Auf den ersten Blick erscheint es paradox, Bewegung, Spiel und Sport in die Asthmabehandlung einzubauen, da stärkere körperliche Aktivitäten bei vielen Asthmatikern zu Anfällen führen können. Diese Angst vor Anfällen hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass besonders Kindern und jugendlichen Asthmatikern von körperlichen Aktivitäten abgeraten wurde. Im letzten Jahrzehnt hat die ärztliche Einstellung gegenüber der Frage „Asthma und Sport?“ einen grundlegenden Kurswechsel vollzogen. Man hat erkannt, dass die klassische Verfahrensweise von Turn- und Sportbefreiungen bei den kindlichen Asthmapatienten eine zusätzliche Einschränkung der Entwicklung des Kindes mit sich bringt. Vielmehr werden Bewegung, Spiel und Sport heutzutage als pädagogisches Mittel eingesetzt, um dem Kind wichtige Ziele der Asthmatherapie zu vermitteln und zugleich die Lebensqualität anzuheben.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, welche Möglichkeiten der Sport dazu bietet und wie diese in der Praxis angewendet werden. Um dieses Ziel zu erreichen ist die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil gegliedert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WAS IST ASTHMA?
2.1 ASTHMADEFINITION
2.2 VERSCHIEDENE ASTHMAFORMEN
2.3 MECHANISMUS DER BRONCHOKONSTRIKTION
2.4 EPIDEMIOLOGIE
2.5 WAS IST ANSTRENGUNGSASTHMA?
2.5.1 Refraktärphase
2.5.2 Running-Through-Phänomen
2.6 WIE ENTSTEHT ANSTRENGUNGSASTHMA?
2.7 ASTHMA UND PSYCHE
2.8 ZUSAMMENFASSUNG
3. DIAGNOSTIK
3.1 ANAMNESE
3.2 KÖRPERLICHE UNTERSUCHUNG
3.3 LUNGENFUNKTIONSDIAGNOSTIK
3.3.1 Tiffeneau-Manöver
3.3.2 Fluss-Volumen-Messung
3.3.2.1 Peak-Flow-Meter
3.3.3 Bodyplethysmographie
3.4. BRONCHOLYSETEST
3.5 BLUTGASANALYSE
3.6 PROVOKATIONSTESTS
3.7 DIAGNOSTIK DES ANSTRENGUNGSASTHMAS MIT HILFE DES LAUFBANDBELASTUNGSTESTS (NACH LECHELER ET AL. 1997)
3.8. ALLERGIEDIAGNOSTIK
3.8.1 Anamnese
3.8.2 Hauttests
3.8.3 Immunologische Tests
3.8.4 Allergenprovokationstests
3.9 ZUSAMMENFASSUNG
4. BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DES ASTHMA BRONCHIALE
4.1. PRÄVENTION
4.2 MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNG DES ASTHMAS
4.2.1. Schleimhautschützende und antientzündlich wirkende Medikamente
4.2.2. Bronchialerweiternde Medikamente
4.2.3. Stufenschema der medizinischen Basistherapie
4.2.4. Darreichungsformen der Medikamente
4.2.5. Medikation und Sport
4.3. DIE ATEMTHERAPIE
4.3.1. Ausatemtechniken
4.3.2. Atemerleichternde Körperstellungen
4.3.3. Hustentechniken
4.3.4. Sekretdrainagen
4.4. ENTSPANNUNGSVERFAHREN
4.4.1. Progressive Muskelentspannung
4.4.2. AUTOGENES TRAINING
4.4.3. Kapitän-Nemo-Geschichten
4.4.4. Biofeedback
4.5. SPORT ALS BEHANDLUNGSMÖGLICHKEIT DAS ASTHMA BRONCHIALE
4.6 THERAPEUTISCHE MAßNAHMEN IN FORM EINES NOTFALLPLANS
4.7. PATIENTENSCHULUNG
4.7.1. Allgemeine Übersicht über Patientenschulungsprogramme
4.7.2. Schulung mit Kindern
4.7.3. Schulung mit Eltern
4.8. ZUSAMMENFASSUNG
5. ASTHMA UND SPORT
5.1 Medizinisch-physiologische Aspekte von Bewegung, Spiel und Sport für Asthmakranke
5.1.1 Kraft
5.1.2 Schnelligkeit
5.1.3 Ausdauer
5.1.4 Beweglichkeit
5.1.5 Koordination
5.2 BEDEUTUNG VON BEWEGUNG, SPIEL UND SPORT FÜR DIE PSYCHISCHE UND SOZIALE ENTWICKLUNG DES ASTHMAKRANKEN KINDES
5.2.1 Die Bedeutung von Bewegung ,Spiel und Sport für die psychische und soziale Entwicklung des Kindes im Allgemeinen
5.2.2 Die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die psychische und soziale Entwicklung asthmakranker Kinder
5.3 Gesundheitsförderung
5.4 ZUSAMMENFASSUNG
6. DIE SPORTTHERAPIE
6.1. VERHALTENSPSYCHOLOGISCHE ZIELE DER SPORTTHERAPIE
6.2 MOTIVATION ZUM UND IM SPORT
6.3. ZUR DIDAKTIK UND METHODIK DES SPORTS MIT ASTHMATIKERN
6.3.1. Methodisch-didaktische Grundlagen
6.3.2. Zur Methodik
6.3.3. Didaktische Konzepte
6.4. RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DIE SPORTPRAXIS
6.4.1. Diagnostik
6.4.2. Sportstätten- und Geländewahl
6.4.3. Peak-Flow-Messung
6.5. DIE PRAXIS DER SPORTTHERAPIE
6.5.1. Aufwärmphase
6.5.2. Belastungsphase
6.5.2.1. Große Spiele
6.5.2.2. Kleine Spiele
6.5.2.3. Turnen an und mit Geräten
6.5.2.4. Gymnastik
6.5.2.5. Laufen
6.5.2.6. Radfahren
6.5.2.7. Schwimmen
6.5.2.8. Skisport
6.5.3. Abklingphase
6.6. STATIONÄRE UND AMBULANTE SPORTTHERAPIEN
6.6.1. Stationäre Sporttherapie
6.6.1.1. Allgemeine Aspekte
6.6.1.2. Ziele
6.6.1.3. Organisation
6.6.1.4. Spezifische Probleme
6.6.2. Ambulante Sporttherapie bei Asthmatikern
6.6.2.1. Allgemeine Aspekte
6.6.2.2. Organisation
6.6.3. Erfolge stationärer und ambulanter Sporttherapien
6.7. ZUSAMMENFASSUNG
7. ASTHMAKRANKE UND SCHULSPORT
7.1 RAHMENBEDINGUNGEN FÜR SCHULSPORT MIT ASTHMAKRANKEN KINDERN
7.2 UNTERRICHTSKONZEPTE IN DER LITERATUR
7.3 BEWERTUNG DER SCHULSPORTLICHEN LEISTUNGEN
7.4 FORTBILDUNG FÜR LEHRER
8. DARSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN EINRICHTUNGEN UND THERAPIEGRUPPEN
8.1 AUGUSTE-VIKTORIA-KLINIK IN BAD LIPPSPRINGE
8.2 „LUFTIKURS“ IM KINDERHOSPITAL OSNABRÜCK
8.3 ASTHMA-SCHWIMMGRUPPE DER DLRG IN BIELEFELD
8.4 ASTHMASPORTGRUPPE DES SC GRÜN-WEISS 1920 E.V. PADERBORN
8.5 „TAK-TIC“ DAS ASTHMASCHULUNGSPROGRAMM DER KINDERKRANKENANSTALTEN GILEAD GGMBH IN BIELEFELD
8.6 PRAKTISCHES BEISPIEL EINER AMBULANTEN ASTHMASPORTSTUNDE
9. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN
9.1 METHODIK
9.1.1. Gründe für das empirische Arbeiten
8.1.2 Das Leitfaden-Interview als Form der Datenerhebung
9.1.3 Auswahl der Experten
9.1.4 Auswahl der Kinder
9.1.5 Auswahl der Lehrer
9.2 DIE EXPERTENINTERVIEWS
9.2.1 Auswertung der Experteninterviews
9.2.2 Diskussion
9.3 DIE KINDERINTERVIEWS
9.3.1 Auswertung der Kinderinterviews
9.3.2 Diskussion
9.4 DIE LEHRERINTERVIEWS
9.4.1 Auswertung der Lehrerinterviews
9.4.2 Diskussion
10. ABSCHLUSSBETRACHTUNG
11. PERSÖNLICHES FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Bewegung, Spiel und Sport bei asthmakranken Kindern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sportliche Betätigung als pädagogisches und therapeutisches Mittel eingesetzt werden kann, um sowohl die physische Leistungsfähigkeit zu verbessern als auch die soziale und psychische Entwicklung der Kinder zu fördern.
- Medizinische Grundlagen von Asthma bronchiale und Anstrengungsasthma.
- Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung, Atemtherapie und Patientenschulung.
- Bedeutung motorischer Hauptbeanspruchungsformen für die Entwicklung asthmakranker Kinder.
- Anforderungen an die Planung und Durchführung einer Sporttherapie unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse.
- Empirische Analyse der praktischen Umsetzung von Sportangeboten in Kliniken und Vereinen.
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Refraktärphase
Es ist möglich, dass bei einem Asthmatiker eine vorangegangene Belastung Einfluss auf die nachfolgenden Belastungsphasen nimmt. Hat ein Asthmatiker während oder nach einer ersten Belastungsphase noch mit einer typischen Bronchokonstriktion reagiert, kann es vorkommen, dass bei einer nachfolgenden Belastung nur geringe oder gar keine Reaktionen auftreten. Der Patient befindet sich in einer sogenannten Refraktärphase, die bis zu zwei Stunden nach der ersten Bronchokonstriktion anhalten kann. In dieser Zeit ist auch die Reaktionsbereitschaft gegenüber anderen Triggern (z.B. Allergene) herabgesetzt.
Die Ursachen der Refraktärphase sind bisher nicht ganz eindeutig geklärt. BAR-OR (1986) und NOLTE (1991) geben als Ursache eine Entleerung der Mediatorensubstanzen aus den sensibilisierten Mastzellen durch die vorangegangene Belastung an.
Eine andere Vermutung erwähnen LECHELER et al. (1997). Sie weisen auf die Bedeutung der Katecholamin-Hormone hin. Das bei körperlicher Belastung verstärkt freigesetzte Adrenalin kann die Atemwegsreaktion nachhaltig im Sinne eines Schutzes vor Obstruktion beeinflussen. Wenn bei der Auswahl der geeigneten Sportart der Aspekt der Motivation und des altersgerechten Angebotes berücksichtigt wird, kann die „Schutzwirkung“ des Adrenalins am besten erreicht werden (LECHELER et al. 1997).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung skizziert den Paradigmenwechsel vom Sportverbot hin zum pädagogischen Einsatz von Sport als Mittel zur Asthmatherapie und stellt das Ziel der Arbeit vor.
2. WAS IST ASTHMA?: Dieses Kapitel definiert Asthma bronchiale medizinisch, erläutert verschiedene Asthmaformen, den Mechanismus der Bronchokonstriktion und geht auf die psychosozialen Aspekte sowie die Epidemiologie ein.
3. DIAGNOSTIK: Hier werden verschiedene diagnostische Verfahren wie Anamnese, Lungenfunktionstests und Provokationstests vorgestellt, um eine sichere Asthmadiagnose zu ermöglichen.
4. BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DES ASTHMA BRONCHIALE: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Präventionsmaßnahmen, medikamentöse Therapien, Atemtherapie, Entspannungsverfahren und die Bedeutung der Patientenschulung.
5. ASTHMA UND SPORT: Der Fokus liegt hier auf den medizinisch-physiologischen Aspekten der fünf motorischen Hauptbeanspruchungsformen und der Bedeutung von Sport für die psychische und soziale Entwicklung asthmakranker Kinder.
6. DIE SPORTTHERAPIE: Dieser Abschnitt behandelt verhaltenspsychologische Ziele, didaktisch-methodische Konzepte, notwendige Rahmenbedingungen sowie die praktische Durchführung von Sportstunden.
7. ASTHMAKRANKE UND SCHULSPORT: Hier werden die spezifischen Rahmenbedingungen, Anforderungen an Lehrer sowie Konzepte für den Sportunterricht an Schulen thematisiert.
8. DARSTELLUNG DER VERSCHIEDENEN EINRICHTUNGEN UND THERAPIEGRUPPEN: Dieses Kapitel stellt fünf konkrete Einrichtungen und Therapiegruppen vor, die im Raum Bielefeld, Osnabrück und Paderborn besucht wurden.
9. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN: Hier werden die Ergebnisse der durchgeführten Experten- und Kinderinterviews sowie der Lehrerinterviews ausgewertet und diskutiert.
10. ABSCHLUSSBETRACHTUNG: Eine zusammenfassende Reflexion über die zentralen Ergebnisse der Arbeit, die sich aus der Verbindung von Theorie und praktischer Analyse ergeben haben.
11. PERSÖNLICHES FAZIT: Die Autoren ziehen ein persönliches Fazit über den Lernprozess während der Erarbeitung dieser schriftlichen Hausarbeit.
Schlüsselwörter
Asthma bronchiale, Anstrengungsasthma, Sporttherapie, Patientenschulung, Koordinationstraining, Ausdauertraining, Atemtechniken, Lippenbremse, körperliche Belastung, Kindesentwicklung, Schulsport, Prävention, Kindergesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der pädagogischen und therapeutischen Begründung von Bewegung, Spiel und Sport für asthmakranke Kinder, inklusive einer Analyse praktischer Beispiele.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die medizinischen Grundlagen von Asthma, Therapiemöglichkeiten, die Bedeutung des Sports für die kindliche Entwicklung sowie die Umsetzung in Schule und Sporttherapie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sport als pädagogisches Mittel genutzt werden kann, um Kindern mit Asthma zu helfen, und wie diese Ansätze erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse wird eine empirische Untersuchung mittels Leitfaden-Interviews mit Experten, Lehrern und betroffenen Kindern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Methoden der Sporttherapie, Aspekte des Schulsports sowie eine Darstellung konkreter Einrichtungen und Therapiegruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Asthma bronchiale, Sporttherapie, Patientenschulung, motorische Fähigkeiten und die psychosoziale Entwicklung betroffener Kinder.
Warum ist die Einbeziehung der Eltern in die Therapie so wichtig?
Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention und der medikamentösen Einstellung. Schulungen helfen ihnen, Ängste abzubauen und als "Co-Therapeuten" zu agieren.
Ist Sport trotz Anstrengungsasthma für betroffene Kinder sicher?
Ja, unter Einhaltung bestimmter Rahmenbedingungen und bei optimaler medizinischer Einstellung ist Sport sogar ausdrücklich erwünscht, um die Leistungsfähigkeit zu steigern und die Belastungsgrenze zu erhöhen.
- Quote paper
- Michael Webb (Author), Sandra Plöger (Author), 1999, Bewegung, Spiel und Sport mit asthmakranken Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8429