Die Tonträgerindustrie befindet sich derzeit in einer ihrer schwierigsten Phasen. Die Umsätze mit physischen Tonträgern sind in nahezu allen wichtigen Regionen der Welt eingebrochen. Durch den Einzug neuer Technologien sieht die Tonträgerindustrie ihre unternehmerische Existenz bedroht. Die vorliegende Arbeit beschreibt den enormen Einfluss des Internets und der fortschreitenden Digitalisierung auf die weltweite Tonträgerindustrie. Herausgestellt werden soll hierbei, dass technologische Innovationen nicht zwangsläufig einen wirtschaftlichen Niedergang bedeute, sondern vielmehr Potentiale freisetzen, um neue Märkte zu erschließen und größere Käuferschichten zu gewinnen.
Aus einem technisch-wirtschaftlichen Blickwinkel stellt Musik ein Informationsgut dar, das vollständig digitalisierbar ist. Durch die zunehmende Verbreitung des Internets und durch leistungsfähigere Datenkompressionsverfahren und -übertragungsformen konnte sich ein neuer Distributionskanal für Musik herausbilden. Der große Vorteil dieses Distributionskanals liegt aus Sicht der Tonträgerindustrie darin, dass im Vergleich zu konventionellen Vetriebskanälen eine weitaus größere Zahl an Konsumenten bei sinkenden Kosten für Logistik und Transaktionen erreicht werden kann.
Die Voraussetzungen sind vorhanden, steigende Erlöse über den digitalen Vertriebsweg zu generieren. Bis ins Jahr 2004 konnten diese Gewinnaussichten jedoch nicht erfolgreich umgesetzt werde, da der Aufbau konsumentengerechter Erlösmodelle für den Vertrieb digitaler Musik vernachlässigt wurde. Die dramatischen Auswirkungen des Internets auf die Musikbranche wurden über Jahre hinweg unterschätzt, während zeitgleich branchenfremde Unternehmen in den Tonträgermarkt eindringen konnten, die das etablierte Geschäftsmodell der Tonträgerindustrie – den Vertrieb physischer Produkte – grundsätzlich in Frage gestellt haben (...)
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Abgrenzung der Thematik
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Umsatzverluste in der Tonträgerindustrie
2.1 Die Tonträgerindustrie
2.2 Die Entwicklung des Tonträgermarktes bis 1996
2.3 Umsatzverluste seit 1996 - Rückgang der physischen Tonträger
2.4 Auswertung aktuellen Studien der Tonträgerindustrie
2.4.1 Aktuelle IFPI-Studie: Jahreswirtschaftsbericht 2006
2.4.2 GfK-Brennerstudie 2007
2.5 Kritik
3. Ursachenanalyse für die Umsatzverluste
3.1 Das Internet als Distributionskanal für Musik - Die digitale Revolution
3.1.1 Konvergenzen und technologische Entwicklungen
3.1.2 Eigenschaften digitaler Informationsgüter
3.1.2.1 Ökonomie der Nachfrage bei Informationsgütern
3.1.2.2 Ökonomie des Angebots bei Informationsgütern
3.1.3 Musiktauschbörsen
3.1.3.1 Filesharing auf Peer-to-Peer-Basis
3.1.3.1.1 Zentrale Filesharing-Netzwerke
3.1.3.1.2 Dezentrale Filesharing-Netzwerke
3.1.3.2 Napster und seine Nachfolger
3.1.3.3 Auswirkungen von P2P-Netzwerken auf die Musikwertschöpfungskette
3.1.3.4 Prozess der schöpferischen Zerstörung nach Schumpeter
3.2 Wachsende Konkurrenzen im Bereich der Freizeitkonsumgüter
3.3 Fehlentscheidungen im Management
4. Reaktionen der Tonträgerindustrie auf die digitale Revolution
4.1 Strategiewechsel - Die Konterrevolution
4.1.1 Piraterie-Verfolgung
4.1.2 Urheberrechtsproblematik und Digital Rights Management
4.1.3 Aufbau legaler Download-Angebote
4.2 Erfolgreicher Markteintritt eines branchenfremden Unternehmens
5. Perspektiven und Zukunftsmärkte für die Tonträgerindustrie
5.1 Verschiedene Zukunftsmärkte für den digitalen Musikvertrieb
5.1.1 Der Download-Markt - Aktuelle Entwicklungen: Die DRM-Diskussion
5.1.2 Mobile Music
5.1.3 Mobile Online-Musiknetzwerke - Ein Zukunftsmarkt für digitale Musik?
5.1.3.1 Voraussetzungen
5.1.3.1.1 Umdenken im Wertschöpfungsprozess
5.1.3.1.2 Kenntnisse über die Webnutzer 2.0
5.1.3.2 Das Erlösmodell: Versteckte Pauschalabgaben
5.1.3.3 Gewinnpotentiale für die Tonträgerindustrie
5.2 Prognosen für die Weiterentwicklung des Online-Musikmarktes
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung und der Informations- und Kommunikationstechnologie auf die globale Tonträgerindustrie, um vor diesem Hintergrund mögliche Perspektiven und Zukunftsmärkte für die Musikbranche im Zeitalter der digitalen Ökonomie abzuleiten.
- Analyse der Ursachen für die globalen Umsatzverluste in der Tonträgerindustrie seit 1996.
- Untersuchung der digitalen Revolution und der Veränderung der Musikwertschöpfungskette durch Internet und Musiktauschbörsen.
- Bewertung der Reaktionen der Musikindustrie auf technologische Umbrüche und den Markteintritt branchenfremder Akteure wie Apple.
- Diskussion zukunftsträchtiger Geschäftsmodelle wie Mobile Music und Online-Musiknetzwerke.
Auszug aus dem Buch
3.1.3.1.1 Zentrale Filesharing-Netzwerke
In dieser Organisation des Netzwerkes verfügt ein zentraler Anbieter, der so genannte Server, über eine Datenbank mit Informationen über die auf den einzelnen Computern vorhandenen und zum Tauschen freigegebenen Dateien.
Erfolgt eine Suchanfrage eines Nachfragers, des Clients, an den Server, so übermittelt dieser die IP-Adressen aller Netzwerkteilnehmer, die sich zurzeit im Internet befinden und die gesuchte Datei auf ihrem Computer gespeichert haben. Folglich kann eine direkte Verbindung des Clients zur gesuchten Datenquelle hergestellt werden und der Downloadvorgang erfolgen.
Dieses System wird häufig auch als hybrides P2P-Netzwerk bezeichnet, da ein zentraler Server als wichtiger Bestandteil der Netzwerk-Architektur unersetzlich ist. Derartige zentrale Systeme sind relativ einfach von dritter Seite zu kontrollieren und somit auch leicht angreifbar, was sich am Bespiel von Napster als deutlicher Nachteil erweisen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Krisensituation der Tonträgerindustrie ein, definiert die Forschungsfragen der Arbeit und grenzt das Untersuchungsfeld auf die Majorlabels ein.
2. Umsatzverluste in der Tonträgerindustrie: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Bestandsaufnahme der Umsatzeinbrüche seit Mitte der 1990er Jahre und wertet dazu aktuelle Industriestudien aus.
3. Ursachenanalyse für die Umsatzverluste: Dieses Kapitel untersucht die technologischen und ökonomischen Faktoren, wie das Internet als Distributionskanal und die Eigenschaften digitaler Informationsgüter, die maßgeblich zur Krise beigetragen haben.
4. Reaktionen der Tonträgerindustrie auf die digitale Revolution: Hier werden die strategischen Gegenmaßnahmen der Musikmajors wie Piraterie-Verfolgung, DRM-Implementierung und der Aufbau eigener Download-Portale analysiert.
5. Perspektiven und Zukunftsmärkte für die Tonträgerindustrie: Dieses Kapitel befasst sich mit der Analyse neuer Geschäftsfelder wie Download-Märkte, Mobile Music und der Vision mobiler Online-Musiknetzwerke.
6. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Branche.
Schlüsselwörter
Tonträgerindustrie, Digitale Ökonomie, Informationsgüter, Musiktauschbörsen, Filesharing, Peer-to-Peer, Wertschöpfungskette, Digital Rights Management, Online-Musikmarkt, Mobile Music, Umsatzverluste, Innovationsmanagement, UMTS, Geschäftsmodelle, Web 2.0
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die schwerwiegenden Umwandlungsprozesse in der Tonträgerindustrie, die durch die fortschreitende Digitalisierung und die weite Verbreitung des Internets seit Ende der 1990er Jahre ausgelöst wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Ursachenanalyse für die Umsatzeinbrüche bei physischen Tonträgern, die Auswirkungen von Filesharing-Netzwerken, die Management-Strategien der Musikmajors und die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob und wie die Tonträgerindustrie technologische Neuerungen in Einklang mit geänderten Kundenbedürfnissen bringen kann, um ihre unternehmerische Existenz durch neue Erlösmodelle zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse wirtschaftswissenschaftlicher Theorien, der Auswertung empirischer Studien der Musikindustrie und einer strukturierten Analyse der Wertschöpfungskette.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der digitalen Revolution und deren Einfluss auf die Musikbranche, den Reaktionen der Majors auf diesen Wandel sowie dem Potenzial zukünftiger Märkte wie Mobile Music.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tonträgerindustrie, digitale Ökonomie, Filesharing, Wertschöpfungskette, Digital Rights Management, Mobile Music und Online-Musiknetzwerke.
Warum konnte die Tonträgerindustrie anfangs keine Erfolge mit Online-Angeboten erzielen?
Die Industrie versäumte es, frühzeitig kundenorientierte Lösungen zu entwickeln, und setzte stattdessen auf kundenunfreundliche Bedingungen und DRM-Systeme, die keinen Mehrwert gegenüber illegalen Tauschbörsen boten.
Welche Rolle spielt Apple Inc. in dieser Untersuchung?
Apple wird als Beispiel für einen erfolgreichen branchenfremden Markteintritt angeführt, der durch ein einfach zu bedienendes System und eine konsumentenorientierte Preisstruktur Maßstäbe für den digitalen Musikvertrieb setzen konnte.
Was versteht der Autor unter dem „mobilen Online-Musiknetzwerk“?
Das Konzept beschreibt ein Szenario, in dem Musik über mobile Endgeräte und UMTS-Technologie in Verbindung mit Online-Communities als Dienstleistung bereitgestellt wird, finanziert über Pauschalmodelle in Mobilfunkverträgen.
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- Finn Hassold (Author), 2007, Die Tonträgerindustrie im Zeitalter der digitalen Ökonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83964