In meiner Arbeit über Afrikanische Schrift- und Sprachkulturen möchte ich anhand des Beispiels Ghana die Auswirkungen der europäischen Kolonialisierung auf Schrift und Sprache in Westafrika darstellen. Um die Arbeit in einen angemessenen Rahmen zu stellen, werde ich mich hauptsächlich mit der sprachlichen Situation und dem Sprachbewusstsein in Ghana beschäftigen. Allerdings unter besonderer Berücksichtigung der Kolonialisierung und imperialistischen Tendenzen, die bis in die Gegenwart reichen. Somit spielen Sprach- und Bildungspolitik wie auch europäische Schriftkultur eine wichtige Rolle. Um den Rahmen dieser Arbeit dadurch nicht zu sprengen, soll es gezielt um die Auswirkungen auf Schrift und Sprache in Ghana gehen, ohne die Hintergründe der Politik und Machtstrukturen genau zu beleuchten.
Die Entwicklung einer Darstellungsstruktur zur Beantwortung der Frage, in wie weit ghanaische Schrift- und Sprachkultur im Schatten der imperialistischen „Sprach-Matrix“ steht, und welche Konsequenzen sich daraus für die Bevölkerung ergeben, erfordert ebenso einen historischen Überblick der politischen, kulturellen und sprachlichen Situation Ghanas. Dieser soll auch als Einführung in das Thema dienen.
Die verwendete Literatur stammt teilweise aus Ghana, wie z.B. analytische Bücher über westafrikanische Literatur oder sprachwissenschaftliche Bücher von lokalen Professoren. Erfahrungsberichte von Europäern, die in Nordghana gelebt haben, um den Orakelkult kennen zu lernen, werden ebenfalls zu Rate gezogen. Ein von der UNESCO empfohlener Reiseführer gibt unter anderem Aufschluss über Geschichte und Kultur des Landes aus westlicher Sicht.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Historischer Überblick der Entwicklung in Ghana, Westafrika mit Überlegungen zum Sprachwandel
3. Die sprachliche Situation in Ghana
3.1.Die ethnischen Gruppen und ihre Sprachen
3.2.Die Verbreitung der englischen Sprache in Ghana
4. Sprachbewusstsein der ghanaischen Bevölkerung mit historischen Aspekten
4.1. Die einheimischen Sprachen als Träger der afrikanischen Kultur
4.2. Die Amtssprache als interethnische Kommunikationsmöglichkeit
4.3. Orakel und Opferkulte als mediale Ausdrucksformen
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Beispiels Ghana die Auswirkungen der europäischen Kolonialisierung auf die dortigen Schrift- und Sprachkulturen sowie das daraus resultierende Sprachbewusstsein der Bevölkerung im Spannungsfeld zwischen imperialistischer Prägung und kultureller Eigenständigkeit.
- Analyse der sprachlichen Situation Ghanas und der historischen Entwicklungen.
- Untersuchung des Einflusses der Kolonialgeschichte auf die heutige Sprachpolitik und -verbreitung.
- Betrachtung einheimischer Sprachen als Träger kultureller Identität.
- Erforschung non-verbaler und oraler medialer Ausdrucksformen wie Orakelkulte.
Auszug aus dem Buch
4.3. Orakel und Opferkulte als mediale Ausdrucksformen
Zunächst hatte ich geplant, die Besonderheiten einer ghanaischen Sprache am Beispiel des Twi-Dialektes herauszuarbeiten. Da dies aber möglicherweise den Rahmen sprengen würde, möchte ich mich lieber mit anderen Besonderheiten beschäftigen, die unter Umständen sogar besser geeignet sind, mediale Träger ghanaischer Kultur darzustellen.
Anhaltspunkt ist das Buch von Rüdiger Schott über die Orakel und Opferkulte der Bulsa in Nordghana. Schott ist Ethnograph und lebte 1966/67 über ein Jahr mit dem Bulsa Volk zusammen, beobachtete die Sozialität und ließ sich die Traditionen von den einheimischen „Wahrsagern“ näher bringen. Das Wort „Wahrsager“ ist irreführend und beruht eher auf Sprachgebrauch. Der sogenannte „Wahrsager“ sagt nämlich in der Regel während der Sitzung mit einem „Klienten“ gar nichts, mit Ausnahme dieser stellt im Anschluss Fragen, was Schott mit Hilfe eines Dolmetschers getan hat. Im Folgenden möchte ich stichwortartig Aspekte des Grundes, Prozesses und Ergebnisses einer Sitzung mit einem „Bulsa-Wahrsager“ vorstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der afrikanischen Schrift- und Sprachkulturen in Ghana unter Berücksichtigung kolonialer Einflüsse ein und definiert den Rahmen der Untersuchung.
2. Historischer Überblick der Entwicklung in Ghana, Westafrika mit Überlegungen zum Sprachwandel: Dieses Kapitel beleuchtet die Besiedlungsgeschichte Ghanas und die historische Sprachentwicklung unter dem Einfluss von Migration und dem Beginn des europäischen Imperialismus.
3. Die sprachliche Situation in Ghana: Der Abschnitt gibt einen Überblick über die komplexe Sprachlandschaft Ghanas und die soziolinguistischen Besonderheiten.
3.1.Die ethnischen Gruppen und ihre Sprachen: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der ethnolinguistischen Struktur Ghanas auf Basis des Standardwerks von Edward Hall.
3.2.Die Verbreitung der englischen Sprache in Ghana: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Englischen als Amtssprache und dessen ungleiche Verbreitung in der Bevölkerung.
4. Sprachbewusstsein der ghanaischen Bevölkerung mit historischen Aspekten: Dieser Teil untersucht, wie die lokale Bevölkerung ihre eigene Sprache im Kontext der kolonialen Geschichte und Machtstrukturen wahrnimmt.
4.1. Die einheimischen Sprachen als Träger der afrikanischen Kultur: Es wird erörtert, inwiefern einheimische Sprachen trotz externer kultureller Einflüsse als Fundament der Identität erhalten bleiben.
4.2. Die Amtssprache als interethnische Kommunikationsmöglichkeit: Das Kapitel reflektiert die Rolle der Amtssprache Englisch im Kontext der nationalen Identitätsbildung und interethnischer Kommunikation.
4.3. Orakel und Opferkulte als mediale Ausdrucksformen: Diese Untersuchung zeigt auf, wie traditionelle Orakelkulte als non-verbale mediale Ausdrucksformen zur Aufrechterhaltung sozialer Ordnung dienen.
5. Schluss: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse über das Zusammenspiel von Sprache, Kultur und kolonialer Geschichte in Ghana.
Schlüsselwörter
Ghana, Kolonialismus, Imperialismus, Sprachwandel, Schriftkultur, Sprachbewusstsein, Twi, Orakelkult, Bulsa, Westafrika, Sprachpolitik, kulturelle Identität, Mündlichkeit, Literalität, Soziolinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die komplexen Auswirkungen der europäischen Kolonialisierung auf die Schrift- und Sprachkulturen in Ghana sowie das damit verbundene Sprachbewusstsein der ghanaischen Bevölkerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung Ghanas, die soziolinguistische Situation, die Rolle des Englischen als Amtssprache und die Bedeutung traditioneller oraler Ausdrucksformen für die Sozialität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen historischer kolonialer Beeinflussung, heutiger Sprachsituation und der Wahrnehmung einheimischer Traditionen darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die auf linguistischen Daten sowie ethnographischen Berichten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, die aktuelle Sprachvielfalt, die Herausforderungen durch das koloniale Erbe und spezielle Medialitätsformen wie Orakelkulte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Ghana, Kolonialismus, Sprachwandel, Schriftkultur, Sprachbewusstsein und kulturelle Identität.
Welche Funktion hat das Orakel der Bulsa in der Arbeit?
Das Orakel der Bulsa wird als Beispiel für eine mediale Ausdrucksform verwendet, die weit über verbale Kommunikation hinausgeht und moralische Werte sowie soziale Ordnung vermittelt.
Wie steht die Autorin/der Autor zum Einfluss des Englischen in Ghana?
Die Arbeit beleuchtet das Englische kritisch als Erbe der Kolonialisierung, das zwar interethnische Kommunikation ermöglicht, aber gleichzeitig das Risiko einer Unterminierung einheimischer Sprachkulturen birgt.
- Quote paper
- Björn Pötters (Author), 2006, Afrikanische Schriftkulturen und Sprachen im Schatten des Imperialismus am Beispiel Ghana, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84178