Die Heilig-Rock-Wallfahrt zu Trier


Hausarbeit, 2007

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was ist eine Wallfahrt?

III. Die Heilig-Rock-Wallfahrt
3.1. Der Rock Jesus Christus?
3.2. Die Auffindung des Rockes
3.2. Kurze Geschichte der Heilig-Rock-Wallfahrt

IV. Die Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahre 1844
4.1. Sozioökonomisches, gesellschaftliches und politisches Umfeld
4.2. Religiöses Umfeld und Ultramontanismus
4.3. Hergang der Wallfahrt
4.4. Wunder und Heilungen
4.5. Presse – Pamphlete – Publizistik
4.6. Deutschkatholizismus

V. Schlusswort

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Historie des Wunderglaubens und der Wallfahrt waren und sind Untersuchungs­gegenstand vieler verschiedener Disziplinen. Auch die Volkskunde beschäftigt sich mit diesem Phänomen.[1] Das 19. Jahrhundert stellte sich – gemessen an der Menge der Wallfahrer – als das monumentale Jahrhundert der Wallfahrten dar. Die Etablierung des modernen Verkehrswesens und die durch die romantische Bewegung hervorgerufene Wiederentdeckung der vormodernen Volksreligion waren ausschlaggebend für diese Entwicklung gewesen.[2]

Im heutigen Deutschland finden sich die Anfänge des Christentums in den spätrömischen Provinzen an Donau und Rhein. Trier hatte dabei schon seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts einen Bischof. Im 4. und 5. Jahrhundert etablierte sich diese Stadt zur Kaiserresidenz. Ebenso dürfte Trier in dieser Zeit christlich geworden sein, da heidnische Grabinschriften im 4. Jahrhundert ein Ende fanden und die antiken Tempel nur noch bis zum Ende des 4. Jahrhunderts Besucher empfingen.[3] Schon seit dem Mittelalter trat die Stadt Trier durch ihre vielen Kirchen als ein Pilgerziel von überregionaler Bedeutung heraus. Denn bis in diese Zeit weisen die Wallfahrtsstätten ihre Traditionen auf.[4] Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einem Beispiel von solch einem Wallfahrtsziel. Mit der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrt. Es werden zunächst die historischen Zusammenhänge, nebst einem kurzen geschichtlichen Überblick dargestellt. In der Historie der Heilig-Rock Wallfahrten zu Trier gilt die von 1844 als eine der am meist diskutiertesten.[5] Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll dabei auf dieser von Bischof Wilhelm Arnoldi als eine der ersten Massenveranstaltung inszenierten Wallfahrt liegen.

Hierbei sollen auch Organisation, Verlauf und Auswirkungen, ebenso sozioökonomisch-politische Beweggründe nicht unbeachtet gelassen werden.

Daher kann im Rahmen dieser Hausarbeit nicht untersucht werden, inwieweit die Tunika wirklich das Gewand Jesu Christi ist und ob dies Gewand wirklich durch eine Schenkung der Hl. Helena nach Trier gelangte.

II. Was ist eine Wallfahrt?

In dem Verb „wallen“ begründet sich der neuhochdeutsche Terminus Wallfahrt, der seit dem 14. Jahrhundert gebraucht wird. Mit „wallen“ wird das Reisen in die Ferne bezeichnet. Wallfahrt hingegen meint das Reisen zu heiligen Stätten, hervorgerufen durch religiöse Beweggründe. Mehr noch, Wallfahrt charakterisiert spezifischer den gemeinschaftlichen oder persönlichen, alleinigen Besuch einer bedeutsamen Kultstätte. Diese wiederum liegt außerhalb der heimatlichen Sphäre. Diese Wallfahrtsstätte kennzeichnet die Anwesenheit eines Propheten oder Heiligen – als einen Vermittler zwischen einem Gott und dem einzelnen Individuum, einer göttlichen Macht oder einer Gottheit selbst, in Form von Gräbern, Reliquien oder es sind einfach Erinnerungsstätten.

Auslöser des Wallfahrens können verschiedener Natur sein. So kann der Wallfahrer sowohl das Begehren nach tiefgründiger religiöser Erfahrung als auch den Wunsch nach Hilfe haben. Aber auch der Wille Buße abzulegen oder Dankbarkeit für erhaltene Segnungen, können der Anstoß für das Wallfahren sein. Grundsätzlich werden die Wallfahrten, die eine gesellschaftliche Integrationskraft besitzen, von Nichtgeistlichen spontan initiiert. Die Wallfahrten entfalten allerdings durch ihre Institutionalisierung einen rituellen Formalismus. Dieser muss dann genau eingehalten werden, damit die Reise von Erfolg gekrönt sein kann. In den Votivgaben[6] und Mirakelbüchern spiegeln sich erhaltene Hilfen oder Heilungswunder.[7]

Auch werden Eulogien, wie z. B. Ringe, Holz oder Wasser, sowie Andenken mit auf die Heimfahrt genommen, da die physischen und die psychischen Heilkräfte des Kultobjekt, so wird es angenommen, auf diese Gegenstände übertragen sind. Der wirtschaftliche Aspekt darf hierbei nicht verkannt werden.[8]

III. Die Heilig-Rock-Wallfahrt

3.1. Der Rock Jesus Christus?

Bevor nun die Heilig-Rock-Wallfahrt untersucht wird, ist es wichtig erst einmal zu klären, warum dieser Rock, wenn es denn ein Rock ist, so besonders ist. Es bestehen einige verschiedene Legenden über diesen so genannten Rock. So existiert seit fünfzehnhundert Jahren in der Überlieferung der Kirche zu Trier, dass in dem hohen Dom der ungenähte Rock Jesus Christus sichergestellt sei. Auch berichtet eine alte Sage, dass Maria, die Mutter Jesu, diesen selbst gewebt haben soll. Eine andere erzählt „dieser Rock sei mit dem Heilande aufgewachsen.“[9] Dennoch lassen sich die erforderlichen Beweise für die Richtigkeit dieser Überlieferung nur schwer bis gar nicht finden.[10]

Dagegen gibt es in der Bibel eine Quelle über die Kleidung von Jesus Christus. Das Evangelium nach Johannes berichtet wie folgt darüber:

„Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleidung und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.“[11]

Hier stimmt die Bibel mit der Überlieferung, dass dieser Rock ungenäht ist, überein. Weiterhin heißt es:

„ Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilen meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus.“[12]

Nach dem Wortlaut der Bibel wurde also das Untergewand nicht zerteilt, somit handelt es sich bei diesem Rock, nach dem Verständnis der Kirche, um das Untergewand Jesu Christi, das er bei seiner Kreuzigung trug. Auch im Markusevangelium heißt es: „Und sie kreuzigten ihn und sie verteilen seine Kleider, werfend ein Los über sie, wer was nähme“[13]

Auch in den Evangelien von Lukas und Matthäus finden sich entsprechende Stellen.[14] Was allerdings hiernach mit dem Untergewand geschah, darüber schweigt die Bibel. So bleibt aber festzuhalten, dass es sich, nach Glauben der Trierer Kirche, bei der Tunika im Hohen Dom zu Trier, um eben dieses Untergewand, namentlich den Heiligen Rock, handelt.

3.2. Die Auffindung des Rockes

Konstantin I. war als erster christlicher Kaiser bekannt. Er unterschrieb 311 das Toleranzedikt von Oberkaiser Galerius, der den Frieden für die bis dahin verfolgten Christen bedeuten sollte.[15] Konstantins Mutter – Flavia Iulia Helena, geboren 255 in Bithynien (heutige Türkei) und gegenwärtig längst heilig gesprochen, wandte sich nach diesem Edikt dem Christentum zu.[16] Nachdem Konstantin sie zur Kaiserin krönen ließ, unternahm Helena im Jahre 326 ihre Pilgerreise durch das Heilige Land.[17] Eben auf dieser Reise soll sie angeblich das Heilige Kreuz Jesu Christi, die Reliquien des Apostels Matthias und den heiligen Rock gefunden haben.[18] Hinzu kommen noch das Gewand der Gottesmutter und ein Nagel vom Heiligen Kreuz.[19] Helena hatte als erste christenfreundliche Kaiserin und Förderin der heiligen Stätten das Heilige Land und Jerusalem beschritten. Ihr Sohn Konstantin I. und dessen Söhne waren zwar Förderer, aber dennoch nie dort gewesen. Helena war also die erste Vertreterin der Dynastie Konstantins im Heiligen Land. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn die Traditionen aller Herrenreliquien mit ihrem Aufenthalt in Jerusalem verbunden werden.[20] Während sie für die Aufbewahrung des Heiligen Kreuzes die Kirche S. Croce in Rom errichten ließ, brachte sie die Gebeine von Matthias, den Nagel und den Heiligen Rock nach Trier.[21] Trier deshalb, weil Kaiserin Helena dort für längere Zeit ihre Residenz gehabt haben soll.[22] Historische Wahrheit kann dieser Legende durch die moderne Forschung allerdings nicht nachgewiesen werden.[23] [24]

[...]


[1] Vgl. Rebekka Habermas: Wallfahrt und Aufruhr: zur Geschichte des Wunderglaubens in der frühen Neuzeit,

Frankfurt/Main [ u. a.] 1991, S. 11.

[2] Vgl. Gerhard Müller (Hg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 35, Berlin [u. a.] 2003, S. 429.

[3] Vgl. Arnold Angenendt: Grundformen der Frömmigkeit im Mittelalter, 2., durchges. Aufl., München 2004,

S. 7.

[4] Vgl. Paula Giersch; Wolfgang Schmid: Rheinland – Heiliges Land: Pilgerreisen und Kulturkontakte im Mittel-

alter, Trier 2004, S. VII.

[5] Vgl. Erich Aretz (Hg.): Der Heilige Rock zu Trier: Studien zur Geschichte und Verehrung der Tunika Christi,

1. Aufl., Trier 1995, S. 237.

[6] Gaben, die als Bitte um Hilfe oder als Dank für erhaltene Hilfe in einer Notlage einem Heiligen dargebracht

werden. Oft sind sie mit Körpermotiven versehen.

[7] Vgl. Gerhard Müller (Hg.): Theologische Realenzyklopädie, Berlin [u. a.] 2003, S. 408 f.

[8] Vgl. Gerhard Müller (Hg.): Theologische Realenzyklopädie, Berlin [u. a.] 2003, S. 409.

[9] Jun Shimoda: Volksreligiosität und Obrigkeit im neuzeitlichen Deutschland. Wallfahrten oder Deutsch-

katholizismus, Tokio 2004, S. 105.

[10] Vgl. Shimoda: Volkreligiosität und Obrigkeit im neuzeitlichen Deutschland, Tokio 2004, S. 105.

[11] Das Evangelium nach Johannes, 19, 23, in: Die Bibel. Altes und Neues Testament, Freiburg, Basel, Wien

2003, S. 1216.

[12] Das Evangelium nach Johannes, 19, 24, : in: Die Bibel, Freiburg, Basel, Wien 2003, S. 1216.

[13] Das Evangelium nach Markus, 15, 24 in: Die Bibel, Freiburg, Basel, Wien 2003, S. 1145.

[14] Vgl. Erich Aretz (Hg.): Der Heilige Rock zu Trier: Studien zur Geschichte und Verehrung der Tunika

Christi, 1. Aufl., Trier 1995, S. 13.

[15] Vgl. Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Bildlexikon der Heiligen. Seligen und Namenspatrone,

München 1999, S. 378.

[16] Vgl. Schauber, Schindler: Bildlexikon der Heiligen, München 1999, S. 264.

[17] Vgl. Shimoda: Volkreligiosität und Obrigkeit im neuzeitlichen Deutschland, Tokio 2004, S.106.

[18] Vgl. Schauber, Schindler: Bildlexikon der Heiligen, München 1999, S. 264.

[19] Vgl. Claus Winkler: Die Verehrung des „Heiligen Rockes“: Wallfahrt nach Trier, Durach 1996, S. 5.

[20] Vgl. Aretz (Hg.): Der Heilige Rock zu Trier, 1. Aufl., Trier 1995, S. 84 f.

[21] Vgl. Schauber, Schindler: Bildlexikon der Heiligen, München 1999, S. 264.

[22] Vgl. Winkler: Die Verehrung des „Heiligen Rockes“, Durach 1996, S. 9.

[23] Vgl. Aretz (Hg.): Der Heilige Rock zu Trier, 1. Aufl., Trier 1995, S. 126.

[24] Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass das Gewand zuerst in der „Gesta Treverorum“

genannt wurde, welches in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren ist. Die moderne Forschung hat

dabei ergeben, dass diese Urkunde zur Stützung Trierscher Primitialansprüche gefälscht wurde. Vgl. Ebd.,

S.164.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Heilig-Rock-Wallfahrt zu Trier
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Bereich Volkskunde/Kulturgeschichte)
Veranstaltung
HS: Visionen und Wunderglaube. Wallfahrten im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts.
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V83667
ISBN (eBook)
9783638908603
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heilig-Rock-Wallfahrt, Trier, Visionen, Wunderglaube, Wallfahrten, Europa, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Kathrin Weiß (Autor), 2007, Die Heilig-Rock-Wallfahrt zu Trier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83667

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