Die Architektur der Kartäuser


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Orden der Kartäuser
2.1. Das Leben der Kartäusermönche
2.2. Einflüsse der Kartäuserregel auf die Architektur
2.3. Literaturlage
2.4. Das Kloster der Mönche – „Domus Superior“
2.4.1. Die Lage des Klosters
2.4.2. Die Kirche
2.4.3. Die Gemeinschaftsräume
2.4.4. Die Zellen
2.5. Das untere Haus – „Domus Inferior“

3. Die große Kartause – „Le Grande Chartreuse“

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1.Einführung

„Die Kartäuser halten mit einer Ausdauer, die kein anderer Orden erreicht hat, jahrhundertelang an der ungewöhnlichen Strenge ihrer kontemplativen, von der Welt völlig abgeschlossenen Lebensform fest, ohne wie andere einer Reformbewegung zu bedürfen.[1] “ Dieses Zitat gibt einen Einblick in die strenge Lebensführung des Ordens der Kartäuser. Die Architektur des Ordens passte sich dieser Einstellung zum Glauben an.

Einen einheitlichen Baustil hat es bei den Kartäusern nie gegeben. Vielmehr richteten sich ihre Klöster nach den örtlichen Gegebenheiten. So waren sie in engen Bergtätern länger gestreckt, als zum Beispiel im städtischen Gebiet, wo genug Raum zur Verfügung stand. Die Klöster verfügten jedoch immer über einen großen und kleinen Kreuzgang, einen Kapitelsaal, ein Refektorium, eine Bibliothek und eine Kapelle.

Der Orden der Kartäuser gilt als zahlenmäßig relativ klein, hatte aber gemessen an seiner Größe einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Dabei ist bemerkenswert, dass er nie reformiert wurde und auch weltlichen Einflüssen gegenüber stets unbeeindruckt blieb. Zwischen 1350 und 1550, als immer mehr Orden in ihrer Regeltreue nachließen, suchten immer mehr Gläubige Aufnahme bei den strengen Mönchen[2].

Das besondere der Glaubensgemeinschaft war ihre Lebensweise. Sie lebten teils zusammen und teils in Abgeschiedenheit. Der Orden geht auf den Heiligen Bruno aus Köln zurück. Dieser brach 1084 mit sechs Glaubensbrüdern auf um sich im Tal von la Chartreuse, nördlich von Grenoble gelegen, niederzulassen und ein Einsiedlerleben zu führen. Fünf Jahre später wurde Bruno von Papst Urban II. nach Rom berufen um dort als Berater zu wirken. Er konnte sich jedoch 1091 wieder in die Wildnis von Kalabrien zurückziehen, um dort eine neue Einsiedelei zu gründen. Erst im Jahr 1115 entstand eine Dritte in Portes nach Vorbild der Ersten. Bis Ende des Jahrhunderts entstanden 37 weitere, sowie zwei Nonnenklöster[3].

Im 14. und 15. Jahrhundert, dem Zeitalter der Mystik, fand der Orden starken Zulauf, nun auch besonders in Deutschland[4]. Bis zum Anfang des 15.Jahrhunderts entstanden alle 30 deutschen Kartausen. Meist innerhalb der Stadt, oder in deren Nähe, so zum Beispiel in Nürnberg, Köln, Erfurt oder Danzig.

1127 wurden die Lebensregeln der Kartäuser vereinheitlicht. Die wichtigsten Regeln waren Stillschweigen, Gebet und Handarbeit, sowie die Ablehnung von Fleischspeisen. Die Kartausen waren für zwölf Mönche und den Prior eingerichtet. Später gab es auch Doppelkartausen für 24 Mönche. Jeder der Mönche lebte in seiner eigen Zelle mit kleinem Garten. Nur zu bestimmten Tageszeiten kamen sie zusammen, um Andacht zu halten oder um einmal in der Woche im großen Kreuzgang zu diskutieren.

2. Der Orden der Kartäuser

2.1. Das Leben der Kartäusermönche

„Das Kartäuserleben ist eine harmonische Verbindung von einsamen und gemeinsamen Leben. Es ist schwerpunktmäßig Einsiedlerleben, das in kluger Weise jedoch durch dreimaligen täglichen gemeinsamen Gottesdienst und zweimal wöchentlich durch gemeinsame brüderliche Erholung gemäßigt ist. ... Seine Einsamkeit ist gar keine Einsamkeit mehr, da er in seinem Schweigen die Nähe Gottes erlebt und sich nicht allein in seiner Zelle fühlt.[5]

Das Leben des Kartäusers findet zum großen Teil in seiner Zelle statt. Nur

Zum gemeinschaftlichen Gebet und anderen gemeinsamen Unternehmungen, wie zum Beispiel dem einmal wöchentlich stattfindenden Spaziergang, darf er seine Zelle verlassen.

Die Laienmönche leben in einem gesonderten Klosterteil. Sie verbringen den Tag mit der Arbeit in der Küche, der Bäckerei, der Wäscherei, der Schneiderei, dem Garten, der Schlosserei, der Schmiede oder der Schreinerei[6].

Tagesschwerpunkt der Chormönche ist das Gebet. Zur Vorbereitung wird die heilige Schrift und andere christliche Bücher gelesen.

Um 22.45 Uhr steht der Kartäusermönch das erste Mal auf um das Nachtgebet zu sprechen. Dies findet zunächst in der Zelle statt. Ab 23.30 Uhr wird es in der Kirche fortgesetzt und dauert etwa bis 2.00 Uhr. Dabei werden Psalmen gesungen, die heilige Schrift gelesen und Fürbitte gehalten[7]. Von 2.00 Uhr bis ca. 5.45 Uhr wird der zweite Teil der Nachtruhe gehalten. Von 6.00 Uhr bis 7.00 Uhr wird wieder still in der Zelle gebetet, bevor es dann durch Glockegeläut in die Kirche gerufen wird. Nach viertelstündlichem Schweigen vor dem Tabernakel wird die Konventmesse gesungen[8]. Nach weiteren Gebeten gehen die Mönche in ihre Zellen zurück. Dort fahren sie mit Gebet, Lesung und Studium fort.

Vor dem Mittagessen macht der Mönch Handarbeit um sich zu entspannen[9]. Diese findet in der zelleneigenen Werkstatt statt. So kann er tätig sein ohne seine Einsamkeit aufgeben zu müssen. Des weiteren beschäftigt er sich mit Gartenarbeit in seinem etwa einhundert Quadratmeter großen Garten. Dieser kann von den Mönchen nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden. Das Holz, um seine Zelle zu heizen, muss jeder selber sägen. Mönche mit ausgeprägten Handwerklichen Fähigkeiten haben auch Hobel- oder Drehbänke in ihren Räumen, Sie können auf bereitgestelltes Werkzeug zurückgreifen, um Dinge für die Gemeinschaft zu fertigen.

Um 11.15 Uhr wird das durch die Luke von den Laienmönchen bereitgestellte Mittagessen eingenommen. Die Mönche ernähren sich vegetarisch. Einmal pro Woche ist Fastentag, dann wird nur Wasser und Brot zu sich genommen. In der Advents- und Fastenzeit werden keine Milchspeisen verzehrt[10]. In der Zeit von Mitte September bis Ostern gibt es nur Mittags warmes Essen. Abends wird dann nur Brot, wenn der Prior es erlaubt auch etwas vom Mittag aufgesparten gegessen. Bis 13.00 Uhr ist Erholung, die an Sonn- und Feiertagen gemeinsam genossen wird. Einmal wöchentlich findet ein ausgedehnter Spaziergang in den umliegenden Wäldern statt, der ungefähr vier Stunden dauert[11]. Zu diesem Anlass, wie auch bei der gemeinsamen Erholung ist das Sprechen erlaubt. Sonst wird strenges Stillschweigen geübt. Wird ohne Erlaubnis geredet, muss sich der Mönch am Sonntag „beim Schuldkapitel anklagen[12] “. Wenn dringend von Nöten, darf sich der Mönch mit wenigen Worten äußern. Die Nutzung der Gebärdensprache ist verboten.

Bis 15.00 Uhr, dann wird in der Kirche die Vesper gesungen, wird wieder gebetet, gearbeitet und studiert.

Nach neun Jahren ist die Ausbildung der Jungmönche abgeschlossen. Sie haben dann drei Jahre Philosophie und sechs Jahre Theologie studiert[13].

Gegen 17.00 Uhr gibt Abendessen oder die erwähnte kalte Kost. Gegen 18.00 Uhr wird das Gebet gesprochen, bevor dann bald der Tag beendet ist und die Mönche zur Nachtruhe gehen.

2.2. Einflüsse der Kartäuserregel auf die Architektur

Beim Betrachten eines Kartäuserklosters fallen einem sofort Unterschiede zu Klosterbauten anderer Orden auf. Worin liegen die Ursachen dieser Unterschiede? Die Klöster der Mönche bestehen eigentlich aus zwei getrennten, von denen das „obere“ der beiden zwei Kreuzgänge aufweist. Ein weiterer entscheidender Unterschied sind die einzelnen Zellen für die Mönche, die sich um den großen Kreuzgang gruppieren. Auch in der Kirche gibt es Unterschiede zu anderen Klosteranlagen. Hier fällt besonders der Lettner ins Auge. Diese Besonderheit hat ihre Ursache in den Ordensregeln der Kartäusermönche.

Der Heilige Bruno von Köln begab sich 1084 mit sechs Gefährten in die wilde Bergwelt der Chartreuse um dort ein Einsiedlerleben zu führen. Er schrieb keine Regel nieder, doch trotzdem hielten sich seine ersten drei Nachfolger an seine Lebensweise und lebten wie er. Der fünfte Prior[14] Guigo I. schrieb 1127 die Gebräuche in 80 Kapiteln nieder. In drei Teilen wird die Liturgie der Mönche geregelt. 1128 wurden die Regeln von anderen Kartausen übernommen und 1140 für allgemein gültig erklärt. Diese sogenannten Consuetudines wurden nie verändert, der Orden nie reformiert. 1510 wurden die Regelsammlung erstmals gedruckt[15]. Die Kartäuser leben die meiste Zeit ein Eremitenleben: „Der große Kreuzgang schließt die Mönche von der Welt ab.[16] “ Die Mitglieder des Ordens unterscheiden sich in Mönche und Laienbrüder. Laienbrüder wiederum teilen sich in Konversen – mit Gelübde und Donaten – ohne Gelübde. Alle haben das Schweigen gemein, dass nur an Sonn- und Feiertagen und beim gemeinsamen wöchentlichen Spaziergang unterbrochen wird. Im gemeinsamen Chorgesang, und beim gemeinschaftlichen Essen an Sonn- und Feiertagen sind sie vereint.

Bereits im 12.Jahrhundert, zwischen 1140 und 1150 entstand auch ein erster weiblicher Zweig des Ordens[17].

Hauptbestandteil des Klosters ist die Kirche. An sie schließt sich der Kapitelsaal, Refektorium, Bibliothek, kleiner und großer Kreuzgang an. Um den großen Kreuzgang gruppieren sich die einzelnen Zellen. Es sind kleine Häuschen mit einem Garten davor. Dieser wird von den Mönchen selbst bestellt. Die Zellen der Laienbrüder liegen an einem gemeinsamen Gang.

In der Kirche, so berichten die Consuetudines, befand sich anfangs nur einzelner Altar. Dieser war im Chor der Mönche zu finden.

Um den kleinen Kreuzgang herum, an dem sich auch die Kirche befand, lagen weitere Gemeinschaftsräume. So zum einen der Kapitelsaal in dem sich ebenfalls ein Altar befand[18]. Zum anderen das Refektorium, in dem an Sonn- und Feiertagen gemeinsam gegessen wurde. Die Brüder saßen an einem langen Tisch, an dem zuerst die Mönche und anschließend die Laien Platz nahmen. Direkt neben dem Speisesaal befand sich die Küche, von der es heißt, dass sie niemand ohne Erlaubnis betreten durfte. Das auch die Laienbrüder ihre eigenen Zellen besaßen, wurde schon erwähnt. In diesen schliefen sie auch. Es gab also keine gemeinschaftlichen Schlafräume. Den Mönchen, wie den Laien war es verboten bauliche Änderungen an ihren Zellen vorzunehmen. Ingesamt werden in den Consuetudines die Räumlichkeiten zwar erwähnt, aber ihre Lage zueinander nicht beschrieben. Die Errichtung von Gebäuden, die nicht unbedingt notwendig sind, ist nicht gestattet. Der Bau von Gebäuden die nützlich sind, muss vorher mit dem Konvent abgestimmt werden. Das Gleiche gilt für Malereien und Bilder. Diese werden im Allgemeinen abgelehnt, da sie der Einfachheit des Ordens widersprechen[19].

[...]


[1] Holtz, Leonhard, Geschichte des christlichen Ordenslebens, Zürich (1991), S.112

[2] Binding, Günther, Untermann, Matthias, Kleine Kunstgeschichte der mittelalterlichen Ordensbaukunst in Deutschland, Darmstadt (1985), S.391

[3] ebenda

[4] ebenda

[5] Blüm, Hubertus Maria, Einführung in die Spiritualität der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S.15

[6] Blüm, Hubertus Maria, Wie lebt der Kartäuser?, in: Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S.29

[7] ebenda, S.30

[8] Blüm, Hubertus Maria, Wie lebt der Kartäuser?, in: Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S. 30

[9] ebenda

[10] ebenda

[11] ebenda

[12] ebenda

[13] ebenda, S. 32

[14] Leiter einer Kartause

[15] Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S.52

[16] ebenda, S.54

[17] Dinzelsbacher, Peter/ Hogg, James Lester, Kulturgeschichte der christlichen Orden, Stuttgart 1997, S.280

[18] Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S. 55

[19] Zadnikar, Marijan, Die frühe Baukunst der Kartäuser, in: Zadnikar, Marijan/ Wienand, Adam (Hrsg.), Die Kartäuser Der Orden der schweigenden Mönche, Köln 1983, S. 56f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Architektur der Kartäuser
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Klosterbaukunst
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V84095
ISBN (eBook)
9783638004831
ISBN (Buch)
9783640334896
Dateigröße
1567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Kartäuser, Klosterbaukunst
Arbeit zitieren
Oliver Friedel (Autor), 2007, Die Architektur der Kartäuser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84095

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