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Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung - Die UNESCO im Kampf um die Kulturen

Title: Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung  -  Die UNESCO im Kampf um die Kulturen

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 31 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Timo Klemm (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

„I do not want my house to be walled in on all sides and my windows to be stuffed.
I want the cultures of all lands to be blown about my house as freely as possible.
But I refuse to be blown off my feet by any.”
(Mahatma Gandhi)


Gandhis Idealvorstellung einer weltoffenen, aber zugleich kulturell selbstbestimmten Lebensweise, die er in Opposition zur Dominanz der damaligen britischen Kolonialmacht in Indien artikulierte, scheint eine gewisse aktuelle Brisanz innezuwohnen. Denn die heutzutage auf elektronischen Kommunikationswegen vorangetriebene weltweite Vernetzung und die damit einhergehende „Vernichtung des Raums“ bewirkt, dass besonders auf kultureller Ebene nationale Grenzen immer stärker an Bedeutung verlieren und die verschiedenen menschlichen Lebens- und Sichtweisen samt ihrer kulturellen Ausdrucksformen in einer neuartigen Unmittelbarkeit einander gewahr werden. Die vorstellbaren soziokulturellen und politischen Szenarien, die eine solche Unmittelbarkeit künftig hervorrufen könnte, reichen von einer Kulturschmelze im Sinne einer uneingeschränkten gegenseitigen Durchdringung der kulturellen Lebensformen über ein friedliches multi- bzw. interkulturelles Nebeneinander derselben bis hin zu einem aufgrund prinzipieller Unvereinbarkeit nicht vermeidbaren gewaltvollen Zusammenprall der Kulturen .
Auf kulturwirtschaftlicher Ebene scheint sich dagegen ein etwas anderes Bild abzuzeichnen. Hier besteht ein bereits seit längerem andauernder Trend zur Monokulturalisierung in Form einer unilateralen Durchdringung des globalen Kulturmarktes durch US-amerikanische Erzeugnisse und Formate, insbesondere audiovisueller Art. Die schon heute zu beobachtende und häufig unter Schlagwörtern wie „Amerikanisierung“, „McDonaldisierung“ oder „Disneyfizierung“ charakterisierte Uniformierung des kulturwirtschaftlichen Sektors, die sich ebenfalls in den Lebensweisen und Mentalitäten der Konsumenten niederschlagen könnte (bzw. dies bereits tut), stößt zwar mancherorts auf entschiedene Ablehnung und entsprechende Abwehrreaktionen (so z.B. in Frankreich mit dem Postulat der „exception culturelle“ ), droht jedoch aufgrund von fortschreitenden Liberalisierungstendenzen bzw. –verpflichtungen in der internationalen Kulturwirtschaft in absehbarer Zeit noch weiter verstärkt zu werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung

2.1 Kultur

2.1.1 Der Kulturbegriff der UNESCO

2.2 Vielfalt

2.2.1 Partikularismus

2.2.2 Multikulturalität

2.2.3 Interkulturalität

2.2.4 Transkulturalität

2.2.5 Die UNESCO und kulturelle Vielfalt

2.3 Schutz und Förderung

2.3.1 Unterschiedliche Ausgangsbedingungen

2.3.2 Förderung

2.3.3 Schutz

3. Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle der UNESCO im Kontext der Globalisierung und analysiert, wie das "Übereinkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" als kulturpolitische Richtlinie fungiert. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche theoretischen Annahmen und Modelle kultureller Vielfalt der Konvention zugrunde liegen und ob sie den Herausforderungen durch ökonomische Marktmechanismen gerecht werden kann.

  • Kulturbegriff der UNESCO im Spannungsfeld zwischen Identität und Globalisierung
  • Kritische Analyse von Modellen wie Partikularismus, Multikulturalität und Transkulturalität
  • Die ökonomische Logik des globalen Kulturmarktes und das "Failed Market"-Phänomen
  • Notwendigkeit und Legitimation von Schutz- und Förderungsmaßnahmen für Kulturgüter

Auszug aus dem Buch

2.2.4 Transkulturalität

Ein Phänomen, dessen Existenz streng genommen weder Multi- noch Interkulturalismus erklären können, ist die Entstehung hybrider Kulturformen, d.h. die Vermischung zweier (oder mehr) Kulturen, deren Ergebnis weder der einen, noch der anderen gleicht, sondern etwas eigenständiges Neues darstellt.

Das Problem, das beide genannten Konzepte hiermit haben (müssen), ist die während der Hybridisierung stattfindende (absolute) gegenseitige Durchdringung verschiedener Kulturen, die einen Austausch im doppelten Sinn bedeutet: bestimmte kulturelle Inhalte werden transferiert, aber zugleich werden andere aus dem bestehenden Repertoire selektiert und durch neue ersetzt. Eine ‚Verschonung‘ der Kerninhalte kultureller Identität ist hierbei nicht vorauszusetzen, so dass auch diese einen Wandel erleben kann.

Die scharfe Trennung der Kulturen im Multikulturalismus bzw. das Beharren auf dem Primat der Erhaltung kultureller Identität im Interkulturalismus verbieten (in der theoretischen Konsequenz) einen solchen grundlegenden und umwälzenden Austausch der Kulturen. Da hier die Möglichkeiten kultureller Aktivität und Wahrnehmung als durch einen festen, unteilbaren Kernbestand der Mentalität vorbestimmt und eingeschränkt begriffen werden, müssen sich beide Modelle zudem den Vorwurf gefallen lassen, kulturrelativistische Positionen nicht entkräften zu können oder – im Gegenteil – diese sogar zu begünstigen und somit die Kommunikation zwischen den Kulturen schon auf konzeptioneller Ebene als nur bis zu einem gewissen Punkt möglich zu begreifen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Spannungsfeld zwischen globaler Vernetzung und dem Wunsch nach kultureller Selbstbestimmung, welches den Ausgangspunkt für das Engagement der UNESCO bildet.

2. Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung: Dieses Kapitel erläutert den Kulturbegriff der UNESCO und analysiert verschiedene Konzepte des Umgangs mit kultureller Vielfalt, von Partikularismus über Multikulturalität bis hin zur Transkulturalität.

3. Resümee und Ausblick: Das Fazit bewertet die Wirkkraft der UNESCO-Konvention kritisch und betont die Notwendigkeit, den Schutz kultureller Vielfalt durch zivilgesellschaftliches Engagement zu stützen.

Schlüsselwörter

UNESCO-Konvention, kulturelle Vielfalt, Globalisierung, Kulturwirtschaft, Transkulturalität, Identität, Marktdominanz, Interkulturalität, Menschenrechte, Kulturpolitik, Partikularismus, Multikulturalität, Schutz und Förderung, GATS, kulturelle Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die kulturpolitischen Bemühungen der UNESCO, kulturelle Vielfalt angesichts einer zunehmenden globalen Marktliberalisierung zu schützen und zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Kulturbegriff der UNESCO, die Dynamiken der globalen Kulturwirtschaft sowie die theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Modellen wie Multi- und Transkulturalität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die konzeptionelle Basis und die Zielsetzung der UNESCO-Konvention von 2007 aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, ob sie ein wirksames Instrument gegen eine global einheitliche Kulturwirtschaft darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von UNESCO-Dokumenten und völkerrechtlichen Rahmenbedingungen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Kulturbegriff, verschiedene kulturelle Modelle, die Ungleichheiten der Ausgangsbedingungen weltweit sowie die Notwendigkeit von Schutz- und Fördermaßnahmen (z.B. gegen Marktdominanz) erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind UNESCO-Konvention, kulturelle Vielfalt, Globalisierung, Kulturwirtschaft, Transkulturalität und kulturelle Identität.

Wie unterscheidet sich Transkulturalität vom klassischen Multikulturalismus?

Während der Multikulturalismus Kulturen oft als abgrenzbare, ethnisch fundierte Einheiten begreift, fokussiert die Transkulturalität auf hybride Formen, Vermischung und die Auflösung starrer Grenzen.

Warum sieht die UNESCO einen Bedarf für regulative Eingriffe?

Da der freie Markt kulturelle Güter rein ökonomisch bewertet, kann er die Förderung von Vielfalt nicht gewährleisten; die UNESCO fordert daher politische Rahmenbedingungen, um kulturelle Identität und Ausdrucksformen zu schützen.

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Details

Title
Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung - Die UNESCO im Kampf um die Kulturen
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophisches Institut)
Course
Kampf der Kulturen
Grade
1,3
Author
Timo Klemm (Author)
Publication Year
2007
Pages
31
Catalog Number
V83690
ISBN (eBook)
9783638908894
Language
German
Tags
Zwischen Vielfalt Vervielfältigung UNESCO Kampf Kulturen Kampf Kulturen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Timo Klemm (Author), 2007, Zwischen Vielfalt und Vervielfältigung - Die UNESCO im Kampf um die Kulturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83690
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