Interaktion, Emergenz und Autopoiesis

Organisationen als autopoietische Systeme


Seminararbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dynamische Entscheidungen

3. Interaktion

4. Emergenz
4.1 Phänomenbeschreibung
4.2 Beispiel: „Life“ nach J.H. Conway
4.2.1 Einführung und Spielregeln
4.2.2 Einige interessante Anfangszustände und deren Entwicklung
4.3 Schlussfolgerungen und Implikationen

5. Autopoiesis
5.1 Erläuterung des biologischen Grundkonzeptes
5.2 Übertragung in die Soziologie
5.3 Übertragung auf Organisationen
5.4 Einwirken auf ein autopoietisches System

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung des Kontostands

Abb. 2: Summierung der Gebühren

Abb. 3: Kontostandsverlauf unter Berücksichtigung der Interaktion

Abb. 4: Gleiter

Abb. 5: Entwicklung einer 2-Triplett-Konstellation

Abb. 6.: Entwicklung der Triplett-Konstellation nach hinzufügen einer Verbindung

1. Einleitung

„Unternehmungen lassen sich, so die These[1], nicht einfach als Resultat intendierter menschlicher Handlungen begreifen; dazu sind sie zu komplex“[2]

Der Komplexität gerecht zu werden ist das Ziel der systemtheoretischen Betrachtung von Unternehmen als lebensfähige, selbst organisierende Systeme.[3] Kann man aber eine Unternehmung einem Lebewesen gleichsetzen? In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob eine solche Betrachtung gerechtfertigt ist und welche Konsequenzen sich daraus für den Umgang in und mit solchen Systemen ergeben. Hierzu wird im fünften Kapitel das Konzept der Autopoiesis näher erläutert und die Übertragungen auf Organisationen kritisch betrachtet.

Zunächst wird jedoch mit den Grundlagen dynamischer Entscheidungen sowie einer Einführung in die Themengebiete der Interaktion und der Emergenz begonnen, da diese wichtige Grundlagen für das Verständnis eines autopoietischen, also lebensfähigen Systems bilden, sei es im biologischen Sinne oder in der Übertragung auf Organisationen. Aus Gründen des Umfangs der Arbeit können diese Themen jedoch nur in der gebotenen Kürze abgehandelt werden.[4] Auch die Übertragung des Autopoiesis-Konzeptes auf die Gesellschaft als solche kann nur kurz angerissen werden.[5]

Die Relevanz der betrachteten Aspekte eröffnet sich im Vergleich mit der Vorgehensweise der klassischen Entscheidungstheorie,[6] welche in der Regel in sich abgeschlossene Modelle betrachtet, in denen anhand von einigen Kriterien gegebene Alternativen bewertet werden. Diejenige Alternative, die die beste Zielerreichung bietet, wird dann ausgewählt und umgesetzt. Dynamische Problemstellungen, also solche, bei denen eine temporale Komponente eine Rolle spielt, werden dann meist auf einfache statische Probleme zurückgeführt, indem eine optimale Strategie für die zeitliche Abfolge festgelegt wird, wie zum Beispiel bei der gängigen Lösung des Lagerhaltungsproblems. Weiter wird hier der Entscheidungsträger meist als allein beeinflussend angenommen.[7] Wenn mehrere Akteure auf das System einwirken, bewegt man sich in Richtung der Spieltheorie, in der dann iterativ Entscheidungen als Reaktionen auf die des Gegenübers betrachtet werden.[8]

Diese Reduktion wird jedoch der Komplexität einer dynamischen Umgebung nicht ganz gerecht. Zweifellos ist es notwendig die Realität in einem Modell durch Annahmen vereinfacht abzubilden, jedoch birgt dies die Gefahr, dass die ermittelten Lösungen in der Realität nicht die erwarteten Ergebnisse erzielen. Die Kenntnis der nachfolgend beleuchteten Phänomene ermöglicht es, solche Modelle kritisch im Hinblick auf die ausreichende Erfassung der Komplexität zu durchleuchten und dadurch falsche Schlüsse aus erzielten Wirkungen der getroffenen Entscheidungen zu verhindern. So kommt es vor, dass Erfolge trotz sorgfältig ausgearbeiteter Vorgehensweise nicht eintreten und dann die Vorgehensweise als falsch betrachtet wird, obwohl die tatsächliche Ursache wie im Laufe der Arbeit zu erkennen ist, oft tiefer, nämlich in der Emergenz von Entscheidungen oder in der Resistenz des autopoietischen Systems liegt.

2. Dynamische Entscheidungen

Von dynamischen Beziehungen spricht man immer dann, wenn neben die Aspekte der klassischen statischen Analyse[9] von Entscheidungsalternativen eine zeitliche Komponente tritt. Wenn also die Entwicklung der Variablen im Zeitablauf betrachtet wird. Da in der Regel, insbesondere bei betriebswirtschaftlichen Problemstellungen, dynamische Beziehungen vorliegen, kommt der Betrachtung dynamischer Entscheidungen eine zentrale Bedeutung zu. Üblicherweise werden dynamische Beziehungen mittels Differenzengleichungen[10] formuliert, wobei den Variablen jeweils ein Index beigefügt wird, um ihre zeitliche Zuordnung darstellbar zu machen.[11] Hängt beispielsweise die Größe einer Population direkt und ausschließlich von der Größe ebendieser Population in der Vorperiode ab, so schreibt man: At+1 = f (At). Bestehen weitere Einflussfaktoren (z.B. Temperatur, Nahrungsangebot, Feuchtigkeit), so können diese problemlos hinzugefügt werden: At+1 = f (At,, Tt, Nt, Ft).[12]

Eine dynamische Entscheidung ist dadurch gekennzeichnet, dass nicht einmal, sondern in jeder Periode erneut eine Handlung erfolgen muss. Der gängigste Weg zur Lösung eines solchen Entscheidungsproblems ist eine Rückwärtsrechnung, so dass in Periode Eins ein Plan mit aufeinander folgenden Handlungsanweisungen erstellt wird. Bei Sicherheit können so bereits in der ersten Periode die Handlungen für alle folgenden Perioden festgelegt werden. Bei Risiko kann dieser Plan nur bedingt formuliert werden, da die Entscheidungen der Zukunft von den Ereignissen abhängen, die bis dahin noch eintreten. Bei Unsicherheit, insbesondere wenn zu Beginn nicht alle möglichen eintretenden Ereignisse bekannt sind, ist es zusätzlich erforderlich den erstellten Plan in jeder Periode zu kontrollieren und gegebenenfalls anzupassen.[13]

3. Interaktion

Mit Interaktion bezeichnet man die Einwirkung einer Variablen auf eine andere im Zeitablauf. Die Interaktion kann von einer Einwirkung einer Variable auf sich selbst bis hin zu einer simultanen Einwirkung aller im System vorhandener Variablen aufeinander reichen. Berücksichtigt man zusätzlich noch externe Größen, die auf das System einwirken, selbst vom System aber nicht beeinflussbar sind, so ergibt sich schnell ein komplexes System zahlreicher Variablen, die zueinander in vielfältigen Beziehungen stehen. Zur Darstellung aller Zusammenhänge bedarf es dann eines Gleichungssystem, in dem jede Variable als Abhängige aller anderen Variablen erklärt wird. Die in Kapitel Zwei formulierte Gleichung müsste also zu folgendem System erweitert werden, wobei Ak jeweils die systemintegrierten Variablen und Em die externen Einflüsse bezeichnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe dieses Gleichungssystems ist es nun möglich, alle wechselseitigen Beziehungen der Systemvariablen darzustellen.[14]

Die Wirkungsweise von Interaktionen und ihre Bedeutung im Rahmen der Entscheidungstheorie soll an einem kleinen Beispiel der Zinsrechnung veranschaulicht werden. In diesem System existiert nur eine systemimmanente Variable V sowie zwei externe Variablen k und i, die hier konstant gehalten werden.

Betrachtet man den Verlauf eines Kontostandes V mit einem Startwert von 100 Euro, der zu einem Zinssatz i=3% angelegt sei, so ergibt sich bei jährlicher Gutschrift unter Berücksichtigung des Zinseszinses folgender Verlauf des Vermögens in Abhängigkeit von der Zeit t:

Vt = Vt-1 · (1+i) oder Vt = V0 · (1+i)t

Die Entwicklung des Kontostandes stellt sich grafisch wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung des Kontostands

Hier wird die Interaktion der Variablen mit sich selbst deutlich. Die Höhe des Vermögens in jeder Periode hängt direkt und ausschließlich von der Höhe des Vermögens der Vorperiode ab. Um die Interaktion mehrerer Variablen untereinander zu verdeutlichen, wird nun eine zweite Funktion mit anderer Variablen eingeführt, die nicht mit sich selbst interagiert.

Diese zweite Funktion, die zunächst unabhängig betrachtet werden soll, beschreibt die für das Konto anfallenden Gebühren. Sie ist charakterisiert durch die Formel Kt = k·t, bei einer Kontogebühr von 3,50 Euro p.a. demnach Kt = 3,5·t. Dargestellt ist ihr Verlauf in Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Summierung der Gebühren

[...]


[1] „Die These“ bezieht sich hier auf die Anwendung der Systemtheorie in der Organisationslehre, Vgl. z.B. Malik, 1989.

[2] Kirsch/zu Knyphausen, 1991, S. 76.

[3] Vgl. Kirsch/zu Knyphausen, 1991, S. 76.

[4] Für eine detaillierte Darstellung vgl. z.B. Krohn/Küppers, 1992 oder auch Stephan, 1999.

[5] Vgl. hierzu für ein detaillierte Darstellung Luhmann, 1984 oder Bode, 1992.

[6] Zur klassischen Entscheidungstheorie vgl. Kahle, 1998 oder Bamberg/Coenenberg, 2004.

[7] Vgl. Brauchlin, 1984, S. 127.

[8] Vgl. Rieck, 2006.

[9] Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen sei für die Darstellung der statischen Modelle auf die einschlägige Literatur (Vgl. z.B. Kahle, 1998) verwiesen.

[10] Differenzengleichungen können nur bei diskreter Zeitbetrachtung angewandt werden, bei stetiger Zeit ist eine Integralrechnung nötig. Vgl. Krohn/Küppers, 1992, S. 68.

[11] Vgl. Kahle 1998, S. 143 ff.

[12] Vgl. Krohn/Küppers, 1992, S. 61.

[13] Vgl. Bamberg/Coenenberg, 2004, S. 271 ff.

[14] Vgl. Krohn/Küppers, 1992, S. 60 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Interaktion, Emergenz und Autopoiesis
Untertitel
Organisationen als autopoietische Systeme
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Betriebswirtschaft)
Veranstaltung
Seminar zur Entscheidungstheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V83456
ISBN (eBook)
9783638899888
ISBN (Buch)
9783656537687
Dateigröße
841 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interaktion, Emergenz, Autopoiesis, Seminar, Entscheidungstheorie
Arbeit zitieren
Bastian Schultz (Autor), 2007, Interaktion, Emergenz und Autopoiesis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83456

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