Selbtbestimmung und Integration - große Leitziele der Sonderpädagogik?! Inwieweit sind diese in der Wirklichkeit von Menschen mit Autismus verwirklicht? Bei der Beschäftigung mit dieser Personengruppe wird sehr schnell deutlich, dass sie auf Grund ihrer Verhaltensauffälligkeiten noch sehr vielen Vorurteilen schutzlos ausgeliefert sind. Wegen der fehlenden bzw. eingeschränkten verbalen Kommunikationsmöglichkeiten verklingt ihre Stimme oft ungehört. Sie brauchen speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Einrichtungen, die ihnen Hilfe und Unterstützung dabei bieten, sich in der für sie chaotischen Welt zurecht zu finden,um schließlich ihren Platz darin zu finden. Dabei möchten sie nicht bevormundet werden, sondern als gleichwertige Persönlichkeiten mitbestimmen dürfen.
Die vorliegende Arbeit widmet sich diesem Thema und stellt im letzten Teil die Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Autismus in Nürnberg vor. Immer im Mittelpunkt die Fragestellung, inwieweit die Integration und Selbstbestimmung von Menschen mit Autismus gefördert und unterstützt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sonderpädagogische Leitideen in ihrer Bedeutung für das Leben von Menschen mit Behinderung
2.1 Integration
2.2 Normalisierung
2.3 Selbstbestimmung
2.4 Kurze Zusammenfassung
3. Ursachen und Wesensmerkmale des Autismus
3.1 Erscheinungsbild des frühkindlichen Autismus
3.1.1 Wahrnehmung
3.1.2 Kommunikation und Sprache
3.1.3 Motorische Kontrolle und autonome Funktionen
3.1.4 Sozialverhalten
3.1.5 „Inselbegabungen“
3.1.6 Kognition
3.1.7 Selbstverletzende Verhaltensweisen
3.1.8 Kurze Zusammenfassung
3.2 Mögliche Ursachen des frühkindlichen Autismus
3.2.1 Hirnorganische Ursachen
3.2.2 Chemische und biochemische Verursachungstheorien
3.2.3 Genetische Verursachungstheorien
3.2.4 Psychologische und psychogenetische Verursachungstheorien
3.2.5 Theorien im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen
3.2.6 Kurze Zusammenfassung
4. Die Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Autismus in Nürnberg
4.1 Der Personenkreis – beispielhaft dargestellt an drei Biographien
4.1.1 Anna
4.1.2 Michael
4.1.3 Erik
4.2 Tages – und Wochenstruktur
4.3 Das Angebot der Tagesstätte
4.3.1 Kommunikationsorientierte Förderung
4.3.2 Wahrnehmungsorientierte Förderung
4.3.3 Beziehungsorientierte Förderung
4.3.4 Förderung der Selbständigkeit
4.3.5 Einzelförderangebote
4.3.6 Erwachsenenbildung
4.3.7 Heilpädagogisches Reiten
4.3.8 Kurze Zusammenfassung
4.4 Der Arbeitsbereich – ein vielversprechender Anfang auf einem weiten Weg
4.4.1 Praktika
4.4.2 Assistenzdienste
4.4.3 Grenzen der Eingliederung
5. Der Beitrag der Tagesstätte zu einem möglichst normalen und selbstbestimmten Leben
5.1 Integration
5.2 Normalisierung
5.3 Selbstbestimmung
6. Schlussgedanken
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Menschen mit autistischem Verhalten ein weitestgehend normales und selbstbestimmtes Leben führen können, indem sie die pädagogische Arbeit der Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Autismus in Nürnberg analysiert.
- Grundlagen der sonderpädagogischen Leitideen Integration, Normalisierung und Selbstbestimmung.
- Detaillierte Analyse des Erscheinungsbildes und der Ursachen des frühkindlichen Autismus.
- Vorstellung der Konzeption und spezifischer Förderangebote der Tagesstätte in Nürnberg.
- Diskussion von Möglichkeiten und Grenzen der beruflichen Eingliederung von Menschen mit Autismus.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Kommunikation und Sprache
“Not being able to talk doesn`t mean to have nothing to say” Rosemary Crossley, in: Slotta 2002, 74
„A second distinctive feature was noted as the failure to use language for the purpose of communication. In three of the 11 cases, speech failed to develop altogether [S.N.] . The remaining eight rapidly developed a precocity of articulation which, coupled with unusual facility in rote memory, resulted in the ability to repeat endless numbers of rhymes, catechisms, lists of names, and other semantically useless exercises.[…] The repetition of stored phrases while failing to recombine words into the original and personalized sentences gave rise to the phenomena of delayed echolalia, pronominal reversal [S.N.], literalness, and affirmation by repetition” (Kanner 1973, 92). Mit diesen Worten beschreibt Leo Kanner seine Beobachtungen bezüglich der Sprachentwicklung bei den 11 Kindern seiner Erstbeschreibung aus dem Jahre 1943 und spricht damit alle bekannten Phänomene dieses Entwicklungsbereiches an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung der gesellschaftlichen Inklusion von Menschen mit Behinderung und führt in die spezifische Problematik autistischer Menschen ein.
2. Sonderpädagogische Leitideen in ihrer Bedeutung für das Leben von Menschen mit Behinderung: Das Kapitel stellt die theoretischen Fundamente der Integration, Normalisierung und Selbstbestimmung vor.
3. Ursachen und Wesensmerkmale des Autismus: Hier werden das Erscheinungsbild, die verschiedenen Facetten des Autismus sowie aktuelle Forschungsergebnisse zu den Ursachen dargelegt.
4. Die Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Autismus in Nürnberg: Das zentrale Praxiskapitel beschreibt die Struktur, das Förderangebot und die Lebensgeschichten von Besuchern der Einrichtung.
5. Der Beitrag der Tagesstätte zu einem möglichst normalen und selbstbestimmten Leben: Eine kritische Reflexion darüber, wie die Tagesstätte die theoretischen Leitideen in der Praxis umsetzt und wo Grenzen bestehen.
6. Schlussgedanken: Ein resümierender Ausblick auf die Notwendigkeit spezieller Betreuungsangebote für die Lebensqualität autistischer Erwachsener.
Schlüsselwörter
Autismus, frühkindlicher Autismus, Tagesstätte, Integration, Normalisierung, Selbstbestimmung, Gestützte Kommunikation, FC, Wahrnehmungsförderung, Lebenshilfe, Inklusion, berufliche Eingliederung, Sozialverhalten, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit analysiert die pädagogische Arbeit einer Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Autismus in Nürnberg und deren Beitrag zu einem selbstbestimmten Leben der Betroffenen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben den theoretischen sonderpädagogischen Leitideen stehen das Erscheinungsbild des Autismus, die praktische Konzeption der Tagesstätte sowie Herausforderungen bei der Arbeitsmarktintegration im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie autistische Menschen durch gezielte Förderung und die Achtung ihrer Rechte integriert und in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturanalyse zur Theorie des Autismus mit der praxisbezogenen Darstellung einer spezifischen Einrichtung sowie der Auswertung von Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Autismus und eine detaillierte Beschreibung der Tagesstätten-Konzeption, einschließlich konkreter Förderbereiche wie Kommunikation und Wahrnehmung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Autismus, Normalisierung, Integration, Selbstbestimmung, Gestützte Kommunikation (FC) und Erwachsenenbildung.
Warum spielt die Gestützte Kommunikation (FC) eine so große Rolle in der Einrichtung?
Da viele Menschen mit frühkindlichem Autismus über keine verbale Sprache verfügen, bietet FC die einzige Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu äußern und am sozialen Leben mitzubestimmen.
Welche Rolle spielen die Biographien in der Arbeit?
Die Lebensgeschichten von Anna, Michael und Erik dienen dazu, die theoretischen Ausführungen zu personalisieren und die individuellen Bedürfnisse sowie Entwicklungschancen autistischer Menschen zu verdeutlichen.
Wie bewertet die Autorin die Integration von autistischen Menschen in den Arbeitsmarkt?
Sie beschreibt die aktuelle Situation als schwierig, da bestehende Integrationsfachdienste oft nicht auf die speziellen Bedürfnisse autistischer Menschen ausgerichtet sind, was eine Anpassung der Rahmenbedingungen erforderlich macht.
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- M.A. Simone Nuß (Author), 2003, Autismus. Leben so normal und selbstbestimmt wie möglich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84260