Zeitunabhängige Medienformate

Wie Festplattenrekorder und Podcast das Verhalten von Sender und Empfänger verändern


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Verbreitungswege und technische Möglichkeiten
2.1 Terrestrik, Kabel und Satellit
2.2 Das Internet als Übertragungsweg
2.3 Festplattenrekorder und Podcast

3 Der Kommunikationsprozess
3.1 Begriffe
3.2 Kommunikation
3.3 Klassische Medientheorie
3.4 Verhaltensänderung bei Sender und Empfänger

4 Geschäftsmodelle
4.1 Wie funktionierten Geschäftsmodelle, als wir noch klassisches werbefinanziertes Broadcast -Radio/TV hatten?
4.2 Welche neuen Geschäftsmodelle sind heute denkbar?

5 Fazit

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Medienverzeichnis

1 Einleitung

Die deutsche Medienbranche befindet sich möglicherweise in einem ihrer größten Umbrüche der letzten Jahrzehnte. Seit das Internet von einem großen Teil der Bevölkerung genutzt wird, konkurrieren dort neue Dienste mit Angeboten der klassischen Medienunternehmen. Einen Vorgeschmack, welche Auswirkungen diese Veränderungen nach sich ziehen werden, bekamen die überregionalen Tageszeitungen bereits 2003 deutlich zu spüren: „In zwei aufeinanderfolgenden Jahren haben sie je­weils rund 20 Prozent ihres Werbeanzeigenumfangs eingebüßt, die Stellenmärkte gingen erst um fast 30 und dann noch einmal um 50 Prozent zurück. Für die Lokal- und Regionalzeitungen lief die Entwicklung nicht deutlich besser“(MEYER-LUCHT 2003, 7). Da in der Branche nur gut ein drittel der Einnahmen aus dem Verkauf der Zeitungen und zwei drittel aus dem Anzeigengeschäft stammen, funktioniert das bestehende Erlösmodell inzwischen nicht mehr.

Diese Entwicklung macht auch vor den Fernseh- und Rundfunkanstalten nicht halt. Die aktuellen Breitbandzugänge im Internet ermöglichen die problemlose Übertragung von Ton- und Bewegtbild. Dabei entwickeln sich neue Medienformate wie Podcast und IP-TV als Konkurrenz zu den Klassischen Broadcast-Medien, die terrestrisch, bzw. über Satellit und Kabel mithilfe von Sendern verbreitet werden. Festplattenrekorder bieten nie dagewesene Aufnahmekapazitäten, Such- und Ordnungsfunktionen, sowie einen schnellen Zugriff auf gespeicherte Daten und ermöglichen so eine völlig neue Nutzung und Aufzeichnung von Medieninhalten.

Was ist anders an Medienformaten wie Podcast und Festplattenrekorder? Welche Auswirkung hat ihre Nutzung auf das Verhalten von Sender und Empfänger und wie müssen die bestehenden Geschäftsmodelle den neuen Gegebenheiten angepasst werden? Dies sind die Fragen, mit denen sich die folgende Arbeit beschäftigen wird. Um einen Überblick zu den technischen Möglichkeiten zu geben, wird zu Beginn die Funktionsweise der Broadcast-Medien den neuen Möglichkeiten der Technologien Podcast und Festplattenrekorder gegenübergestellt. Daran anschließend soll dann im weiteren Verlauf das Verhalten der Nutzer beim Umgang mit ebendiesen Medien analysiert werden. Die Ergebnisse verschiedener Ansätze der Medienwirkungs-forschung sollen dabei Rückschlüsse auf mögliche Verhaltensänderungen beim Umgang mit den neuen Formaten liefern. Der letzte Teil der Arbeit wird sich mit den Geschäfts­modellen der Medienbranche befassen. Auch hier sollen bisher funktionierende Varianten und neue Möglichkeiten vorgestellt werden.

2 Verbreitungswege und technische Möglichkeiten

Bevor das Verhalten von Sender und Empfänger dargelegt werden kann, stellt sich die Frage, welche Verbreitungswege und technische Möglichkeiten überhaupt existieren. Daher werden in diesem Teil der Arbeit die klassischen Wege über Kabel, Terrestrik und Satellit, den relativ neuen Möglichkeiten des Internets gegenübergestellt, geprüft an welchen Stellen Podcasts und Festplattenrekorder zum Einsatz kommen können und untersucht was diese neuen Formate auszeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 1: Entwicklung der Fernsehempfangsebenen bis 2006
Quelle: http://www.agf.de/fsforschung/methoden/empfangsebenen/

2.1 Terrestrik, Kabel und Satellit

Die Verbreitung von Ton und Bewegtbild in den Medien erfolgt heute im wesent­lichen mithilfe drahtloser Übertragung durch Satellit oder Antenne einerseits und leitungsgebundener über das Kabel andererseits. Angewandt wird dabei eine analoge Übertragungstechnik, die Signale in Form von Wellen über ein bestimmtes Medium transportiert. „ Allen drei Wegen ist aber eines gemeinsam: der Über­tragungsstandard war und ist bis heute auf allen Wegen derselbe“ (Deutsche TV-Plattform e.V. 2000, 1). Die später aufgekommene digitale Übertragungstechnik (Digital Video Broadcasting) benutzt dagegen auf jeden Übertragungsweg optimierte technische Standards. Diese werden als DVB-T im Bereich der Terrestrik, DVB-C im Kabel und TVB-S im Satellitenbereich bezeichnet. Wie in Abbildung 1 dargestellt, hat der historisch älteste, terrestrische Weg seit Mitte der 1990er Jahre stark an Bedeutung verloren, so dass heute das Kabelnetz der meist genutzte Übertragungsweg ist. Alle Signale, die auf den eben beschrieben Wegen übertragen werden sind zeitabhängig, was in diesem Fall den Hintergrund hat, dass sie mithilfe der Broadcast-Technik übertragen werden. Eine Broadcast-Übertragung entspricht einem Rundruf. Es erfolgt eine gleichzeitige Übertragung von einem Punkt aus zu allen Teilnehmern (IT-WISSEN 2006). Den Empfänger oder Rezipienten können also lediglich einmalig, zu einem festgelegten Zeitpunkt und über einen definierten Zeitraum bestimmte Informationseinheiten erreichen. Ein weiters Merkmal der klassischen Übertragungswege ist die Frequenzknappheit. Da die Übertragung von Rundfunk- und Fernsehsignalen nur für ein bestimmtes Frequenzspektrum möglich ist, sind die realisierbaren Kanäle oder Sender technisch begrenzt, so dass der Zugang zu den Verbreitungswegen in Deutschland durch eine Institution in Form der Landesmedienanstalten eingeschränkt und an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. „Die Aufgaben der Landesmedienanstalten sind neben der Förderung und dem Ausbau der Rundfunkversorgung vor allem die Zulassung von Veranstaltern [...]“ (NOELLE-NEUMANN, SCHULZ, u.a. 2002, 574).

2.2 Das Internet als Übertragungsweg

Dass die Übertragung von Signalen in Form von Inhalten weder zu einem bestimm­ten Zeitpunkt erforderlich ist, noch an einen bestimmten Zeitraum gebunden ist, zeichnet den Übertragungsweg Internet aus. Als Standard werden „[...] die Kommunika­tionsprotokolle TCP/IP auf allen Teilnetzen im Internet eingesetzt“ (HÜBSCHER, PETERSEN, u.a 1999, 231). Medienformate können zu einem beliebigen Zeitpunkt abgerufen werden und die Übertragung kann, sofern dies nicht von dem Sender vor­sätzlich unterbunden wird, auch unterbrochen werden. Im Unterschied zu den be­schriebenen Broadcast-Medien herrscht im Internet kein Frequenzmangel. Daraus ergibt sich, dass die Zahl der Sender keiner Beschränkung unterworfen ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beliebig viele Inhalte von einer unbegrenzten Zahl von Sendern zur Verfügung gestellt werden können, wobei die Rezeption dieser Inhalte durch den Empfänger zu beliebigen Zeitpunkten und in nicht festgelegten Zeiträumen erfolgen kann. Ein weiterer Vorteil des Internets ist der Rückkanal. Das Internetprotokoll erlaubt eine Übertragung in beliebige Richtungen, während die Broadcast-Übertragung keinen Rückkanal kennt. Der Empfänger eines Signals kann also gleichzeitig Sender sein und umgekehrt.

2.3 Festplattenrekorder und Podcast

Festplattenrekorder sind im Prinzip weiterentwickelte Videorekorder, die eine Fülle neuer Funktionen und deutlich höhere Speicherkapazitäten mit sich bringen. Die Inhalte werden digital auf Festplatten aufgezeichnet, deren Kapazitäten inzwischen 250 MB und mehr erreichen (siehe auch Kapitel 3.2). Festplattenrekorder werden als Geräte, aber auch als Dienste im Internet angeboten, wobei diese Dienste letzt­lich wieder auf Hardware zurückgreifen, die genau, wie die von dem Empfänger erworbene Geräte, Signale von einem Broadcast-Medium aufzeichnen und zeitun­abhängig und im Fall der Dienste auch ortsunabhängig zur Verfügung stellen. Ein Festplattenrekorder macht aus zeitabhängigen Medienformaten zeitunabhängige, da Zeitpunkt und Zeitverlauf der Rezeption in den Einflussbereich des Empfängers wandern.

Dagegen geht die Podcast-Technik über das reine Aufzeichnen anderer Formate hinaus. Beim podcasten erzeugt eine beliebige Person „[...] eine Audio- oder Videodatei - genannt Sendung, Episode, Podcast, Cast oder Show - mit Hilfe eines Computers, einer Soundkarte und einem Mikrofon oder eines beliebigen, anderen Aufnahmegerätes. Diese Audiodatei wandelt sie [...] in ein platzsparendes und bandbreiten-freundlicheres Format [...] um und lädt die erzeugte Medien-Datei [...] im Internet hoch.“ (PODCAST.DE 2005). An dem Verfahren ist weiter nichts besonderes denn es wird seit mehr als einem Jahrzehnt im Internet angewandt. Neu ist ein zusätzlich zur Verfügung gestellter RSS-Feed, der zwar keine Inhalte, dafür aber Informationen zur hochgeladenen Mediendatei enthält. In der Regel befinden sich Informationen über mehrere Mediendateien in Form von Sendungen in diesem RSS-Feed. Diese können von einem beliebigen Internetnutzer, sofern sie einmal zur Verfügung stehen, mithilfe einer Software abgerufen werden. Der Sender stellt seine Sendung bereits zeitunabhängig zur Verfügung, während beim Festplattenrekorder bereits ausgestrahlte Signale aufgezeichnet werden.

3 Der Kommunikationsprozess

Im zweiten Teil der Arbeit soll der Kommunikationsprozess und das Verhalten der an ihm beteiligten Akteure in den Mittelpunkt gerückt, aber keinesfalls erschöpfend be­schrieben werden. Vor allem interessiert bezüglich der Forschungsfrage, wie zeit­abhängige Medienformate funktionieren und wie sich das Verhalten der Sender und Empfänger gestaltet. Mit dieser Untersuchung sollen Schlüsse zu möglichen
Verhal­tensänderungen bei zeitunabhängigen Formaten gezogen, aber auch die Wesens­unterschiede der zeitunabhängigen Medienformate zu den klassischen Brodcast-Medi­en herausgestellt werden.

Die Analyse beginnt mit einer Begriffsklärung und steigt mit dem Kommunikatiosmodell von Shannon und Weaver direkt in ein Modell von Sender und Empfänger ein. Hier soll die Beziehung der am Kommunikationsprozess beteiligten Elemente, aber auch die Veränderung durch Festplattenrekorder und Podcast dargestellt werden. Im zweiten Teil werden ausgewählte Ansätze der Medienwirkungsforschung erläutert, um das Verhalten von Sender und Empfänger nachvollziehbar zu machen. Aus den sehr mannigfaltigen Theorienkonstrukten wurden als medienzentrierte Ansätze Agenda-Setting und die Wissensklufthypothese und als rezipientenorientierter Ansatz Uses-and-Gratifications von Blumler und Katz ausgewählt. Abschließend wird versucht, eine mögliche Veränderung im Verhältnis von Sender und Empfänger zu beschreiben.

3.1 Begriffe

Der Begriff zeitabhängiges Medienformat meint in dem hier betrachteten Fall klassisches Radio und Fernsehen. In Deutschland wird damit faktisch die gesamte Bevölkerung erreicht, so dass auch von Massenmedien gesprochen wird. Die In­halte der Massenmedien werden durch Massenkommunikation öffentlich, mit Hilfe technischer Verbreitungsmittel, indirekt und einseitig an ein Publikum vermittelt (MALETZKE 1963, 32). Das benannte Publikum ist dispers, das heißt, die Menschen die es umfasst wenden sich den Inhalten der Massenmedien räumlich voneinander getrennt, einzeln oder in kleinen Gruppen und unter verschiedenen Bedingungen zu. Die übertragenen Botschaften werden in ihrem Zusammenhang als Programm bezeichnet. Programm bedeutet eine geordnete Aneinanderreihung einzelner Beiträge, die vor der Übertragung festgelegt wird, die einer bestimmten Logik folgt und gewisse Ziele verfolgt. Der Kommunikator des Programms, meist eine formale Organisation die schöpferisch-gestaltend oder kontrollierend an der Produktion von öffentlichen Aussagen der Massenmedien beteiligt ist (MALETZKE 1963, 43) beeinflusst als ordnende, selektierende Größe das Programm. Der Kommunikationsprozess ist von Reziprozität , also auch von Asymmetrie geprägt. Es stehen komplexe, professionell agierende Organisationen einem überwiegend rezipierendem Publikum gegenüber, dessen Einfluss auf die Programmgestaltung vernachlässigt werden kann. Zwar existiert ein Rückkanal, durch den in Form von Zuschauerbriefen, Telefonumfragen oder Wunschfilmen direkter oder indirekter Einfluss auf die Programmgestaltung genommen werden kann, die Möglichkeiten sind jedoch im Verhältnis zu denen der Kommunikatoren gering. Der Zeitpunkt der Rezeption eines bestimmten Beitrages kann nicht durch den Rezipienten festgelegt werden, da die zeitliche Gestaltung des Programms im Hoheitsbereich des Kommunikators liegt. Im Gegensatz dazu hat bei einem zeitunabhängigen Medienformat, wie Podcast oder Festplattenrekorder, der Rezipient die Möglichkeit, den Zeitpunkt des Medienkonsums, aber auch Zeiteinteilung innerhalb einer Rezepitionsphase selbst festzulegen. Er ist also nicht vom Kommunikator, der in den klassischen Massenmedien den Programmverlauf festlegt, abhängig. Dies hat eine Reihe von Folgen für das Medienformat und das dahinter liegende Geschäftsmodell und soll Inhalt der folgenden Betrachtungen sein.

[...]

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Details

Titel
Zeitunabhängige Medienformate
Untertitel
Wie Festplattenrekorder und Podcast das Verhalten von Sender und Empfänger verändern
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Institute of Electronic Business)
Veranstaltung
Markenstrategien im Internet
Note
1,0
Autoren
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V84015
ISBN (eBook)
9783638001823
ISBN (Buch)
9783638910873
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitunabhängige, Medienformate, Markenstrategien, Internet
Arbeit zitieren
Markus Schmidt (Autor:in)Jakob Schlademann (Autor:in), 2006, Zeitunabhängige Medienformate, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84015

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