Itaipú Binacional - Paraguay-Brasilien

Eine ökologische Katastrophe?


Examensarbeit, 2005
38 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geschichte zur Entstehung von Itaipú Binacional
2.1 Die Triple Frontera
2.2 Der Río Paraná
2.3 Der Bau des Kraftwerks
2.4 Der Stausee
2.5 Soziale Folgewirkungen für die Bevölkerung

3 Das ökologische System Itaipú
3.1 Einführung
3.2 Das Klima
3.3 Sedimentation und Erosion
3.4 Das Projekt “Gralha Azul“
3.5 Das Projekt “Mymba Kuera“
3.6 Die Wasserpflanzen
3.7 Die Fische
3.8 Das Refúgio Biológico Carapá
3.9 Seismische Aspekte
3.10 Gesundheitliche Probleme

4 Fazit

5 Ausblick

6 Schlusswort

7 Literaturverzeichnis

8 Bildanhang

9 Glossar

1 Einleitung

Als ich im Oktober 1996 das erste Mal nach Paraguay kam, kannte ich weder Land noch Sprache, und schon gar nicht Itaipú Binacional. Ich arbeitete ein Jahr auf der Farm Santa Monica, 50 Kilometer nördlich von Ciudad Del Este. Bald wurde mir bewusst, wie alltäglich die Gegenwart des Elektrounternehmens Itaipú Binacional und des Stausees ist: Die Schule für die Kinder der Farm wurde von Itaipú Binacional finanziert, der Asphalt auf den Strassen kam erst durch Itaipú Binacional dorthin, Reservate und Zoos, Trafoanlagen und Depots, das Schild mit den vier Farben ist in der ganzen Region allgegenwärtig. Ohne Itaipú geht nichts, das Unternehmen ist in allen Lebensbereichen vertreten. Ich besichtigte das Kraftwerk mehrere Male und entdeckte jedes Mal etwas Neues, das mich in Staunen versetzte. Der Gigantismus ist unverkennbar. Man kommt sich neben den 18 weissen Druckrohren der Staumauer sehr klein vor. (Siehe Anhang Abb. 14) Ehrfürchtig schaut man an der Betonwand wie an einem Wolkenkratzer empor. Durch seine aderartige Ausbreitung wirkt der Stausee eher verzettelt und weniger überwältigend, trotz seiner Grösse. Als ich ihn mit dem Schiff befuhr, fielen mir die vielen kahlen Bäume auf, die überall aus dem Wasser ragen. Ein eindeutiges Zeichen, dass dieses Wasser nicht schon immer da war.

Durch die Arbeit auf der Farm und meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Elektrogiganten Itaipú Binacional habe ich einige Konsequenzen der Stauung des Río Paraná miterlebt, obwohl ich ein paar Jahre nach der Fertigstellung dort war. Die Veränderungen für die Anwohner und deren bewussten Umgang damit haben mich genauso fasziniert, wie die Gelassenheit dieser Menschen, die negativen Folgen zu ignorieren oder zu verharmlosen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Paraguay bis 1989 noch diktatorisch geführt wurde und Gegenmeinungen gar nicht zugelassen waren. Verständlich auch, wenn man mit eigenen Augen sieht, wie viele Menschen in Paraguay und Brasilien täglich ums nackte Überleben kämpfen und andere Sorgen als das Ökosystem Itaipú haben. Der Kontrast zwischen dem Perfektionismus und Gigantismus der Staumauer und all den Anlagen zur Stromverteilung rundherum und dem täglichen, einfachen Leben auf der Farm am Stausee ist enorm. Der grosse Dieselmotor des Notstromaggregates auf der Farm, der vor allem bei schlechter Witterung mehr als einmal täglich lief, entlockte den Menschen ein Lächeln und liess sie ironisch Itaipú Binacional hochleben. Das grösste Wasserkraftwerk der Welt gleich nebenan, aber nicht fähig, den Strom auch nur in seine unmittelbare Umgebung zu transportieren...

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Das grösste Wasserkraftwerk der Welt (Quelle: www.personales.conexion.com.py)

Ist Itaipú Binacional eine ökologische Katastrophe?

Diese Frage beschäftigt mich, seit ich dort gelebt habe. Können eine Staumauer und ein Stausee überhaupt etwas anderes sein als eine ökologische Katastrophe? Wie gross sind die irreparablen Schäden an der Natur? Ich will die Hintergründe, Umstände und die Aktivitäten des Elektrokonzerns von seiner Entstehung bis heute im ökologischen Zusammenhang analysieren.

Der Hauptteil der Arbeit ist in zwei Kapitel unterteilt. In der Geschichte zur Entstehung von Itaipú Binacional stelle ich die spezielle Situation in der Triple Frontera zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien vor. Durch den internationalen Schmuggel und die üppigen Wasservorkommen ruht auf der Region auch das wachsame Auge der USA. Der Río Paraná ist nach dem Amazonas der grösste Fluss Südamerikas. Er hat ein riesiges Einzugsgebiet, und wird an vielen Orten für die Stromerzeugung genutzt. Der wirtschaftliche Aufschwung in Brasilien bewirkte eine immer grösser werdende Nachfrage an Energie. Paraguay und Brasilien einigten sich in der “Akte Iguazú“ zur gemeinsamen Nutzung des Grenzflusses Paraná, worauf Machbarkeitsstudien folgten, die 1974 in der Gründung der binationalen Gesellschaft Itaipú mündete. 10 Jahre später begann die Stromproduktion mit den ersten beiden Generatoren. Ende 1990 waren alle 18 Turbinen am Netz. Das erstellte Kraftwerk ist bis zur Fertigstellung des chinesischen “Drei Schluchten“-Staudamms das grösste Wasserkraftwerk der Welt, und wird auch nachher der grösste Stromproduzent bleiben, da die prognostizierte Jahresproduktion in China unter der Marke von Itaipú Binacional bleiben wird.

Der Stausee ist ein riesiger Eingriff in die Natur und hat weitreichende Konsequenzen, die vielfach nicht mehr gutzumachen sind. Wo vorher das Flussbett des Río Paraná lag, breitet sich heute ein See von 170 Kilometern Länge und durchschnittlich 7 Kilometern Breite aus. Die sozialen Folgen für die Bevölkerung werden unterschiedlich beurteilt. 65'000 Menschen enteignen, umsiedeln und entschädigen war keine leichte Aufgabe für Itaipú Binacional. Verglichen mit den 1.2 Millionen Chinesen, die schätzungsweise dem “Drei Schluchten“-Staudamm weichen müssen, klingt die Zahl aber doch eher bescheiden. Stirnrunzeln verursacht die Zerstörung der Wasserfälle Siete Caidas am nördlichen Ende des Stausees. Bereits 1960 touristisch erschlossen, bedauern vor allem viele Paraguayaner diesen Verlust, entgehen ihnen doch die Einnahmen, welche Brasilien und Argentinien sich nun mit den Iguazú Wasserfällen teilen!

Im zweiten Kapitel wird das Ökosystem Itaipú beleuchtet. Durch Geld- und Zeitmangel wurde eine gründliche Bestandesaufnahme von Flora und Fauna verunmöglicht. Das Umweltbewusstsein der Menschen und die Zahl der Experten waren zu jener Zeit ebenfalls Mangelware. Durch das Stauen des Río Paraná starben seltene Tier- und Pflanzenarten aus oder mussten anderen, anpassungs-fähigeren Lebewesen Platz machen. Das Klima wird durch den Stausee nur lokal beeinflusst. Die grossen weissen Schilder am Strassenrand, die den Autofahrer vor unbedachten Überholmanövern im Nebel warnen, wirken bei über 40° Celsius und in schweisstreibender, klebriger Hitze etwas verloren, doch ist dichtester Nebel in den Wintermonaten rund um den Stausee keine Seltenheit. Ein wichtiger Faktor für die Betreiber von Itaipú Binacional ist die Erosionstätigkeit des Wassers, welches jährlich Tonnen von Material in den Stausee wäscht.

Bereits in der Pre-Itaipú Zeit wurden viele Wälder zur landwirtschaftlicher Nutzung abgeholzt, darum lancierte Itaipú Binacional das Projekt “Gralha Azul“. In diesem Aufforstungsprojekt sind in den letzten 19 Jahren über 14'000'000 Bäume gepflanzt worden. Das Projekt “Mymba Kuera“ hingegen will die Auswirkungen des Stausees auf die Tierwelt minimieren. Als der Fluss gestaut wurde haben viele Helfer Tiere eingesammelt und in Schutzzonen untergebracht. Heute ist Itaipú Binacional ein allseits anerkannter Betreiber von Zoos und biologischen Reservaten.

Im Stausee selber haben sich viele Arten von Wasserpflanzen verbreitet. Sie sind die grossen Indikatoren der Wasserqualität. Biologen überwachen deren Ausbreitung sehr genau, da die grossen, schwimmenden Pflanzenteppiche auch die Turbinen des Kraftwerks verschmutzen können. Der Itaipú Staudamm hatte erhebliche Auswirkungen auf die Fischpopulationen. Durch den Stausee ist eine ganze Fischfangindustrie entstanden. Der Itaipú Stausee gilt als sehr fischreich. Itaipú Binacional forscht in Reservaten wie das von Carapá über Flora und Fauna. Viele Tierarten werden in den Reservaten gezüchtet, um deren Fortbestand in der Region zu sichern.

Der Druck der Wassermassen des Itaipú Stausees auf die tektonische Platte erhöht das Risiko für seismische Aktivitäten. Die Möglichkeit eines Erdbebens kann nicht ausgeschlossen werden. Ein Dammbruch hätte für die ganze Region nicht absehbare Folgen.

Durch Itaipú Binacional sind Krankheiten wie das Dengue-Fieber wieder ins Bewusstsein von Anwohnern und Behörden getreten, oder tauchen, wie die Bilharziose, neu in der Triple Frontera auf. Das Elektrounternehmen ist darauf bedacht, in Zusammenarbeit mit den Regierungen Paraguays und Brasiliens diese gesundheitlichen Probleme und Risiken möglichst gering zu halten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Vom Fluss zum See. Der Stausee als Eingriff in die Natur (Quelle: www.agteca.com)

2 Die Geschichte zur Entstehung von Itaipú Binacional

2.1 Die Triple Frontera

Das Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien wird als Triple Frontera (spanisch: Dreiländereck) bezeichnet. Die dreifache Grenze liegt an der Mündung des Río Iguazú in den Río Paraná unweit der Iguazú Wasserfälle. Im Bereich dieser Triple Frontera befindet sich heute ein internationaler Ballungsraum, der vor allem aus folgenden drei Städten besteht: Ciudad del Este in Paraguay (ca. 240’000 Einwohner), Foz de Iguazú in Brasilien (ca. 200’000 Einwohner) und Puerto Iguazú in Argentinien (ca. 45’000 Einwohner). Alle drei Städte gelten als Handelsmetropolen, aber auch als Zentren des internationalen Schmuggels. Touristisch geprägt sind vor allem Foz und Puerto Iguazú, die als Ausgangspunkte für Ausflüge an die Iguazú Wasserfälle dienen. Ciudad del Este wuchs seit dem Beginn der Bauarbeiten des Itaipú Staudamms stark an. Das Zentrum ist vom Handel und von zahllosen Schnäppchenjägern geprägt, die von jenseits der Grenze über die Puente de la Amistad (Brücke der Freundschaft) des Río Paraná nach Paraguay kommen, um günstig einzukaufen. Ciudad del Este hiess bis 1989 Puerto Presidente Stroessner, nach dem damaligen Diktator und Mitinitiator des Itaipú Staudamms, Alfredo Stroessner. Wegen des hohen Anteils von Menschen arabischer Abstammung und muslimischen Glaubens in der Region, vermuten die USA eine Zelle der Terrororganisation Al Qaida in der Gegend der Triple Frontera. Gelegentlich lassen sie daher ihre Tarnkappenbomber über der Region kreisen. Südamerikanische Medien haben die Hypothese aufgestellt, dass dies nur als Druckmittel auf die drei südamerikanischen Länder zu verstehen sei, und es den USA in Wahrheit nur darum gehe, die Option auf die Wasserreserven des Río Paraná für sich zu sichern.[1] Allerdings bleibt in dieser Hypothese offen, wie die USA dieses Wasser nutzen wollen!

Abb. 3 Geographische Lage der Triple Frontera und des Itaipú Staudamms.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Itaipú Binacional – La Mayor Hidroeléctrica Del Mundo)

2.2 Der Río Paraná

Der Rio Parana ist nach dem Amazonas der zweitlängste Fluss Südamerikas. Er entspringt in Brasilien durch den Zusammenfluss des Paranaíba und des Rio Grande. Er ist 4'000 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von 3’000'000 Quadratkilometern. Der Name des Flusses kommt aus dem Guaraní (indianische Sprache Paraguays) und bedeutet soviel wie “ähnlich wie das Meer“, was auf seinen Reichtum an Wasser zurückzuführen ist. Von Salto del Guaira bis zur Einmündung des Río Iguazú bildet der Río Paraná, und somit der ganze Stausee von Itaipú, die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien. Nach dem Dreiländereck dreht er gegen Südwesten ab und bildet die Grenze zwischen Paraguay und Argentinien. Die letzten 500 Kilometer durchquert er Argentinien, wobei er in Richtung seiner Mündung immer sumpfigeres Gebiet durchfliesst. Er bildet schliesslich zusammen mit dem Río Uruguay den Río de la Plata, bevor er im südatlantischen Ozean endet.[2] (Siehe Anhang Abb. 15)

2.3 Der Bau des Kraftwerks

Das wirtschaftlich aufstrebende Brasilien war auf der Suche nach neuen Energiequellen für seine expandierende Industrie und seine ständig wachsende Bevölkerung. Im paraguayanischen Diktator Stroessner fand die Regierung Brasiliens einen willigen Partner. Paraguay erhoffte sich neben der Energieunabhängigkeit einen wirtschaftlichen Aufschwung für das ganze, noch heute wenig industrialisierte Land. Im Juni 1966 unterschrieben Vertreter von Paraguay und Brasilien “Die Akte Iguazú“, worauf verschiedene Studien von technischen Kommissionen folgten, die im April 1970 in einer Absichtserklärung zwischen den staatlichen Elektrizitätswerken von Paraguay (ANDE) und Brasilien (ELETROBRAS) mündete. Die Insel Itaipú (bedeutet “singender Stein“ in Guaraní) im Río Paraná, 15 Kilometer nördlich von Ciudad Del Este, war darin als definitiver Standort ausgewählt worden. Im April 1973 unterschrieben die Präsidenten beider Länder den Vertrag zum Bau des Kraftwerks. Das Abkommen sieht die hälftige Teilung der erzeugbaren Energie vor und gibt jedem Land das Recht, die vom Partner nicht genutzte Energie für den eigenen Bedarf in Anspruch zu nehmen. Im Mai 1974 wurde schliesslich das Unternehmen Itaipú Binacional gegründet, das mit der Planung und dem Bau des gesamten Projekts beauftragt wurde. 1975 wurde mit dem Aushub des Umleitungskanals, der Aufschüttung des Erddammes auf der brasilianischen Seite und der Konstruktion der Staudämme für die Verlegung des Paranás begonnen. Ende 1978 wurde der Paraná in einen 2 Kilometer langen, 150 Meter breiten und 90 Meter tiefen Umleitungskanal geleitet, indem die zuvor errichteten Dämme gesprengt wurden. Nachdem das alte Flussbecken entwässert war, konnte mit dem Bau des Hauptdamms und des Maschinenhauses begonnen werden. (Siehe Anhang Abb. 16) Der Hauptdamm aus Stahlbeton misst 1234 Meter und ist 196 Meter hoch. Der gesamte Staudamm (Stahlbeton und Erdaufschüttung) ist 7700 Meter lang. (Siehe Anhang Abb. 17) Ab Oktober 1982 wurde der Paraná gestaut und das umgebende Grenzland überflutet. Am 25. Oktober 1984 gingen die ersten beiden Generatoren des Kraftwerks ans Netz. Im Dezember 1990 war auch der 18. Generator an der Stromproduktion angeschlossen. Bis dahin waren 62 Millionen Tonnen Steine und Erde aus dem Flussbett des Paranás geschaufelt und 12.3 Millionen Kubikmeter Stahlbeton wieder darin verbaut worden.[3] Dies entspricht Stahl von 380 Eiffeltürmen und Beton von 15 Euro-Tunnel. 30’000 Arbeiter waren von 1975 bis 1984 mit dem Bau dieses 20 Milliarden US$ Kraftwerks beschäftigt. Es ist daher nicht überraschend, dass das amerikanische Magazin "American Society of civil Engineers“, Itaipú zu einem der sieben Wunder der modernen Welt erkoren hat, und deren Arbeiterschaft mit Herkules verglich.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Die Insel Itaipú inmitten des Río Paraná. Die ausgewählte Stelle für den Bau des Staudamms (Quelle: Itaipú Binacional – Centro De Reception De Visitas; Paraguay)

2.4 Das Kraftwerk

Der Staudamm von Itaipú ist eine Gewichtsstaumauer aus Stahlbeton mit einer unteren Dicke von 273 Metern.[5] Er hält dem anfallenden Wasserdruck alleine durch sein Eigengewicht stand. Das Wasser fällt 140 Meter durch ein Druckrohr mit 10.5 Metern Durchmesser, bevor es auf die Turbine trifft, die den Generator betreibt. (Siehe Anhang Abb. 18) 698 Kubikmeter Wasser schiessen pro Sekunde durch ein solches Druckrohr auf eine der 18 Turbinen. Jede davon produziert 700 Megawatt Strom.[6]

95% der jährlichen Produktion decken einen Viertel des brasilianischen Strombedarfs, während die restlichen 5% an Paraguay gehen und dort über 90% der Nachfrage abdecken. Besonders daran ist, dass die Energie für Brasilien bei einer Frequenz von 60 Hertz produziert wird, im Gegensatz zum Strom für Paraguay, der das Kraftwerk mit einer Frequenz von 50 Hertz verlässt. Der von Paraguay nicht benötigte Strom wird anschliessend wieder auf 60 Hertz erhöht und so für den brasilianischen Markt kompatibel gemacht.[7] Itaipú Binacional produziert mehr Strom, als Experten bei Baubeginn zu prognostizieren wagten. Die 18 Turbinen des Kraftwerks mit einer Energiekapazität von 12'600 Megawatt erreichten im Jahr 2000 die Rekordproduktion von 93’428 Giga-Wattstunden, eine Zahl, die bis heute für jedes andere Kraftwerk der Welt unerreichbar geblieben ist. Diese Produktion entspricht einer durchschnittlichen Auslastung aller Turbinen von 10’636 Megawatt, oder 84.4% der gesamten Kapazität. Das Kernkraftwerk Gösgen als Vergleich, erzielt eine Jahresproduktion von ungefähr 7’923 Giga-Wattstunden.[8] Im Jahr 2001 startete die brasilianische Regierung eine Kampagne, um den Stromverbrauch zu reduzieren, da wegen der grossen Trockenheit die Wasserspiegel der Seen im ganzen Land drastisch sanken. So wurde die Rekordmarke vom Jahr 2000 nicht mehr gebrochen.[9] Trotzdem sind zwei weitere Turbinen gebaut worden, welche die Gesamtkapazität von Itaipú Binacional auf 14'000 Megawatt ansteigen liessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Das Kraftwerk im Querschnitt. (Quelle: Itaipú Binacional – La Mayor Hidroeléctrica Del Mundo)

2.5 Der Stausee

Der See des aufgestauten Río Paraná erreicht eine Ausdehnung von 1’350 Quadratkilometern und entspricht damit ungefähr der Fläche des Kantons Aargau.[10] Er ist 170 Kilometer lang und durchschnittlich 7 Kilometer breit. Etwas mehr als die Hälfte davon liegt auf brasilianischem Hoheitsgebiet. Die durchschnittliche Tiefe des Stausees liegt bei 22 Metern und erreicht in Kraftwerksnähe bis 170 Meter. (Siehe Anhang Abb. 19) Der Inhalt des Stausees beträgt etwa 29 Milliarden Kubikmeter Wasser. Ein grosser Teil davon wird im Durchschnitt alle 32 Tage erneuert. Reste des überschwemmten Landes ragen als 86 Inseln aus dem See.[11] 1982 wurde mit der Aufstauung des Río Paraná begonnen. Die Tore der 14 Überlaufschleusen, durch die der mächtige Fluss während ungefähr fünf Jahren geflossen war, wurden geschlossen. Die hochkomplexe Angelegenheit des Aufstauens eines Flusses einerseits und die beabsichtigte Minimierung der ökologischen Konsequenzen andererseits, verlangten ein feines Gespür der verantwortlichen Ingenieure und Techniker. Ausserdem wurde in einem Staatsvertrag zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien eine Mindestdurchlaufmenge des Río Paraná vereinbart, um Argentinien nicht gänzlich vom Flusssystem des Río Paraná abzuschneiden. Bis zur Fertigstellung der ersten Turbinen lag der Wasserstand bei 100 Metern. Als diese 1984 mit der Stromproduktion begannen, wurde der See auf sein heutiges Niveau von 220 Metern angestaut.[12]

[...]


[1] www.wikipedia.org

[2] www.ciudaddeleste.galeon.com

[3] Kohlhepp G., 1987; Seite 23

[4] www.diebrennstoffzelle.de

[5] www.structurae.de

[6] Itaipú Binacional – Centro de reception de visitas; Paraguay

[7] www.dams.org

[8] www.kkg.ch

[9] www.itaipu.gov.py

[10] www.are.admin.ch

[11] www.itaipu.gov.py

[12] www.dams.org

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Itaipú Binacional - Paraguay-Brasilien
Untertitel
Eine ökologische Katastrophe?
Veranstaltung
Ökologie
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
38
Katalognummer
V83527
ISBN (eBook)
9783638071444
Dateigröße
2032 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Itaipú, Binacional, Paraguay-Brasilien
Arbeit zitieren
Marc Gugelmann (Autor), 2005, Itaipú Binacional - Paraguay-Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83527

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