Die Arbeit beschäftigt sich mit tugendethischen Ansätzen. Es werden Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin näher beleuchtet. Im Zentrum steht die Denkschrift der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland "Demokratie braucht Tugenden", die kritisch diskutiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Tugend – „Ein alter Hut“?
2. Historische Entwürfe
2.1 Platon
2.2 Aristoteles
2.3 Thomas von Aquin
3. Demokratie braucht Tugenden
3.1 Grundkonzeption
3.2 Tugenden des Bürgers und des Wählers im Besonderen
3.2.1 Vorbemerkung
3.2.2 Selbstverantwortung und Eigenhilfe
3.2.3 Redlichkeit
3.2.4 Zivilcourage
3.2.5 Vertrauen und Kritikfähigkeit
3.2.6 Umsichtigkeit
3.2.7 Vernunft
3.3 Tugenden des Politikers
3.3.1 Gewissenhaftigkeit
3.3.2 Gerechtigkeit – Gemeinwohlorientierung
3.3.3 Wahrhaftigkeit
3.3.4 Klugheit
3.4 Tugenden der Journalistinnen und Journalisten
3.4.1 Journalistische Wissbegier und Klugheit
3.4.2 Standfestigkeit und Mut
3.4.3 Besonnenheit
3.5 Tugenden der Lobbyisten: Gemeinwohlorientierung trotz Partikularinteressen
4. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz von Tugendethik für das demokratische Gemeinwesen. Ausgehend von klassischen Modellen platonischer, aristotelischer und thomanischer Tugendlehre wird die Denkschrift der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz kritisch beleuchtet, um aufzuzeigen, wie persönliche Tugenden zur Stabilisierung und Verbesserung der heutigen Demokratie beitragen können.
- Historische Herleitung und Begriffsdefinition von Tugend.
- Analyse der politischen Rolle von Tugenden in einer Demokratie.
- Untersuchung von Verhaltenserwartungen an spezifische gesellschaftliche Akteure (Bürger, Politiker, Journalisten, Lobbyisten).
- Kritische Würdigung der theoretischen Fundierung der Denkschrift.
- Diskussion über das Verhältnis von staatlichen Institutionen und individueller Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Platon
PLATON behandelt in vielen seiner Werke die Frage nach dem Wesen der Tugend, indem er zahlreiche Ansätze von Vorgängern aufgreift und erweitert, allen voran die des SOKRATES. Im philosophischen Denken der Antike war die Ansicht fest verankert, dass der Mensch sein Leben nach einem letzten Zweck, nach einem höchsten Gut, kurz: nach dem Glück ausrichte. Äußerst umstritten war allerdings der Weg, der zum glücklichen Leben führen könne.
Unter diesem Gesichtspunkt muss auch die gesamte Tugendlehre PLATONS begriffen werden. Tugenden sind hier die „Eigenschaften, Gewohnheiten, Haltungen, Handlungsweisen und Kompetenzen, die zuverlässiger das höchste Gut herbeizuführen vermögen als andere“ (KERSTING 2001: 45f). Da er stets skeptisch war, ob die unzweifelhafte Erkenntnis des Glücks oder des Gutseins überhaupt möglich sei, ist das intensive Nachdenken darüber, was für das menschliche Leben insgesamt gut oder schlecht sei, von zentraler Bedeutung, um schließlich zu einem Tugendwissen zu gelangen, das zur Hervorbringung des Glücks führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Tugend – „Ein alter Hut“?: Einführung in die Problematik des Tugendbegriffs und dessen Bedeutung für das Zusammenleben im modernen Deutschland.
2. Historische Entwürfe: Darstellung der tugendethischen Grundlagen bei Platon, Aristoteles und Thomas von Aquin als historisches Fundament.
3. Demokratie braucht Tugenden: Analyse der konkreten Anwendung von Tugenden bzw. Verhaltenserwartungen auf verschiedene Akteure innerhalb des demokratischen Systems.
4. Kritische Würdigung: Kritische Reflexion der Denkschrift hinsichtlich ihrer theoretischen Konsistenz und ihrer praktischen Umsetzbarkeit in der modernen politischen Diskussion.
Schlüsselwörter
Tugendethik, Demokratie, Gemeinwohl, Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin, Politische Tugenden, Verhaltenserwartungen, Gerechtigkeit, Klugheit, Tapferkeit, Gesellschaft, Handlungsverantwortung, Denkschrift, Eudaimonie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Tugendethik für die heutige Demokratie und analysiert, inwiefern klassische tugendethische Ansätze dabei helfen können, aktuelle gesellschaftliche Probleme zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Tugendlehre (Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin) sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Denkschrift „Demokratie braucht Tugenden“ der evangelischen und katholischen Kirche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob und wie Tugenden als "Verhaltenserwartungen" das demokratische Zusammenleben stabilisieren können und welche theoretischen Lücken die untersuchte Denkschrift dabei aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Literatur- und Quellenanalyse, indem er antike sowie mittelalterliche philosophische Konzepte mit modernen politisch-ethischen Stellungnahmen vergleicht und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Verhaltenserwartungen, die an Bürger, Politiker, Journalisten und Lobbyisten gestellt werden, und setzt diese in Beziehung zu den klassischen Kardinaltugenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Tugendethik, Demokratie, Gemeinwohl, Aristoteles und die ethische Verantwortung des Individuums sind die maßgeblichen Begriffe.
Wie bewertet der Autor den Begriff "Verhaltenserwartungen" in der Denkschrift?
Der Autor sieht darin eine praxisorientierte, aber theoretisch mitunter zu vage Reduktion des klassischen Tugendbegriffs, die jedoch eine sinnvolle Brücke zur modernen politischen Debatte schlägt.
Inwieweit spielt die christliche Gnadenlehre bei Thomas von Aquin für die Arbeit eine Rolle?
Sie dient als zweite Säule neben der aristotelischen Ethik, um zu verdeutlichen, wie christliche Tugendkonzepte die Verantwortung des Menschen für das Gemeinwohl theologisch begründen.
- Citar trabajo
- Jörg Röder (Autor), 2007, Braucht Demokratie Tugenden? , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83664