Bildung und Migration

Über die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Teil
1.1 Einleitung
1.2 Bildung und Migration: Ein Blick auf die heutige Situation

2. Teil: Theorien
2.1 Wohnviertel als Bildungssackgasse
2.2 Die Sprache der Migrantenkinder

3. Teil: Qualitative Erhebung
3.1 Die Befragung
3.2 Aussagen der Befragten
3.2.1 Die Aussagen der Gymnasiallehrer
3.2.2 Die Aussagen des MSU-Lehrers mit eigenem Migrationshintergrund
3.2.3 Die Aussagen der Hauptschullehrerin und des Hauptschullehrers
3.3 Auswertung der Aussagen

4. Teil: Fazit

5. Teil: Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Fragebogen

1. Teil

1.1 Einleitung

Die deutsche Gesellschaft steht heutzutage vor nicht wenigen Problemen, bei denen das Feld der Migration eine Rolle spielt. Ein Problemfeld ist die deutsche Bildungssituation, deutlich wurde dies im schlechten Abschneiden bei der PISA-Studie. Weiterhin hat die PISA- Studie gezeigt, dass Kinder mit Migrationshintergrund tatsächlich deutlich schlechter abschneiden als deutsche Kinder. Nun gilt es herauszufinden, wo die Ursachen für das Scheitern dieser Kinder liegen? Ist es das Elternhaus der Kinder, in dem zu wenig Förderung oder vielleicht sogar Abschottung stattfindet; ist es das deutsche Schulsystem, das stark selektiert oder doch ganz allgemein die deutsche Migrationspolitik, welche einer erfolgreichen (schulischen) Integration der Kinder im Wege steht?

Ich werde nun in der vorliegenden Hausarbeit auf diese Fragestellungen eingehen und werde versuchen, die entscheidenden Faktoren herauszufiltern, welche die schulische Laufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund beeinträchtigen. Dabei lege ich meinen thematischen Schwerpunkt auf die Fragestellung, welcher Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund und der schulischen Leistung der Kinder existiert.

Meine Ausgangshypothese zu diesem Themenfeld lautet: Relevant für die schulische Leistung und Laufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund sind vor allem zwei Bedingungen, erstens das Bildungsverständnis, bzw. die tatsächliche Bildung der Eltern und ihr sozial-ökonomischer Status, zweitens die strukturellen Gegebenheiten des Schulsystems. Ich gehe davon aus, dass ein Migrationshintergrund nicht notwendigerweise niedrige Bildungsabschlüsse nach sich zieht. Stammt ein Kind aus einem Elternhaus, in dem die Eltern selber über gute Bildung- und Berufsabschlüsse verfügen, vermute ich, dass der Faktor „Migrationshintergrund“ kaum negativen Einfluss auf die schulische Laufbahn des Kindes hat. Außerdem denke ich, dass der niedrige soziale Status, den viele Familien mit Migrationshintergrund besitzen, der unter anderem mit der Bildungsferne dieser Familien einhergeht, ausschlaggebend für die niedrigen schulischen Erfolge ihrer Kinder sind. Weiterhin gehe ich davon aus, dass das deutsche Schulsystem, unter anderem durch die frühe Selektierung nach der vierten Klasse, diese Kinder nicht auffangen kann, sondern ihre bereits vorhandene Benachteiligung verstärkt.

Meine Arbeit beginne ich im ersten Teil mit einer Darstellung der gegenwärtigen Situation. Dabei beleuchte ich die aktuellen Probleme, die vor allem in der PISA- Studie deutlich geworden sind. Im zweiten Teil gehe ich auf zwei theoretische Konzepte ein, die sich auf die Problematik der Migration anwenden lassen. Zusätzlich habe ich einige Lehrer und Lehrerinnen verschiedener Schulformen interviewt. Dadurch konnte ich weitere interessante und relevante Gesichtspunkte erfahren, die im dritten Teil meiner Arbeit aufgeführt sind. Ich gehe dabei zuerst auf die von mir verwendete Methode der Interviews ein, fasse die Aussagen der Lehrer zusammen und werte diese dann aus. Zuletzt werde ich abschließend eigene Schlussfolgerungen ziehen, in denen ich meine Ausgangshypothesen verifiziere oder falsifiziere.

1.2 Bildung und Migration: Ein Blick auf die heutige Situation

Eine gute Schulbildung ist der zentrale Schlüssel für das Berufsleben junger Menschen. Insbesondere gilt dies für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, denn letztlich hängt von diesem Faktor auch das Gelingen der Integration ab. Die PISA-Studie hat aber gezeigt, dass der Schulerfolg im deutschen Schulsystem stark von der sozialen Herkunft und dem Sprachvermögen der Kinder abhängt, stärker als in anderen Einwanderungsländern.

Interessant ist dabei auch, wie unterschiedlich die Bildungspolitik in den verschiedenen Bundesländern mit dem Feld der Migration umgeht. In Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und auch in Schleswig-Holstein besuchen 60% der Kinder mit Migrationshintergrund die Hauptschule. Dagegen sinkt dieser Anteil in Bundesländern mit einer gut entwickelten Gesamtschulstruktur, wie Nordrhein-Westfahlen, Hessen oder das Saarland, auf einen Prozentsatz von 30 bis 40%. Aber auch hier kann man bei solchen Zahlen nicht von erfolgreicher Integration in das deutsche Schulsystem sprechen. Nach dem Datenreport 2004 sind Kinder mit Migrationshintergrund an Gymnasien bei einem Anteil von 3,9% deutlich unterrepräsentiert, an Haupt- und Sonderschulen dagegen mit jeweils 18,2 und 15,8 Prozent überproportional vertreten.

Das deutsche Bildungswesen wirkt sich auch gesamtgesellschaftlich nachteilig aus, besonders für Kinder aus Migrationsfamilien. Denn bereits in der Grundschule findet eine soziale Segregation durch die Aufteilung in die verschiedenen Schulformen statt. Die Kinder, welche auf die Hauptschulen überwiesen werden und zum großen Teil einen Migrationshintergrund haben, finden sich später meist nur in Berufen in untergeordneten Positionen wieder, etwa im Handwerk oder in der Industrie, da höhergestellte Berufe höhere Bildungsabschlüsse voraussetzen. Darüber hinaus verlassen ein Fünftel der Migrationsjugendlichen die Hauptschule ganz ohne Abschluss, für die dann oft nur die Arbeitslosigkeit als letzter Ausweg bleibt.

Der Migrationsforscher und –pädagoge Georg Auernheimer geht auf diese Trennung in der Gesellschaftsordnung ein und betont, dass das deutsche Schulsystem soziale Zuschreibungen, entsprechende Identitäten und Habitusformen verfestigt. „Wo Hauptschulen zu Ausländerschulen geworden sind, wird ein Gesellschaftsbild bestätigt, in dem Migranten die unteren Positionen einnehmen“ (Auernheimer 2006, S. 13). Diese Schulen, die hauptsächlich von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden, werden durch die Selektion in die verschiedenen Schulformen zu „quasi exterritorialen, gesellschaftlich vernachlässigten Räumen, weil die Eltern in der Regel nicht in der Lage sind, die Qualität der schulischen Arbeit zu kontrollieren und gegebenenfalls zu intervenieren“ (Auernheimer 2006, S. 13).

Versucht man nun die Ursachen für die Benachteilung von Migranten im deutschen Schulsystem zu finden, so kann man zwischen inner- und außerschulischen Aspekten unterscheiden. Zu den außerschulischen Aspekten zählt der familiäre Rahmen des Kindes. Im deutschen Schulsystem ist der Erfolg in der Schule sehr stark mit den familiären Ressourcen des jeweiligen Kindes verbunden, es setzt die Förderung und Unterstützung im Elternhaus voraus. Dazu gehört, dass die Eltern am schulischen Geschehen teilhaben, etwa an Elternabenden, oder ihr eigenes Wissen über die Bildungsinstitutionen und die Rolle des Lehrers an ihre Kinder weitergeben. Dies setzt allerdings die Kenntnis über diese Gebiete voraus, die im Rahmen der eigenen schulischen Laufbahn im deutschen Schulsystem erworben wurden. Somit ist vielen Migranteneltern diese Möglichkeit der Unterstützung und Förderung verwehrt, mit Ausnahme derer, die über entsprechende Bildungserfahrungen und kulturelles Kapital verfügen. Hinzu kommen noch weitere Benachteiligungen, die in der Bildungsferne der Migrantenfamilien ihren Ursprung haben, so z.B. die fehlende frühzeitige Lesesozialisation oder die mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache, wie auch Gogolin anmerkt: „Kinder aber, deren Familien nicht sprachbeflissen sind, also nicht systematisch für den Zugang zur Schriftförmigkeit der Kommunikation sorgen, haben so gut wie keinen anderen Lernort dafür, diese Anforderungen erfüllen zu lernen, als die Schule“ (Gogolin, S. 41 in Auernheimer 2006). Neben diesen Aspekten wirkt sich zusätzlich die sozial-ökonomische Schlechterstellung der Migrantenfamilien aus. Vergleichbar ist dies mit der Benachteiligung von deutschen Familien aus unteren sozialen Schichten. Diesen Punkt werde ich später genauer behandeln.

Betrachtet man die innerschulischen Aspekte, so kann man verschiedene Strukturmängel des deutschen, gegliederten Sekundarschulsystems aufzeigen, die eine Ungleichbehandlung und somit eine Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund nach sich ziehen.

Zuerst ist die frühe Segregation in die einzelnen Schulformen zu nennen. Diese stellt eine zusätzliche Benachteiligung für schwächere Kinder, oft Kinder mit Migrationshintergrund, da, denn so haben Schüler mit ungünstigen Eingangsvoraussetzungen eine geringere Chance, ihren Rückstand gegenüber den Kinder aufzuholen, die über ein größeres „kulturelles Kapital“ (Bourdieu) und damit über bessere Möglichkeiten verfügen, sich in der Schule zu beweisen. Vielen Kindern aus Migrationsfamilien wäre damit geholfen, erst später in die verschiedenen Schulformen verteilt zu werden, da sie durch eine längere Grundschulzeit stärker gefördert und unter anderem ihre Sprachdefizite weitgehend ausgeglichen werden können, so dass nicht notwendigerweise eine Überweisung an die Hauptschule erfolgt.

Weiterhin ist es zu erwähnen, dass leistungshomogene Gruppen keineswegs nur förderlich sind. Gerade die Ansammlung von schwachen Schülern, oft auch mit Sprachdefiziten, wirkt sich leistungsmindernd aus: „Das anregungsärmere Entwicklungsmilieu in Hauptschulen bremst, das anregungsreichere in mittleren und höheren Schulen befördert“ (Klemm 2003, S.51). Befinden sich viele Kinder, die bereits in ihrer Schullaufbahn einiges an Misserfolgen erlebt haben, so steigert dies die Demotivation, da kaum positive Vorbilder gefunden werden können. Dies hat auch Auswirkungen auf die Einstellung und Erwartungshaltung der Lehrer, die an solchen Schulen unterrichten, gegenüber den Schülern. Sie erwarten keine volle Leistung, kein großes Interesse und oftmals erwarten sie auch von vornherein, dass es zu Störungen und Problemen im Unterricht kommt. Diese Erwartungshaltung wirkt sich wiederum negativ auf die Schüler aus, man spricht vom sog. Pygmalion-Effekt.

Zuletzt sei noch der Aspekt der institutionellen Diskriminierung genannt. Damit ist gemeint, dass es sich bei der Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund nicht um „eine auf Vorurteile des Personals gestützte Diskriminierung“ (Auernheimer 2006, S.18) handelt, sondern dass die Schule als Organisation die Möglichkeit hat, entlang ethnischer Zugehörigkeiten zu unterscheiden. So erhalten viele Kinder aus Migrationsfamilien rein vorsichtshalber die Empfehlung für die Hauptschule, allein wegen ihres Migrationshintergrundes.

2. Teil: Theorien

Im Mittelpunkt des vorangegangenen Kapitels habe ich die aktuelle Billdungssituation und die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund beleuchtet. Nun werde ich in diesem Kapitel einige theoretische Erklärungsmodelle vorstellen, die das Feld der Migration untersuchen. Dabei werde ich mich vor allem auf die Überlegungen von Petrus Han stützen. Ich werde dabei auf die Aspekte der Segregation und residentialen Konzentration von Migranten eingehen. Weiterhin werde ich die Modi des Sprachgebrauchs vorstellen und eine Verbindung zu den besonderen Problemen von Kindern mit Migrationshintergrund hinsichtlich ihres Sprachgebrauches herstellen.

2.1 Wohnviertel als Bildungssackgasse

Im Rahmen der Migrationsbewegung in Deutschland in den 60er und 70er Jahren entstanden räumlich isolierte Siedlungsgebiete der Migranten. Doch bereits bei der Entstehung und Entwicklung von Städten fand eine residentiale Segregation von Bevölkerungsgruppen statt. Im Zeitalter der Industrialisierung wohnten etwa die Arbeiter nah der Fabrik und in minderwertigen Wohnungen schlechterer Lage, während privilegierte Gruppen in höherwertigen Gebäuden, mit ausreichend räumlicher Distanz, wohnten. Obwohl es heutzutage keine so ausgeprägte Unterteilung in verschiedene Berufsgruppen gibt, findet man auch heute noch eine residentiale Segregation, denn man stellt fest, dass „sich die vermögenden und privilegierten sozialen Gruppen in den topographisch bevorzugten Lagen der Städte konzentrieren, während die sozial und ökonomisch schwachen und benachteiligten Gruppen eher in Ortslagen leben, die in vieler Hinsicht mindere Wohnqualität (z.B. Lärm, hohe Emission) aufweisen“ (Han 2000, S.224).

Im Folgenden werde ich einige Gründe aufzeigen, weshalb bei Migranten eine residentiale Konzentration und Segregation zu finden ist. Betrachtet man die Situation der Migranten, die meist als Arbeitsmigranten nach Deutschland kamen, so findet man meist schlechte ökonomische Bedingungen. Die wenigsten verfügen über eine dem deutschen Arbeitsmarkt entsprechende Schul- oder Berufsausbildung, so dass sie hauptsächlich in niedrig bezahlten Positionen, meist in der Bau-, Textil, und Metallindustrie arbeiten. Daher sind sie in ihrer individuellen Wohnungswahl beschränkt, sie müssen sich auf Wohnungen mit bezahlbaren Mietpreisen reduzieren. Diese finden sich meist bei Wohnungsbaugesellschaften, die öffentlich-geförderte Wohnungen mit einem Wohnberechtigungsschein für Geringverdienende vermieten. Diese errichteten meist große Hochhaussiedlungen, abgetrennt von anderen Stadtteilen, in denen der benötigte Platz geschaffen wurde, so genannte Sozialwohnungen. Man kann also sehen, dass die residentiale Konzentration selten eine individuelle Entscheidung seitens der Migranten darstellt, sondern ein Ergebnis einer sozialen Ungleichheit ist. Im Rahmen der Kettenmigration lassen sich Migranten zusätzlich vor allem dort nieder, wo bereits Verwandte, Freunde oder zumindest Landsleute leben. Als Folge dieses Zuzuges der Migranten ziehen allmählich die deutschen Familien aus diesen Gebieten weg, da diese Vorbehalte und negativ behaftete Stereotype gegenüber den Migranten haben, sich diese nicht als Nachbar wünschen und entsprechende Gebiete meiden. Dadurch entsteht eine ethnische Konzentration in einem bestimmten Gebiet, die die Unterschiedlichkeit der anderen Herkunft und Kultur gegenüber den Einheimischen noch zusätzlich verstärkt: „Dies bedeutet, dass ethnische Gruppen nicht nur in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und Einheimischen quantitativ unübersehbar in Erscheinung treten, sondern dass sie durch ihre Konzentration diffuse Gefühle der Bedrohung auslösen“ (Han 2000, S.233).

So lässt es sich auch erklären, weshalb es auch an Schulen zu einer Segregation kommt. Denn meistens besuchen die Kinder aus den genannten Wohngebieten dieselbe Schule des zuständigen Einzugsgebietes. Dies betrifft bereits die Grundschulen, wenn ihr Haupteinzugsgebiet inmitten solch einer Siedlung liegt. So besteht dann ein großer Teil der Schülerschaft aus Kindern mit, meist sogar demselben Migrationshintergrund. Es lässt sich auch beobachten, dass deutsche Familien mit höherem sozial-ökonomischen Kapital solche Grundschulen für ihre eigenen Kinder meiden und Gastschulanträge für andere Grundschulen stellen. Somit konzentrieren sich leistungsschwache Kinder ohne den nötigen Ausgleich von leistungsstärkeren Kindern. Außerdem fehlt so den Kindern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit auch außerhalb der Schule Freundschaften zu deutschen Kindern aufzubauen, so dass sie letztlich innerhalb ihrer eigenen Gruppe spielen. Dasselbe gilt auch für Hauptschulen, an denen sich meist viele Kinder mit Migrationshintergrund sammeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eben auch die Aspekte der residentialen Konzentration und Segregation, herbeigeführt durch den schwächeren sozial-ökonomischen Status der Migrantenfamilien und auch durch eine segregative Wohnungspolitik, eine Ursache für die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im Bildungswesen darstellt.

2.2 Die Sprache der Migrantenkinder

Als zentrale Vorraussetzung für eine gelungene Integration und somit auch unabdingbar für den erfolgreichen Besuch der Schule ist das Beherrschen der deutschen Sprache. Auch die PISA-Studie hat aufgezeigt, dass die Bildungschancen eines Kindes vor allem von seinen Kompetenzen in der deutschen Sprache abhängig sind. Die Dauer des Aufenthaltes und eine Verbesserung des sozial-ökonomischen Status der Familie tragen zu einer besseren Beherrschung der deutschen Sprache bei und erhöhen somit auch die Wahrscheinlichkeit, einen höheren Bildungsabschluss zu erzielen.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, in welchem Ausmaß es Kindern mit Migrationshintergrund möglich ist, die deutsche Sprache zu erlernen. Denn meistens wachsen sie in einem Elterhaus auf, in dem gar nicht oder unzureichend und fehlerhaft deutsch gesprochen wird, so dass weder die eigene noch die deutsche Sprache vollständig gelernt wird. Es besteht die Gefahr, dass diese Kinder in einer „sogenannten doppelten Halbsprachlichkeit“ (Nieke in Lajios 1991, S.19) aufwachsen, d.h. sie lernen weder ihre Muttersprache richtig, noch die deutsche Sprache. Dabei fällt es oft im alltäglichen Gespräch gar nicht auf, dass sie die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen, viele sprechen die deutsche Sprache fließend und akzentfrei, jedoch wird eine „Begriffsarmut und eine desolate Grammatik der deutschen Sprache“ (Lajios/ Kiotsoukis 1984, S.123) festgestellt, „sobald das Gespräch die Ebene der allgemeinen Redewendungen und Sprachschablonen verließ und persönlicher wurde. Verlegen versuchten diese Kinder hilfesuchend auf die Muttersprache zurückzugreifen. Wenn wir dieser Muttersprache mächtig waren, stellten wir auch hier die gleiche Begriffsarmut mit peinlichen Dysgrammatismen fest“(Lajios/ Kiotsoukis 1984, S.123). Aber genau diese Begriffarmut hemmt den Erfolg in der Schule, denn dort können sich Kinder nicht allein in einer Alltags- oder Umgangssprache verständigen, sondern müssen sich mit einer „an der schriftnahen Standardsprache orientierten Fachsprache im Unterricht“ (Siebert-Ott in Auernheimer 2006, S.148) auseinandersetzen, die sie nicht im Elterhaus gelernt haben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bildung und Migration
Untertitel
Über die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungswesen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Erziehungswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Hauptkurs Bildungssoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V84249
ISBN (eBook)
9783638004916
ISBN (Buch)
9783638912488
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Migration, Hauptkurs, Bildungssoziologie
Arbeit zitieren
Natalia Akhabach (Autor:in), 2006, Bildung und Migration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84249

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