In meiner Proseminararbeit möchte ich den Henkerberuf im Mittelalter vorstellen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Stadt Bern richten. Mein Ziel ist es, einerseits einen allgemeinen Überblick des Henkerberufs zu vermitteln und andrerseits auf konkrete Beispiele aus dem Henkerleben in Bern einzugehen. Mich interessieren vor allem das Berufsbild des Henkers zur damaligen Zeit und seine Stellung in der Gesellschaft. Diese beiden Themen bilden deshalb die Schwerpunkte meiner Arbeit.
Als Quelle dienen mir die beiden ersten Bände des Berner Stadtrechts aus den Rechtsquellen des Kantons Bern. Diese beiden Schriften werde ich nun kurz vorstellen und für ein besseres Verständnis des geschichtlichen Hintergrundes meiner Arbeit fasse ich anschliessend einige wichtige Informationen zur Stadt Bern im Mittelalter zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zur Quelle
1.2. Die Stadt Bern
2. Der Henkerberuf
2.1. Die Unehrlichen
2.2. Geschichte und Entwicklung des Henkerberufes
2.3. Aufgaben des Henkers
2.4. Verschiedene Bestrafungen in Bern
2.5. Das „Schauspiel des Todes“
2.6. Hinrichtungsorte in Bern
3. Die Rolle des Henkers in der Gesellschaft
3.1. Diskriminierung und Stigmatisierung
3.2. Äusserliche Kennzeichnung
3.3. Räumliche Ausgrenzung
3.4. Einschränkungen im Alltag
3.5. Der Rechtsstatus
4. Der Henker als klassische Tabuperson
5. Schlusswort
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Berufsbild und die soziale Stellung des Henkers im mittelalterlichen Bern, wobei insbesondere die diskriminierende Behandlung und die Einordnung als „unehrliche“ Person im Fokus stehen.
- Historische Entwicklung des Henkerberufes
- Aufgabenbereiche und Tätigkeiten der Scharfrichter
- Soziale Stigmatisierung und Ausgrenzungsmechanismen
- Rechtlicher Status der Henker in städtischen Kontexten
- Die Rolle des Henkers als gesellschaftliche Tabuperson
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Unehrlichen
Die Henker und seine Gesellen gehörten zu den unehrlichen, das heisst ehrlosen Berufen. Das waren jene Gewerbezweige, „denen die Anerkennung als Zunft oder als ehrlicher Berufsstand versagt blieb, auch wenn sie im Sozialleben der mittelalterlichen Stadt eine unverzichtbare Rolle spielten.“ Zu den Unehrlichen gehörten auch: Totengräber, Schinder, Abdecker, Hundefänger, oft Schäfer und Schuster, Kloakenreiniger, Gassenkehrer, Kamin- und Rauchfeger, die Bader, weil man sie „sündhafter“ Tätigkeiten verdächtigte, die Barbiere, nichtakademische Chirurge, vagierende Heilkünstler, sowie die „Sauschneider“ und „Nonnmacher“, die Prostituierten, die Spielleute (umherziehende Schauspieler, Künstler und Musiker), selten auch die Leineweber, Müller, Hirten, Feldhüter, oder sogar Töpfer, Gerber oder Kesselflicker.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Quellenbasis, bestehend aus dem Berner Stadtrecht, sowie ein kurzer Überblick zur Geschichte Berns.
2. Der Henkerberuf: Definition der „Unehrlichen“, historische Entwicklung des Berufsstandes sowie detaillierte Auflistung der primären und sekundären Aufgaben des Henkers in Bern.
3. Die Rolle des Henkers in der Gesellschaft: Analyse der Diskriminierung, Stigmatisierung sowie der räumlichen und sozialen Ausgrenzung, der der Henker durch Kirche und Obrigkeit ausgesetzt war.
4. Der Henker als klassische Tabuperson: Untersuchung der soziologischen und historischen Hintergründe der Henkerinfamie als Umkehrung eines alten sakralen Tabus.
5. Schlusswort: Resümee der Arbeit und Ausblick auf Themen, die den Rahmen der Untersuchung überschritten hätten.
6. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primärquellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Henker, Mittelalter, Bern, unehrliche Berufe, Stigmatisierung, Sozialgeschichte, Rechtsgeschichte, Stadtrecht, Hinrichtung, soziale Ausgrenzung, Tabu, Scharfrichter, Randgruppen, Mittelalterliche Stadt, Gesellschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziale und berufliche Situation von Henkern im mittelalterlichen Bern unter Berücksichtigung ihrer rechtlichen und gesellschaftlichen Stellung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Henkerberuf, die soziale Diskriminierung, die räumliche Ausgrenzung sowie die Wahrnehmung des Henkers als tabuisierte Person.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Bild des Henkers im Mittelalter zu zeichnen und die Mechanismen aufzuzeigen, die zur Marginalisierung dieses Berufsstandes führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine quellenbasierte Analyse, primär gestützt auf die Rechtsquellen des Kantons Bern sowie weiterführende historische Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Tätigkeitsbereiche des Henkers, die verschiedenen Formen der gesellschaftlichen Stigmatisierung, den Rechtsstatus und eine tiefere Betrachtung des Henkers als Tabufigur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Henker, Unehrlichkeit, soziale Ausgrenzung, Stadtrecht und das mittelalterliche Bern.
Welche sekundären Aufgaben hatte ein Henker neben der Hinrichtung?
Neben dem Vollzug von Strafen übernahm der Henker oft unbeliebte Aufgaben wie Abdeckertätigkeiten, das Reinigen von Aborten oder das Vertreiben von Aussätzigen.
Wie unterschied sich die Behandlung von Henkern in verschiedenen Städten?
Während Henker meist ausgegrenzt wurden, gibt es historische Belege für Städte wie Miltenberg, in denen sie in Wirtshäusern gleichwertig behandelt wurden.
Welche Rolle spielte das „Stadtrecht von Bern“ für die Arbeit?
Das Stadtrecht dient als primäre Quelle, um konkrete Handlungsanweisungen und rechtliche Rahmenbedingungen für die Arbeit des Henkers in Bern zu belegen.
- Quote paper
- Stephanie Fischer (Author), 2005, Henker im mittelalterlichen Bern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83932