Michelangelos Relief der Kentaurenschlacht


Hausarbeit, 2007

22 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der zugrunde liegenden mythologischen Geschichte

3. Beschreibung des Reliefs

4. Vergleiche
4.1 Vergleich mit Bertoldo di Giovannis „Reiterkampf“
4.2 Vergleich mit dem Pergamonaltar

5. Interpretatorischer Teil
5.1 Interpretation

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Betrachtung der „Kentaurenschlacht“ springt einem sofort die grobe Gestaltungsmanier ins Auge. Es entstehen Fragen: Warum sind die Figuren so unvollendet? Ist es ein stilistisches Mittel oder verlor Michelangelo beim Schaffensprozess schlicht die Leidenschaft? Was wird überhaupt dargestellt? Kann man das überhaupt bei dem Chaos feststellen?

Zuerst wird die zugrunde liegende mythologische Geschichte aufgeführt. Dort eröffnet sich bereits die erste Problemstellung. Danach werde ich das Relief beschreiben, um es dann mit einem zeitgenössichen und einem antiken Relief zu vergleichen. Darauf wird die Interpretation unter besonderer Berücksichtigung des Unvollendeten folgen.

Die Quellenlage ist betreffend Michelangelo aussergewöhnlich umfangreich, bei der „Kentaurenschlacht“ hingegen sind wirklich hilfreiche und erkenntnisreiche Quellen nicht zuhauf vorhanden. Es gibt beispielsweise kein Buch, das sich ausschliesslich mit diesem Relief beschäftigt hat. Dennoch wird der Versuch unternommen, die Fragen im Anschluss zu beantworten. Es sei aber bereits verraten, dass es zumeist keine eindeutigen Antworten gibt.

2. Analyse der zugrunde liegenden mythologischen Geschichte

Wie man sofort erkennt, ist bei den meisten Figuren bereits die Bestimmung ob Kentaur oder Mensch sehr schwierig. DieUnterscheidung der Geschlechter ist ebenfalls beinahe unmöglich Somit ist bereits die Grundlage für eine exakte Bestimmung zu dürftig, als dass man klare Angaben machen könnte. Dennoch sollen hier die wichtigsten Standpunkte aufgeführt werden.

Condivi (1553) hält die Szene für den Raub der Dejaneira und die Kentaurenschlacht (S. 26). Vasari (1568) hingegen sieht in dem Relief Herkules Kampf mit den Kentauren (S. 27) und de Tolnay (1969) nimmt den Raub der Hippodameia nach der Erzählung Ovids wahr (S. 134).

Wickhoff (1882, zit. in Rohlmann und Thielemann, 2000, S. 20) vertritt wie de Tolnay den Standpunkt, dass es sich um die Geschichte bzw. die Hochzeit des Peirithoos mit Hippodameia handelt. Thielemann ist der Meinung, dass keine einzelnen Szenen klar identifizierbar sind. Lediglich die Figur des Eurytion lässt sich in der oberen Mitte eindeutig feststellen, da er der Anführer der Kentauren ist (S. 20 – 21). Auf der linken Seite sieht von Einem (1973) den ausholenden Jüngling als Theseus und schräg rechts darüber Hippodameia zwischen Peirithoos und einem Kentauren (S. 21).

Kupper (2004, S. 29 – 30) und Thielemann (S.37) sehen in der Figur des Alten am linken Bildrand Phidias. Kupper schlägt sich auf die Seite Vasaris und sieht die linke Figur, die mit der rechten Hand einen grossen Stein hält und ausholt, als Herakles (S. 27 – 28). Für ihn stellt das Relief eine politische Allegorie dar. Herakles kämpft gegen die Kentauren, welche ein Sinnbild für die Tyrannei sind. Herakles ist mit Lorenzo de Medici gleichzusetzen, der als neuer Herkules gefeiert wurde (1980. S.24). Weinberger (1967) geht sogar so weit, dass er bereits den Sieg der Menschen, also den Lapithen, als sicher betrachtet (S. 38).

Einen neuen Ansatz liefert Brinckmann (1917), die sich für eine Vermischung verschiedener Sagenelemente ausspricht. Trotzdem tendiert ihre Analyse dazu, dass sie Vasaris These übernimmt.

Denn auch die sich am linken Reliefrand befindliche Person legt sie als Herakles und die in der oberen Mitte als den Räuber fest, der Furcht sowohl gegenüber Herakles als auch gegenüber dem Bogenschützen oben links zeigt (S.13).

Poeschke (1992) und Hartt (1969, S. 50) teilen de Tolnays Meinung, wobei Poeschke nicht klar offenlegt, weshalb er sich ihm anschliesst. Seiner und Freys (1942, S. 13) Meinung nach ist der Inhalt auch kein zentrales Element, sondern das Kampfgeschehen per se stand in Michelangelos Interesse (S. 70). Dieser Anschauung schliesse ich mich an, da Michelangelo sonst das Relief mit individuellen und objektiv erkennbaren Merkmalen ausgestattet hätte. Deswegen möchte ich mich auch nicht auf eine Version festlegen.

3. Beschreibung des Reliefs

Michelangelo Buonarroti

„Die Kentaurenschlacht“, 1492
Marmor, Relief, 90,5 x 90,5cm
Casa Buonarroti, Florenz

Das Relief hat einen leicht seitlich hervorstehenden Rahmen, der in der oberen Hälfte deutlich hervortritt, in der unteren Hälfte aber in den Grund übergeht. Der untere Rahmen tritt am meisten hervor, die Figuren ragen unten am stärksten über den Grund hinaus. Das Relief nimmt insgesamt von oben nach unten an Umfang zu. Der obere Rahmen ist ca. 1/6 breit und setzt sich somit klar von den anderen Abschnitten ab. Der gesamte Rahmen ist grob mit dem Meissel behauen. Die obere Einfassung zeigt die deutlichsten Meisselspuren. Brinckmann sieht in der obersten Figur links einen Bogenschützen (S. 13). Der Schütze, welcher nur knapp bis zum Rumpf dargestellt ist, tritt nur wenig aus dem Relief hervor. Einzig der rechte Arm ist stark herausgearbeitet. Der Bogenschütze zielt auf eine sich in der oberen Mitte befindlichen Figur (Abb. 1). Sie ist gleichfalls nur bis zum Rumpf abgebildet. Sie bildet eine der Hauptfiguren, da das Gesicht deutlichere Konturen zeigt als die meisten anderen Figuren. Ein weiterer Grund für die wichtigere Bedeutung ist die zentrale Position. Die Figur, die mit ziemlicher Sicherheit ein Kentaur ist, blickt in die Augen einer sich unten links befindlichen Figur. Brinckmann unterstützt diese These (S. 13).

Der zentrale Kentaur holt mit dem rechten Arm weit aus. Zwischen Bogenschütze und Kentaur ist ein einzigartiges, aber nur schwach hervortretendes, Gewühl. Direkt neben dem Bogenschützen erkennt man einen Kopf, der von zwei kräftigen Händen weggedrückt wird. Rechts daneben erblickt man einen Kopf mit weit geöffnetem Mund. Die Figur scheint sich zu bewegen, da die Haare waagrecht stehen. Direkt unter diesen zwei Köpfen ist eine Szene dargestellt, die zwei Männer zeigt wie sie eine Frau an den Armen wegtragen. Den linken Träger sieht man nur im Profil, ebenso den rechten. Die mittlere der drei Figuren ist deutlich als Frau zu identifizieren anhand des stärker als üblich erkennbaren Gesichts.

Die Frisur gibt keinen direkten Hinweis. Die Frau scheint sich zu wehren, da sie den rechten Arm nach oben hält und nicht in einer entspannt nach unten hängenden Position.

Zuoberst rechts reihen sich drei nur schwer erkennbare Gebilde ein. Nur das mittlere Gebilde ist eindeutig als ein nach rechts schauender Kopf identifizierbar. Die anderen zwei Gebilde muss man genauso als Waffen bzw. Geschosse in Betracht ziehen. Unter dem Kopf befindet sich eine Rückenfigur, die den Kopf Richtung untere Bildmitte gerichtet hat und mit beiden Armen, ebenfalls wie die zentrale Figur, eine ausholende Bewegung beschreibt. Wahrscheinlich hält sie einen Stein in den Händen. Diese Rückenfigur tritt zusammen mit dem Bogenschützen und dem in der Mitte befindlichen Kentauren stärker aus dem Relief hervor als die anderen beschriebenen Figuren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Michelangelos Relief der Kentaurenschlacht
Hochschule
Universität Zürich  (Kunsthistorisches Institut)
Note
2+
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V83676
ISBN (eBook)
9783638908726
Dateigröße
863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michelangelos, Relief, Kentaurenschlacht
Arbeit zitieren
Christian Wirtz (Autor), 2007, Michelangelos Relief der Kentaurenschlacht , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83676

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