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Eine Dekade macht eine neue Welt

Politische und gesellschaftliche Veränderungen in der Türkei und Deutschland und ihre Einflüsse auf die Protagonisten der Romane „Die Tochter des Schmieds“ und „Die Brücke am goldenen Horn“

Title: Eine Dekade macht eine neue Welt

Seminar Paper , 2007 , 23 Pages

Autor:in: Klaus Esterluß (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Meine Tochter, du hast dir wahrscheinlich in Deutschland den Kopf erkältet.“

Zwei Romane, zwei Biografien, zwei grundlegend verschiedene Welten. „Die Tochter des Schmieds“ und „Die Brücke vom goldenen Horn“ beschreiben eine Epoche in der Entwicklung der Türkei bzw. Deutschlands, die weit kürzer als eine Generation ist. Alles spielt sich innerhalb weniger Jahre ab und dennoch sind die Veränderungen so massiv, dass sie zwei Gastarbeiterinnen entstehen lassen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Schüchtern, devot die eine (Gül), aufrührerisch, mutig die andere (Emine). Es geht in dieser Arbeit nicht darum, eine Geschichte der Türkei oder Deutschlands zu bieten. Natürlich werden relevante Momente nicht nur eine Erwähnung finden. Es geht darum, diese Momente anhand des Roman-Textes zu suchen, zu finden und zu betrachten. Ereignisse, die Gül erlebt, von denen sie hört, bedingen andere Ereignisse, in die Emine sozusagen eingreift, die sie körperlich miterlebt. Beide Bücher zusammengenommen bilden zwei Zeitstrahlen in der Geschichte zweier Länder. Jedes auf seine, jede Hauptfigur auf ihre Weise, jede mit ihrem eigenen Ziel. Verbunden sind sie trotzdem. Sogar sehr eng. Wie – das soll diese Arbeit zeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Kurze historische Einordnung

2.1. Versuchte Demokratie

2.2. Rotationsprinzip

3. „>>Sei nicht so á la Turca.<<“

4. Zusammenfassung

5. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die politischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozesse in der Türkei und Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren und deren Einfluss auf die Biografien zweier Gastarbeiterinnen, dargestellt anhand der Romane „Die Tochter des Schmieds“ und „Die Brücke am goldenen Horn“.

  • Historische Einordnung der soziopolitischen Lage in der Türkei und der Bundesrepublik.
  • Analyse der Gastarbeiter-Thematik unter Berücksichtigung des Rotationsprinzips.
  • Gegenüberstellung der unterschiedlichen Lebenswege und Emanzipationsprozesse von Gül und Emine.
  • Betrachtung der kulturellen und politischen Einflüsse auf die Protagonistinnen in ihren jeweiligen Umfeldern.

Auszug aus dem Buch

3. „>>Sei nicht so á la Turca.<<“

Im Gegensatz zu Emine wird Gül wird nachgeholt. Leicht ist der Weg nach Deutschland für sie nicht. Sie geht erst, als alle, die ihr Leben sind, sie gewissermaßen verlassen haben. Fuat, ihr Mann ist schon vorgegangen. Auch wenn sie ihn kaum lieben kann, so gebieten ihr doch Erziehung und Tradition, sowie ihre Unselbstständigkeit und Unsicherheit, ihm nachzufolgen. Auch ihre Freundin, einer der wenigen Menschen, die sie an sich heran läßt, Suzan, ist in Deutschland, nicht mehr also in ihrer nahen (und wichtigen) Umgebung, sie wurde ebenfalls von ihrem Mann nachgeholt. „Murat möchte dort bleiben, für immer, wenn es geht. Er will nie wieder in die Türkei zurück, in dieses Land von Halsabschneidern, wie er sagt.“ Aber auch ihre Familie, ihre Mutter und Schwestern haben sie verlassen. Die Mutter starb, als Gül Kind war, die Schwestern in Richtung verschiedener Internate. Einzig ihr Vater bleibt. Von ihrer zweiten Familie, Schwiegereltern, Stiefmutter, kann sie nicht von einer großen Bindung sprechen. Was hält Gül also? - Sicher, auch Deutschland wird ihr nicht zur Heimat werden, die bleibt die Türkei, das Städtchen in dem sie groß wurde, da, wo ihr Vater ist und ihre Schwestern sind. Deshalb hält auch sie am Glauben des 'Ein-Jahr-Bleiben' fest. „Es soll nur für ein Jahr sein, ein weiteres Jahr, in dem sie zu zweit Geld verdienen wollen.“ Doch die Ersparnisse reichen nicht nach einem Jahr. „Sie werden sehr lange nicht reichen, jahrelang, und wenn er schließlich ein eigenes Haus hat bauen lassen, ein mit europäischen Toiletten, mit Wannenbad und Heizung, mitten in der Stadt, in der er aufgewachsen ist, werden sie fast vergessen haben, daß sie zurückkehren wollten in die Türkei. Längst werden sie ihre Töchter nachgeholt haben, die in Deutschland aufwachsen, dort zur Schule gehen, heiraten und Kinder kriegen werden. Sie werden ihre Rückkehr so lange immer wieder in eine unbestimmte Zukunft verschoben haben, bis sie selbst nicht mehr daran glauben, bis sie sich schließlich eingestehen, dass sie wahrscheinlich für immer in Deutschland bleiben werden, bei ihren Kindern und Enkeln.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführung in die thematische Gegenüberstellung zweier Romane und der Biografien ihrer Protagonistinnen im Kontext von Migration und gesellschaftlichem Wandel.

2. Kurze historische Einordnung: Historische Kontextualisierung der Türkei der Post-Atatürk-Ära und Analyse der bilateralen Arbeitskräfteabkommen im Rahmen des Rotationsprinzips.

2.1. Versuchte Demokratie: Untersuchung der innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen sowie der soziokulturellen Spannungen in der Türkei.

2.2. Rotationsprinzip: Analyse der theoretischen vs. praktischen Umsetzung der Arbeitsmigration zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland.

3. „>>Sei nicht so á la Turca.<<“: Detaillierter Vergleich der Integrationserfahrungen, Lebensumstände und individuellen Emanzipationsprozesse von Gül und Emine.

4. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über die Verflechtungen der beiden Länder und die prägenden Erfahrungen der Protagonistinnen in einer turbulenten Dekade.

5. Literatur: Auflistung der für die Analyse verwendeten wissenschaftlichen und literarischen Quellen.

Schlüsselwörter

Gastarbeiter, Migration, Türkei, Deutschland, Emanzipation, Identität, Sozioökonomie, 1960er Jahre, 1970er Jahre, Literaturanalyse, Rotationsprinzip, Modernisierung, Kulturwandel, politische Entwicklung, gesellschaftlicher Umbruch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in der Türkei und Deutschland auf die Biografien zweier weiblicher Protagonisten aus zeitgenössischen Romanen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Arbeitsmigration, Integrationsprozesse, der Wandel von Traditionen im Kontext der Moderne sowie die politische und gesellschaftliche Lage der Türkei und Deutschlands in den 60er und 70er Jahren.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, anhand der Romanfiguren Gül und Emine nachzuvollziehen, wie die massiven gesellschaftlichen Veränderungen in den jeweiligen Heimat- und Gastländern unterschiedliche Lebenswege und Emanzipationsprozesse bedingten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse in Verbindung mit einer historischen Einordnung und einem soziologischen Vergleich der jeweiligen Lebensumstände der Protagonistinnen angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Einordnung (Demokratiebestrebungen, Rotationsprinzip) sowie der detaillierten Gegenüberstellung der Lebenswelten von Gül und Emine, inklusive ihrer Wahrnehmung von Modernisierung und persönlicher Entwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gastarbeiter, Migration, Emanzipation, Identitätsfindung, deutsch-türkische Beziehungen und gesellschaftlicher Wandel.

Warum unterscheiden sich Gül und Emine in ihrer Entwicklung so stark?

Während Gül stark durch traditionelle Strukturen und eine ländliche Prägung geformt ist, taucht Emine in das urbane, politisch aufgeladene Umfeld Berlins ein, was ihr durch die Teilnahme an sozialen Bewegungen andere Emanzipationsspielräume eröffnet.

Welche Rolle spielt das Rotationsprinzip in der Arbeit?

Das Rotationsprinzip wird als ein theoretisches politisches Konstrukt dargestellt, das in der Praxis scheiterte, da die meisten Gastarbeiter, entgegen der ursprünglichen Planung, längerfristig oder dauerhaft in Deutschland blieben.

Wie beeinflussen die Medien die Protagonistinnen?

Medien wie Radio, Kino und Zeitungen dienen als Informationsquellen und Impulsgeber, wobei Emine durch die politische Berichterstattung in Berlin stärker in einen Prozess der Politisierung und Selbstfindung einbezogen wird als die in traditionellen Mustern verbleibende Gül.

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Details

Title
Eine Dekade macht eine neue Welt
Subtitle
Politische und gesellschaftliche Veränderungen in der Türkei und Deutschland und ihre Einflüsse auf die Protagonisten der Romane „Die Tochter des Schmieds“ und „Die Brücke am goldenen Horn“
College
University of Potsdam
Course
Türkische Literatur
Author
Klaus Esterluß (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V84342
ISBN (eBook)
9783638005272
ISBN (Book)
9783638912648
Language
German
Tags
Eine Dekade Welt Türkische Literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Klaus Esterluß (Author), 2007, Eine Dekade macht eine neue Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84342
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