Seit dem elften September 2001 sind die Phänomene Fundamentalismus und
Terroranschläge wieder sehr viel stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. An
diesem Tag wurde der westlichen Welt schmerzlich bewusst, dass auch sie
angreifbar und verwundbar ist. Die Anschläge auf das World Trade Center in New
York und das Pentagon in Washington brachten nicht nur zahlreiche Todesopfer und
Verletze mit sich sondern hatten auch enorme Auswirkungen auf die gesamte
Weltwirtschaft. Besonders die Luftfahrt- und Tourismusbranche bekamen die Folgen
in den nächsten Jahren massiv zu spüren.
Die Anschläge des elften September 2001 haben die Welt wachgerüttelt und eine bis
dahin fast verloren gegangene Sensibilität für unerwartet eintretende Krisen
geschaffen. Auch in den Folgejahren rissen die Schreckensmeldungen über
weltweite Terroranschläge islamisch-fundamentalistischer Gruppierungen nicht ab.
Diese Vorfälle gaben den Denkanstoß zur vorliegenden Arbeit. Ziel dieser Arbeit ist
die Untersuchung von Krisen, die im Zuge fundamentalistischer Aktivitäten
entstehen. Hier geht es um eine Betrachtung aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Es
soll dargestellt werden, inwiefern der weltweit zunehmende Fundamentalismus und
Terrorismus zu Unternehmenskrisen führen kann und wie diesem Problem aus
unternehmerischer Sicht begegnet werden kann. Zu diesem Zweck wurden drei
Fallbeispiele ausgewählt, anhand derer das Phänomen „fundamentalistisch
induzierte Krisen“ genau dargestellt und analysiert wird.
Vorab wird der theoretische Bezugsrahmen mit einer allgemeinen Darstellung von
Krisen- und Krisenmanagement aus betriebswirtschaftlicher Sicht hergestellt. Ebenso
werden die Phänomene Fundamentalismus und Terrorismus vorgestellt. Den
Abschluss des ersten Teiles der Arbeit bildet eine Definition des zu betrachtenden
Problemfeldes „fundamentalistisch induzierte Krisen“.
Im zweiten Teil der Arbeit erfolgt eine Analyse anhand der Fallstudien-
Terroranschläge in Urlaubsgebieten, gezielter Anschlag auf ein deutsches
Atomkraftwerk und der Fall Mecca-Cola. In jeder Fallstudie erfolgt zunächst eine
detaillierte Beschreibung der Krisensituation bzw. der Bedrohungslage. Anschließend
werden in einer genauen Analyse die Ursachen und die Auswirkungen des jeweiligen Krisentypus herausgearbeitet und erläutert. Abschließend werden für jeden Fall
Reaktionsmöglichkeiten und Handlungsemfpehlungen für betroffene Unternehmen
vorgestellt.
Den Abschluss der Arbeit bildet ein Gesamtfazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Krisen und Krisenmanagement
2.1.1 Definition von Krisen
2.1.1.1 Krisenursachen
2.1.1.1.1 Endogene Krisenursachen
2.1.1.1.2 Exogene Krisenursachen
2.1.1.2 Verlauf von Krisen
2.1.1.3 Krisenarten
2.1.1.3.1 Schleichende Krisen
2.1.1.3.2 Ad-hoc-Krisen
2.1.1.3.3 Typologisierung von Krisen
2.1.2 Krisenmanagement
2.1.2.1 Proaktives Krisenmanagement
2.1.2.2 Reaktives Krisenmanagement
2.1.3 Krisenkommunikation
2.1.3.1 Defensive Krisenkommunikation
2.1.3.2 Offensive Krisenkommunikation
2.2 Fundamentalismus/Terrorismus
2.2.1 Definition Fundamentalismus und Terrorismus
2.2.2 Merkmale und Erscheinungsformen
2.2.3 Definition „fundamentalistisch induzierte Krisen“
3 Fallstudien
3.1. Terroranschläge in Urlaubsgebieten
3.1.1 Situation
3.1.2 Ursachen
3.1.2.1 Tourismus als taktisches Ziel
3.1.2.2 Tourismus als strategisches Ziel
3.1.2.3 Tourismus als ideologisches
3.1.2.4 Bedeutung der Medien
3.1.3 Auswirkungen
3.1.3.1 Auswirkungen auf das Destinationsimage und die Risikowahrnehmung von Touristen
3.1.3.2 Auswirkungen auf die touristische Nachfrage
3.1.3.2.1 Auswirkungen auf die Nachfrage in Ägypten
3.1.3.2.2 Auswirkungen auf die Nachfrage in Israel
3.1.3.2.3 Auswirkungen auf die Nachfrage in Tunesien
3.1.3.3 Abschließende Beurteilung der Auswirkungen von Terroranschlägen
3.1.4 Reaktionsmöglichkeiten/Handlungsempfehlungen
3.1.4.1 Ausarbeitung eines Krisenplanes
3.1.4.2 Erstellung eines Krisenkommunikationsplanes
3.1.4.3 Bestimmung des Krisenstabs
3.1.4.4 Kommunikationsstrategie
3.1.4.5 Zusammenfassende Empfehlungen der Handlungsstrategie
3.2 Gezielter Angriff eines deutschen Kernkraftwerkes durch Terroristen
3.2.1 Die Bedrohungslage
3.2.1.1 Atomkraftwerke als ideologisches Ziel
3.2.1.2 Mögliche Angriffsflächen eines Atomkraftwerkes
3.2.1.3 Sicherheitslage deutscher Atomkraftwerke
3.2.2 Mögliche Auswirkungen
3.2.3 Reaktionsmöglichkeiten/Handlungsempfehlungen
3.3. Der Fall „Mecca-Cola“
3.3.1 Situation/Ablauf
3.3.1.1 Die Markteinführung von Mecca-Cola
3.3.1.2 Nachahmerprodukte
3.3.1.3 Zam Zam Cola- die erste Cola für Moslems
3.3.1.4 Reaktionen von Coca Cola
3.3.2 Analyse und Ursachen
3.3.2.1 Mecca-Cola- eine fundamentalistisch induzierte Krise?
3.3.2.2 Krisenauslöser Boykott
3.3.2.3 Auswirkungen eines Boykotts
3.3.2.3.1 Wirtschaftlicher Druck
3.3.2.3.2 Imagedruck
3.3.3 Prognose
3.3.4 Reaktionsmöglichkeiten/Handlungsempfehlungen
3.3.4.1 Scanning und Monitoring-Ansatz zur Identifikation strategische Chancen und Risiken
3.3.4.2 Änderung der Krisenkommunikation
3.3.4.3 Abschließende Betrachtung
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Unternehmenskrisen, die durch fundamentalistische und terroristische Aktivitäten entstehen, aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern dieser zunehmende Terrorismus zu Krisen für Unternehmen führen kann und wie diese mit proaktiven Managementstrategien bewältigt werden können.
- Grundlagen des betriebswirtschaftlichen Krisenmanagements und Definition von Krisen
- Theoretische Einordnung von Fundamentalismus und Terrorismus
- Analyse von Terroranschlägen in touristischen Destinationen und deren Auswirkungen auf die Nachfrage
- Untersuchung des Bedrohungsszenarios eines gezielten Terrorangriffs auf deutsche Kernkraftwerke
- Analyse der Boykottbewegung und Imageschäden am Beispiel von Mecca-Cola versus Coca-Cola
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1 Tourismus als taktisches Ziel
Terroristische Organisationen stehen zunächst immer vor dem Problem der eigenen Existenzsicherung. Sie benötigen zunächst einmal einiges an finanziellen und materiellen Ressourcen, um überhaupt Angriffe auf strategischer und ideologischer Ebene durchführen zu können. Daher erfolgen in dieser Phase oft kriminelle Handlungen wie Diebstähle. Aber auch die Entführung von Touristen, die mit Lösegeldforderungen einhergehen, verfolgt das taktische Ziel, die finanziellen Mittel der Organisation aufzustocken. Da sich in vielen Entwicklungsländern die touristischen Zentren in den reichsten Gegenden des Landes befinden, werden sie zum Ziel terroristischer Aktivitäten: Hier gibt es die größten Banken, die besten Arztpraxen und Dienstleistungseinrichtungen der gesamten Region. Die Täter können sich leicht unter die Urlauber mischen, um so an die benötigten Ressourcen zu gelangen. Touristen führen oft auch hohe Geldbeträge und teuren Schmuck mit sich und bewegen sich oft sorglos und unachtsam in den Touristenzentren, was sie auch zu einem idealen Ziel krimineller Handlungen macht.
Als taktisches Ziel dient der Tourismus also der Ressourcenbeschaffung, um weiterreichende Aktionen zu ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz des Themas Fundamentalismus und Terrorismus für die Weltwirtschaft und definiert das Ziel, dieses Phänomen betriebswirtschaftlich aufzuarbeiten.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert das theoretische Rüstzeug durch die Definition von Krisen, Krisenmanagement und die Differenzierung zwischen Terrorismus und Fundamentalismus.
3 Fallstudien: Anhand dreier Szenarien (Tourismus, Kernkraft, Konsumgüter) werden die Auswirkungen von fundamentalistisch induzierten Krisen analysiert und praxisnahe Handlungsempfehlungen abgeleitet.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Sicherheitslage und die notwendige Anpassungsfähigkeit von Unternehmen.
Schlüsselwörter
Krisenmanagement, Fundamentalismus, Terrorismus, Betriebswirtschaft, Fallstudie, Tourismusbranche, Kernkraftwerke, Mecca-Cola, Coca-Cola, Boykott, Risikoanalyse, Krisenkommunikation, Frühaufklärung, Imageschaden, Strategische Planung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie fundamentalistisch und terroristisch induzierte Krisen Unternehmen belasten können und welche proaktiven Managementstrategien zur Krisenbewältigung existieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Krisendefinition, die Auswirkungen von Terror auf die Tourismuswirtschaft, die Sicherheitslage von Energieversorgern sowie die Analyse von Boykottbewegungen gegen globale Konzerne.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen "fundamentalistisch induzierte Krisen" betriebswirtschaftlich zu greifen und Strategien zur Identifikation und Schadensminimierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Fallbeispielen, gestützt durch theoretische Modelle wie das Vier-Phasen-Modell nach Krystek sowie Ansätze zur strategischen Frühaufklärung durch Scanning und Monitoring.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Fallstudien: Terroranschläge in Urlaubsgebieten, Bedrohungsszenarien für deutsche Atomkraftwerke und die Auswirkungen der Boykottbewegung am Fallbeispiel Mecca-Cola.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Krisenmanagement, fundamentalistisch induzierte Krisen, proaktive Strategien, Boykott und die Rolle der Medien bei der Eskalation solcher Krisen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "schleichenden" und "Ad-hoc"-Krisen?
Schleichende Krisen entwickeln sich langsam und durchlaufen definierte Phasen, was ein proaktives Handeln ermöglicht, während Ad-hoc-Krisen plötzlich auftreten und das Unternehmen meist völlig unvorbereitet treffen.
Warum ist das Beispiel Mecca-Cola für Coca-Cola als Krise einzustufen?
Der Fall Mecca-Cola stellt eine latente Krise dar, da der Boykott, verstärkt durch den Imageschaden und die politische Symbolik, die langfristige Wettbewerbsposition von Coca-Cola bei muslimischen Konsumenten schwächt.
Was empfiehlt die Autorin zur Verbesserung der Krisenkommunikation?
Die Autorin empfiehlt den Übergang von einer defensiven, zurückhaltenden Strategie hin zu einer offensiven und transparenten Krisenkommunikation, um die Deutungshoheit über die Fakten zu behalten.
- Quote paper
- Daniela Reisel (Author), 2007, Fundamentalistisch induzierte Krisen am Beispiel ausgewählter Fälle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83765