Am 20.Dezember 1952 gab es mit der Tagesschau zum ersten Mal Nachrichten im deutschen Fernsehen. Seitdem hat sich das Informationsangebot stetig weiterentwickelt. Auch die privaten Fernsehsender, die, im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Medien, nicht zu einer Grundversorgung verpflichtet sind, bieten ihrem Publikum größtenteils Nachrichtensendungen an. Doch wie kommt es zu diesen Nachrichten? Wer sagt, welches Ereignis es in die Nachrichtensendung am Abend schafft und welches draußen bleibt und damit von den Rezipienten nicht wahrgenommen werden kann, so als hätte dieses Ereignis gar nicht stattgefunden? Welche Faktoren entscheiden, welche Ereignisse zu Nachrichten werden und welche im Papierkorb landen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Um die Selektionspraxis in heutigen Nachrichtenredaktionen besser zu verstehen, ist ein Blick zu den Anfängen der Nachrichtenselektionsforschung nötig. Aus diesem Grund erläutere ich zunächst die drei grundlegenden Theorien, die das Fundament für diese Forschungsrichtung gelegt haben. Die Nachrichtenwerttheorie, eines dieser drei Fundamente, wird ausführlich in ihrer Entstehung und Weiterentwicklung beschrieben. Im praktischen Teil wird dann eine Nachrichtenanalyse durchgeführt. Anhand der Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 soll nachgewiesen werden, welche Nachrichtenfaktoren heute eine wichtige Rolle spielen. In diesem Zusammenhang versuche ich dann die Einführung eines neuen Nachrichtenfaktors: dem Service. Ich werde untersuchen, ob Service als ein Kriterium in der heutigen Nachrichtenselektion angewendet wird und welche Unterschiede es darin bei öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern gibt. Abschließend werde ich dann meine Ergebnisse zusammenfassen und einen kurzen Ausblick geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte und Entwicklung von Nachrichtenfaktoren und Nachrichtenwert
2.1 Die Gatekeeper-Forschung
2.2 Die News Bias-Forschung
2.3 Die Nachrichtenwerttheorie
2.3.1 Walter Lippmann
2.3.2 Einar Östgaard
2.3.3 Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge
2.3.4 Weiterentwicklung und Kritik
2.3.4.1 Karl Eric Rosengreen
2.3.4.2 Winfried Schulz
2.3.4.3 Joachim Friedrich Staab
2.3.4.4 Christiane Eilders
3. Nachrichtenanalyse
3.1 Methodisches Vorgehen
3.2 Übersicht: Anteil von Nachrichten am Gesamtprogramm
3.3 Aufbau der analysierten Nachrichtensendungen
3.3.1 ARD – Tagesschau
3.3.2 ZDF – heute
3.3.3 RTL aktuell
3.3.4 SAT.1 News
3.4 Themen der untersuchten Woche
3.5 Analyse der Themenstruktur
3.6 Klassische Nachrichtenfaktoren
3.6.1 Analyse der Nachrichtenfaktoren in der Tagesschau
3.6.2 Analyse der Nachrichtenfaktoren in heute
3.6.3 Analyse der Nachrichtenfaktoren in RTL aktuell
3.6.4 Analyse der Nachrichtenfaktoren in den SAT.1 News
3.7 Vergleich der Anwendung von Nachrichtenfaktoren bei öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern
4. Ein neuer Nachrichtenfaktor: Service
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Selektionskriterien von Nachrichten in deutschen Fernsehsendern, um zu verstehen, nach welchen Faktoren Ereignisse zu Nachrichten werden und welche Unterschiede hierbei zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern bestehen. Dabei wird insbesondere die Relevanz unpolitischer Themen analysiert und die Einführung des neuen Nachrichtenfaktors "Service" geprüft.
- Grundlagen der Nachrichtenselektionsforschung (Gatekeeper, News Bias, Nachrichtenwerttheorie)
- Methodische Analyse der Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und SAT.1
- Vergleich der Themenstruktur zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern
- Anwendung klassischer Nachrichtenfaktoren auf unpolitische Meldungen
- Untersuchung des neuen Nachrichtenfaktors „Service“ im Kontext privater Fernsehnachrichten
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Gatekeeper-Forschung
Die Nachrichtenforschung hat sich zunächst nur auf die Person des einzelnen Redakteurs konzentriert. Mitte der 1950er Jahre hat David Manning White die Gatekeeper-Forschung entwickelt, die auf dem theoretischen Konzept des Psychologen Kurt Lewin beruht. Der Begriff „Gatekeeper“ wurde verwendet, weil es laut White im Nachrichtenfluß „bestimmte Pforten, Schleusen oder Schaltstellen gibt, an denen einzelne Nachrichtenredakteure darüber entscheiden, welche Informationen weitergegeben werden und welche nicht“ (Wilke/Rosenberger 1991, S.25). Zur Entwicklung seiner Theorie hat White eine Woche lang einen Nachrichtenredakteur einer kleinen Tageszeitung im mittleren Westen der USA beobachtet.
Der Nachrichtenredakteur, den White „Mr.Gates“ nannte, sollte auf alle Meldungen, die er im Laufe seines Arbeitstages ablehnte, seine Begründung für die Ablehnung notieren. Ein Ergebnis war, dass der Redakteur tendenziell eher Meldungen verwendet hat, die seinen persönlichen Interessen entsprochen haben. So konnte White mit Hilfe einer Input-Output-Analyse beweisen, dass Mr. Gates politische Themen bevorzugt und „Human-Interest“–Themen vernachlässigt hat. Dieses Interessensspektrum hat sich auch in der Zeitschrift widergespiegelt. White hat daraus geschlossen, dass die Selektionskriterien eines Nachrichtenredakteurs „eine Folge dessen persönlicher Vorlieben bzw. Abneigungen und Einstellungen sind“ (Bartel 1997, S.14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Nachrichtenselektion seit Beginn des deutschen Fernsehens und führt in die Fragestellung nach den entscheidenden Faktoren für die Nachrichtenauswahl ein.
2. Geschichte und Entwicklung von Nachrichtenfaktoren und Nachrichtenwert: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen, beginnend bei der Gatekeeper-Forschung über die News Bias-Forschung bis hin zur ausführlichen Darstellung der Nachrichtenwerttheorie.
3. Nachrichtenanalyse: Der Hauptteil beinhaltet die methodische Durchführung der Nachrichtenanalyse sowie die Auswertung von Themenstrukturen und klassischen Nachrichtenfaktoren bei den vier untersuchten Sendern.
4. Ein neuer Nachrichtenfaktor: Service: Hier wird der zusätzliche Faktor "Service" als Selektionskriterium eingeführt und dessen Bedeutung für die untersuchten Hauptnachrichtensendungen diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Rolle der Nachrichtenfaktoren sowie die Bedeutung des neuen Service-Aspekts.
Schlüsselwörter
Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenwert, Gatekeeper-Forschung, Nachrichtenselektion, Fernsehnachrichten, Nachrichtenanalyse, Themenstruktur, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Privatsender, Service, Medienrealität, Journalistische Selektion, Nachrichtenauswahl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die Kriterien, nach denen Nachrichtenredakteure Ereignisse für Nachrichtensendungen auswählen und aufbereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Nachrichtenselektionsforschung, die Untersuchung der Themenstruktur bei verschiedenen Fernsehsendern und die Anwendung von Nachrichtenfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der Selektionspraxis zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern in Deutschland empirisch zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Inhaltsanalyse der Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 über einen Zeitraum von einer Woche im August 2006 durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Aufbau der Sendungen, Themenstruktur und die Anwendung spezifischer Nachrichtenfaktoren wie Status der Ereignisnation, deutsche Beteiligung und Visualität analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenwerttheorie, Nachrichtenselektion und Service-Charakter.
Welchen Stellenwert nimmt der neue Nachrichtenfaktor „Service“ ein?
Der Faktor Service wird als neues Kriterium eingeführt; die Analyse zeigt, dass er bei privaten Sendern deutlich häufiger Anwendung findet als bei öffentlich-rechtlichen.
Welche Unterschiede gibt es zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern?
Während öffentlich-rechtliche Sender stärker politische Themen fokussieren, liegt bei privaten Sendern ein deutlicher Schwerpunkt auf Human-Touch-Themen und Service-Orientierung.
- Quote paper
- Bachelor of Arts in Social Science Christoph Tautz (Author), 2006, Von der Information zum Service?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84094