Ein Vergleich der Substantivflexion im Gotischen und Althochdeutschen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Goten und ihre Sprache

2. Die Deklination der Substantive im Gotischen
2.1 Die Vokalische Deklination
2.1.1 Die a-Deklination
2.1.2 Die ô-Deklination
2.1.3 Die i-Deklination
2.1.4 Die u-Deklination
2.2 Die Konsonantische Deklination

3. Die Entwicklung des Neuhochdeutschen

4. Die Deklination der Substantive im Althochdeutschen
4.1 Die Vokalische Deklination
4.1.1 Die o-Deklination
4.1.2 Die a-Deklination
4.1.3 Die i-Deklination
4.1.4 Die u-Deklination
4.2 Die Konsonantische Deklination

5. Ein Vergleich der Substantivflexionen

Einleitung

Die Entstehung des Gotischen ist zeitlich wahrscheinlich 400 Jahre vor der des Althochdeutschen anzusetzen. Während aber letzteres eine frühe Entwicklungsstufe des heutigen Deutschen darstellt, starb die Sprache der Goten mit ihrem Volk aus und konnte sich dementsprechend nicht mehr weiter entwickeln. Als Vorstufe des Deutschen kann das Gotische nicht dienen, da schon spezifische Sonderent­wicklungen stattgefunden haben[1] - allerdings wird der germanische Zustand hier am besten dokumentiert. Für einen gewissen Zeitraum aber existierten beide Sprachen, wenn auch räumlich getrennt, nebeneinander. Und da beide auf derselben indogermanischen Grundsprache basieren, dürfte es interessant sein zu untersuchen, wie sich beispielsweise die Deklination der Substantive voneinander unterscheidet und welche Gemeinsamkeiten vorhanden sind.

Bevor aber eben jener Vergleich angegangen wird, sollen zunächst Formenbestand. Bildung und Flexionsklassen der Substantive beider Sprachen dar- und einander gegenüber gestellt werden.

1. Die Goten und ihre Sprache

Das Gotische ist die Sprache des germanischen Volkes der Goten, welches um die Mitte des 2. Jahrhunderts an der Weichselmündung siedelte[2] und sich wahrscheinlich im frühen 3.Jahrhundert in zwei Stämme, die heute allgemein als Ost- und Westgoten bekannt sind, aufspaltete. Unter Alarich eroberten die Westgoten 410 Rom und gründeten wenig später in Südfrankreich das Westgotenreich.[3] Mit dem Untergang des Reiches der Ostgoten in Italien mit dem Fall ihres letzten Königs Teja und der Westgoten in Spanien durch den Ansturm der Araber 711 verschwinden die Goten aus der Geschichte[4]. Lediglich ein kleiner Teil der Goten verblieb nach der Abwanderung des Volkes aus Südrussland in der Krim, weshalb der flandrische Gelehrte Ogier Ghislain de Busbecq im Jahre 1554 von Resten der Gotischen Sprache in der Region berichten konnte.[5]

Was die gotische Sprache angeht, sind die Forschungsgrundlagen begrenzt. Vom Ostgotischen liegen lediglich Namen in fremder Überlieferung vor und von der Sprache der Westgoten liegt neben kleinen und kleinsten Überbleibseln nur ein umfangreicherer Text vor: die Bruchstücke einer Bibelübersetzung des westgotischen Bischofs Wulfila, geboren um 311 und gestorben 382 oder 383 in Konstantinopel. Von 341 bis zu seinem Tode war er Missionsbischof des Teiles der Westgoten, die von Kaiser Constantius in das römische Reich aufgenommen wurden und denen man Lebensraum südlich der Donau in Niedermösien zuwies.[6] Weitere Sprachdenkmäler sind die so genannten Skereins (Bruchstücke einer Erläuterung zum Johannes-Evangelium), lateinische Verkaufsurkunden mit gotischen Beglaubigungen und Unterschriften, Teile eines gotischen Festkalenders, zwei gotisch/lateinische Alphabete, die so genannte Gotica Veronensia, der Cod. Vindobonensis, einzelne Wörter und Zitate bei lateinischen Schriftstellern und einige Runeninschriften[7]. Zu den mehr oder minder direkten Quellen kommen die bei antiken Autoren überlieferten gotischen Eigennamen und die in andere Sprachen, besonders ins Finnische, gedrungenen gotischen Lehnwörter.[8]

Alle Aussagen allgemeiner Natur über „das“ Gotische in der Literatur beziehen sich immer auf das Bibelgotische. Deshalb bleibt festzuhalten, dass die Sprache, so wie sie uns heute bekannt ist, ein einzigartiges Gebilde mit den Merkmalen einer konstruierten Sprache ist.[9]

Die germanischen Sprachen werden traditionellerweise in Ost-, Nord- und Westgermanisch eingeteilt, wobei das Gotische als prominentester Vertreter der ostgermanischen Sprachen gilt.

2. Die Deklination der Substantive im Gotischen

2.1 Die Vokalische Deklination

Die drei indogermanischen Genera (Maskulina Feminina, Neutra) blieben im Germanischen bewahrt. Anders sieht es bei den Numeri aus: Seit der frühgermanischen Zeit ist der Dual im Aussterben begriffen, das Gotische kennt ihn deshalb nur noch in einigen Formen des Personalpronomens.[10] Singular und Plural blieben erhalten.

Während die indogermanische Grundsprache, wenn man den Vokativ mitzählt, noch acht Kasus besaß, wurde im Germanischen durch Synkretismus (Zusammenfall ursprünglich getrennter grammatischer Kategorien) der Bestand vereinfacht. Nominativ, Genitiv und Akkusativ blieben formal und funktionell erhalten. Für den Vokativ Singular besitzt das Gotische beim Substantiv noch in denjenigen Klassen, welche den Nominativ Singular auf –s bilden, eine besondere Form. Anderweitig ist er mit dem Nominativ zusammengefallen.[11] In Resten existiert der Instrumental Singular noch beim Neutrum des Pronomens, im Westgermanischen auch beim Nomen. Ansonsten sind im Dativ Instrumental, Lokativ und Ablativ in einem Mischkasus zusammengefasst worden.[12] Einen Teil der alten Ablativ-Funktionen übernahm auch der Genitiv.

Der Flexionsstamm der Substantive – obwohl im Germanischen durch die Auslautgesetze vielfach unkenntlich gemacht – gibt für das gotische Substantiv noch ein brauchbares Einteilungskriterium ab.[13] Man unterscheidet vokalische und konsonantische Deklination, je nachdem, ob der Flexionsstamm durch das Hinzufügen eines vokalischen oder eines konsonantischen Elementes an die Wurzel des Substantives gebildet worden ist. Die kleine Gruppe der Wurzelnomina kommt noch hinzu. Da die meisten Wörter nur in einzelnen Kasus belegt sind, treten gelegentlich unsichere Zuordnungen auf, da man sich dabei auf Kenntnisse der idg. Verhältnisse und anderer germanischen Sprachen verlassen muss.[14]

Vokalische (starke) Deklinationsarten existieren im Gotischen noch vier: a- (reine a- und ja-, wa-Stämme), ô- (reine ô - und j ô -, w ô -Stämme), i- (i-Stämme) und u- (u-Stämme) Deklination. Die Stammesmerkmale zeigen sich in allen Klassen noch am deutlichsten im Dativ und Akkusativ Plural. Die a- und ô-Deklinationen stehen in enger Verbindung: die a-Deklination enthält nur Maskulina und Neutra, die ô-Deklination nur Feminina. Deshalb werden beide oft in einer Klasse zusammengefasst, die die a-/ ô-Deklination genannt wird.

[...]


[1] Kern, Peter Chr./Zutt, Herta: Geschichte des deutschen Flexionssystems. Tübingen 1977, S. 14

[2] Binnig, Wolfgang: Gotisches Elementarbuch. Berlin, New York 1999, S. 23

[3] Binnig, S. 23

[4] Binnig, S. 23

[5] Braune, Wilhelm: Gotische Grammatik. Tübingen 1981, S.1

[6] Braune: Gotische Grammatik, S.3

[7] Binnig, S. 29ff.

[8] Krahe, Hans: Historische Laut- und Formenlehre des Gotischen. Heidelberg 1967, S.23

[9] Binnig, S. 24

[10] Krahe, S.74

[11] Krahe, S.75

[12] Binnig, S. 61

[13] Braune: Gotische Grammatik, S.68

[14] Binnig, S. 62

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Substantivflexion im Gotischen und Althochdeutschen
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in das Gotische
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V83448
ISBN (eBook)
9783638899802
ISBN (Buch)
9783638912068
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Substantivflexion, Gotischen, Althochdeutschen, Einführung, Gotische
Arbeit zitieren
Andy Schalm (Autor), 2007, Ein Vergleich der Substantivflexion im Gotischen und Althochdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83448

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