Der Irakkonflikt aus Sicht der Critical Geopolitics

Geopolitische Skripts und Weltbildkonstruktionen der politischen Eliten der USA und der BRD


Diplomarbeit, 2005
159 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Postmoderne Theoriekonzepte
2.1 Postmoderne und Poststrukturalismus
2.2 Dekonstruktivismus und Dekonstruktion
2.3 Diskurstheorie und Diskursanalyse

3. Critical Geopolitics
3.1 Postkolonialismus
3.2 Critical Geopolitics: Anfänge, Gegenstand und Ziele.
3.3 Kurzabriss zur Geschichte von Geopolitik und Politischer Geographie
3.3.1 Geopolitik zu Zeiten des Kolonialismus
3.3.2 Geopolitik als Teil der Ideologie des Kalten Krieges
3.3.3 Der neue Pluralismus in der Geopolitik nach dem Ost-West Konflikt

3.4 Critical Geopolitics als Dekonstruktion der Geopolitik: Fragestellungen und Gesamtkonzeption

4. Methodische Konzeption der Analyse
4.1 Begriffe und Konzeption einer Diskursanalyse u.a. nach Schwab-Trapp
4.2 Konzeption einer Diskursanalyse nach O´Tuathail
am Beispiel des Bosnienkonflikts
4.2.1 Analysebeispiel 1: Der Kampf der Bosnien-Skripts in der US-Außenpolitik
4.2.2 Analysebeispiel 2: Die „scripting strategies“ des 2. Golfkriegs
4.3 Fragestellung und Ziel der Auswertung
4.4 Die Textauswahl: Bestimmung des Datenkorpus
4.5 Methodische Umsetzung: Software und Analysedimensionen..

5. Die Analyse: Geopolitische Skripts des Irakkonflikts und dahinter stehende Weltbilder
5.1 Auswertung der Bush-Texte
5.1.1 Geopolitische Rhetorik
5.1.2 Bushs Irakskripts
5.1.2.1 „Defiance & Deception“ Skript
5.1.2.2 Skript „Integritäts- und Effektivitätsfrage der UNO“
5.1.2.3 „Koalitionsskript“
5.1.2.4 Skript „Bedrohungspotentiale des Iraks“
5.1.2.5 „(Inter-)National Security“ Skript
5.1.2.6 „Bad Guy Saddam“ Skript
5.1.2.7 Skript „humanitäre Intervention“
5.1.2.8 Skript „Dictatorship Democracy Transition”
5.1.3 Bushs Weltbild und geopolitisches Verständnis
5.2 Auswertung der Powell-Texte
5.2.1 Geopolitische Rhetorik
5.2.2 Powells Irakskripts
5.2.2.1 „Defiance & Deception“ Skript
5.2.2.2 Skript „Integritäts- und Effektivitätsfrage der UNO“
5.2.2.3 Skript „Bedrohungspotentiale des Iraks“
5.2.2.4 Skript „Begründungswandel Kriegsrechtfertigung“
5.2.2.5 „Bad Guy Saddam“ Skript
5.2.2.6 Skript „humanitäre Intervention“.
5.2.2.7 Skript „Dictatorship Democracy Transition”
5.2.3 Powells Weltbild und geopolitisches Verständnis
5.3 Auswertung der Schröder-Texte
5.3.1 Geopolitische Rhetorik
5.3.2 Schröders Irakskripts
5.3.2.1 Skript „beginnende Kooperation“
5.3.2.2 Skript „UNO als einzig legitimer Ort der Konfliktlösung“
5.3.2.3 „Bündnis- und Mehrheitsskript“
5.3.2.4 Skript „regionale und globale Kontextualisierung“
5.3.2.5 Skript „Ablehnung militärischer Beteiligung im Irak“.
5.3.2.6 Skript „Nachkriegsentwicklung“
5.3.3 Schröders Weltbild und geopolitisches Verständnis
5.4 Auswertung der Fischer-Texte
5.4.1 Geopolitische Rhetorik
5.4.2 Fischers Irakskripts
5.4.2.1 Skript „beginnende Kooperation“
5.4.2.2 Skript „UNO als einzig legitimer Ort der Konfliktlösung“
5.4.2.3 „Bündnis- und Mehrheitsskript“
5.4.2.4 Skript „Begründungswandel Kriegsrechtfertigung“
5.4.2.5 Skript „regionale und globale Kontextualisierung“
5.4.2.6 Skript „Ablehnung militärischer Beteiligung im Irak“
5.4.3 Fischers Weltbild und geopolitisches Verständnis
5.5 Zusammengefasste Analysedimensionen
5.5.1 Historische Dimensionierung
5.5.2 Weitere Auswertungsdimensionen
5.6 Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse
5.6.1 Die geopolitischen Skripts von Bush und Powell als Stellvertreter der Diskursposition der USA/der Kriegsbefürworter.
5.6.2 Bushs Weltordnung: Manichäismus und
die Demokratisierung des Nahen Ostens
5.6.3 Powells Weltordnung: Multilateralismus in einer „Post 9/11“-Welt
5.6.4 Die geopolitischen Skripts von Schröder und Fischer als
Stellvertreter der Diskursposition der BRD/der Kriegsgegner
5.6.5 Schröders Weltordnung: Kooperative Friedenspolitik und
deutsch-französisches Bündnis
5.6.6 Fischers Weltordnung: Positive Globalisierung,
starkes Europa und eine zukünftige Weltinnenpolitik
5.7 Vergleich der Auswertung mit der Analyse zum 2. Golfkrieg
bezüglich der Rolle der USA

6. Oppositionelle Diskurse

7. Exkurs: „Global Dangers” Diskurs und die Probleme
im Umgang mit „Terrorstaaten“ wie dem Irak

8. Fazit: „The Enemy is us“

9. Literaturverzeichnis
9.1 Allgemeine Literatur
9.2 Auswertungsliteratur

Tabellenverzeichnis:

Tab. 1: Geopolitiken der Moderne und Postmoderne

Tab. 2: Die Forschungsschwerpunkte der Critical Geopolitics

Tab. 3: Die Storylines des Bosnienkrieges (1992)

Tab. 4: Das „Humanitarian Nightmare“ Skript der Bush Administration

Hinweis zur Zitierweise: Da die als Auswertungsmaterial dienenden Textbeiträge der Politiker äußerst zahlreich sind, wird zur genaueren Bestimmung der Quelle nicht wie üblich das Hinzufügen eines Buchstabens zur Jahreszahl, sondern die Angabe des Veröffentlichungsdatums angefügt; ebenso wird im Literaturverzeichnis verfahren. Die Quellenangabe erfolgt zur genauen chronologischen Auflistung in der Reihenfolge Jahreszahl, Monat, Tag. In Orientierung an dem Output der Auswertungssoftware wird bei der Zitierung im Text zusätzlich die Angabe des Absatzes übernommen und nicht wie üblich die der Seitenzahl, was bei Internetquellen ohnehin meist problematisch ist. Überschriften oder einzelne Zeilen werden dabei auch als Absatz gezählt. Bei allen anderen Zitaten gilt die gebräuchliche wissenschaftliche Zitierweise.

1. Einleitung

Am 12. September 2002 trat US-Präsident George W. Bush mit einer Rede vor den UN-Sicherheitsrat, bei der er die ständigen Verstöße des Iraks gegen die Resolutionen dieses Rates seit dem Golfkrieg 1991 anprangerte und die Weltgemeinschaft unmissverständlich zum entschiedenen Handeln gegen diesen „Missstand“ aufforderte. Von diesem Zeitpunkt an verschärfte sich der Konflikt mit dem Irak zusehends und hat auch zum heutigen Zeitpunkt, zwei Jahren nach den militärischen Auseinandersetzungen in diesem geschichtsträchtigen Land zwischen Euphrat und Tigris noch immer nicht an Brisanz verloren. Täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen von Attentaten und Entführungen und zeigen uns immer wieder neue brutale Facetten dieses andauernden Konflikts auf. Der oftmals als Wiege unserer Kultur bezeichnete Irak scheint zu einem Ort der „unzivilisierten“ Brutalität zu verkommen.

Wie aber konnte es zu dieser Situation kommen? Welche Ereignisse haben sich seit dem Gang des US-Präsidenten vor den UN-Sicherheitsrat zugetragen? Als am 8. November 2002 die Resolution 1441[1] in Kraft tritt, scheint sich die Irakfrage noch friedlich lösen zu lassen. Spätestens seit Colin Powell aber am 5. Februar 2003 seine Präsentation der „Fakten“ zu den anhaltenden Verstößen des Iraks dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorgetragen hat, wurde deutlich, dass diese friedliche Lösung in weite Ferne zu rücken droht. Mit der Feststellung, dass der Irak zu keinem Zeitpunkt eine ausreichende Kooperation hat erkennen lassen, begann schließlich am 20. März die militärische Operation „Iraqi Freedom“, nachdem Saddam zuvor ein Ultimatum zum Verlassen des Landes gestellt worden war, auf das dieser nicht einging. In einem laut Bush durch Präzision und Schnelligkeit dank High-Tech-Waffentechnologie geprägten Krieg gelang es den USA und seinen Alliierten bereits am 1. Mai das Ende der Hauptkampfhandlungen zu verkünden (vgl. Bush 2003, 05.01., Absatz 3). Dem folgte eine durch Demokratisierungsversuche, Anschläge und den Folterskandal „Abu Ghraib“ geprägte Wiederaufbauphase des Landes, die bis heute noch keinen Abschluss erfahren hat. Einen recht detaillierten Überblick über die Geschehnisse im Irak seit den Vorkriegsauseinandersetzungen bietet die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg[2].

Ein derart politisch und medial bedeutendes Ereignis und daher kontrovers diskutiertes Thema wie der Irakkonflikt weckt auch das Interesse der Wissenschaften und dabei speziell das einer kritisch geopolitischen Wissenschaft, bei der die diskursive Auseinandersetzung um

die Irakfrage im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Diese Arbeit verfolgt daher das Ziel einer diskursanalytischen und dekonstruktivistischen Untersuchung von Texten der politischen Eliten der USA und der BRD zur Thematik des Irakkonflikts im Wesentlichen nach den theoretischen und praktischen Vorgaben der Critical Geopolitics in Anlehnung an Gearoid O´Tuathail. Die Texte des Präsidenten der USA, George W. Bush, des US-Außenministers Colin Powell, des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des deutschen Außenministers Joschka Fischer dienen dabei als Analysematerial. Anhand der folgenden Analyse soll versucht werden aufzuzeigen, wie die verschiedenen Konfliktparteien ihre Politik als die richtige Politik „verkaufen“ wollten. Es geht darum deutlich zu machen, wie die beiden politischen Lager der „Kriegsbefürworter“ (vertreten durch die Position der USA) und der „Kriegsgegner“ (vertreten durch die Position der BRD) in der Irakfrage ihre „Wahrheiten“ und ihre Argumente als die legitimen darzustellen versuchten. Die Frage der Realitätsdefinition, ausgefochten in einem Kampf der Diskurse, bildet den Hintergrund für konkretes politisches Handeln, wie es sich dann z.B. in der militärischen Intervention im Irak und der Entmachtung von Saddam Hussein äußert. Nur aufgrund der vorausgegangenen diskursiven Auseinandersetzungen werden bestimmte Handlungen erst möglich. Insofern scheint es folgerichtig, dass Diskursen die Eigenschaften zugeschrieben werden zu ermöglichen, aber ebenso auch auszuschließen und zu unterdrücken. Und genau diese Eigenschaften gilt es in der vorliegenden Arbeit herauszustellen: die geopolitischen „scripting strategies“ der Akteure bezüglich des Irakkonflikts herauszuarbeiten, anhand derer spezielle geopolitische Realitäten konstruiert werden.

2. Postmoderne Theoriekonzepte

Die dieser Arbeit zu Grunde liegende theoretische Fundierung orientiert sich an dem Forschungsprogramm der Critical Geopolitics als eine Disziplin, die sich im Bereich der Politischen Geographie verortet, aber auch Anleihen bei der Politologie im Bereich der Internationalen Beziehungen und v.a. bei den Postkolonialismus-Studien, die sich aus den „Cultural Studies“ entwickelten, nimmt. Den theoretischen Hintergrund bilden konstruktivis-tische, kritische, und dabei in erster Linie poststrukturalistische bzw. postmoderne Theorieansätze. Diese Theorieströmung wird mit dem Begriff des „Dritten Weges“ zwischen den ehemals bipolaren Positionen von geisteswissenschaftlichem Verstehen (Dialektik, Hermeneutik, qualitativ) und naturwissenschaftlichem Erklären (Positivismus, Szientismus, Empirismus, qualitativ) bezeichnet (vgl. Spindler und Schieder 2003, S. 9f).

Dem Konstruktivismus wird dabei die Annahme der radikalen Konstruiertheit unserer Realität entnommen. Das was gemeinhin als Realität verstanden wird, erschließt sich den Menschen somit nicht unmittelbar. Die Sprache wird zu einem zentralen Medium, welche Realität zugänglich macht, bzw. diese im Sprechakt erst konstruiert. Die für den Konstruktivismus wichtige Feststellung einer wechselseitigen Bedingtheit von Struktur und Handlung/Akteur (Agent-Structure-Problem) spielt hingegen eine untergeordnete Rolle für eine Critical Geopolitics, die eher diskurstheoretisch orientiert ist (vgl. Ulbert 2003, S. 391-409).

Diskurstheorie und damit auch der Ansatz der Critical Geopolitics als postmoderne bzw. poststrukturalistische Ansätze lassen sich in das weite Feld der kritischen Theorien einordnen, die nicht mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule zu verwechseln sind, welche eine spezifische Form innerhalb des Feldes der kritischen Theorien beschreibt. Kritisch theoretische Ansätze thematisieren und kritisieren Exklusionssysteme und versuchen Alternativen zu entwickeln. Den postmodernen Ansätzen ist besonders, dass sie „objektive“ Wahrheiten ablehnen. Realität ist nur über einen diskursiven Kontext zugänglich. Aus diesem Grund ist eine Definition von „besseren“ Alternativen nicht möglich. Eine gewisse emanzipatorische Funktion wird durch die Freilegung von Differenzen als machtvolle Ausschlusssysteme ausgeübt. Die Gemeinsamkeit zwischen kritischen und postmodernen Ansätzen besteht demnach in der Thematisierung von Exklusionssystemen (vgl. Diez 2003, S. 451f; Humrich 2003, S. 421ff).

2.1 Postmoderne und Poststrukturalismus

Die Unterscheidung der Begriffe Postmoderne und Poststrukturalismus ist in der Literatur nicht eindeutig. Am weitesten verbreitet ist wohl die Meinung, dass der Poststrukturalismus eine spezielle theoretisch-philosophische Ausrichtung bzw. eine geistes- und sozialwissenschaftliche Denkrichtung in Fortsetzung des Strukturalismus und die Postmoderne eine allgemeine Gesellschaftstheorie in Abgrenzung von der Moderne beschreibt. Dabei stehen die rezenten gesellschaftlich-kulturellen Wandlungsprozesse im Zentrum des Interesses. Oftmals werden beide Begriffe allerdings auch synonym verwendet.

Die Postmoderne bezeichnet eine radikale Pluralität und eine antitotalitäre Option. Insofern wendet sich die Postmoderne kritisch gegen Tendenzen der Totalisierung, Verabsolutierung und Universalisierung. Als philosophische Grundlage dienen v.a. die Arbeiten von Jean-Francois Lyotard. Für ihn gilt das Projekt der Moderne als gescheitert. Die großen Metanarrative dieser Epoche haben somit ausgedient. Lyotard spricht von einem Abgesang der großen Erzählungen. Jeder Akt des Sprechens übt für ihn unvermeidlicherweise Ungerechtigkeit aus. Jede Akzeptanz einer Aussage unterdrückt zugleich eine andere. Der so genannte Widerstreit kennzeichnet deshalb den Zustand der Moderne. Durch das Fehlen von Metaregeln, das Fehlen eines universellen Metadiskurses scheidet der Konsens als Lösung aus. Um dennoch zu einer Lösung zu gelangen, muss entweder eine Diskursart marginalisiert, unterdrückt werden, oder, und dies ist für Lyotard der postmoderne Ausweg aus diesem Dilemma, der Widerstreit muss akzeptiert und heterogene Diskursarten zugelassen werden. Das Ziel der Postmoderne ist somit nicht der Konsens, sondern der Dissens, die Artikulation von Differenz, von Heterogenität, die Pluralität der Narrativen als sinngebende Entwürfe der Wirklichkeit, das Unterlaufen moderner Dichotomien, Hierarchien und Universalität beanspruchenden Prinzipien (vgl. Morel et al. 1999, S. 265-280). Doreen Massey prägt dafür den Ausdruck der „multiplicity of stories“ (vgl. Massey 1999, zit. nach Gebhardt, Reuber und Wolkersdorfer 2003, S. IX;).

Baudrillard betont die Unmöglichkeit von Wahrheit und Realität. Die postmoderne Gesellschaft ist für ihn durch den Zustand der „Hyperrealität“ geprägt. Die Moderne hat demnach, v.a. durch die Medien generiert, ein System binärer Gegensätze geschaffen, dass es zu durchbrechen gilt (vgl. Chouliaraki und Fairclough 1999, S. 90).

Die Postmoderne ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Differenzierung (flexible Akkumulation), Pluralisierung und Relativierung, durch die Benennung der Konstruiertheit von Realität und Erkenntnis/Wissen, die Dekonstruktion gesellschaftlicher Mythen, die Aufhebung der Trennung zwischen Subjekt und Objekt, Kultur und Natur, durch eine Abkehr von Rationalismus, Essentialismus und Fortschrittsglaube bzw. Kumulativität des Wissens und demgegenüber dem Hervortreten nicht-linearer, chaotischer Entwicklungen, was sich für Beck in dem Begriff der „Risikogesellschaft“ ausdrückt und speziell im Bezug auf die Geographie in einem Aufbrechen der territorialen nationalstaatlichen Rahmenkonstruktion der Moderne zeigt. Nicht mehr die analytische Frage nach dem „Was ist?“ ist von Interesse, sondern die konstruktivistische Fragestellung nach der Produktion von Wissen (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 47).

In der Geographie drückt sich die Pluralität der Postmoderne in Begriffen wie Globalisierung bzw. Glokalisierung (Robertson), Time-Space-Compression (Harvey), Entankerung (Giddens), Denationalisierung, Deterritorialisierung (O´Tuathail) u.ä. aus (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 10).

Der Poststrukturalismus wird auch mit dem Begriff der Differenzphilosophie oder dem allgemeinen Dekonstruktivismus gleichgesetzt, zu deren wichtigsten Vertretern Jacques Derrida und Michel Foucault gehören. Er beschreibt eine Weiterentwicklung und gleichzeitige Kritik am Strukturalismus (vgl. Engelmann 1990, S. 5). Strukturalisten begreifen Wirklichkeit „als Ergebnis anonymer Mächte, als Resultat symbolischer Ordnungen, sozialer Institutionen und materieller Bedingungen, die unabhängig vom Subjekt bestehen, in denen der einzelne sich zwar bewegen kann, auf die er aber keinen Einfluss auszuüben vermag“ (Waldschmidt 2003, S. 149). Laut der linguistischen Theorie des Strukturalismus von Ferdinand de Saussure, dem Ausgangspunkt des Poststrukturalismus, lässt sich Sprache untergliedern in „parole“, im Sinn von gesprochener Sprache und „langue“, als das dem Sprechen zu Grunde liegende System von Zeichen. Saussure lenkt die Aufmerksamkeit weg von dem individuellen Akt des Sprechens (parole), hin zu den Gesetzen der tiefer liegenden phonologischen Struktur der Sprache (langue). Dieser Unterscheidung liegt ein Verständnis von Struktur als unveränderbares System zu Grunde (vgl. Morel et al. 1999, S. 116-118).

Die Systemstruktur untergliedert Saussure wiederum in Signifikat (das Bezeichnete, die Vorstellung) und Signifikant (das Bezeichnende, das Lautbild). Da ein Signifikant auf unterschiedliche Signifikaten verweisen kann, ergibt sich daraus der Schluss, dass ein Zeichen keine außersprachliche Bedeutung hat; es ist immer kontextabhängig. Der sprachliche Sinn ergibt sich aus den Differenzierungen innerhalb eines Systems. Sprache ist folglich ein System von Differenzen (vgl. Münker und Rösler 2000, S. 3f).

Der Poststrukturalismus steht für die Aufhebung der strukturalistischen Trennung zwischen Signifikant und Signifikat. „Während die Strukturalisten die Welt durch die Brille der Strukturen betrachten, richtet sich der kritische Blick der Poststrukturalisten auf die Brille selbst“ (Münker und Rösler 2000, S. 31). Die Schrift verliert in dieser sprachtheoretischen Wende der Sozialwissenschaften ihren Sekundärstatus. Dies bedeutet, dass der Signifikat erst im Vorgang der Bezeichnung durch den Signifikant als sozialer Gegenstand hervorgebracht wird. Die relationale Beziehung von Zeichen und Dingen wird somit aufgehoben. Durch die Benennung eines Gegenstandes wird diesem durch den konstitutiven, diskursiven Schöpfungsakt erst Realität verliehen (vgl. Bublitz 2001, S. 231). Sprache wird zu einem System von Differenzen, in dem das einzelne Element erst durch die Beziehung zu einem anderen Element Bedeutung erlangt (vgl. Bublitz 2003, S. 33). Folglich erschafft Sprache erst unsere Realität/Wirklichkeit. „Es gibt keinen Unterschied zwischen dem, was getan, und dem, was gesagt wird“ (Foucault 1976, S. 118, zit. nach Jäger 1993, S. 18). Derridas Ausspruch „there is nothing outside the text“ lässt sich zu der Aussage umformulieren, dass nichts außerhalb des Kontextes der Sprache existiert (vgl. Derrida, zit. nach O´Tuathail 1996b, S. 73).

Folglich existiert auch keine absolute Wahrheit, sondern es existieren ausschließlich kontingente Wahrheiten. Damit ist auch Wissen immer kontingent und kontextuell (These der „situated knowledges“). Die Metadiskurse der Moderne werden vor diesem Hintergrund als privilegierte Diskurse spezifischer sozialer Gruppen aufgefasst (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 50). Die These der doppelten Hermeneutik von Giddens bezieht sich ähnlich dem Aspekt der Kontextualität auf die Unmöglichkeit einer direkten Wahrnehmung, auf die prinzipielle Reflexivität von Wissen und Erkenntnis. Wissen ist demnach immer subjektiv vorgeprägt und wird durch die wissenschaftliche Analyse auf doppelte Weise verändert. Somit ist auch jede Dekonstruktion als erneute Konstruktion einer subjektiven Erzählung des Verfassers zu betrachten (vgl. Miggelbrink 2002, S. 28f; Reuber 1999, S. 38).

Im Bereich der poststrukturalistischen Theorien sind der Dekonstruktivismus und die Diskurstheorie für die weitere Arbeit von grundlegender Bedeutung, da sich die Forschungsrichtung der Critical Geopolitics explizit als theoretisches Fundament auf diese bezieht.

2.2 Dekonstruktivismus und Dekonstruktion

Der Dekonstruktivismus hat seinen Entstehungspunkt in Derridas Kritik an dem Konzept des Strukturalismus von de Saussure. Diese Kritik führt zu einer Sichtweise von Diskursen als System von Differenzen mit sich ständig verändernden Beziehungen. Dekonstruktivismus bezeichnet demzufolge die historische Positionierung von Wissen und sozialer Wirklichkeit, die überzeitliche Wahrheiten durch Verschiebungen und Kippbewegungen verändert und/oder abgelöst haben. Damit nimmt sie eine gegen die Wahrheitsposition gerichtete Denkhaltung ein (vgl. Bublitz 2001, S. 256; Chouliaraki und Fairclough 1999, S. 100 und 121). Was aktuell als Wahrheit und Sinn gilt, beinhaltet immer die „Spur“ einer früheren Bedeutung, die im aktuellen Kontext verändert worden ist. Für Derrida setzt sich die Sprache aus einem System endlos veränderter Bedeutungsspuren zusammen. Der Begriff der Spur ersetzt den Begriff des Zeichens. Sprache konstituiert sich somit nicht länger als System von Zeichen, sondern als ein System aufeinander verweisender Spuren. Derrida benennt diesen Vorgang der immerwährenden Verschiebungen von Sinn mit dem Begriff der „différance“. Scheinbar eindeutige Wahrheiten werden dadurch unterlaufen und durchkreuzt. Foucault verwendet hierfür in ähnlicher Weise den Ausdruck des „Wucherns der Diskurse“ (vgl. Hanke 2003, S. 100; Kimmerle 1992, S. 84f; Kimmerle 2000, S. 36 und 142).

Für den Dekonstruktivismus gilt ebenso wie für die Diskurstheorie von Foucault, dass eine exakte Trennung zwischen Theorie und Praxis nicht gegeben ist, was auch dem poststrukturalistischen Gedanken dieser Arbeiten entgegenstehen würde. Dekonstruktivismus als eher theoretischer Begriff ist nie getrennt von der Dekonstruktion, dem eher analytischen Aspekt, zu betrachten. Die Unterscheidung zwischen Dekonstruktivismus als Theorie und der Dekonstruktion als Praxis orientiert sich eher an der klassischen Aufspaltung in den Wissenschaften, hat seinen Ursprung allerdings nicht in den Arbeiten von Derrida und ist wie auch bei den Arbeiten von Foucault als Unterscheidung zwischen Diskurstheorie und -analyse diesen im Nachhinein aufgepfropft worden.

Im Unterschied zur hermeneutischen Arbeitsweise geht eine dekonstruktivistische Analyse eher antihermeneutisch vor. Sie geht von einem quasi dialogischen Verhältnis zwischen Text und Interpret aus. Ein typisches Merkmal dekonstruktivistischer Arbeit besteht im Aufspüren von binären Oppositionen, was auch für die vorliegende Arbeit ein entscheidender Moment der Dekonstruktion ist. Binäre Begrifflichkeiten bilden in Denken und Wahrnehmung der Menschen die Vorstellung einer unüberbrückbaren Differenz zwischen den beiden Einheiten. Zudem wird einem der beiden Begriffe eine höhere Geltung zugeschrieben, was somit ein Machtverhältnis offen legt. Durch die Dekonstruktion wird auf diese implizite Macht aufmerksam gemacht und in einer emanzipatorischen Wiese auf die Marginalisierung des Gegenbegriffs aufmerksam gemacht. Derrida geht es insofern um eine Dekonstruktion des Denkens in Oppositionen (vgl. Reinhardt-Becker 2003, S. 1 ).

Die modernen Hierarchien funktionieren nur, weil etwas ausgeschlossen wurde. Durch das Verfahren der Dekonstruktion soll dieser „blinde Fleck“ offen gelegt werden und den Hierarchien somit ihre Macht entzogen werden (vgl. Münker und Rösler 2000, S. 48). In diesem Sinne strebt Dekonstruktion eine Sichtbarmachung der unbewussten Vorraussetzungen für die sich wechselnden Abgrenzungen und Eingrenzungen an (vgl. Kimmerle 1992, S. 25 und 52). Derrida sagt zur Strategie der Dekonstruktion folgendes aus: „Einer der beiden Ausdrücke beherrscht (axiologisch, logisch usw.) den anderen, steht über ihm. Eine Dekonstruktion des Gegensatzes besteht zunächst darin, im gegebenen Augenblick die Hierarchie umzustürzen“ (Derrida, zit. nach Culler 1999, S. 95). Das Ziel der Dekonstruktion ist die kritische Aufhebung der hierarchischen Gegensätze, ein Unterlaufen der traditionellen Hierarchien des Sinns. Dekonstruktion interessiert sich für das Ausgeschlossene und ist als eine Methode der Dezentrierung binärer Oppositionen zu verstehen. Derrida begründet somit seine Kritik am Logozentrismus, der immer von einem übergeordneten Sinn ausgeht.

Derrida´s Ziel ist nicht das Verstehen, sondern das Herausarbeiten und Auflösen von Unterschieden. Die Dekonstruktion untersucht Texte nicht in der Absicht, einen Einheit stiftenden Inhalt zu erfassen, sondern sie untersucht, wie in den Argumentationen der Texte Gegensätze wirksam werden (vgl. Culler 1999, S. 122 und 146).

Somit lassen sich drei wesentliche Aspekte der Dekonstruktion als bedeutend für die weitere Arbeit zusammenfassen. Erstens kann ein Konzept nur innerhalb einer bestimmten Struktur bestehen, zweitens ist jedes Konzept Teil einer binären Opposition und drittens sind alle Konzepte als in einem diskursiven Netzwerk von Differenzen produziert und demzufolge abhängig von diesem Netzwerk anzusehen. Somit können sie nicht von ihrem Kontext abstrahiert werden; sie müssen immer eine bestimmte Kontextualität aufweisen (vgl. O´Tuathail 1996b, S. 65).

2.3 Diskurstheorie und Diskursanalyse

Um verstehen zu können, was es mit der Diskurstheorie von Michel Foucault auf sich hat, bedarf es erst einmal der Klärung des Begriffes „Diskurs“, da dieser in verschiedenen Kontexten mit teilweise völlig unterschiedlichen Bedeutungen versehen ist, was übrigens auch wieder ein Hinweis auf die Nicht-Existenz einer absoluten Bedeutung, sondern die Kontextabhängigkeit eines Begriffes ist.

Mit dem hier verwendeten Diskursbegriff in Anlehnung an Foucault ist nicht einfach die Beschreibung einer öffentlichen Debatte gemeint. Verschiedene Definitionsansätze sollen einen ersten Eindruck vermitteln, was Foucault unter dem Begriff des Diskurses versteht. Anzumerken ist an dieser Stelle allerdings, dass sich auch bei Foucault eine Veränderung der Bedeutung des Diskursbegriffs im Laufe der Jahre einstellt, was Foucault selbst nicht als problematisch ansieht, da es laut diesem in der Natur der Dinge liegt, dass sich Bedeutungen verschieben. Jürgen Link (Literaturwissenschaftler) versteht in Anlehnung an Foucault unter Diskurs „ein institutionalisiertes Spezialwissen, einschließlich der entsprechenden ritualisierten Redeformen, Handlungsweisen und Macheffekte“ (zit. nach Keller 2004, S. 31). Laut den Politikwissenschaftlern Laclau und Mouffe konstituieren Diskurse Sinnordnungen. Demnach sind Diskurse „Systeme von Differenzbildungen, also von internen und außenbezogenen Abgrenzungen, die vorübergehend gesellschaftlich-institutionell stabilisiert worden sind. Sie zielen darauf ab, den Sinnüberschuss, also die unendliche Vielfalt möglicher Interpretationsweisen, die allem Zeichengebrauch inhärent ist, zu reduzieren, zu fixieren, zu stabilisieren und damit gängige, akzeptierte und geteilte Interpretationsweisen hervorzurufen“ (Laclau und Mouffe, zit. nach Keller 2004, S. 52). Für den Geographen Günter Wolkersdorfer (2001, S. 25) wird in Anlehnung an Foucault unter einem Diskurs die „Konstituierung der Wirklichkeit mittels Sprache verstanden“. Die Soziologin Hannelore Bublitz versteht Diskurse als objektivierte (Wissens-) Strukturen, die im sozialen Leben als objektive Wahrheiten fungieren (vgl. Keller et al. 2001, S. 21)

Foucault selbst beschreibt einen Diskurs in seiner „Archäologie des Wissens“ als eine Praxis, die wahre von falschen Aussagen unterscheidet. Somit gilt der Diskurs als spezifische Ordnung des Sagbaren (vgl. Kleiner 2001, S. 92 und 103). Die Wirkung von Exklusion und Inklusion ist als das entscheidende Element der Diskurstheorie bzw. -analyse anzusehen. Wie Derrida so nimmt auch Foucault keine eindeutige Trennung zwischen Diskurstheorie und
-analyse vor. Beides sind sich gegenseitig bedingende Betrachtungsweisen und werden deshalb auch weitestgehend synonym verwendet bzw. definitorisch nicht genau voneinander abgetrennt. Durch den Aspekt der Inklusion bei gleichzeitiger Exklusion innerhalb des Diskurses wird die für Foucaults Diskurstheorie so wesentliche Verbindung von Macht, Wissen und Wahrheit durch und in dem Diskurs einsichtig. Macht und Wissen, in Verbindung mit Wahrheit, sind die zentralen Elemente einer Foucault´schen Diskurstheorie bzw. -analyse. Das Einschließen bestimmter Aussagen, die dadurch zu einem gültigen, Wahrheit beanspruchenden Wissen werden, genauso wie das Ausschließen und der dadurch zur Unwahrheit werdenden Aussage verdeutlicht die Wirkung von Macht innerhalb des Diskurses. Diskurs und Macht sind daher aufs engste ineinander verwoben. Diskurse grenzen durch Machteffekte das Feld des Sagbaren ein und ab (vgl. Bublitz 2003, S. 58f).

Was Foucault unter Macht versteht, ist zunächst nicht leicht verständlich, da es den gängigen Machtbegriffen völlig zuwider steht. Foucault spricht von einer Allgegenwart der Macht. „Unter Macht (...) ist zunächst zu verstehen: die Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen, die ein Gebiet bevölkern und organisieren; das Spiel, das in unaufhörlichen Kämpfen und Auseinandersetzungen diese Kräfteverhältnisse verwandelt, verstärkt, verkehrt (…) und schließlich die Strategien, in denen sie zur Wirkung gelangen und deren große Linien und institutionellen Kristallisierungen sich in den Staatsapparaten, in der Gesetzgebung und in den gesellschaftlichen Hegemonien verkörpern“ (Foucault 1977, S. 113, zit. nach Jäger 1993, S. 173).

Der Macht wird ein impliziter Charakter der großen anonymen Strategien zugeschrieben; d.h., Macht entfaltetet sich nach bestimmten Absichten und Zielen, resultiert aber keineswegs aus der Entscheidung eines individuellen Subjekts (vgl. Jäger 1993, S. 174f und 180). Machtnetze sind somit als Strategien ohne Strategen zu verstehen. Strategien sind erkennbar und analysierbar, ohne auf bestimmte Subjekte bezogen werden zu können (vgl. Lorey 1999, S. 93f). Somit wird das Individuum als zielgerichtet handelnder Akteur geleugnet. Der Diskurs ist überindividuell. Alle Akteure sind zwar in den Diskurs eingebunden und können diesen auch verändern, diese Veränderung ist allerdings nicht absehbar und lenkbar, und schon gar nicht von einem einzelnen Individuum abhängig. Diskurse existieren als Rahmen eines wuchernden Netzes, welches die Subjekte umgibt und mit diesen eine Art von Wechselwirkung eingeht. Dem Subjekt wird folglich zwar eine gewisse Autonomie zugestanden, es ist aber dennoch immer im Diskurs „gefangen“ und kann folglich niemals wertfrei und objektiv urteilen (vgl. Bublitz 2001, S. 254f; Jäger 2001, S. 86f; Wolkersdorfer 2001, S. 188). Darin wird deutlich, dass von einer gewissen Wechselwirkung zwischen Diskurs und Subjekt ausgegangen wird, wobei das Subjekt eindeutig durch den Diskurs dominiert wird. Das Subjekt kann aber dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Für die vorliegende Arbeit erscheint dieses Problem der Verbindung von Diskurs und Subjekt bzw. in anderem Kontext von Struktur und Handlung/Akteur von untergeordneter Bedeutung zu sein. Es geht eben nicht darum, die Strategiewahl innerhalb eines Diskurses erklärbar zu machen (Hermeneutik), sondern einzig darum, die binären Logiken der Dominanz und Marginalisierung aufzuzeigen. Insofern ist auch die Verwendung des Begriffes Akteur eher als eine spezifische Analyseebene zu verstehen und weniger als ein Begriff für ein aus bestimmten Motiven heraus handelndes Individuum entsprechend dem Rational-Choice Konzept.

Das Verhältnis zwischen dem Diskurs und der Macht beschreibt Foucault folgendermaßen: „Der Diskurs befördert und produziert Macht; er erstärkt sie, aber unterminiert sie auch...“ (Foucault 1983, S. 122, zit. nach Jäger 1993, S. 177). Macht wird in dieser Arbeit am ehesten im Sinne einer Macht der Definition verstanden, deren Wirkung darin besteht, dass sie eine andere Wirklichkeit ausschließt (vgl. Donati 2001, S. 145). Die Machtwirkungen der Diskurse zeigen sich darin, dass bestimmte Diskurse privilegiert und legitimiert und dabei andere Diskurse marginalisiert und ausgeschlossen werden. Ein dominanter, hegemonialer Diskurs „herrscht“ somit über einen marginalisierten, unterdrückten, subalternen Diskurs. Die polarisierende Dichotomisierung (Aufwertungs- und Abwertungstendenzen) ist als eine Grundkonstante der Moderne anzusehen. Diese gilt es zu dekonstruieren (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 52 und 57). Gegendiskurse bzw. Abweichungen von den „normalen“ Diskursregeln der herrschenden, hegemonialen Diskurse können sanktioniert werden. Auch hier zeigt sich wieder das Gesicht der Macht. Es findet ein ständiger „Kampf der Diskurse“, ein Versuch des Ausbrechens aus dem „normalen“ Diskurs statt (vgl. Jäger 1993, S. 153).

Macht entfaltet durch den Rückgriff auf räumliche Konzepte ihre Wirkkraft, indem sie durch bestimmte Strategien eine geographische Grenzziehung von In- und Exklusion hervorruft. Dieses räumliche Konzept konstituiert sich als manifestes Wissen einer Kultur. Dieses Zusammenspiel von Macht, Wissen und Raum macht die Verbindung von diskurs-analytischen bzw. poststrukturalistischen Perspektiven mit dem geographischen Forschungs-programm der Critical Geopolitics deutlich (vgl. Mümken 1997, S. 39; O´Tuathail 1998c, S. 4f).

Der Diskurs produziert über Macht Wissen und Wahrheit. Laut Foucault hat „jede Gesellschaft...ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihre `allgemeine Politik´ der Wahrheit: D.h. sie akzeptiert bestimmte Diskurse, die sie als wahre Diskurse funktionieren lässt“ (Foucault 1978, S. 51, zit. nach Keller 2001, S. 124). Foucault versteht Wahrheit als „gültiges, Geltung beanspruchendes Wissen über die Welt, an dem sich soziales Handeln orientiert und damit `Wirklichkeit´ schafft“ (Foucault 1978, 51, zit. nach Hirseland und Schneider 2001, S. 373f). Wahrheit ist demzufolge ein Ensemble von Regeln, nach denen das Wahre vom Falschen unterscheiden wird und das Wahre folglich mit spezifischen Machtwirkungen ausgestattet wird. Hier verdeutlichen sich einmal mehr die Wechselwirkungen, die zwischen Diskurs, Macht, Wissen und Wahrheit auftreten, was sich bei Foucault auch in solchen Begriffsbildungen wie „Macht-Wissen-Formation“ verdeutlicht (vgl. Kleiner 2001, S. 32).

3. Critical Geopolitics

Die vorgestellten theoretischen Konzepte dienen der Critical Geopolitics als Vorraussetzung zur Entwicklung eines Forschungsprogramms innerhalb der Geographie, welches die Beziehungen zwischen Macht, Politik und Raum einer kritischen Analyse unterzieht.

3.1 Postkolonialismus

Die Anfänge einer Critical Geopolitics lassen sich in der Politisierung des Poststrukturalismus in den 80er Jahren sehen, die sich u.a. in dem aus den „Cultural Studies“ hervorgehenden Postkolonialismus äußerten. Das Ziel des Postkolonialismus bzw. einer postkolonialen Geopolitik besteht in dem Aufspüren binärer, reduktionistischer Codierungen der geopolitischen Diskurse für eine Art von fundamentaler Ideologieanalyse. Durch die Dekonstruktion werden scheinbar „natürliche“ Gegensätze als bewusste ethnozentristische bzw. westlichen Konstruktionen enttarnt. Es geht darum, dem Denken in Dichotomien ein Denken von Differenz entgegenzustellen, eine wie Routledge es nennt „alternative story“ hinzuzufügen, welche die Möglichkeit des Anderen in Betracht zieht. Julia Lossau plädiert aus diesem Grund für ein „anderes Denken“ (vgl. Lossau 2001, S. 62; Routledge 1998, S. 245). Die zentrale Fragestellung des Postkolonialismus lautet demnach: „How can we know and respect the Other?“ (Said, zit. nach Lossau 2001, S. 63).

Eine der frühsten Inspirationsquellen der Critical Geopolitics bildete Edward Saids Buch „Orientalism“ (1978). Am Beispiel der Vorstellungen der westlichen Welt über den Orient verdeutlicht der als Referenztheoretiker für den Postkolonialismus geltende Said (Professor für Vergleichende Literatur), dass es sich dabei nicht um Wahrheiten oder Objektivitäten, sondern um bewusst reduktionistisch und einseitig konstruierte Regionalisierungen zu bestimmten politischen Zwecken handelt (vgl. Reuber 2001, S. 126). „Orientalism” beschreibt demnach „a way of coming to terms with the Orient that is based on the Orient´s special place in European Western experience” (Said 2003 [1978], S. 1). Die Beschreibung des Orients drückt demnach „a certain will or intension to understand, in some cases to control, manipulate, even to incorporate” aus (Said 2003 [1978], S. 12).

Die zwei zentralen Kritikpunkte des Postkolonialismus sind der fortbestehende (Neo-) Kolonialismus in Form der Ausbeutung der „Dritten Welt“ und der Eurozentrismus, der in der Dichotomie Orient - Okzident zum Tragen kommt. Die Legitimierung des Kolonialismus war erst durch die (Miss-)Repräsentation anderer Kulturen als primitiv, barbarisch und

unterentwickelt möglich. Diese bedürfen der „Hilfe“ der westlichen Zivilisation. Said argumentierte, dass solche Repräsentationen „imaginative Geographien“ darstellen. Diese Art der Repräsentation funktioniert durch die Konstruktion eines Konzepts des Anderen, in dem Differenz mit Geringschätzung gleichgesetzt wird und zur Legitimierung geopolitischer Strategien der Kontrolle und Kolonialisierung durch westliche Länder diente. Auf diese Weise wurde auch der Orient als unterentwickeltes Gegenteil des Okzidents konzipiert. Diesen Sachverhalt dekonstruiert Said in seinem Werk „Orientalism“ und stellt fest, dass diese „imaginativen Geographien“ bis heute Bestand haben. Der Islam wird seiner Meinung nach heutzutage sogar mehr denn je dämonisiert. Said´s Arbeit bietet laut Routledge eine Alternative zur den von Eigeninteressen bestimmten Repräsentationen durch westliche „Experten“ (vgl. Routledge 1998, S. 246f; Said 1998, S. 256).

3.2 Critical Geopolitics: Anfänge, Gegenstand und Ziele

Während der Postkolonialismus als Inspirationsquelle diente, gehen die konkreten Ursprünge der Critical Geopolitics auf die angloamerikanische Politische Geographie zurück, wo bereits in den 70er Jahren eine kritische Haltung gegenüber einer „objektiven“ Geopolitik der US-Regierung von den Geographen Simon Dalby und John Agnew eingenommen wurde. Als Referenztheoretiker und Namensgeber der Critical Geopolitics gilt allerdings Gearoid O´Tuathail, der Ende der 80er Jahre die von der Reagan Administration als New Geopolitics etablierte Reaktivierung eines geopolitischen Determinismus, der eigene Machtvorstellungen legitimieren sollte, kritisierte (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 143f).

“Critical geopolitics (…) is a problematizing theoretical enterprise that places the existing structures of power and knowledge in question. (…) critical geopolitics seek to recover the complexities of global political life and expose the power relationships that characterize knowledge about geopolitics concealed by orthodox geopolitics (vgl. O´Tuathail 1999, S. 107f). Critical Geopolitics ist dementsprechend ein (kon)textualisierender, die Schriften der geopolitischen Figuren problematisierender Forschungsansatz, eine kritische Betrachtung der der Geopolitik inhärenten Macht-Wissen-Strukturen. Wie der Gebrauch des „Plural-Wortes“ „Geopolitics“ schon Hinweis gibt, wird im Sinne der Postmoderne eine pluralistische Denkweise angestrebt. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit auch nicht die deutsche „Singular-Bezeichnung“ „Kritische Geopolitik“ verwendet, um dem Gedanken des Pluralismus Ausdruck zu verleihen. Pluralismus, Globalismus (& Informationalisierung), Gegensätzliches, Unsicherheit (Risikogesellschaft), Formlosigkeit und Entgrenztheit bestimmen in einer postmodernen, kritisch geopolitischen Weltsicht das Geschehen gegenüber den traditionellen Ansichten von Singularität, Nationalität, Linearität, Sicherheit und Situiertheit. Entsprechend der Ideen des Poststrukturalismus und der Postmoderne steht Critical Geopolitics für die Ablehnung der Geopolitik als absolute politische Wirklichkeit. Geopolitik ist eine spezifische, historisch-kontextuelle, veränder- und verhandelbare Form der Realitätskonstruktion, eine nicht objektiv-essentialistische, sondern situativ-subjektive Wahrheit. Geopolitik kann demnach nicht von einem moralisch neutralen Standpunkt aus betrieben werden kann. Als Form einer spezifischen politischen Praxis will Critical Geopolitics laut O´Tuathail auch verändern und emanzipieren. Die Critical Geopolitics strebt eine „Counter-Narrative“ an, welche die Pluralität von möglichen Raumkonzeptionen und Repräsentationspraktiken betont (vgl. Knox und Marsten 2001, S. 446; O´Tuathail 1999, S. 108-111; O´Tuathail und Dalby 1998, S. 1-5; Sloan und Gray 1999, S. 5).

Der Auftrag einer Critical Geopolitics ist das Aufzeigen, wie Identitäten, geopolitische Regionalisierungen und Feindbilder gemacht werden, welchem Zweck sie dienen, wie das Andere vom Eigenen getrennt und anhand von geographischen Grenzen konstruiert und damit zu strategischen Raumbildern instrumentalisiert wird. O´Tuathail benennt diesen Konstruktionsprozess als „geopolitical scripting“, Peter Taylor (1990) als geographische Kodierung und Simon Dalby (1990) als „geographing“, wodurch in der internationalen Politik Bedrohungen, Gefahren und Feinde als verbunden mit bestimmten Orten und Narrativen repräsentieren werden. Alle drei Konzepte beziehen sich auf eine praktische geopolitische Begründung („practical geopolitical reasoning“) in der internationalen Politik bzw. auf die Frage der Repräsentation und Konstruktion spezifischer geographischer „Realitäten“. Der Begriff „Skript“ in seiner besonderen Bedeutung als Drehbuch gibt den anleitenden Charakter der geopolitischen Begründungsstrategie wieder (vgl. Drosdowski 1996, S. 687). Dem Forschungsprogramm der Critical Geopolitics geht es darum aufzuzeigen, „wie im Diskurs der Akteure geopolitische Weltbilder sprachlich konstruiert werden, wie in Form geographischer Regionalisierungen und Abgrenzungen neue politische Räume entworfen werden und wie diese diskursiven Konzepte dann in der politischen Arena ihre Wirklichkeit entfalten“ (Albert, Reuber und Wolkersdorfer 2003, S. 515). In Anlehnung an Foucault suggeriert ein geopolitischer Diskurs in Form von bestimmten geopolitischen Repräsentationen den Menschen, wie sie zu leben haben und was sie denken sollen; also ein bestimmtes Bild von der Welt. Der moderne geopolitische Diskurs zeichnet sich z.B. durch die Repräsentation des „Anderen“ als zurückbeblieben aus. Zurückgeblieben wird in einer eurozentristischen Sichtweise als eine Zivilisation auf einer Stufe der Vergangenheit westlicher Staaten verstanden. Auf den Weg der strategischen Konzeptualisierung und Instrumentalisierung von Raumvorstellungen können bestimmte geopolitische bzw. territorialpolitische Interessen mit den Mitteln der geopolitischen Argumentation und geographischer Zusammenhangs- und Trennungs- (Abgrenzungs-)Rhetorik, mit manichäis-tischen Begründungssystemen zu einer spezifischen Wahrheit umgeformt werden. Die Dekonstruktion des manipulativen und legitimierenden Charakters, der sich durch strategische Raumbilder entfaltet, ist das Ziel einer Critical Geopolitics. Dabei steht weniger eine Planungs- oder andere kleinmaßstäbige Konflikte untersuchende Politische Geographie wie bei Paul Reuber im Fokus des Interesses, sondern, wie Dodds (1994) es nennt, das „making of foreign policy“ (vgl. Dodds 1994, S. 197-201, O´Tuathail 1992, S. 4; O´Tuathail 1998e, S. 20; Reuber 2002, S. 42-46).

In Anlehnung an ein poststrukturalistisches Verständnis bilden nicht geopolitisch tätige Akteure den Forschungsgegenstand, sondern das Schreiben von geopolitischen Ordnungen steht im Fokus der Untersuchung. O´Tuathail versucht vor diesem Hintergrund die moderne Subjekt („sight“) - Objekt („sites“) Trennung durch den Text („cites“) als vom Objekt losgelöste Form der Realitätsrepräsentation zu überwinden. Auch in den Critical Geopolitics ist deshalb nicht mehr die Frage nach dem Was?, sondern nach der Produktion von Wissen von Bedeutung („Wer spricht von welchem Ort aus über was und für wen?“) (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 23 und 147-155).

Der Raum als Grundlage für die Konstruktion von Grenzziehungen und der damit verbundenen Reduktion komplexer Zusammenhänge spielt innerhalb dieses Konzeptes eine elementare Rolle (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 14). Gerade in dieser Reduktion besteht der „gefährliche“ instrumentelle Charakter von Raumkonstrukten.

Ein geopolitischer Diskurs ist ein global-territorialer Diskurs, der dazu neigt, auch im Fall von Bedrohungen ohne Grenzen (deterritorialized threats) territoriale Grenzen auf einer „Sicherheitslandkarte“ einzutragen. Aus diesem Grund nimmt der Aspekt des „mapping“, der Verortung und somit Grenzziehung zwischen friedlich/feindlich, sicher/bedroht, innen/außen und eigen/fremd in der eher klassischen Form der kartographischen Repräsentationen, aber auch in einer rein sprachlichen Trennung, wie es in dieser Arbeit untersucht wird, eine besondere Rolle in der Geopolitik ein. Das „mapping“ als konzeptionelle, imaginative und soziale Verräumlichung in der postmodernen Geopolitik leistet als vereinfachte Darstellung politischer „Sachverhalte“ in erster Linie eine Übersetzungsarbeit, die sich meist durch das Mittel der Abstraktion und/oder Hypostasierung komplexer, heterogener (sozialer) Mosaike von Orten in eindeutige und singuläre Verortungen vollzieht. Auf diese Weise können z.B. lokale Unterschiede in Karten manifestiert und somit in eine globale Gefahr übersetzt werden. (vgl. O´Tuathail 1998e, S. 21; O´Tuathail 2001a, S. 233f; O´Tuathail und Dalby 1998, S. 4; Sidaway 2001, S. 445f).

3.3 Kurzabriss zur Geschichte von Geopolitik und Politischer Geographie

Zentrales Dekonstruktionselement der Critical Geopolitics ist die „Geopolitik“, weshalb an dieser Stelle ein historischer Abriss über die verschiedenen geopolitischen Ordnungen und den damit verbundenen dominanten geopolitischen Diskursen erfolgt. Konstitutiv für die „Geopolitik“ ist, dass diese wie alle Konzepte eine Vergangenheit (historische Dimension) und eine Geographie (Verortung) hat. Der Begriff der Geopolitik wurde bereits 1905 von Rudolf Kjellen als Bezeichnung für einen generellen Zusammenhang zwischen Politik und Geographie als „die Lehre über den Staat als geographischer Organismus oder als Erscheinung im Raum“ definiert. Eine eindeutige Definition besteht allerdings nicht; Geopolitik lässt sich immer nur innerhalb einer Einbettung in den jeweiligen historischen Kontext definieren (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 100).

Die verschiedenen geopolitischen Ordnungen des Expansionismus, Imperialismus und Kolonialismus, sowie des Kalten Krieges unterteilt John Agnew in drei dominante geopolitische Diskurse (zivilisatorisch, naturalistisch und ideologisch), die von O´Tuathail durch einen die kontemporäre Situation kennzeichnenden Diskurs (Enlargement Geopolitics) ergänzt werden (vgl. Tabelle 1) (vgl. Agnew 1998, S. 86; O´Tuathail 1998e, S. 19).

Tabelle 1: Geopolitiken der Moderne und Postmoderne

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: O´Tuathail 1998e, S. 19; eigene Ergänzungen)

3.3.1 Geopolitik zu Zeiten des Kolonialismus

Nach der Phase des Machtkampfes der Großmächte, die v.a. durch das Britische Empire geprägt war, vollzog sich durch die zunehmende Verknappung des Raums erstmals explizit eine Form von Geopolitik als Begründungssystem für den Expansionismus und Imperialismus der Kolonialmächte. Ratzels Konzeption einer politischen Geographie des Staates als organisches Wesen (1898) gilt als eine der ersten geopolitischen Konzepte überhaupt. Seine an den Sozialdarwinismus angelehnte organische Staatstheorie, nach der ein Volk als lebendiger Organismus im Sinne von „struggle for live“ und „survival of the fittest“ zur Entwicklung neuen Lebensraum braucht und deshalb nach Expansion streben muss, lieferte die diskursive Basis für die Kolonialpolitik des Kaiserreiches (vgl. Büchner 1998, S. 18ff; Wolkersdorfer 2001, S. 98). Ein weiteres bedeutendes geopolitisches Konzept dieses Zeitabschnitts lieferte Halford Mackinders Heartland These (1904). Diese beschreibt eine Machtdichotomie der Welt zwischen Land- und Seemächten, welche die Machtpole der Welt darstellen. Mackinder zeichnet das Bild einer geschichtlich fundierten Geopolitik mit dem zentralen Element der Beziehung zwischen physischer Geographie und Transporttechnologie. Die geopolitische Geschichte Mackinders gliedert sich in drei Epochen, die er in Anlehnung an die Entdeckungen von Kolumbus prä-kolumbianische, kolumbianische und post-kolumbianische Epoche genannt hat. In seiner Theorie verbindet er die Begriffe Landmacht vs. Seemacht mit den Begriffen „Heartland“ und „Rimland“. Für Mackinder war in der postkolumbianischen Epoche Russland als „Heartland“ der Kontinentalreiche durch die Entwicklung der Eisenbahn zur mächtigsten Landmacht geworden. Um dieses „Heartland“ lagerte sich das ozeanisch und kontinental beeinflusste „Rimland“ an. Den ozeanischen Gegenpol der Macht zu Russland bildete die damalige Seemacht Großbritannien (später auch USA und Japan), deren Einfluss sich wegen dieser Entwicklung im Transportwesen verminderte, da das Schiff seiner Rolle als primäres Transportmittel beraubt wurde. Die Machtverschiebungen zwischen den beiden Machtpolen sind für ihn die Triebfeder der Entwicklung. Die Konflikte zwischen diesen beiden Machtpolen tragen sich in den Saumzonen (rimland) zu. Mit dieser Rhetorik beeinflusste er nachhaltig die Ideen von Karl Haushofer und die geopolitischen Vorstellungen der US-Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, die v.a. im Ost-West-Konflikt zu Tage traten. (vgl. O´Tuathail 1998b, S. 17f; Wolkersdorfer 2001, S. 91ff).

Mackinders geopolitische Ideen finden ihre Fortsetzung in Alfred Mahans Seemacht-Doktrin, die sich in einem Übersee-Expansionismus der USA fortsetzen. Für Mahan lag der Weg zu nationaler Größe in kommerziellem und in Übersee-Expansion. Dieses Leitbild führte zum Aufbau von Überseestützpunkten der USA (u.a. in Guantanamo) und dem Einnehmen der Rolle eines „global players“ in Wirtschaft und Politik (vgl. O´Tuathail 1998b, S. 17f).

Zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland wurde in der Geopolitik eine spezifische Bezeichnung für die Beziehung zwischen physischer Welt und Politik gesehen. Begriffe wie „Lebensraum“ oder „organische Theorie des Staates“[3] prägten diese Phase der Geopolitik. Karl Haushofer, als wichtigster Vertreter der deutschen Geopolitik, dieser Zeit definierte eine Geopolitik als Verbindung von Ratzel´s Sozialdarwinismus und Mackinder´s Ideen der Landmacht. Diese Ideen vereinigte er in einer wissenschaftlichen Lebensraumtheorie (1928), die staatliches Handeln auf Raumkonstellationen als „Raumzwänge“ zurückführt. Dieses Konzept legt Hitler in „Mein Kampf“ als expansionistischen Strebens der arischen Rasse aus und versuchte es wie bekannt später in die Praxis umzusetzen. Somit gilt Haushofer mit seiner konservativ-aristotelischen Geopolitik trotz zahlreicher Unterschiede als das „wissenschaftliche Gehirn“ hinter den Nazi-Blaupausen (vgl. O´Tuathail 1998b, S. 20f; Büchner 1998, S. 28).

3.3.2 Geopolitik als Teil der Ideologie des Kalten Krieges

Während des Kalten Krieges wurde der Begriff Geopolitik zur Beschreibung des globalen Wettlaufs zwischen UdSSR und USA nach Einfluss, Macht und Kontrolle aufgegriffen. Der geopolitische Diskurs entwickelte sich von der reinen Praxis zu einer Realpolitik der Verbindung von Geographie und Ideologie. So war z.B. für den US-Diplomaten George F. Kennan die Sowjetunion kein simples Territorium, sondern ein Konstrukt expandierender Bedrohung[4], welches es durch eine „Containment-Politik“ (Truman-Doktrin) einzudämmen galt. Kissingers „balance of power“ der 70er Jahren verbindet sich bei Kenneth Waltz als Begründer der realistischen Schule der internationalen Beziehungen zu seiner Theorie, welche die anarchische Struktur des internationalen Systems als Grund für einen ständigen Rüstungswettlauf in Form von einem Aktions-Reaktions-Schema aller Staaten ansah, der in dem meisten Fällen zum Krieg führt. Diese Tatsache ist für Waltz ein „Sicherheitsdilemma“, das nur durch ein Gleichgewicht der Macht eingedämmt werden kann (vgl. Steininger 2003, S. 18-24; Wolkersdorfer 2001, S. 121f). Somit war und ist die geographische Terminologie der Weltkarte immer auch eine Beschreibung von ideologischer Identität und Differenz. Die US-Geopolitik konstruierte dementsprechend während des Kalten Krieges geopolitische Diskurse, die einen spezifischen Konflikt in manichäistische Kategorien und absolutistische Wahrheiten umdeuteten. Dadurch entstanden einfache „Schwarz-Weiß“-Karten der internationalen Politik. Der Westen ist vor diesem Hintergrund eben auch mehr als eine geographische Region; er ist eine imaginierte (Werte-)Gemeinschaft von demokratischen Staaten, welche in der eigenen Perzeption den höchsten Standard von Zivilisation und Entwicklung repräsentieren. Dies verdeutlicht einen eurozentristischen Diskurs über die Welt, welcher in der Sowjetunion genau entgegengesetzt konstruiert wurde. Demokratien galten dort als von Kapitalismus und Imperialismus unterdrückte Welt (vgl. O´Tuathail 1998b, S. 20f; O´Tuathail 1998c, S. 1-5).

3.3.3 Der neue Pluralismus in der Geopolitik nach dem Ost-West Konflikt

Nach dem Ende des Kalten Krieges trat eine Krise durch den Wegfall des alten Sinnsystems ein. An die Stelle der alten Ideologien des Ost-West Konflikts traten kulturelle, religiöse und ethnische Unterschiede als politisch-geographische Trennfaktoren. Neue Konzepte einer „New World Order“ (NWO) wurden definiert, von denen Huntingtons „Clash of Civilizations“ (1993) den größten Zuspruch fand. Huntingtons Weltordnungskonstrukt drückt sich in der These des Kampfes der Kulturen bzw. Zivilisationen („Clash of Civilizations“) aus. Als Kartengrundlage dient die räumliche Verteilung der Hauptreligionen, die sich für ihn im Wesentlichen als äquivalent mit sieben Kulturkreisen darstellt. An den Bruchlinien zwischen den „Zivilisationen“ wird es laut Huntington zu Konflikten kommen. Zentrales Abgrenzungskriterium ist seine These vom „west against the rest“, die sich in der zunehmend verschärfenden Konflikthaftigkeit zwischen dem Westen und v.a. den islamischen Staaten verdeutlicht (vgl. Büchner 1998, S. 35; Wolkersdorfer 2001, S. 148ff).

Unter den anderen Konzepten konnte Francis Fukuyamas „The End of History“ (1989) eine gewisse Popularität erlangen. Fukuyama geht von einem Triumph des westlichen Liberalismus als globale Weltordnung aus, in der durch den Wegfall des Kommunismus keine Feinde mehr existieren. Damit entwickelte er eine idealistische „West-and-the-rest“ Version zu Huntingtons eher negativer „West-against-the-rest“ Vision. Somit stehen sich zwei Konzeptionen gegenüber: die einer neoliberalen vs. einer neokonservativen Welt. Beiden Konzepten ist allerdings gemeinsam, dass es sich lediglich um eine Reformulierung von Thesen des Ost-West-Konflikts handelt. Der Kampf zwischen freier Welt und Totalitarismus (Kapitalismus vs. Kommunismus) wird in einer neuen Karte als Unterscheidung des Westen vom Rest der Welt dargestellt (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 153; O´Tuathail 1998f, S. 173ff). Durch das Ersetzen der Idee des Nationalstaates durch „Zivilisation“ können die imaginierten Fundamente früherer Zeiten beibehalten werden. Reterritorialisierung anstelle von Deterritorialisierung heißt somit das Motto der „NWO-Geopolitics“. Aus Sicht der Critical Geopolitics ist deshalb eine „new geopolitics“ nötig, die einer nicht mehr von territorialen Kämpfen, sondern transnationalen Problemen (Terrorismus, nukleare Proliferation, „clashing civilizations“) dominierten Welt Rechnung trägt (vgl. O´Tuathail 1998c, S. 1-7, O´Tuathail 1998d, S. 104f). Dennoch wird immer wieder versucht auf das Konzept des Nationalstaates zurückzugreifen. So hat beispielsweise Fukuyama seine positive Vision der liberalen Weltordnung infolge der zunehmenden globalen Konfliktpotentiale inzwischen revidiert und geht heute eher von einem starken Nationalstaat als einziger handlungsfähiger, weil mit der nötigen Macht versehener „Player“ in der internationalen Politik aus. Internationalen Organisationen fehlt es seiner Meinung nach an Macht, um das Konstrukt des Nationalstaates adäquat ersetzen zu können (vgl. Pöpping 2004, S. 1).

Für die USA sind mit dem Ende des Ost-West Konflikts neue Bedrohungen wie Unsicherheit, Instabilität und Chaos akut geworden. Mit der irakischen Invasion in Kuwait bestand für die damalige Bush-Administration ein Grund, eine NWO zu definieren. Diese sah Frieden für den Rest der Welt vor, in deren Zentrum der Friedensbringer USA agierte. Die Idee einer NWO wurde erstmals von Michael Gorbatschow geäußert, dem die Vision einer Weltordnung fernab von einem sowjetisch-amerikanischen Antagonismus vorschwebte. Bush senior nahm diese Idee einer sicheren und friedvollen Welt mit einer harmonisch zusammenlebenden Bevölkerung auf. Die praktische Umsetzung der NWO sah dann wie im Falle des Eingreifens im Irak 1991 so aus, dass die USA laut eigener Aussage mit einer „Allianz der Willigen“ diese Werte haben verteidigen „müssen“. Bush sen. ging davon aus, dass die amerikanischen Interessen den universellen Interessen entsprechen und die USA einen „Good War“ bzw. „Just War“ in moralischer Äquivalenz zum 2. Weltkrieg führen[5]. Diese und viele andere Ansichten und Vorgehensweisen finden in der derzeitigen Irakpolitik der USA unter G. W. Bush ihre Fortsetzung (vgl. O´Tuathail 1998d, S. 104-108).

3.4 Critical Geopolitics als Dekonstruktion der Geopolitik: Fragestellungen und Gesamtkonzeption

Die Critical Geopolitics als dekonstruktivistische Analyse möchte diese Abstraktionen und Hypostasierungen der Geopolitik wieder aufheben und damit die eigentliche Komplexität der Thematik wieder zum Vorschein bringen. Untersuchungsobjekt dieser Dekonstruktion ist die spezifische Geopolitik. Was sich hinter dem Begriff „Geopolitik“ verbirgt, hat Redepenning in seiner Definition recht prägnant ausgedrückt. Demnach bedeutet Geopolitik „die Instrumentalisierung von Geographie als Legitimationsgrundlage für politische Handlungen bzw. die Beschreibung und Ordnung sozialer Phänomene durch (scheinbar) historisch stabile räumliche Gesetze.“ (Redepenning 1999, S. 22). In dieser Definition tauchen die drei wesentlichen Analysebausteine der Critical Geopolitics, Macht, Politik und Raum, auf. Die Macht bedient sich der Geographie bzw. des Raumes zur Legitimation von Politik. Geopolitik selbst ist gleichzusetzen mit Machtpolitik. Wissen ist immer in einem bestimmten Kontext situiert und artikuliert somit die Perspektive der jeweiligen Kulturen durch die Marginalisierung von „Anderen“. In diesem Sinne versucht Critical Geopolitics der Komplexität der globalen Politik Rechnung zu tragen, indem sie die Machtbeziehungen, welche das Wissen über die Geopolitik bestimmen, herausarbeitet (vgl. O´Tuathail 1999, S. 107f; Sloan und Gray 1999, S. 5). Durch die Geopolitik als eine spezifische Form der Weltbeschreibung wird die Welt durch bestimmte Strategien auf bestimmte transzendente Wahrheiten reduziert, die eine scheinbare Klarheit in unsere komplexe Welt bringen (vgl. O´Tuathail 1999, S. 113; Sloan und Gray 1999, S. 5; Wolkersdorfer 2001, S. 146). Demzufolge ist für O´Tuathail Geographie weniger als Nomen zu verstehen, sondern eher als Verb, als eine Praxis des „geo-graphing“, des Welt-Schreibens (vgl. O´Tuathail 1996b, S. 2). Für Simon Dalby „the essential moment of geopolitical discourse is the division of space into `our´ place and `their´ place” (zit. nach O´Tuathail 1996b, S. 16). Die Produktion von Identität und Differenz ist für Dalby der für die Geopolitik entscheidende Prozess. Geopolitik ist als eine Grenzen produzierende Praxis zu verstehen, deren essentieller Moment die Exklusion des Anderen und die Inklusion des Selben ist. Zwei Narrationsarten dominieren die Sichtweise der Geopolitik: eine deklarative, nach der die Welt so ist, wie sie ist, und eine imperative, die besagt, was wir tun müssen (vgl. O´Tuathail 1996b, S. 180ff).

Der Diskurs leistet innerhalb der Geopolitik die wesentliche Übersetzungsarbeit von der Idee zur Umsetzung in die Praxis. Nur durch den Diskurs können Praktiken mit Sinn versehen und somit gerechtfertigt werden. Über den Diskurs wird somit ein bestimmtes geographisches Verständnis von außenpolitischen Aktionen hergestellt. Unser Verstehen und die Konstitution der sozialen Realität sind durch den sozial strukturierten Gebrauch von Sprache bestimmt. Die „Intellectuals of Statecraft“ (Staatsbürokraten, Führungspersönlichkeiten, (Außenpolitik-) Experten, Ratgeber usw.) üben durch die wechselseitige Konstituierung des Diskurses einen gewissen Einfluss auf diesen aus. Vor diesem Hintergrund versteht Critical Geopolitics entgegen der konventionellen Sichtweise unter Geopolitik die Produktion von Wissen, um den Staatspraktiken und somit der Staatsmacht Hilfestellung zu leisten (vgl. O´Tuathail 1996b, S. 58f; O´Tuathail und Agnew 1998, S. 78ff). „Geopolitics“ ist laut Dalby und O´Tuathail „a discursive practice by which intellectuals of statecraft spatialize international politics in such a way as to represent it as a world characterized by particular types of places, peoples and dramas“ (O´Tuathail 1996b, S. 59). „Geopolitics, for us, engages the geographical representations and practices that produce the space of world politics“ (O´Tuathail und Dalby 1998, S. 2).

O´Tuathail hat in seiner Konzeption der Critical Geopolitics fünf Leitfragen dieses Forschungsansatzes formuliert:

1. Wie wird globaler Raum gedacht und repräsentiert?
2. Wie wird globaler Raum in Blöcke oder Zonen der Identität und Differenz aufgeteilt?
3. Wie konzeptualisiert sich globale Macht?
4. Wie verräumlichen sich globale Gefahren und wie werden passende Antwortstrategien konzeptualisiert?
5. Inwiefern und auf welche Weise formen globale Akteure die Geopolitik?

(vgl. O´Tuathail 1998e, S. 27f).

Zum Zweck einer heuristischen Forschung unterteilt O´Tuathail die Critical Geopolitics in vier Teilbereiche (vgl. Tabelle 2). Die einzelnen Forschungsschwerpunkte lassen sich natürlich nicht stets genau abgrenzen bzw. fließen ineinander. Eine solche Unterteilung dient lediglich dem Zweck, einen Überblick über die einzelnen Aspekte der Critical Geopolitics zu liefern, die in ihrem Zusammenspiel erst die Konstruktion von Themen wie Identität, Sicherheit oder Gefahr ersichtlich werden lassen (vgl. O´Tuathail 1999, S. 109; O´Tuathail und Dalby 1998, S. 5).

Tabelle 2: Die Forschungsschwerpunkte der Critical Geopolitics

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: O´Tuathail 1999, S. 111; eigene Bearbeitung).

Formale Geopolitik beschreibt die geopolitischen Traditionen, wie sie durch das intellektuelle Milieu im Laufe der Geschichte konstruiert worden sind. Darunter fallen solche Konzepte wie Mackinders „Heartland-Theorie“ oder Haushofers Geopolitik. Eventuell lassen sich rezente Konzepte wie das des „Clash of Civilizations“ von Huntington auch bereits dazu zählen, da es eine gewisse Auswirkung auf die praktische Geopolitik ausübt.

Die praktische Geopolitik beschäftigt sich mit dem „tagtäglichen Geschäft“ der Außenpolitik (das „Making of“ Foreign Policy). Die Untersuchungsfrage der Critical Geopolitics lautet hier: Wie werden die politischen Konzepte und Entscheidungen der Staatsführung/der politischen Institutionen von einen geographischen Kontext eingerahmt? Die praktische Geopolitik dient dazu, der Welt einen räumlichen Sinn zu verleihen, um mit geographischem Wissen taktische geographische Diskurse zur Erklärung und somit Rechtfertigung bestimmter Ereignisse und Dramen zu konstruieren und gegebenenfalls auch zu institutionalisieren. Der geographische Raum bzw. das geographische Wissen werden instrumentalisiert. Dabei können Konzepte der formalen Geopolitik in die Argumentation mit einfließen. Ebenso können aus den Ideen der praktischen Geopolitik formal geopolitische Theorien erwachsen.

Die populäre Geopolitik bezieht sich auf die von medienbeeinflussten Popularkulturen kreierten und debattierten geographischen Praktiken. Hierbei gilt es, die sozialen Konstruktionen und Verfestigungen kollektiv nationaler oder transnationaler Verständnisse von „places“ und Menschen jenseits der eigenen Grenzen durch Critical Geopolitics aufzudecken und zu dekonstruieren. Populäre und praktische Geopolitik weisen die wohl engsten Beziehungen auf. Die praktische Geopolitik ist Teil der Sozialisation nationaler Identitäten und wird durch die Verbreitung in den Medien als populare politische Kultur unhinterfragt angenommen und als Wahrheit akzeptiert. Dass das so erlangte Wissen eine ethnozentristische Form aufweist, wird dabei für gewöhnlich nicht näher reflektiert. Die Medien sind es auch, die erst die Verbreitung von Ideen und Konzepten der praktischen Geopolitik ermöglichen. Nur so werden politische Reden und Debatten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Als viertes beinhaltet die Erforschung der strukturellen Geopolitik das Studium der weltweiten strukturellen Prozesse und Tendenzen. Als zeitgemäße geopolitische Bedingungen, die einen Einfluss auf die praktische und populäre Geopolitik ausüben, sieht O´Tuathail die globalen Prozesse und Veränderungen hin zu Globalisierung, Informationalisierung und in Anlehnung an Beck zur Risikogesellschaft (vgl. O´Tuathail 1999, S. 110-117).

4. Methodische Konzeption der Analyse

Nachdem die theoretischen Hintergründe der Arbeit geklärt sind, erfolgt die Darstellung der angewendeten Methode und der Auswertungs- bzw. Analysekriterien. Für die Critical Geopolitics ist aus analytischer Perspektive die bisher v.a. in den Literatur- und Sozialwissenschaften Anwendung findende Diskursanalyse zentral, mit der in dieser Arbeit die diskursive Kraft von geopolitischen Konzepten im Spannungsfeld von Macht, Politik und Raum betrachtet wird (vgl. Wolkersdorfer 2001, S. 190). Da es allerdings kein eindeutiges Verfahren oder eine Methode gibt, nach der eine Diskursanalyse abzulaufen hat[6], gilt es eine für die anliegende Untersuchung geeignete Analysemethode zu entwickeln. Dabei stehen inzwischen verschiedene methodische Konzeptideen zur Verfügung, die auf selektive Weise in die vorliegende Arbeit eingebunden worden sind. Dabei sind es v.a. Begrifflichkeiten und Definitionen des Gegenstandsbereichs Diskursanalyse, auf die an dieser Stelle eingegangen werden soll, bevor die eigentliche Auswertung erfolgt.

[...]


[1] im Internet verfügbar unter: http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_02/sr1441.pdf

[2] http://www.lpb.bwue.de/aktuell/irak_konflikt.php3

[3] Beide Begriffe zielen auf das quasi natürliche Streben eines Staates nach Expansion zum Erhalt der eigenen
Nation ab.

[4] Dieses Konstrukt wurde als „evil empire“ bezeichnet; vgl. spätere Dominotheorie als Prämisse für Vietnam
krieg.

[5] Gemeint ist u.a. die Verteidigung des hilflosen Kuwait und der Vergleich Saddam Hussein - Adolf Hitler.

[6] Dies ergibt sich schon aus dem theoretischen Konzept des Poststrukturalismus.

Ende der Leseprobe aus 159 Seiten

Details

Titel
Der Irakkonflikt aus Sicht der Critical Geopolitics
Untertitel
Geopolitische Skripts und Weltbildkonstruktionen der politischen Eliten der USA und der BRD
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
159
Katalognummer
V84194
ISBN (eBook)
9783638881272
ISBN (Buch)
9783638881531
Dateigröße
1102 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Irakkonflikt, Sicht, Critical, Geopolitics
Arbeit zitieren
Rainer Schmitt (Autor), 2005, Der Irakkonflikt aus Sicht der Critical Geopolitics, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84194

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