Die türkische Landwirtschaft zwischen Subsistenz und Weltmarkt


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Physische Bedingungen
1. Klima
2. Böden
3. Relief

III. Anbauregionen
1. Schwarzmeerregion
2. Mediterrane Anbaugebiete
3. Westliches Binnenland und tiefes Südostanatolien
4. Gebirge und Becken d. Osttürkei

IV. Politisch- gesellschaftliche Bedingungen
1. Historisch
2. Struktur der Agrarbetriebe
3. Allgemeiner politischer Einflus
4. MEYSEB Projekt
5. GAP

V. La edeutung für die türkische Wirtschaft

VI. Ausblick

Anhang: Literaturverzeichni

I. Einleitung

Die Türkei ist ein Land der Gegensätze, landschaftlich, kulturell, aber auch wirtschaftlich. Einen Teilaspekt hiervon, die Landwirtschaft, soll vorliegende Arbeit näher beleuchten. Erkenntnisleitendes Moment wird die Frage sein, ob und wie sich der türkische Agrarsektor in einem zunehmend liberalisierten Markt behaupten kann. Welche Auswirkungen haben Modernisierung und staatliche Eingriffe auf die Landwirtschaft allgemein, aber auch für den Arbeitsmarkt? Kann der Spagat zwischen Subsistenz und Weltmarkt auch weiterhin gelingen oder muss das Pendel zugunsten einer Seite ausfallen?

Um diese – im Rahmen der EU Beitrittsgespräche immer wichtiger werdenden – Fragen angemessen beantworten zu können, sollen im zweiten Kapitel zuerst die physischen Bedingungen der Landwirtschaft in der Türkei kurz umrissen werden, bevor die einzelnen Anbauregionen in ihrer jeweiligen Spezifikation untersucht werden (Kapitel III). Hernach wird die historische Entwicklung der Landwirtschaft vorgestellt, um daraus die heutige Struktur der Agrarbetriebe erklären zu können. Zudem wird der allgemeine politische Einfluss sowie dessen extremste Form, die integrative Entwicklung ganzer Regionen auf seine Auswirkung für Bevölkerung und Umwelt diskutiert (Kapitel IV). Anschließend soll anhand wichtiger Daten die Bedeutung der Landwirtschaft für die Türkei bemessen werden (Kapitel V), ehe abschließend ein Ausblick vor dem Hintergrund des möglichen EU Beitritts gewagt wird.

II. Physische Bedingungen

Für die Agrarwirtschaft sind insbesondere drei Faktoren von immenser Bedeutung, um die Gunst eines Raumes zu bemessen: Erstens das Klima, zweitens die Böden und drittens das Relief, welchem in der gebirgigen Türkei eine ungewöhnlich große Rolle zukommt.

1. Klima

Zum einen nimmt die Kontinentalität von West nach Ost zu, d.h. die Temperaturschwankungen und -extrema sind im Osten wesentlich größer, zudem nehmen die Niederschläge deutlich ab.[1] Zum anderen ist der Norden immerfeucht, wohingegen der Süden sein Niederschlagsmaximum im Winter hat und schon im winterkalten Binnenland die Sommer trocken sind.[2]

Nachteilig auf die Landwirtschaft wirken sich die alljährlich auftretenden extremen Witterungssituationen aus. Starkregenfälle führen zu Bodenabwaschungen, Frostperioden führen zu Ernteausfällen und fehlende Niederschläge verursachen Dürre.[3] Einschränkend muss allerdings angemerkt werden, dass diese „hazards“ zumeist regional beschränkt sind und keineswegs landesweite Auswirkungen haben. Jedoch verhindern diese vor allem für die kleinen Betriebe eine bessere Planungssicherheit und können damit eine existentielle Bedrohung sein.[4]

2. Böden

An der Schwarzmeer- und der Mittelmeerküste sind mediterrane Braunerden und Terra Rossa vorherrschend. Zwar sind sie humusarm und trocknen an der Oberfläche schnell aus, doch ist durch ihre Mächtigkeit (über 1 m) eine ausreichende Wasserversorgung der Pflanzen gegeben, weshalb sie ausreichend fruchtbar sind und relativ gut genutzt werden können. Im Hinterland des westlichen Küstenstreifens herrschen Rendzinen vor. Vermutet wird, dass diese Kalkrohböden die Vorläufer der Terra Rossa sind. Im Osten herrschen saure Braunerden vor. Jene sind zwar für Ackerbau gut nutzbar, doch verhindert die geringe Mächtigkeit an den Hängen der Gebirge eine optimale Nutzung, so dass nur vermittels ausgefeilter Techniken (Terrassierung; Bewässerung) intensive Landwirtschaft betrieben werden kann. Das Binnenland wird von großflächigen Halbwüstenböden eingenommen. Hier ist nur extensive Landwirtschaft möglich. Ebenso finden sich als regionale Vorkommen Salzböden welche für jede landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet sind.[5]

3. Relief

Nach Höhfeld ist 90 % der Türkei Gebirgsland.[6] Wenn man auch über diese Klassifizierung streiten kann, so ist doch klar, dass das Relief insbesondere für den Ackerbau ein großes Problem ist, da das Relief sehr unruhig ist. Maschinen können schlecht eingesetzt werden, da die Anbauflächen zu gering sind bzw. eine zu große Steilheit aufweisen. Deshalb werden vor allem die zahlreichen Plateaus („Yayla“) und Senken („Ova“) intensiv ackerbaulich genutzt. Letztere sind zudem oft mit Seen gefüllt, wodurch eine natürliche Tränke für Vieh gegeben ist.

Insgesamt betrachtet ist die Türkei dennoch fast flächendeckend ackerbaulich nutzbar, auch wenn das Relief eine Intensivierung nur in gewissem Maße und mit hohen Arbeitseinsatz möglich macht. Hütteroth und Höhfeld ist unbedingt zuzustimmen, wenn sie anführen, dass die Agrarlandschaft „großräumig durch das Klima, regional und lokal durch das Relief und letztlich durch unterschiedlich fortgeschrittene Entwicklungsprozesse“ gestaltet wird.[7] Inwieweit über diese Faktoren regional unterschiedliche Landschaften geprägt wurden, soll im folgenden Kapitel aufgezeigt werden.

III. Anbauregionen

1. Schwarzmeerregion

Aufgrund des bevorzugten Klimas ist der Streifen entlang des Schwarzen Meeres ganzjährig grün. Bewässerung ist daher auch nicht notwendig, wird aber vor allem im Hinterland dennoch betrieben, um eine höhere Produktivität zu erreichen. So wird auch an Hängen mit bis zu 30° Neigung Ackerbau betrieben, was andernorts wegen der Geringmächtigkeit der Böden in Kombination mit den nicht ganzjährigen Niederschlägen nicht möglich ist. Jedoch sind auch entlang der Schwarzmeerküste manche Hänge der Bodenabspülung zum Opfer gefallen, sodass dort weder Viehzucht noch Ackerbau betrieben werden kann.[8] Der Grund für die Nutzung ungünstiger Hangacker- bzw. weideflächen liegt hauptsächlich in dem enorm gestiegenen Bevölkerungsdruck der Nordflanke des Pontischen Gebirges.[9]

Bekannt ist die Schwarzmeerregion insbesondere für seine Haselnussplantagen. Die Türkei ist Weltmarktführer bei Haselnüssen[10], welche eine hohe Arbeitsintensität erfordern, da sie nicht maschinell gepflückt werden können. Neben den Haselnüssen hat sich auch ein beachtlicher Teeanbau entwickelt. Tee wird erst seit den 1920 er Jahren angebaut, ursprünglich um dem Konsum von Kaffee in den Meinungsbildern „Kaffeehaus“ entgegen zu wirken. Dies hat sich natürlich nicht ausgezahlt, da die Treffpunkte erhalten blieben, auch wenn sich das Konsumgut verändert hat. Als Auswirkung dieser Politik hat der Tee aber insbesondere um Rize im Nordosten für die Bevölkerung eine existenzielle Rolle als Beschäftigungsfeld eingenommen.[11] Bei Samsun hat sich ein regionales Zentrum für Tabakanbau und –verarbeitung entwickelt, welches aber durch den globalen Geschmackswechsel hin zu Virginia Tabaken mit Absatzproblemen zu kämpfen hat.[12] Für die Versorgung der Bevölkerung spielt Mais neben dem traditionellen Weizen eine große Rolle. Je feuchter die Sommer sind, desto dominanter ist der Mais, in den östlichen Provinzen der Schwarzmeerregion nimmt er zumeist über drei Viertel der bestellten Ackerflächen ein. Neuerdings werden auch Kartoffeln angebaut, insbesondere in der Region um Adapazari, wo allgemein eine extrem hohe Vielfalt an Früchten angepflanzt werden (v.a. Gemüse), nicht zuletzt wegen der günstigen Verkehrslage und der damit guten Erreichbarkeit großer Absatzmärkte (Fernverkehrsstraße Istanbul- Ankara). Aus demselben Grund ist in dieser Region die Milchviehhaltung sehr beliebt.[13]

2. Mediterrane Anbaugebiete

Im Gegensatz zur Schwarzmeerregion sind die mediterranen Anbaugebiete wesentlich extensiver. Lediglich die Ovas werden intensiv genutzt, bilden bei dem allgemein niedrigen Anteil der kultivierten Fläche von etwa 20 % nicht das prägende Element. Wie in allen traditionellen Agrarlandschaften des Mittelmeerraumes basiert die Landwirtschaft auf Weizen, Wein und Ölbaum. Für diese ist keine Bewässerung notwendig, ebenso wie für die einheimische Baumwolle, welche für den Eigenbedarf genutzt wird. Neben Feigen-, Maulbeer-, Grantäpfel-, und Walnussbäumen in Dorfnähe wird der Ölbaum gerne an Hanglagen gepflanzt, da andere Feldfrüchte aufgrund der geringen Bodenmächtigkeit dort nicht wachsen. Unter ihnen grast häufig das Vieh, dessen Futterbedarf oftmals aber nur sehr schwer zu befriedigen ist.

In den intensiv genutzten Ovas mit ihren tiefgründigen Böden und guter Bewässerungsmöglichkeit aus Grundwasser stehen heute häufig Hochleistungsbaumwollkulturen in Monokultur. Diese Plantagen haben allerdings neben dem guten Devisengewinn auch zahlreiche Probleme mit sich gebracht. So sinkt der Ertrag ohne Pestizideinsatz rasch ab, da die Schädlinge sich rasch vermehren können. Zudem leidet der Boden unter der sehr einseitigen Nutzung und muss häufig und intensiv gedüngt werden. Darüber hinaus ist die allgemeine Versumpfung in den Ovas eine Gefahr für den Anbau. Dem Auftreten von Malaria konnte durch zunehmend bessere Drainageanlagen glücklicherweise schon in den 1920er Jahren Einhalt geboten werden, ohne das Versumpfungsproblem jedoch vollständig lösen zu können.[14] Regional haben sich in den Ovas jeweils Spezialkulturen herausgebildet, die entweder im großen Stil für den Binnenmarkt oder als Exportprodukte dienen. Im Gebiet um Izmir herrscht Gemüseanbau vor, während beispielsweise um Alanya und Gazipasa Zitrusfrüchte und gar Bananen angebaut werden können. Das wichtigste Anbaugebiet im mediterranen Raum ist jedoch die Cukurova mit dem Zentrum Adana, wo zwar auch heute noch die Baumwolle dominiert, im Rahmen des MEYSEB Projektes aber auch Gemüse und Zitrusfrüchte eine immer wichtigere Rolle spielen (vgl. Kapitel IV.4).

[...]


[1] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 73.

[2] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 79, 80.

[3] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 73.

[4] Zum Klima der Türkei vgl. die Ausarbeitung von Herr Sennekamp zu diesem Seminar.

[5] Diercke, 1988: 119.

[6] Höhfeld, 1995: 19.

[7] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 229.

[8] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 229.

[9] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 229.

[10] Höhfeld, 1995: 115.

[11] Höhfeld, 1995: 117.

[12] Höhfeld, 1995: 116.

[13] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 232.

[14] Hütteroth/ Höhfeld, 2002: 232.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die türkische Landwirtschaft zwischen Subsistenz und Weltmarkt
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Kulturgeographie)
Veranstaltung
Regionales Proseminar: Türkei
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V84300
ISBN (eBook)
9783638005111
ISBN (Buch)
9783638912587
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
U.a. Vorstellung des MEYSEB Projekt und des GAP Projektes.
Schlagworte
Landwirtschaft, Subsistenz, Weltmarkt, Regionales, Proseminar, Türkei, Subsistenzwirtschaft
Arbeit zitieren
Johannes Ohnmacht (Autor), 2005, Die türkische Landwirtschaft zwischen Subsistenz und Weltmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84300

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