Im Rahmen des Seminar "Probleme der Berufsausbildung" habe ich mich in der vorliegenden Arbeit mit der "Berufsausbildung im historischen Vergleich" beschäftigt.
Da ich in einer Hausarbeit nicht in genügender Form auf die gesamte Historie eingehen kann, habe ich eine persönliche Auswahl getroffen und das Thema eingegrenzt.
Ausgehend von der Berufsausbildung des Handwerks im Mittelalter, dokumentiert diese Arbeit chronologisch die Veränderungen des Lehrlingswesen in der Neuzeit durch Gesetzgebungen dieser Zeit. Daran anschließend wird auf die, durch die Industrialisierung notwendig gewordenen, Änderungen in der Berufsausbildung eingegangen. Die Betrachtung der Berufsausbildung in der Weimarer Republik schließt sich an und endet mit der Beschreibung der Entwicklung der Berufsschule, die ebenfalls in diesen Zeitraum fällt.
Bei der Betrachtung der Berufsausbildung in dem dargestellten historischen Wandel beschränke ich mich zum einen auf die Berufsausbildung im Handwerk, da hier eine alte Ausbildungstradition vorherrschte und es interessant war zu sehen, in wieweit wirtschaftliche und soziale Veränderungen Einfluss auf die Ausbildung hatten. Zum anderen beschränke ich mich auf die industrielle Berufsausbildung, die durch die zunehmende Industrialisierung eine immer wichtigere Rolle einnahm und besonders in der Weimarer Republik den Mittelpunkt der Diskussion um die Berufsausbildung bildetet. Die Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich müssen leider unbeachtet bleiben.
Ich habe diese Eingrenzung des Themas vorgenommen, da in diesem zu beschreibenden Zeitraum zum einen rechtliche Regelungen getroffen worden sind, die heute immer noch Bestand haben, so ist im Handwerk die Meisterprüfung ("Befähigungsnachweis") immer noch Voraussetzung für die Befähigung zur Lehrlingsausbildung. Zum anderen ist in dieser Zeit der Grundstein für unser heutiges "duales System" der Berufsausbildung gelegt worden ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Berufsausbildung im mittelalterlichen Handwerk in den Zünften
2. Die Entwicklung der Berufsausbildung seit der Gewerbefreiheit bis Ende des I. Weltkrieges
2.1. Verhältnisse im Handwerk.
2.2. Verhältnisse in der Industrie.
3. Berufsausbildung in der Weimarer Republik
3.1. Berufsausbildung im Handwerk
3.2. Berufsausbildung in der Industrie
4. Die Entwicklung der Berufsschule
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Berufsausbildung in Deutschland vom mittelalterlichen Zunftwesen bis zum Ende der Weimarer Republik, um die Ursprünge und Hintergründe des heutigen dualen Ausbildungssystems zu beleuchten.
- Evolution des Lehrlingswesens im Handwerk unter Zunfteinfluss.
- Einfluss der Gewerbefreiheit und Industrialisierung auf die betriebliche Ausbildung.
- Strukturelle Unterschiede und Reformansätze in der Ausbildung von Handwerk und Industrie.
- Die Entstehung und Etablierung des Berufsschulwesens als Ergänzung der betrieblichen Lehre.
Auszug aus dem Buch
3.2. Berufsausbildung in der Industrie
Während des Krieges war auch die industrielle Berufsausbildung vernachlässigt worden und es herrschte ein großer Facharbeiter Mangel, sodass die Industrie ihre Facharbeiterausbildung reorganisieren musste. Dabei konnte sie sich nicht wie das Handwerk an festgelegten Berufsbildern orientieren, sondern war durch die technische Entwicklung einem ständigen Wechsel ausgesetzt, dem nur eine eigenständige Ausbildung gerecht werden konnte. Da in der Industrie fast kein persönlicher Kontakt zwischen dem Lehrherrn und dem Lehrling bestand, der "Erziehungsgedanke" in der industriellen Ausbildung aber ebenfalls berücksichtigt werden sollte, hielt man eine systematische Berufsausbildung für notwendig.
Die industrielle Lehrlingsausbildung sollte den Lehrlingen eine grundlegende Ausbildung in allen zu seinem Berufsfeld gehörenden Arbeitsfeldern bieten. So wollte man die nötige Flexibilität und Umstellungsfähigkeit entwickeln, die in der sich zunehmend technisierenden Industrie erforderlich war. Typisch für die damalige Ausbildung in der Industrie war noch die Ausbildung im Produktionsbetrieb. Die Lehrlinge wurden Arbeitern oder Kolonnen zugeteilt und mussten sich durch praktische Tätigkeiten die notwendigen Kenntnisse aneignen. Besonders in Klein und Mittelbetrieben war diese Arte der Ausbildung die gängigste Art, da ihnen die finanziellen Mittel fehlten um einen Lehrwerkstatt einzurichten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas und Eingrenzung der historischen Betrachtung auf das Handwerk und die industrielle Ausbildung.
1. Die Berufsausbildung im mittelalterlichen Handwerk in den Zünften: Analyse der Zunftstrukturen, der rechtlichen Rahmenbedingungen der Ausbildung und des Ausbildungsganges Lehrling-Geselle-Meister.
2. Die Entwicklung der Berufsausbildung seit der Gewerbefreiheit bis Ende des I. Weltkrieges: Darstellung des Wandels durch die Gewerbefreiheit und der Herausforderungen der Industrialisierung für die Ausbildung.
3. Berufsausbildung in der Weimarer Republik: Untersuchung der wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach dem Krieg und der Reorganisationsbestrebungen im Handwerk und der Industrie.
4. Die Entwicklung der Berufsschule: Erläuterung der Genese der Berufsschule aus dem Fortbildungswesen und der Einflussnahme durch Konzepte wie das "Münchener Modell".
5. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die historische Beeinflussung des modernen Berufsbildungssystems.
Schlüsselwörter
Berufsausbildung, Handwerk, Industrie, Zünfte, Gewerbefreiheit, Lehrlingswesen, Weimarer Republik, duales System, Berufsschule, Industrialisierung, Facharbeiter, Meisterprüfung, Lehrwerkstatt, Dinta, Datsch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung und Veränderung der Berufsausbildung in Deutschland vom Mittelalter bis zum Jahr 1933.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind das mittelalterliche Zunftwesen, die Auswirkungen der Gewerbefreiheit und der Industrialisierung auf die Ausbildung sowie die Entwicklung der Berufsschule.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die historischen Hintergründe und die Entwicklung der Institutionen des Berufswesens aufzuzeigen, um das heutige deutsche Berufsbildungssystem besser verstehen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine chronologisch orientierte, historische Literaturanalyse, die den Wandel der Ausbildungssysteme anhand von Gesetzgebungen und gesellschaftlichen Entwicklungen dokumentiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Handwerks (vom Mittelalter bis zur Moderne), die industrielle Berufsausbildung während der Industrialisierung und in der Weimarer Republik sowie die Etablierung des Berufsschulsystems.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Berufsausbildung, duales System, Zunftwesen, Industrialisierung und die Entwicklung von Ausbildungskonzepten in der Weimarer Republik definiert.
Was zeichnete die Ausbildung in der Industrie der 1920er Jahre aus?
In dieser Zeit wurde zunehmend versucht, die Ausbildung durch systematische Pläne, Lehrwerkstätten und spezielle Organisationen wie das Dinta zu professionalisieren, um den Anforderungen der Technisierung gerecht zu werden.
Welche Rolle spielte Georg Kerschensteiner in der Ausbildungshistorie?
Er gilt als einer der bedeutendsten Einflussnehmer, der durch sein Konzept der beruflichen Bildung und die Etablierung von Fachklassen die Umwandlung von bloßen Fortbildungsschulen in moderne Berufsschulen maßgeblich vorantrieb.
- Quote paper
- Insa Tietjen (Author), 2002, Die Berufsausbildung im historischen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8346