Angesichts der zugespitzten Finanzlage der öffentlichen Haushalte auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene wird zunehmend diskutiert wie eine hohe Qualität der Verkehrsinfrastruktur und Daseinsvorsorge in Deutschland langfristig gesichert werden kann. Die hierzu erforderlichen Investitionen belaufen sich allen für die Kommunen in den nächsten Jahren auf mehrere hundert Milliarden Euro.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob und inwiefern durch die Einbindung privater Unternehmen Vorhaben nachhaltig wirtschaftlicher realisiert werden können. Ein Instrument zur Erreichung dieses Ziels ist PPP, das sich weltweit in vielen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge und bei der Bereitstellung von Verkehrsinfrastruktur bewährt hat.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Anwendung von PPP als Instrumentarium zur Bereitstellung öffentlicher Infrastrukturmaßnahmen –insbesondere im Hochbau und Verkehrsinfrastruktur– aufgezeigt und diskutiert.
Zu diesem Zweck wird zunächst ein Überblick über die Entstehung von PPP gegeben, eine begriffliche Abgrenzung vorgenommen und dargelegt, dass PPP eine Alternative zur konventionellen Beschaffungsform darstellt. Danach wird auf die Gründe für PPP aus der Sicht der öffentlichen Hand sowie die des privaten Sektors eingegangen. Bevor im Rahmen einer Bestandsaufnahme die im öffentlichen Hochbau und Verkehrsinfrastruktur angewandten PPP-Modelle vorgestellt werden, wird auf die wesentlichen Phasen des PPP-Beschaffungsprozesses eingegangen. Als nächstes werden möglichen Finanzierungsinstrumenten für Public Private Partnerships dargestellt. Schließlich wird die Anwendung von PPP in Deutschland Anhand von drei Beispielen aus der Praxis dargestellt. Abschließend wird eine kurze Zusammenfassung gegeben, bevor ein Ausblick die Arbeit beendet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Begriffsverständnis
2.1 Entstehungen der PPP
2.2 Definitionssätze und Abgrenzung
2.3 Anwendungsfelder von PPP
2.4 Die Vielfalt der PPP-Projekte
III. Gründe für PPP
3.1 Gründe für PPP aus der Sicht des öffentlichen Sektors
3.2 Gründe für PPP aus der Sicht des privaten Sektors
IV. Der PPP- Beschaffungsprozess
4.1 Phase I – Voruntersuchung und Vorplanung
4.2 Phasen II – Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
4.3 Phase III - Ausschreibung und Vergabe
V. PPP-Modelle, ihre Strukturen und Anwendungsbereiche
5.1 PPP-Modelle für den Bereich Hochbau in Deutschland
5.1.1 Erwerbsmodell
5.1.2 Leasingmodell
5.1.3 Vermietungsmodell
5.1.4 Inhabermodell
5.1.5 Contractingmodell
5.1.6 Konzessionsmodell
5.1.7 Gesellschaftsmodell
5.2 PPP-Modelle in Bereich Verkehrsinfrastruktur
5.3 Zusammenfassender Überblick der verschiedenen Modelle
VI. Kapitalquellen für PPP-Projekten
6.1 Finanzierungen von Projekten durch Eigenkapital
6.1.1 Einlage von Stammkapital
6.1.2 Nachrangige Gesellschafterdarlehen
6.1.3 Beteiligungen nach dem Investmentgesetz
6.1.4 Mezzanine – Kapital
6.2 Finanzierungen von Projekten durch Fremdkapital
6.2.1 Darlehensfinanzierung
6.2.2 Forfaitierung
6.2.3 Projekt-Anleihen
VII. Beispiele aus der Praxis
7.1 PPP-Modell für Offenbacher Schulen
7.2. PPP-Modelle in Norddeutschland
7.2.1 Warnowtunnel in der Hansestadt Rostock
7.2.2 Herrentunnel in der Hansestadt Lübeck
VIII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Anwendung von Public-Private-Partnership (PPP) als Instrument zur Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur, insbesondere in den Bereichen Hochbau und Verkehrsinfrastruktur, und geht der Frage nach, ob PPP-Modelle ein Allheilmittel für die Finanzprobleme öffentlicher Haushalte darstellen oder ein zusätzliches Risikofaktor-Potenzial bergen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte von PPP
- Motive und Nutzen aus Sicht des öffentlichen und privaten Sektors
- Strukturen und Anwendung verschiedener PPP-Modelle
- Finanzierungsinstrumente von Eigen- bis Fremdkapital bei PPP-Projekten
- Fallbeispiele aus der Praxis
Auszug aus dem Buch
5.1.1 PPP-Erwerbermodell
Bei einem Erwerbermodell errichtet der private Auftragnehmer einen schlüsselfertigen Neubau oder sonstigen Projektgegenstand, erbringt während der Betriebsphase die umfassende Instandhaltung sowie das sog. Facility Management (= Betreiben und Bewirtschaften) und überlässt dem öffentlichen Auftraggeber während der Vertragslaufzeit den Projektgegenstand zur Nutzung. Bei diesem PPP-Vertragsmodell liegt das zivilrechtliche Eigentum an der Immobilie beim privaten Partner. Spätestens am Vertragsende wird das Eigentum jedoch zu vorher festgelegten Bedingungen von der öffentlichen Hand erworben.
Sämtliche Leistungspakete, die vom Auftragnehmer im Rahmen eines PPP-Projektes während der Vertragslaufzeit erbracht werden müssen, sind in einem Vertragswerk geregelt. Der Leistungsumfang des Auftragnehmers umfasst die Planung, den Bau, die Finanzierung, den Betrieb und die anschließende Eigentumsübertragung (Verwertung). Der Auftragnehmer erhält dafür ein nach monatlichen oder jährlichen Raten gestaffeltes Entgelt, das sämtliche Investitionskosten, Betreiber- und sonstige Betriebskosten sowie etwaige Risikozuschläge und den Gewinn des Auftragsnehmers abdeckt. Die Projektgesellschaft überlässt dem öffentlichen Vorhabensträger die Immobilie während der Betriebsphase zur Nutzung. Die Verantwortung für den reibungslosen Betrieb des Objektes liegt jedoch beim Auftragnehmer. Erst am Ende der Vertragslaufzeit wird das Eigentum an die Kommune übertragen. Innerhalb der einzelnen Projektphasen liegen die Risiken jedoch überwiegend beim Auftragnehmer.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Finanznöte öffentlicher Haushalte und prüft den Einsatz von PPP als Instrument zur effizienten Infrastrukturbereitstellung.
II. Begriffsverständnis: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge von PPP in den USA und grenzt den Begriff von anderen Formen der Privatisierung ab.
III. Gründe für PPP: Hier werden die Motive für PPP-Kooperationen sowohl aus der Perspektive der öffentlichen Hand als auch aus Sicht des privaten Sektors detailliert dargelegt.
IV. Der PPP- Beschaffungsprozess: Das Kapitel beschreibt den typischen Drei-Phasen-Beschaffungsprozess von der Voruntersuchung bis hin zur Vergabe.
V. PPP-Modelle, ihre Strukturen und Anwendungsbereiche: Hier werden verschiedene Vertragsmodelle wie Erwerber-, Leasing-, Vermietungs- und Inhabermodelle strukturell und anwendungsbezogen analysiert.
VI. Kapitalquellen für PPP-Projekten: Dieser Abschnitt widmet sich den komplexen Finanzierungsstrukturen und unterscheidet zwischen Eigen- und Fremdkapitalinstrumenten.
VII. Beispiele aus der Praxis: Anhand des Offenbacher Schulprojekts und der Verkehrsprojekte in Norddeutschland werden PPP-Anwendungen und deren unterschiedliche Erfolge aufgezeigt.
VIII. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Potenzial sowie die Grenzen von PPP-Modellen.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, PPP, Öffentliche Haushalte, Infrastruktur, Finanzierung, Hochbau, Verkehrsinfrastruktur, Risikomanagement, Facility Management, Projektgesellschaft, Eigenkapital, Fremdkapital, Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, Beschaffungsprozess, Konzessionsmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert Public Private Partnerships (PPP) als alternative Beschaffungsvariante für öffentliche Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von PPP, den Beweggründen der Partner, dem Beschaffungsprozess, diversen Vertragsmodellen, Finanzierungsstrukturen sowie der Betrachtung konkreter Praxisbeispiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob PPP-Modelle ein Allheilmittel gegen leere öffentliche Kassen sind oder ob sie neue, spezifische Risiken bergen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Gutachten, Studien und Vertragsmodelle im Bereich des öffentlichen Hochbaus und der Verkehrsinfrastruktur.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Beweggründe für PPP, die Erläuterung des Beschaffungsprozesses, eine systematische Darstellung verschiedener Vertragsmodelle und eine detaillierte Untersuchung von Kapitalquellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie PPP, öffentliche Haushalte, Infrastrukturfinanzierung, Risikoverteilung und Projektgesellschaften gekennzeichnet.
Wie unterscheiden sich die PPP-Modelle im Hochbau?
Die Modelle unterscheiden sich primär hinsichtlich der Eigentümerstellung, der Risikoverteilung zwischen privatem und öffentlichem Partner sowie der Art der Refinanzierung.
Warum sind die Praxisbeispiele in Norddeutschland eher negativ konnotiert?
Die Projekte, wie der Warnowtunnel, litten unter gravierend unzutreffenden Nutzungsprognosen, die zu finanziellen Engpässen und notwendigen Konzessionsverlängerungen führten.
- Citation du texte
- E. Fischer (Auteur), N. Meteleva (Auteur), J. Beidinger (Auteur), 2007, Public Private Partnerships (PPP)-Modelle. Allheilmittel für die Finanzprobleme der öffentlichen Haushalte oder Risikofaktor?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83960