In den letzten Jahren ist die Forderung nach mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung immer lauter geworden. Doch umso mehr Menschen darüber sprechen oder schreiben, desto mehr unterschiedliche Bedeutungen scheint dieser Begriff, dieser Gedanke an mehr Selbstbestimmung zu bekommen.
Was bedeutet nun Selbstbestimmung im Leben von Menschen, die als behindert gelten? Was heißt dies für die professionellen Helfer, die mit behinderten Menschen arbeiten? Lässt sich professionelles Handeln anderer und Selbstbestimmung im Leben von Menschen mit Behinderung überhaupt miteinander vereinbaren?
Diesen Fragen soll in dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Zu diesem Zweck soll zunächst versucht werden, ein Verständnis des Selbstbestimmungsgedankens herzustellen, u.a. durch Überlegungen zu dem Menschenbild, welches mit diesem verbunden ist, um danach darauf einzugehen, ob eine Betreuung oder Begleitung durch andere im Sinne der Selbstbestimmung legitim sein kann und inwiefern sich Alltagsförderung und eine gewisse Fremdbestimmung realisieren lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit
2.1 Das Verständnis von Selbstbestimmung - Eine Frage des Menschenbildes
2.2 Selbstbestimmt leben und Begleitung – Ein Widerspruch in sich?
2.3 Die Frage des Förderns und Forderns
3. Schlussbetrachtung
4. Quellennachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Selbstbestimmung im Leben von Menschen mit geistiger Behinderung und analysiert, inwiefern sich diese mit professioneller Begleitung vereinbaren lässt, ohne in Fremdbestimmung umzuschlagen.
- Grundlagen des Selbstbestimmungsgedankens und des zugehörigen Menschenbildes
- Spannungsfeld zwischen professioneller Begleitung und individueller Autonomie
- Die Rolle der Selbstverantwortung bei alltäglichen Entscheidungen
- Kritische Auseinandersetzung mit Förderstrukturen und Machtausübung
Auszug aus dem Buch
2.2 Selbstbestimmt leben und Begleitung – Ein Widerspruch in sich?
Wir entscheiden! Wir müssen unsere Entscheidungen selbst treffen. (….) Zu oft entscheiden andere für uns in Dingen, die unser eigenes Leben betreffen. (….) Wir wissen selbst, was das Beste für uns ist, und wir können selbst auswählen. Es darf anderen nicht erlaubt werden, unsere Entscheidungen zu treffen. Und uns ist bewusst, dass eine Wahl zu treffen bedeutet, dass wir für unsere eigenen Entscheidungen verantwortlich sind.
(Walther, 1999, S. 75 nach Lebenshilfe o.J.)
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es sich miteinander vereinbaren lässt einerseits Menschen mit geistiger Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen zu wollen und andererseits durch professionelle Arbeit mit diesen Menschen in gewissem Maße in ihr Leben einzugreifen.
Um Menschen mit geistiger Behinderung zu ermöglichen zu mehr Mitbestimmungsrechten und mehr Selbstbestimmung zu kommen, muss immer eine Gratwanderung vollbracht werden, die mit der ständigen Gefahr der Über- oder auch Unterforderung verbunden ist. Das heißt, ihnen einerseits echte Entscheidungsmöglichkeiten mit direkten Folgen zu bieten ohne sie auf der anderen Seite zu überfordern, was zu Frustration und letztendlich zu Unwollen hinsichtlich einer aktiven Mitgestaltung führen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Vereinbarkeit von professioneller Begleitung und individuellem Selbstbestimmungsanspruch.
2. Selbstverantwortung, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit: Dieses Kapitel erörtert theoretische Hintergründe sowie die ethischen Spannungsfelder zwischen professionellen Förderzielen und dem Recht auf eigene Lebensgestaltung.
2.1 Das Verständnis von Selbstbestimmung - Eine Frage des Menschenbildes: Es wird analysiert, wie unterschiedliche Menschenbilder – defizitorientiert versus ressourcenorientiert – die Praxis der Behindertenarbeit und das Verständnis von Autonomie beeinflussen.
2.2 Selbstbestimmt leben und Begleitung – Ein Widerspruch in sich?: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Umsetzung von Mitbestimmung und der Gefahr, durch pädagogische Einflussnahme ungewollt in die Autonomie einzugreifen.
2.3 Die Frage des Förderns und Forderns: Dieses Kapitel diskutiert, wie Fördermaßnahmen gestaltet sein sollten, damit sie den Menschen in seinem Tempo begleiten, statt ihn durch vorgefertigte Ziele zu bevormunden.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Haltung des Respekts gegenüber den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Individuums entscheidend ist, um Selbstbestimmung in der Praxis jenseits unrealistischer Ideologien umzusetzen.
4. Quellennachweis: Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und Quellen für die vorliegende Hausarbeit.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, geistige Behinderung, professionelle Begleitung, Selbstverantwortung, Mitbestimmung, Menschenbild, Alltagsförderung, Autonomie, Fremdbestimmung, Behindertenarbeit, Empowerment, Individuum, Lebensqualität, Respekt, Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung und der Rolle von professionellen Begleitern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Begriffe Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbstständigkeit sowie die ethische Reflexion über Begleitung und Förderung in der Behindertenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für den Selbstbestimmungsgedanken zu entwickeln und zu hinterfragen, wie professionelle Betreuung legitim gestaltet werden kann, ohne das Recht auf Selbstbestimmung zu verletzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, die sich auf fachwissenschaftliche Literatur und bestehende Konzepte der Behindertenhilfe stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Menschenbildes, die ethische Einordnung von Begleitung sowie die kritische Reflexion von Fördermaßnahmen im Alltag von Menschen mit geistiger Behinderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Selbstbestimmung und geistiger Behinderung sind Begriffe wie Mitbestimmung, Autonomie, professionelle Begleitung und Ressourcenorientierung zentral für den Inhalt.
Welche Bedeutung kommt den "Kleinigkeiten" im Alltag zu?
Die Arbeit betont, dass gerade kleine, alltägliche Entscheidungen für Menschen mit Behinderung essenziell sind, um Selbstvertrauen aufzubauen und den ersten Schritt zu echter Selbstbestimmung zu gehen.
Warum ist das Risiko des Scheiterns ein wichtiger Aspekt?
Unter Berufung auf das Konzept der "Würde des Risikos" wird erläutert, dass Menschen mit Behinderung die Verantwortung für ihr Handeln tragen müssen, um daraus lernen zu können; dies schließt die Möglichkeit von Fehlentscheidungen ein.
Wie sollte das Verhältnis zwischen Helfer und Klient idealerweise sein?
Die Arbeit schlägt einen Paradigmenwechsel vor: weg von einer defizitorientierten Machtausübung hin zu einer gleichberechtigten Begegnung, bei der der Begleiter den Menschen als Subjekt mit eigenen Fähigkeiten respektiert.
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- Roland Raabe (Author), 2007, „Wir wissen selbst, was das Beste für uns ist!“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83626