In dieser Hausarbeit werden chronologisch die Funktionen des bosnischen Präsidiums innerhalb des Zeitraums von 1974 bis 1996 dargestellt. Dabei wird das Jahr 1992 in Betracht gezogen als das Präsidium alle Macht Kompetenzen an sich zog, weil das Parlament keine Möglichkeit hatte seine Sitzungen wahr zu nehmen. Schließlich wird die Funktion des heutigen Präsidiums bearbeitet, das mit dem Daytoner Abkommen geregelt ist und fast die gleichen Aufgaben besitzt wie es der Fall mit der Verfassung von 1974 war. Einer der Unterschiede besteht darin, dass das heutige Präsidium im gegensatz zu dem von 1974 anstatt 7 Mitglieder heute 3 Mitglieder zählt und, dass die Kategorie der Vertretung der Restlichen ausgeschlossen worden ist.
Vor dem Zerfall Jugoslawiens war das Präsidium Bosniens und Herzegowinas dem Präsidium des Gesammtstaates untergeordnet und hatte nur eine repräsentative Funktion. Doch der politische Prularismus führte zum Zerfall der jugoslawischen Förderation und zum Überfall auf Bosnien, seitens der Nachbarstaaten Serbien, Kroatien und Montenegros. In dem darauf folgendem Krieg wurden über 200.000 Menschen umgebracht und fast die ganze Infrastruktur des Landes vernichtet.
Danach wurde ein, in der Welt, einmaliger Staat geschaffen mit folgenden Institutionen: 2 Entiteten mit eigenen Parlamenten, Präsidenten, die ermächtigt sind wie in anderen Staaten, obwohl es nicht der bosnischen Verfassung entspricht. Deshalb kann das Präsidium des Gesamtstaates Bosnien und Herzegowina nicht funktionieren da die serbische und kroatische Seite an einem Strang ziehen, der eher zum Zerfall Bosniens führen würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Verfassung von 1974 in Jugoslawien
2. 1. Das Präsidium Jugoslawiens
2. 2. Das Präsidium Bosniens und Herzegowinas
3. Die Wahlen von 1990 in Bosnien und Herzegowina
3. 1. Politische Pluralisierung
3. 2. Das Präsidium
4. Das Daytoner Abkommen
4. 1. Institutionelle Intergrationsfähigkeit
4. 2. Das Präsidium in der Verfassung
5. Die Rolle von Alija Izetbegović
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht chronologisch die Funktionen des bosnischen Präsidiums im Zeitraum von 1974 bis 1996, vergleicht dabei die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen und analysiert die politische Wirksamkeit dieser Institution unter verschiedenen politischen Systemen.
- Entwicklung des Präsidiums von der SFRJ-Verfassung von 1974 bis zum Daytoner Abkommen.
- Analyse der Auswirkungen des politischen Pluralismus und der Wahlen von 1990.
- Untersuchung der institutionellen Integrationsfähigkeit des bosnischen Präsidiums.
- Die Rolle von Alija Izetbegović im Kontext des Staatszerfalls und der Neuordnung.
Auszug aus dem Buch
3. 2. Das Präsidium
Zur Wahl des Präsidiums in Bosnien und Herzegowina reichte eine relative Mehrheit für einen Kandidaten, denn die Wahl verlief nach dem Nationalschlüssel 2+2+2+1 und zwar 2 Muslime (heute Bosniaken), 2 Serben, 2 Kroaten und ein Kandidat der Jugoslawen und der Restlichen.
„U skladu sa izbornim zakonom za izbor članova Predsjedništva bile su obrazovane četiri kandidatske liste (dijelovi glasačkih listića), i to: lista kandidata iz reda Muslimana, lista kandidata iz reda Srba, lista kandidata iz reda Hrvata i lista kandidata iz reda drugih pripadnika naroda i narodnosti, odnosno građana koji se nisu nacionalno opredijelili ili su se opredijelili prema regionalnoj ili drugoj pripadnosti.”
Bei den Wahlen für das Präsidium stellten 8 Parteien 27 Kandidaten. Dabei wurden folgende Ergebnisse erzielt:
• Fikret Abdić sa 33,25% glasova
• Alija Izetbegović – 27,96%
• Ejup Ganić – 22,57%
• Biljana Plavšić – 18,24%
• Nijaz Duraković – 17,75%
• Nikola Koljević – 17,68%
• Nenad Kecmanović – 15,92%
• Stjepan Kljujić – 15,04%
• Franjo Boras – 13,25%
Diese 9 Mitglieder des Präsidiums sollten die Nationalität der Bürger Bosnien repräsentieren und die Funktion erfüllen, die in der Verfassung verankert ist. Doch der Zuwachs des Nationalismus, das Erwachen der Nationalgefühle bei den Serben und Kroaten und der Ausstieg Sloweniens und Kroatiens aus der jugoslawischen Förderation führten zur Auflüsung der SFRJ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die chronologische Untersuchung des bosnischen Präsidiums von 1974 bis 1996 und benennt den Vergleich der verfassungsrechtlichen Aufgaben als zentralen Fokus.
2. Die Verfassung von 1974 in Jugoslawien: Dieses Kapitel erläutert die Einführung des Präsidiums unter der sozialistischen Verfassung und beschreibt dessen begrenzte Kompetenzen in einem Einparteiensystem.
3. Die Wahlen von 1990 in Bosnien und Herzegowina: Der Text analysiert den Übergang zum politischen Pluralismus, den Einfluss des Nationalismus auf den Wahlprozess und die Zusammensetzung des Präsidiums vor dem Zerfall Jugoslawiens.
4. Das Daytoner Abkommen: Hier wird die neue institutionelle Ordnung nach 1995 untersucht, wobei die Arbeit die Effektivität des durch das Abkommen geschaffenen Präsidiums kritisch hinterfragt.
5. Die Rolle von Alija Izetbegović: Dieses Kapitel beleuchtet den politischen Handlungsspielraum von Alija Izetbegović während der Phase des Staatszerfalls und seiner Bemühungen um den Erhalt Bosnien-Herzegowinas.
6. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und konstatiert, dass das Präsidium durch die starre ethnische Proporzregelung in seiner Funktionsfähigkeit gehemmt bleibt.
Schlüsselwörter
Bosnien-Herzegowina, Präsidium, Jugoslawien, Verfassung 1974, Daytoner Abkommen, Transformation, Alija Izetbegović, Ethnische Quoten, Mehrparteienwahlen, Nationalismus, Sozialistisches System, Institutionelle Integration, Staatszerfall, Politische Parteien, Parlamentsfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und den Funktionen des Präsidiums in Bosnien-Herzegowina im Zeitraum von 1974 bis 1996.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Analyse ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verfassungsgeschichte, den politischen Systemwechseln (vom Kommunismus zum Pluralismus) und der institutionellen Ausgestaltung des Präsidiums durch das Daytoner Abkommen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein vergleichender Überblick über die Machtbefugnisse und die Effektivität des Präsidiums in den verschiedenen historischen und verfassungsrechtlichen Stadien des Staates.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse der verfassungsrechtlichen Texte und vergleicht diese mit den realpolitischen Abläufen der jeweiligen Zeitperioden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur des Präsidiums in der SFRJ, die Auswirkungen der Wahlen von 1990 auf die ethnische Repräsentation und die Schwachstellen des durch das Daytoner Abkommen implementierten Systems.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlagworten gehören das Daytoner Abkommen, der Transformationsprozess in Südosteuropa, ethnische Proporzregelungen sowie der Zerfall der jugoslawischen Föderation.
Warum wird das Daytoner Abkommen als kritisch angesehen?
Der Autor führt aus, dass das Präsidium aufgrund der Blockadepolitik der ethnisch orientierten Parteien oft nicht handlungsfähig ist und das System eher eine repräsentative Rolle einnimmt.
Welche Rolle spielte Alija Izetbegović im Transformationsprozess?
Izetbegović wird als Schlüsselfigur beschrieben, die zwischen dem Wunsch nach dem Erhalt der jugoslawischen Föderation und der Notwendigkeit zur Wahrung der staatlichen Souveränität Bosniens unter extremem Krisendruck navigieren musste.
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- Muhamed Jugo (Author), 2005, Das Präsidium in Bosnien-Herzegowina, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84199