Machiavellis Principe - Virtù und Fortuna


Seminararbeit, 2001
17 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der uomo virtuoso

3 Virtù und Fortuna

4 Die Aktualität des Principe

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich mich dem Prinzip der Virtù und Fortuna im „Il Principe“ von Niccolò Machiavelli widmen.

Um die Wichtigkeit von Virtù und Fortuna im Staatswesen hervorheben zu können, werde ich zuerst den Begriff des uomo virtuoso erklären. Im anschließenden Kapitel betrachte ich Virtù und Fortuna mit einigen ihrer eng verknüpften Eigenschaften, werde dann auf die enge Beziehung zwischen Virtù und Fortuna eingehen, Berührungspunkte aufzeigen und somit das Eingreifen Fortunas in das Staatswesen begründen.

Im letzten Kapitel werde ich die immerwährende Aktualität des „Il Principe” unter Bezugnahme der letzten Bundestagswahlen-aufzeigen . Weiterhin halte ich es für nötig, auf die negative Kritik an Machiavelli hinzuweisen, die den „Il Principe” als „Handbuch“ für Diktatoren schimpft.

Während der Recherche und meiner Arbeit an dieser Hausarbeit mußte ich immer wieder feststellen, wie allumfassend Machiavellis Werke sind und

fast eingestehen, daß eine Arbeit über den Principe so gut wie unmöglich ist, ohne Werke wie die „Discorsi“ oder „Istorie“ zu beachten.

Selbst die Untersuchung von Fortuna und Virtù, die ich weitestgehend auf den „Il Principe“, und sogar auf die, im Seminar behandelten Kapitel 18 und 25 beschränken wollte, war ohne Hinzuziehung weiterer Werke Machiavellis nicht machbar.

Eine ausführliche Untersuchung hätte das Limit einer Proseminarsarbeit bei weitem gesprengt, daher bitte ich um Entschuldigung, verschiedene Themen weniger detailliert erläutert zu haben, als es die Pflicht gegenüber Machiavelli eigentlich gebieten würde.

Er führt den Leser in Versuchung, sich immer tiefer in seine Werke hineinzulesen, da sie derart eng miteinander verknüpft sind, sich ineinander wiederfinden und gegenseitig ergänzen.

2 Der uomo virtuoso

Machiavelli betrachtet den Staat im Sinne des Geschichtsbildes der Renaissance, d.h. dem Zyklus von Verfall und Aufstieg unterworfen. Wenn man das antike Rom als Ideal eines blühenden Staates sieht, fragt man sich, wie dieser jemals zerstört werden konnte.

Eben dies begründet Machiavelli damit, daß der Staat im Laufe seiner Geschichte blühende Herrschaftsformen und Entartungsformen des völligen Verfalls (città corotta) erlebt.[1]

Machiavelli erklärt in seinen „Discorsi“, „Istorie Fiorentine“ und im „Il Principe“ wie es zum Verfall eines Staates kommt. Der Beginn des Verfalls begründet sich in einer Entartung der Moral, die durch

Eigenschaften wie ambizione und avarizia ausgelöst werden.[2] Der Mensch

begehrt mehr und mehr[3], führt Kriege aus Gier und Machtsucht und ordnet sich im Laufe der Zeit immer weniger den Tugenden prudenza, pietà, umanità, carità, integrità, fede und religione unter, die der Virtù zuzuschreiben sind.

Je mehr sich der Mensch nun also in das Netz von ambizione und avarizia verstrickt, umso weniger ist er gegen Angriffe Fortunas gerüstet.[4] Schließlich ist er ihr ausgeliefert und der Staat verfällt zum città corotta.

In der auswegslosen Lage des città corotta bildet sich nun das Bedürfnis oder besser gesagt die Notwendigkeit (necessità) nach Erneuerung.

Der Staat befindet sich in einer Krise und sehnt sich nach den früheren Zeiten der Ordnung und des Wohlstandes zurück. Er verlangt nach einem Herrscher, der diese ersehnte Ordnung wieder herzustellen vermag.[5] Hier findet der uomo virtuoso seinen Ansatzpunkt.

Er ist der einzige, der dem Staat wieder zu Glanz und Ruhm verhelfen

kann.[6] Der uomo virtuoso ist in völliger Hingabe und Interesse dem Staatswesen verpflichtet. Er ist eine charismatische Führerpersönlichkeit und erzieht das zerstörte Gemeinwesen durch sein eigenes vorbildhaftes Beispiel und seine politischen Taten.

Er verinnerlicht sämtliche Eigenschaften der Virtù durch die es ihm gelingt der Fortuna entgegenzuwirken, ihren Angriffen vorzubeugen und sie so zu bezwingen.[7]

Nach einem solchen uomo virtuoso verlangt Machiavelli im 26. Kapitel seines „Il Principe“. Der „Il Principe“ kann insofern als ein Aufruf an die Medici gesehen werden, den città corotta aus seinem Elend zu befreien.

Hier besteht im zerfallenen Staat bereits die Sehnsucht nach einem Führer, der das Elend der ambizione und avarizia und die Planlosigkeit der Fortuna zerschlägt.

Der uomo virtuoso schlägt dem insofern entgegen, als „daß er sich beim Gebrauch seiner Macht allein von politischen Absichten und Notwendigkeiten leiten läßt“ [8], somit den Schlägen Fortunas und ihrem negativ beladenen Begleitern ambizione und avarizia ausweicht. Der uomo virtuoso steht nun also in den Trümmern des città corotta und muß seine Herrschaft begründen.

Als Leitfaden gibt ihm Machiavelli den „Il Principe“ in die Hand, der ihm helfen soll, seine Herrschaft zu behaupten, blühen zu lassen, sich gegen Feinde zu wehren und stets der beispielhafte, virtùhafte Staatsmann zu bleiben (oder zumindest nach außen hin darzustellen), der er jetzt zu Beginn seiner Herrschaft ist. Im Sinne Machiavellis wird aus dem uomo virtuoso nun ein „principe nuovo“ [9], der eine neue Herrschaft begründend, sich nach der antiken Vorbildern (im Sinne der Renaissance) richtend, mit der Anleitung Machiavellis ausgestattet, einen Staat lenken wird, der vielleicht nicht mehr dem Zyklus von Aufstieg und Verfall unterworfen sein muß.

3 Virtù und Fortuna

Im Folgenden möchte ich auf zwei der herausragendsten Kräfte in Machiavellis „Il Principe“ hinweisen. Im wesentlichen wird das Staatswesen geprägt von Virtù und Fortuna. Virtù bezeichnet hier „die Fähigkeit des Menschen, die Kräfte der Natur zu beherrschen und sein Schicksal selbst zu bestimmen.”[10]

[...]


[1] vgl. Kersting,

[2] vgl. Kersting, S. 70f

[3] vgl. Kluxen,

[4] vgl. Principe 25; vgl. Kluxen S. 39; vgl. Kersting,

[5] vgl. Kersting,

[6] vgl. Diesner. Fortuna und das Prinzip Hoffnung bei Machiavelli.,

[7] vgl. Kersting, S. 76f

[8] Kersting,

[9] ebd.,

[10] Steinbach,

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Machiavellis Principe - Virtù und Fortuna
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar Italienische Renaissance
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V838
ISBN (eBook)
9783638105361
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit ist nicht nur dem Wissenschaftsfach Romanistik zuzuweisen. Sie bietet jedem Machiavelli-Interessenten eine Auseinandersetzung mit Virtú und Fortuna an und zieht eine Parallele zur heutigen Zeit.
Schlagworte
Machiavellis, Principe, Virtù, Fortuna, Proseminar, Italienische, Renaissance
Arbeit zitieren
Tanja Kemmerling (Autor), 2001, Machiavellis Principe - Virtù und Fortuna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/838

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