Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

"ein magt gein triuwen wol gelobt": Zur Figur der surziere Cundry in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"

Title: "ein magt gein triuwen wol gelobt": Zur Figur der surziere Cundry in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"

Term Paper , 2007 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christine Mewes (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“ enthält eine Fülle schillernder Persönlichkeiten und Figurenkonzeptionen. Eine der vielleicht Exotischsten ist die Figur der surziere Cundry.
Unverhofft taucht sie im sechsten Buch des Romans auf, verflucht den Helden Parzival und verschwindet nach ihrem kurzen Auftritt für lange Zeit. Erst im elften Buch er-scheint sie wieder persönlich, bittet Parzival um Vergebung und spricht dessen Berufung zum Gralskönig aus. In der Zwischenzeit erfährt der Leser, dass sie die Klausnerin Sigune mit Nahrung versorgt , Kontakt zu den eingeschlossenen Frauen auf Schastel marveile hält und wir erfahren durch ihren Bruder Malcreatüre von ihrer Herkunft.
All dies würde Cundry vielleicht noch nicht zur außergewöhnlichen Frauenfigur ma-chen. Das Besondere an ihr ist ihre außergewöhnliche Hässlichkeit, ihr Äußeres, das halb aus Mensch, halb aus Tier besteht und die Art ihres rabiaten Auftretens, das schlichtweg nicht zu einer Frau von Stand zu passen scheint. Eben diese Exotik ist es, welche die Forschung zu ausführlichen Spekulationen und Interpretationen bezüglich ihrer Funktion im „Parzival“ gereizt hat.
Unter Literaturwissenschaftlern umstritten, kommen ihr die unterschiedlichsten Namen und Attribute zu. Joachim Bumke bezeichnet sie als „Gralsbotin.“ Diesen Titel greift Ralph Breyer auf, diskutiert, ob er ihr ohne weiteres zusteht, und kommt zu dem Schluss, dass die Figur „bei ihrem ersten, spektakulären Auftritt weniger, beim zweiten mehr als eine Botin“ ist.
Für Helmut Brall ist sie das „Zerrbild einer Frau“ , „eine zoologisch gemilderte Inkarnation des kosmologischen Alptraums“ Herzeloydes, gar „eine von männlichen Triebwünschen mißhandelte Ruine von Weiblichkeit.“
Ich möchte im Folgenden diskutieren, ob und wie wichtig die Hässlichkeit der Cundry-Figur für ihre Konzeption und ihre Funktion im „Parzival“ ist. Des Weiteren möchte ich erarbeiten, was ihre besondere Hybridität ausmacht und in welchem Zusammenhang die einzelnen Aspekte ihres hybriden Wesens mit dem Romanhelden stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. ein magt gein tiuwen wol gelobt, wan daz ir zuht was vertobt

4. Cundry, die Grenzgängerin

5. Cundry als komplementäre Figur zu Parzival

6. Die Funktion der Cundry-Figur im Romangeschehen

7. Fazit

8. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der hybriden Figur Cundry in Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse ihrer Hässlichkeit, ihrer Rolle als Gralsbotin sowie ihrem Status als komplementäre Figur zum Protagonisten Parzival, um ihr integratives Potenzial innerhalb des mittelalterlichen Weltbildes zu verdeutlichen.

  • Die Rolle der physischen Hässlichkeit im Kontrast zum höfischen Schönheitsideal
  • Cundrys Funktion als Grenzgängerin zwischen Orient und Okzident
  • Die komplementäre Beziehung zwischen Cundry und Parzival im Erkenntnisprozess
  • Untersuchung der symbolischen Bedeutung von Kleidung und Attributen
  • Die symbolische Überwindung von Ausgrenzung durch Integration

Auszug aus dem Buch

Cundry, die Grenzgängerin

Die Zauberin Cundry ist in vielerlei Hinsicht ein seltsames Mischwesen. Sie stammt aus dem Heidenreich, ist aber gleichzeitig Nachfahrin Adams und nun dem Gralsbereich zugeordnet. Somit verfügt sie „sowohl über Beziehungen in der christlichen Hemisphäre als auch über Kontakte zum heidnisch-orietalischen Herrschaftsbereich.“ Nirgends scheint sie wirklich beheimatet zu sein. Sie wandelt zwischen Gralswelt und Artuswelt hin und her und obwohl sie als Dienerin des Anfortas dem Gralsbereich zugeordnet ist, darf sie als Einzige Gralsangehörige nicht auf Munsalwäsche leben, da sie nicht zum Gral berufen wurde.

In ihrer physischen Erscheinung ist Cundry halb Tier, halb Mensch. Sie vereint in sich Aspekte der höfischen Kultur, wie etwa ihren Kleidungsstil und ihre außerordentliche Gelehrsamkeit, mit Merkmalen der rohen tierischen Natur. Ihr unhöfisches Verhalten, ihr Wutausbruch und ihre anmaßende Haltung gegenüber der Artusrunde, widersprechen dabei einerseits ihrer höfischen Aufmachung, andererseits ihrem Stand als Frau. Als solche wiederum ist Cundry nicht als typisch weiblich zu identifizieren, da sie keine minne-Affekte auslösen kann, was, wie wir gesehen haben, maßgeblich für ihre Funktion ist.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Einleitung: Einführung in die Romanfigur Cundry und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich ihrer Hässlichkeit und Funktion.

3. ein magt gein tiuwen wol gelobt, wan daz ir zuht was vertobt: Analyse des Erscheinungsbildes der Cundry und der kritischen Bewertung ihrer Hässlichkeit im Kontext höfischer Ideale.

4. Cundry, die Grenzgängerin: Untersuchung des hybriden Status der Figur und ihrer Existenz zwischen den Welten.

5. Cundry als komplementäre Figur zu Parzival: Erläuterung der kontrastierenden Darstellung und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Cundry und dem Romanhelden.

6. Die Funktion der Cundry-Figur im Romangeschehen: Analyse von Cundrys Wirken als Gralsbotin und ihres integrativen Einflusses auf die Handlung.

7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung von Cundry als rätselhafte, aber für den Erkenntnisprozess des Helden unabdingbare Integrationsfigur.

8. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Parzival, Wolfram von Eschenbach, Cundry, Gralsbotin, Hybridität, Hässlichkeit, Mittelalter, Höfische Literatur, Anfortas, Integrationsfigur, Grenzgängerin, Erkenntnisprozess, Minne, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Figur der Cundry in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ hinsichtlich ihrer besonderen Hybridität und ihrer zentralen Funktion im Roman.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen die Bedeutung der Hässlichkeit im mittelalterlichen Kontext, die Grenzgänger-Rolle zwischen verschiedenen Welten sowie die komplementäre Beziehung zum Helden Parzival.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Cundry trotz ihres abstoßenden Äußeren durch ihr integratives Handeln den Erkenntnisprozess des Romanhelden Parzival maßgeblich beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des „Parzival“ unter Einbeziehung verschiedener Forschungspositionen und literaturhistorischer Kontexte interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Cundrys physischer Erscheinung, ihre Rolle als Vermittlerin zwischen Grals- und Artuswelt sowie ihre spezifische Funktion als Gegenspielerin und Ergänzung zu Parzival.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Hybridität, Grenzgängerin, Gralsbotin, Kontrastdarstellung und integrative Funktion.

Warum spielt die Hässlichkeit der Figur eine so wichtige Rolle?

Ihre Hässlichkeit dient nicht als Zeichen von Bosheit, sondern als Instrument zur Überwindung von Oberflächlichkeit, da sie es ihr ermöglicht, unabhängig zu agieren und Parzival ungeschönt zu kritisieren.

Inwiefern ist Cundry eine "Grenzgängerin"?

Cundry gehört keinem Bereich fest an; sie stammt aus dem Orient, ist dem Gralsbereich zugeordnet, agiert jedoch auch in der Artuswelt, wodurch sie als Vermittlerin zwischen diesen Sphären fungiert.

Warum wird sie als "komplementäre Figur" zu Parzival bezeichnet?

Cundry und Parzival bilden ein Gegensatzpaar, dessen Gegensätze sich ergänzen. Während er nach Selbstverwirklichung strebt, handelt sie rein integrativ im Namen des Ganzen und fungiert als sein notwendiges Korrektiv.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
"ein magt gein triuwen wol gelobt": Zur Figur der surziere Cundry in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"
College
University of Siegen
Course
Grenzgängerinnen: Die Peripherien höfischer Welt in der epischen Literatur des hohen Mittelalters
Grade
1,3
Author
Christine Mewes (Author)
Publication Year
2007
Pages
22
Catalog Number
V83689
ISBN (eBook)
9783638908863
ISBN (Book)
9783638908887
Language
German
Tags
Figur Cundry Wolfram Eschenbachs Parzival Grenzgängerinnen Peripherien Welt Literatur Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Mewes (Author), 2007, "ein magt gein triuwen wol gelobt": Zur Figur der surziere Cundry in Wolfram von Eschenbachs "Parzival", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83689
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  22  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint