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Der Fußball, er schafft uns! - Nationale Identitätsbildung auf dem mythischen Nährboden kollektiver Sportbegeisterung

Title: Der Fußball, er schafft uns! - Nationale Identitätsbildung auf dem mythischen Nährboden kollektiver Sportbegeisterung

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Timo Klemm (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Dass Fußball den Rahmen eines bloß sportlichen Ereignisses verlassen, dass er „ein Baustein für Identität, für unser kollektives Gedächtnis, für nationale Größe oder Schmach“ sein kann, bewies die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, die mit dem finalen „Wunder von Bern“ nicht nur bleibende Erinnerungen hinterlassen hat, sondern zuweilen auch „zum wahren Gründungsdatum der Bundesrepublik, wichtiger als die Währungsreform, die Verabschiedung des Grundgesetzes oder das Einreißen der Berliner Mauer“ stilisiert wurde.
Aus der Selbstwahrnehmung der Deutschen als Fußballnation, gegründet auf einem Mythos, der über die rein sportliche Sphäre hinaus zum Bindeglied der Gesellschaft angewachsen ist, entsteht die Selbstverständlichkeit, die Symbole der Nation in die Fußballbegeisterung mit aufzunehmen. Die Selbstidentifikation mit der symbolischen Bedeutung der Nationalmannschaft , das Gewahrwerden der Existenz einer nationalen Gemeinschaft, die in der Sportbegeisterung zusammen findet, macht den besonderen Reiz einer Fußballweltmeisterschaft aus und unterscheidet sie so von anderen möglichen Vermittlern nationaler Identität.

„Fußball schafft jeden Tag neue Wunder der Identifikation. Das neue Deutschland der Ideen gewinnt an Substanz über seine Fußballmannschaft, die mehr symbolische Kraft hat als die Politik, die Kultur oder die Kunst.“

Solange dies jedoch Gültigkeit behält, müssen Erwartungen bezüglich einer deutschen nationalen Identität, die auch abseits sportlich motivierter Spontangründungen Bestand hat, enttäuscht werden. Deshalb war auch das „deutsche Sommermärchen“ von 2006 nicht die Geburtsstunde eines „neuen deutschen Patriotismus“, sondern nur das inzwischen ritualisierte Auf- und Ausleben nationaler Gefühle im Rahmen kollektiver Sportbegeisterung. Das dies heute in einem solchen Ausmaß möglich ist, ist eine Folge des durch den „Mythos von Bern“ entstandenen gesamtgesellschaftlichen und übersportlichen Stellenwerts des Fußballs.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nation und Mythos

2.1 Zum Begriff der Nation

2.2 Funktionen und Wirkungen politischer Mythen

2.2.1 Mythen als Sinnstifter

2.2.2 Integration durch Mythen

2.2.3 Die Legitimationsfunktion politischer Mythen

2.2.4 Die emanzipatorische Funktion politischer Mythen

2.2.5 Politische Kulte und Heldenverehrung

3 Deutsche Identität und Mentalität nach 1945

4 Der Mythos um das „Wunder von Bern“

4.1 Die Ereignisse und Reaktionen

4.2 Die Topoi des „Mythos von Bern“

4.2.1 Überhöhungen der Mannschaft

4.2.2 Überhöhungen einzelner Personen

4.2.3 Überhöhungen der Gesamtdarstellung und gesellschaftlichen Bedeutung

4.3 Vom Sport zum Mythos

4.3.1 Rezeptionsgeschichte

4.4 Gesellschaftspolitische Funktionen des „Mythos von Bern“

5 Resümee und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen kollektiven Mythen und der Ausbildung nationaler Identität, wobei der Fokus auf dem „Mythos von Bern“ (Fußballweltmeisterschaft 1954) liegt. Es wird analysiert, inwieweit dieses Ereignis als Identitätsanker fungiert und welche gesellschaftspolitischen Funktionen ihm im Kontext des deutschen Nationalgefühls nach 1945 sowie nach der Wiedervereinigung zukommen.

  • Theoretische Grundlagen zum Verhältnis von Nation und politischem Mythos
  • Analyse der deutschen Identitätsentwicklung und Mentalität in der Nachkriegszeit
  • Detaillierte Untersuchung des „Mythos von Bern“ und dessen Rezeptionsgeschichte
  • Funktion des Sports als Ersatz-Identifikationsmerkmal für eine „Fußballnation“
  • Vergleich der identitätsstiftenden Kraft des Fußballmythos mit politisch-gesellschaftlichen Strukturen

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Überhöhungen der Mannschaft

Der deutschen Nationalmannschaft von 1954 wird oft unterstellt, kein bloß zweckgebundener Zusammenschluss von Sportlern gewesen zu sein, sondern ein kameradschaftlich-brüderlicher Verbund von ehrlichen, tugendhaften Spielern. In diesem Zusammenhang wird auch der leidenschaftliche Amateurcharakter der Mannschaft (der professionelle Fußball kam erst mit der Einführung der Bundesliga 1962) und ihre im Vergleich zu Mannschaften anderer Nationen technisch unversierte, aber von „Kampfgeist“ geprägte Spielweise betont bzw. behauptet. Beliebte Umschreibungen, die diese Merkmale versinnbildlichen sollen, sind der „Geist von Spiez“ (benannt nach dem Mannschaftsquartier) oder das Paradigma der „11 Freunde“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Begeisterung der Fußballweltmeisterschaft 2006 und hinterfragt, inwiefern dies ein neues nationales Wir-Gefühl stiftete und in welcher Beziehung dies zum historischen „Wunder von Bern“ steht.

2 Nation und Mythos: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen, indem es den Nationsbegriff sowie die vier Grundfunktionen politischer Mythen (sinnstiftend, integrativ, legitimierend, emanzipatorisch) definiert.

3 Deutsche Identität und Mentalität nach 1945: Hier wird die schwierige Identitätssuche der Nachkriegsdeutschen zwischen Scham, Verdrängung und dem Streben nach Normalität im geteilten Deutschland analysiert.

4 Der Mythos um das „Wunder von Bern“: Dieses Hauptkapitel untersucht die Ereignisse von 1954, die Überhöhungen von Personen und Mannschaft sowie die zeitliche Entwicklung der Rezeption des Sieges als nationaler Mythos.

5 Resümee und Ausblick: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Fußballmythos als temporäres Identifikationsmodell fungiert, jedoch an Grenzen stößt, wenn es um die Etablierung einer dauerhaften, substantiellen nationalen Identität geht.

Schlüsselwörter

Politische Mythen, nationale Identität, Fußballweltmeisterschaft 1954, Wunder von Bern, Wir-Gefühl, kollektives Gedächtnis, Fußballnation, Sepp Herberger, Nachkriegsmentalität, Symbolik, Identitätsstiftung, Patriotismus, Sportgeschichte, Erinnerungskultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie politische Mythen, insbesondere am Beispiel des deutschen Fußball-Weltmeistertitels 1954, dazu beitragen, nationales Zugehörigkeitsempfinden und kollektive Identität zu formen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Theoriebildung politischer Mythen, der Identitätsentwicklung der Deutschen nach 1945 und der medialen sowie gesellschaftlichen Tradierung des „Mythos von Bern“.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, warum der sportliche Sieg von 1954 zum zentralen Gründungsimpuls der Bundesrepublik stilisiert wurde und welche identitätsstiftende Kraft dieser Mythos bis in die Gegenwart entfaltet.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Der Autor nutzt eine theoretisch-analytische Herangehensweise, indem er politikwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Konzepte auf die Rezeptionsgeschichte eines sportlichen Großereignisses anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Mythenbildung, eine Darstellung der deutschen Mentalität nach dem Zweiten Weltkrieg sowie eine detaillierte Analyse der Topoi und der Rezeptionsgeschichte des „Wunders von Bern“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Politische Mythen, nationale Identität, Wunder von Bern, kollektives Gedächtnis und Fußballnation.

Warum wird das Jahr 1954 als „Gründungsdatum“ der Bundesrepublik betrachtet?

Laut Arbeit wird das Jahr 1954 im kollektiven Gedächtnis häufig überhöht, da der Sieg als symbolischer Aufbruch aus der Nachkriegsstarre und als positiver Identifikationsmoment fungierte, der das abstrakte Grundgesetz emotional ergänzte.

Inwiefern unterscheidet sich der „Mythos von Bern“ von anderen nationalen Symbolen?

Im Gegensatz zu politisch oder kulturell abstrakten Symbolen bietet der Fußball eine „begehbare“, massentaugliche Projektionsfläche, die kollektive Emotionen unverkrampft mit nationaler Zugehörigkeit verbindet.

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Details

Title
Der Fußball, er schafft uns! - Nationale Identitätsbildung auf dem mythischen Nährboden kollektiver Sportbegeisterung
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Philosophisches Institut)
Course
Politische Mythen
Grade
1,7
Author
Timo Klemm (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V83701
ISBN (eBook)
9783638000727
Language
German
Tags
Fußball Nationale Identitätsbildung Nährboden Sportbegeisterung Politische Mythen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Timo Klemm (Author), 2006, Der Fußball, er schafft uns! - Nationale Identitätsbildung auf dem mythischen Nährboden kollektiver Sportbegeisterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83701
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