nämlich Wort- und Situationskomik. Schließlich befaßt sich Bergson mit einer latenten Art der Komik, der Charakterkomik. Bezüglich des Films, der Gegenstand dieser Arbeit ist, wird noch näher auf die einzelnen Ausformungen der Komik eingegangen.
Grundvoraussetzung zum Verständnis der Komik ist für Bergson die Rückführung des Lachens in eine Ausgangsposition, die für jeden verständlich ist:
„Um das Lachen zu verstehen, müssen wir es wieder in sein angestammtes Element versetzen, und das ist die Gesellschaft; wir müssen seine nützliche Funktion bestimmen, und das ist eine soziale Funktion.“
Voraussetzung für das Entstehen und Empfinden einer komischen Situation ist die Gruppe. Der Zuschauer- oder vielmehr der Teilhaber- der komischen Situation kann nicht auf sich allein gestellt sein. Er braucht den Vergleich mit anderen Individuen, um eine Gegebenheit als komisch zu erachten. Im Vergleich mit Gewohnheiten und gesellschaftlichen Regeln entsteht Komik.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Vorstellung des Komikers Buster Keaton und Formulierung der Forschungsfrage, wie eine nicht lachende Figur komisch wirken kann.
2.) Über den Film „Der Kameramann“: Beschreibung der Entstehungsgeschichte des Films sowie der grundlegenden Handlung und Arbeitsweise Keatons bei MGM.
3.) Witz und Komik bei Henri Bergson: Darstellung der zentralen Thesen Bergsons, insbesondere zum Mechanischen im Lebendigen und der sozialen Funktion des Lachens.
4.) Witz und Komik bei Sigmund Freud: Erläuterung von Freuds Theorie der Aufwanddifferenz und seiner Unterscheidung zwischen Witz, Komik und Pantomime.
5.) Bergson und Freud treffen Buster Keaton: Anwendung der theoretischen Konzepte auf konkrete Szenenfolgen aus „Der Kameramann“.
5.1.) Die Situationskomik: Analyse wiederkehrender Motive und Handlungsabläufe als spezifische Form der Situationskomik.
5.2.) Die Absurdität der Hauptfigur: Untersuchung der Figur Buster als realitätsfremder, aber konsequenter Akteur in einer übermächtigen Umwelt.
6.) Resümee: Fazit über Keatons spezifische Art der Komik, die trotz theoretischer Einordnung eine eigene, liebenswerte Qualität bewahrt.
Schlüsselwörter
Buster Keaton, Der Kameramann, Henri Bergson, Sigmund Freud, Komik, Stummfilm, Situationskomik, Charakterkomik, Aufwanddifferenz, Mechanisierung, Absurdität, Slapstick, Filmtheorie, Lachen, Bewegungskomik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen der Komik in Buster Keatons Film „Der Kameramann“ unter Einbeziehung der klassischen Theorien von Bergson und Freud.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Mechanischen, die Aufwanddifferenz, die Situationskomik und die Charakterisierung von Buster als absurde Figur.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Keaton als „stone face“ eine komische Wirkung erzielen kann und inwieweit philosophische Texte über das Lachen auf sein filmisches Werk zutreffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Filmanalyse, bei der philosophische Thesen zur Komiktheorie auf spezifische Szenenfolgen übertragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Ansätze von Bergson und Freud sowie deren anschließende Anwendung auf den Film, unterteilt in Situationskomik und Charakterabsurdität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie „mechanisch wirkende Steifheit“, „Aufwanddifferenz“, „Situationskomik“ und die „Konsequenz“ der Hauptfigur.
Wie unterscheidet sich Keatons Figur laut der Autorin von anderen komischen Figuren?
Keaton wird nicht als bloß lächerlich dargestellt, sondern als absurd und liebenswert, wobei seine unerschütterliche Konsequenz ihn von anderen Anti-Helden abhebt.
Welche Rolle spielt der „Polizist“ im Film laut der Analyse?
Der Polizist fungiert als gesellschaftskritischer Gegenpart zu Buster, der für das Unverständnis und die Verwunderung der gesellschaftlichen Norm gegenüber Keatons eigenwilligem Verhalten steht.
Was bedeutet das „Zergehen einer Erwartung“ in Freuds Kontext?
Das Lachen entsteht laut Freud, wenn eine beim Zuschauer aufgebaute Erwartung nicht eintritt oder enttäuscht wird, sofern dies nicht als peinlich, sondern als komisch empfunden wird.
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- Magistra Artium Petra Schmitt (Author), 2003, Komik im Film: "Der Kameramann" von Buster Keaton, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83439